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Peter-Petersen Gymnasium
Klasse 11.3
Juni 1997/ Barockprojekt 2000
Referat: Heiko Danisch



Der dreissigjährige Krieg (1618-1648)

Vorwort und Themen

Wenn man vom 30jährigen Krieg spricht, denkt man meist an einen Krieg, der sich über drei Jahrzente hinzog. Doch das ist ein Irrtum, denn der Zeitraum vom 23. Mai 1618 bis zum 24. Oktober 1648 war von mindestens 13 Kriegen und 10 Friedensschlüssen bestimmt. Während es sich bei vorrangegangenen Kriegen meist um einzelne Schlachten handelte, die wenig Einfluß auf die Zivilbevölkerung nahmen, änderte der 30jährige Krieg das Bild des „klassischen" Krieges grundlegend. Auch handelt es sich beim 30jährigen Krieg nicht um eine rein deutsche „Angelegenheit", sondern viel mehr um einen innnereuropäischen Konflikt auf deutschem Boden. Schweden, Franzosen, Spanier, Niederländer und nicht zuletzt auch Deutsche tummelten sich auf den zahlreichen Schlachtfeldern. Die Ziele waren eindeutig, doch vermochten finanzielle Aspekte meist mehr Überzeugungskraft zu vermitteln als Glaube, Konfession, Religion. Deutsche schlugen Deutsche, Freunde töteten Freunde, Verwande plünderten Verwande, Söhne betrugen Väter und immer war es die Religion die als Vorwand vor territoriale Ansprüche, Macht- Geldgier, Rachsucht oder einfach Hunger gestellt wurde. So weitete sich der Krieg schnell von den Schlachtfeldern auf die Städte, Dörfer und Gemeinden aus, und führte letztendlich zu einem allgemeinen Chaos in ganz Deutschland- der allererste Vernichtungskrieg in der Geschichte der Menschheit.

Erste Station: Der Weg in den Krieg

Der Krieg hatte viele Ursachen. Armut und Hunger trieben die Bevölkerung in Verzweiflung.

Konfession, Religion waren an einem Scheideweg angelangt und verstrickten sich immer mehr in eine ausweglose Situation. Das politische System war am zusammenbrechen. Der Bruch des Abkommens vertiefte noch den Krater. Die zwei Bündnisse, die sich daraufhin bildeten, schotteten sich gegenseitig ab.Und schließlich scheiterte der letzte Versuch einen Krieg zu vermeiden.

Armut und Hunger

In den 70er Jahren des 16. Jahrunderts ereignet sich das, was wir heute allgemein als die „kleine Eiszeit" bezeichen, ein nicht unerheblicher Klimaumschwung, der eisige Winter und feuchte Sommer zur Folge hat. Die daraus resultiernden Missernten wirken sich brutal auf die Bevölkerung aus. Geringe Ernteerträge führen in ganz Europa zu langanhaltenden Hungersnöten und schliesslich zu einer Verarmung der Zivilbevölkerung. Das Deutsche Reich wird besonders schwer getroffen, denn die „liberalen" Bedingungen die die Protestanten, seit der Unterzeichnung des Religionsfriedens, in Deutschland vorfinden, ziehen viele Einwanderer aus anderen Staaten an, und führen in den Jahren 1570 bis 1618 zu einem Anstieg der Bevölkerung von 15- auf 19 Millionen. Hohe Anteile des bürgerlichen Einkommens müssen für den Kauf von Grundnahrungsmitteln, wie Brot, Milch und Eiern,aufgewendet werden. Die damit ausbleibenden Mittel für andere Güter treiben viele Handwerker in den Ruin. Dagegen verhelfen die horrend steigenden Preise für Getreide den Grundherren, Großbauern, Müllern, Händlern und Bäckern zu immensem Reichtum- der Krater zwischen arm und reich vertieft sich zusehends.

Konfession, Religion

Der Versuch der Menschen, Trost und Halt bei den Kirchen zu finden scheitert, denn Kirchenobrigkeit und Papst verweisen auf die Apokalypse und sehen in der Not eine Strafe Gottes und das baldige Ende der Menschheit.

Die religiöse Welt in Deutschland ist nach der Unterzeichnug des Augsburger Religionsfriedens im Jahre 1555 gespalten. Zwar wird das Nebeneinander der zwei Konfessionen geregelt, doch tauchen hierdurch auch neue Probleme auf. Den Fürsten wird die Macht gegeben die Angehörigkeit ihrer Untertanen frei zu bestimmen. Dem Kaiser jedoch bleiben deshalb keine kirchenpolitische Kompetenzen mehr. Den Untertanen, die mit der Konfession in ihrem Land unzufrieden sind, bleibt nur die Auswanderung als einzige Alternative. Da die zentrale Frage der theologischen Wahrheit durch den Kompromiss des Religionsfriedens nicht geklärt wird, wächst die Rivalität der Staaten auf deutschem Boden stetig an. Die Länder schotten sich gegeneinander ab, rüsten auf, verbessern ihr Bildungswesen, um jeweils die „wahre" Lehre verbreiten zu können, und im Erstfall den Rivalen gewachsen zu sein. Im Laufe der Zeit kristalisiert sich die Bildung zweier Fronten heraus: die katholische und die evangelische Seite. Dem Kaiser ist es zu verdanken, dass es zunächst nicht zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den beiden kommt. Ihm fällt die Rolle des Vermittlers zu. Doch die Spannung erreicht ein unerträgliches Level, als der Unparteiische plötzlich parteiisch wird, und sich mehr zur katholischen Seite hingezogen fühlt. Um dieses Zünglein an der Waage genauer verstehen zu können muss man sich das politische System des Deutschen Reiches etwas näher zu Gemüte führen.

Das politische System

Das Deutsche Reich ist eine Zweckgemeinschaft autonomer Stände, Staaten und Städte unter der Lehens- und Oberhoheit des Kaisers, der die staatlichen Aufgaben finanziert, die sich die einzelnen Staaten nicht leisten können. Hierzu gehören vornehmlich die Aussenverteidigung, Friedens- und Rechtswahrung des Landes. Mit dem Kaiser in der Mannschaft besitzt man somit auch den wichtigsten und mächtigsten Spieler, den Schüssel zum Sieg.
Durch den Umschwung kommt es zum Konflikt.

Bruch des Abkommens

Der Stein des Anstosses ist die Stadt Donauwörth, in der es eine protestantische Mehrheit gibt. Die Protestanten geben sich mit einer Mehrheit aber nicht zufrieden und wollen die gesammte Macht, sie verbieten kurzerhand im Stadtrat die Prozession eines katholischen Klosters, das seinen Sitz in der Stadt hat. Obwohl der Kaiser sein Veto einlegt und die Prozession doch genehmigt, verhindern sie diese mit Waffengewalt. Der Kaiser ist dadurch so verärgert, dass er die Stadt Donauwörth in die Reichsacht nimmt und den katholischen Herzog Maximilian von Bayern die Exekution überträgt. Da die Exekution aber in den Zuständigkeitsbereich des in diesem Staate ansässigen evangelischen Herzogs von Würtemberg gefallen wäre, ist das Faß am Überlaufen. Kleinere evangelische Städte und Staaten fühlen sich vom Kaiser im Stich gelassen und fordern auf dem Regensburger Parteitag (1608) die Bestätigung des Religionsfriedens. Der Kaiser sieht in seinem Handeln aber keineswegs einen Verstoß und dreht den Spieß um, indem er der protestantischen Seite einen Vertragsbruch vorwirft. Die protestantische Bewegungspartei, an deren Spitze die kurpfälzische und kurbrandenburgische Delegation steht, verläßt daraufhin den Reichstag. Das wichtigste Ausgleichsorgan der Reichsverfassung ist lahmgelegt.

Die zwei Bündnisse

Im gleichen Jahr noch bilden die protestantischen Staaten ein Bündnis, um Interessen gegen den fast übermächtigen Gegner zu wahren: die Protestantische Union.
Ein Jahr später rottet sich die katholische Seite unter der Führung Maximilians des Herzogs von Bayern ebenfalls zu einem Bündnis zusammen, das den Namen Katholische Liga bekommt.
Die Union führt bald darauf Verhandlungen mit dem Ausland. Ihr gelingt es Bündnisverträge mit England (1612) und den Niederlanden (1613) sowie Absprachen mit Frankreich, Savoyen und Schweden zu machen. Jedoch wird der positive Anschein der Gemeindschaft nicht lange gewahrt. Zu verschieden sind die Ansichten und Ansprüche der Mitglieder. Es kommt zu ernsten internen Problemen, die eine ganze Reihe von Austritten zur Folge haben: die Fürsten fühlen sich unzureichend vertreten. So bestätigt sich auf dem Unionstag (1617) das, was ohnehin schon klar war: die Union ist militärisch und politisch handlungsunfähig.
Die Katholische Liga hingegen bleibt von solchen Ungereimtheiten weithin gefeit. Die Interessen der Bündnisgenossen scheinen sich im großen und ganzen zu decken. Die finanzielle Lage ist durch die päpstlichen Subventionen auch mehr als zufriedenstellend und mit der einheitlichen Führung, in der Person Maximillians, scheint auch jeder einverstanden zu sein. Die Liga wirkt im ganzen kompakter als die Union und macht deutlich, dass sie den Aufgaben und Konflikten der Zukunft gewappnet ist.
Beide Seiten trauen sich alles zu und rüsten sich für baldige Konflikte.

Der letze Versuch

Im Jahre 1618 beruft der Kaiser die Konfliktparteien, zum erneuten Male in den Reichstag nach Regensburg, der endlich wieder Frieden stiften soll. Doch die alten Probleme (Religionsfriede, evangelische Religionsbeschwerden) stehen nochmal zur Debatte. Die geeinte katholische Seite nutzt jedoch diesmal ihre Mehrheit und zeigt sich wenig kompromißbereit. Die Protestantische Union protestiert, doch ohne Erfolg. Der friedliche Ausweg ist eine Sackgasse. Der Kaiser vertagt die Gespräche auf ein Jahr später. Der Reichtstag tritt in Wirklichkeit aber erst wieder 1640 zusammen. Das Pulverfaß ist explodiert.