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Peter-Petersen Gymnasium
Klasse 11.3
Juni 1997/ Barockprojekt 2000
Referat: Thorsten Bossert, Marco Sojat





DAS MANNHEIMER SCHLOSS


DAS REFERAT:
Vorwort
Der Gründer, die Idee
Der Schlossbau
Kunst in und am Schloss
Schlossaufteilung
Einrichtungen


Das Mannheimer Schloss ist eines der größten und schönsten barocken Bauwerke in Europa. Vom Beginn des Schlossbaus an waren immer sehr viele Menschen daran beteiligt, Architekten, Bauleiter und vor allem Handwerker, Maler und Bildhauer, was die Kunst in und am Schloss beweist. Die Schlossaufteilung war zu Gunsten der adligen Personen sehr großzügig gestaltet. Trotz, oder vielleicht auch gerade wegen des Prunks wurde auch sehr viel Wert auf kulturelle Einrichtungen, wie zum Beispiel die Oper oder verschiedene Akademien, gelegt. Eine ebenso interessante Entwicklung wie das Schloss haben auch der Gründer, und die Idee zum Bau des Schlosses hinter sich.

Der Gründer, und die Idee zum Schlossbau

Das Residenzschloss Mannheim wurde von Carl (III.) Philip von der Pfalz (1661-1742) im Jahre 1720 gegründet. Er war zunächst Domherr von Köln, Salzburg und Mainz. Außerdem kämpfte er in den Türkenkriegen mit, wofür er zum kaiserlichen Feldmarschall befördert wurde, und den Orden vom goldenen Vlies bekam. 1696 bewarb er sich vergeblich um die polnische Königskrone.
Nach dem Tod seines Bruders regierte Carl Philip im Alter von 55 Jahren die drei Territorien Kurpfalz, Jülichberg und Neuburg/Donau. 1716/17 regierte er von Innsbruck, dann kurzzeitig von Jülichberg, und ab 1718 von Heidelberg aus. Da es sehr unwahrscheinlich war, dass er zum Herrscher aufsteigen würde, er war erst der vierte Sohn, hatte er nicht viel Ahnung von der modernen, absolutistischen Regierung. Er war sozusagen ein „Kind des 17. Jahrhunderts".
In Heidelberg kam es zu einem Konflikt mit den reformierten Christen, als er die Heilig-Geist-Kirche von einem ökumenischen in ein rein katholisches Gotteshaus umwandeln wollte. Der Kirchen rat lehnte die Bitten, trotz des Angebots eine neue Kirche zu bauen, mehrmals ab. Daher besetzte Carl Philip am 4. Dezember 1719 die Kirche, um die Trennwand zwischen dem katholischen und dem protestantischen Teil niederzureißen. Doch der Kirchenrat war mächtiger als er dachte, und stellte ihn, mit Unterstützung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I. unter Druck. Im April 1720 entschloss sich Carl Philip seinen Sitz nach Mannheim zu verlegen.
Die Not der früheren Kriege schien wie ausgelöscht. Es wurde ein großer Aufwand an künstlerischer und kultureller Entfaltung betrieben, Künstler und Architekten aus ganz Europa kamen. Das Schloss sollte die Macht und das Ansehen der pfälzischen Wittelsbacher repräsentieren, und es war gleichzeitig geistlicher und kultureller Mittelpunkt der Kurpfalz. „Eines der bedeutendsten Bauwerke der Zeit", wie Friedrich der Große die Anlage bezeichnete, wurde durch Darlehen und eine extra eingeführte Schlossbausteuer finanziert. Durch die Erhebung Mannheims zur kurfürstlichen Residenz wurden auch die ansässigen Betriebe gefördert.

Der Schlossbau

Der Grundstein zu diesem, von der Größe her absolutistisch orientierten Bau, wurde am 2.7.1720, zum Fest Mariae Heimsuchung, gelegt. Er hat einen dreiflügligen Hauptteil, der an den Gelenkstellen mit turmartigen Pavillons versehen ist und der in der Mittelachse der Stadt, am Ende der Breiten Straße, liegt. Auch dem Rest des Schlosses liegt eine räumliche Beziehung zur Stadt zugrunde. Die ca. 440m lange Front war, durch die quadratische Aufteilung der Stadt, von jeder Straßenecke aus zu sehen, und da sieben Straßen parallel zum Schloss laufen, wird die übergeordnete Stellung des Schlosses verdeutlicht. Und obwohl das Schloss eines der bedeutendsten und größten Bauwerke der Zeit war, ist der geplante Umfang nie komplett verwirklicht worden. Die Breite Straße diente der Militärstadt Mannheim als Aufmarschplatz, wovon auch der Name "Paradeplatz" zeugt, dem heutigen Zentrum der Stadt.
Der Bau wurde teilweise nicht nach geltenden architektonischen Regeln begonnen, was der Bericht eines Durchreisenden zeigt. Er sprach mit den Stukkateuren, die „nach den Wünschen ihres Herrn und wider ihren Willen arbeiteten". Erst 1726 verbesserte Guillaume d´Hauberat die Mängel und führte den weiteren Bau korrekt aus. Doch bis zu dieser Zeit stand schon der Wohntrakt (Corps de logis), der auch bereits, bis auf die Prunktreppe und den Rittersaal, die leicht herrausgestellt sind, überdacht war. Zwischen 1740 und 1749 wurden der westliche Querflügel und dahinter ein heute nicht mehr existierender Trakt gebaut. In diesem Teil waren zum Beispiel die Oper und das Ballspielhaus untergebracht.
Schon vorher, 1733, wurde mit dem Bau der Jesuitenkirche (Basilica Carolina) begonnen, die von Carl Philip zur eigentlichen Hofkirche ernannt wurde. Dadurch wurden die Jesuiten priviligiert, was der Rekatholisierung der Pfalz diente. Die Kirche wurde 1756 fertiggestellt.
Im Jahre 1750 gab Carl Theodor, der nur noch wenig Einfluss auf das von Carl Philip vorgegebene Äußere hatte, trotz Geldmangels den östlichen Querflügel in Auftrag. Dieser war fast symmetrisch zum westlichen Teil angelegt. In diesem befand sich die Bibliothek, die das bauliche Pendant zur Schlosskirche bildet, der Schneckenhofbau mit Stallungen für bis zu 300 Pferde, Reitbahn und Dienstwohnungen, sowie der Kosakenbau als Abschluss des östlichen Querflügels. Durch diese Vier-Flügel-Anlage hat der Ostflügel noch heute eine imposante Dimension.

Luftansicht des Schlosses heute

Grundriss

Die Kunst in und am Schloss

Bild: Der Rittersaal

Das Mannheimer Schloss kann eigentlich als einziges Kunstwerk bezeichnet werden. Allein im Äußeren sind viele Merkmale festzustellen. Das Treppenhaus vorne und der Rittersaal hinten sind jeweils als Mittelrisalite am Corps de logis herausgestellt. Sie sind außerdem nach französischen Architekturregeln, anders als der Corps de logis, gebaut. Die Seitenflügel am Ehrenhof sind durch offene Pfeilerarkaden und abgerundete Risalite gegliedert. Die Schlosskirche im Westen und das bauliche Pendant im Osten, die Bibliothek, werden durch stark plastisch herausgearbeitete Tür- und Fensterumrahmungen, sowie durch Giebelreliefs betont. Das Giebelrelief der Hofkirche, das 1756/57 im Auftrag von Carl Theodor entstand, zeigt Minerva, die Schutzherrin der Künste und Göttin der Wahrheit, die ein Medaillon von Carl Theodor in der Hand hält. Am Äußeren des Schlosses wurde das meiste von Carl Philip vorgegeben. Carl Theodor konnte dafür den größten Teil der Innenausstattung vornehmen.
Bereits 1742 wurde das Prunktreppenhaus renoviert und neu ausgestattet. Man sieht dort ein prächtiges Deckenfresko, welches 1730 von Asam gemalt wurde, und in drei Teile eingeteilt ist. Abgebildet sind Götter bzw. andere Figuren der römischen Mythologie. In den Darstellungen geht es vor allem entweder darum, die Macht des Herrschers zu verdeutlichen, oder um die Liebe. Die Stuckbilder stehen im direkten Bezug zu den Deckenfresken, also auch wider römische, mythologische Figuren mit den Themen Macht und Liebe.
Der wahrscheinlich größte und prächtigste Raum des Schlosses ist wohl der Rittersaal. An Gemälden befinden sich hier zehn Bilder der Ahnen des Gründers sowie von ihm selbst, die zwischen 1681-1725 entstanden sind. Sie wurden also, wie auch der größte Teil des Mobiliars, aus den früheren Residenzen des Kurfürsten, überführt worden. Auch in diesem Saal ist ein riesiges Fresko zu bewundern, das sich über die gesamte Decke erstreckt. An den Wänden sind mehrere Stuckbilder, die die Themen Baukunst, Musik, Waffen und Trophäen, Bildhauerei und Malerei sowie Heilkunst darstellen. In den zwei Ecknischen des Raumes, die in Richtung des Corps de logis sind, stehen Statuen des Kurfürsten Carl Theodor und seiner Frau Elisabeth Auguste. Carl Theodor ist mit seinen Orden dargestellt, Elisabeth Auguste mit Attributen der Minerva. Der Fußboden des riesigen Raumes war komplett mit Marmor ausgelegt.
Natürlich waren auch die anderen ca. 500 Räume prächtig mit Gemälden Gobelins und Statuen ausgestattet, doch um alle aufzulisten müsste man ein Buch schreiben.

Schlossaufteilung

Grundriss

Während der Regierungszeit Carl Philips wurden ca. zwei Drittel der Anlage fertiggestellt. Am 22. November 1731 bezieht er den westlichen Corps de logis. Außerdem waren Hofstaat, Regierung, Hofämter und Gerichte im Schloss untergebracht. Im östlichen Corps de logis gab es ein kaiserliches Quartier, da es von Kaiser Karl VII. bewohnt wurde. Später wurde es zu Aufenthaltsräumen für Kammerdiener und Lakaien.
Seit 1742 bewohnte das neue Regentenpaar, Kurfürst Carl Theodor und seine Frau Elisabeth Auguste, den westlichen Corps de logis, sowie den angrenzenden Ehrenhofflügel. Zuvor hatten sie das Quatier des Kurfürsten von Köln mit vier prächtig ausgestatteten Zimmern benutzt, das seinen Namen durch die Anwesenheit des Kurerzbischofs Clemens August im Jahre 1742 erhielt. Carl Theodor verfügte über 7 Räume, welche in drei Vorzimmer (Konferenz-, Audienz-, und Arbeitszimmer), ein Schlafkabinett, ein Antichambre mit Garderobe und zwei Gartenzimmer im Erdgeschoss, die über eine Treppe im Pavillon zu erreichen waren. Zum Appartement der Fürstin gehörten zwei Vorzimmer, ein Audienzzimmer, ein Schlafzimmer und mehrere Kabinette, zum Beispiel ein Bibliothekskabinett. An diese Gemächer schloss sich das oben erwähnte Quatier des Kurfürsten von Köln an. Neben der Schlosskirche war das Quatier des Herzogs Christian IV. untergebracht. Er sollte normalerweise Erbnachfolger werden, ist jedoch schon 1775 verstorben. Außerdem befand sich neben der Kirche noch eine Wohnung für den Obristkämmerer, der über den persönlichen Stab des Kurfürsten wachte. Carl Philips Prunkschlafzimmer wurde, ebenso wie das kaiserliche Quartier, zu Aufenthaltsräumen für Angestellte. Der nordöstliche Ehrenhofflügel wurde von Prinz Karl, dem Herzog von Zweibrücken, bewohnt. Ebenfalls im östlichen Teil, jedoch im Querflügel, befand sich neben der Bibliothek ein Münzkabinett, eine Antiquitätensammlung, ein Archiv, ein Naturalienkabinett und fünf Räume für die prächtige Gemäldegalerie. Hinter dem östlichen Querflügel waren Dienstwohnungen, eine Reitschule und Stallungen für bis zu 300 Pferden eingerichtet.

Einrichtungen

Kurfürst Carl Theodor war sehr an Kunst und Naturwissenschaften interessiert und unterstützte diese so gut er konnte.

Die Oper

Die Mannheimer Oper, die sich im westlichen Teil des Schlosses befand, war eine der modernsten Bühnen der damaligen Zeit. Unter ihrem Mansarddach konnte man eine technisch vorbildliche Bühnenmaschinerie bewundern. Es waren jedoch auch Mängel festzustellen, zum Beispiel ein fehlendes Proszenium und eine zu enge Öffnung der Bühne, wodurch Sicht und Akustik schlecht waren. Die meisten Stücke wurden von den Komponisten der Mannheimer Schule geschrieben, die teilweise schon vorher aus Düsseldorf und Innsbruck übernommen wurden, und zu Weltruhm gelangten. Sie gelten außerdem als Wegbereiter der Klassik.
1775 wurde im Zuge der aufkommenden Wertschätzung der eigenen Sprache und Kultur die kurpfälzische deutsche Gesellschaft gegründet, die für das Schauspiel zuständig war. Daraus bildete sich drei Jahre später das Nationaltheater.
Das imposante Bauwerk, wie auch der restliche Trakt hinter dem westlichen Querflügel steht, im Gegensatz zum östlichen Teil, heute nicht mehr.

Die Akademie der Wissenschaften

Im Jahre 1763 wurde die Akademia Theodoro Palatina nach Vorbild der bayrischen Akademie der Wissenschaften gegründet. Zunächst waren zwei Fachrichtungen vertreten. Die historische Klasse erforschte die Landesgeschichte und erfaßte die Altertümer, die naturwissenschaftliche Klasse befaßte sich vor allem mit physikalischen sowie astronomischen Studien. Sie war nach staatsfördernden Gesichtspunkten ausgerichtet. Im Jahre 1780, siebzehn Jahre nach der Gründung der Akademie, wurde eine weitere, meteorologische, Klasse eingerichtet. Zu dieser Akademie gehörte auch das Naturalienkabinett, in dem man eine naturwissenschaftliche Sammlung von Mineralien, Versteinerungen, Straußeneiern und anderen „Merkwürdigkeiten der Natur" bewundern konnte. Nach Carl Theodors Weggang wurden sämtliche Mittel nach und nach gekürzt und mit der Zeit vollständig gestrichen.

Die Zeichnungs- und Bildhauerakademie

Carl Theodor, der begeisterter Sammler druckgraphischer Blätter war, gründete 1756 die Zeichnungs- und Bildhauerakademie. Sie befand sich außerhalb des Schlosses, während man jedoch ein Kupferstich- und Zeichnungskabinett im inneren des Schlosses fand. Dieses wurde 1795 größtenteils nach München überführt, wo es noch heute den Grundstock der staatlichen graphischen Sammlung bildet. Ebenso wurde die Gemäldesammlung aus der Gemäldegalerie nach München gebracht, wo man sie heute in der alten Pinakothek betrachten kann. für die Schüler der Akademie wurden kurfürstliche Stipendien vergeben, die Auslandsreisen, z.B. nach Rom oder Paris, ermöglichten, um die originalen Kunststücke vor Ort zu studieren.