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Peter-Petersen Gymnasium
Klasse 11.3
Juni 1997/ Barockprojekt 2000
Referat: Nico Haas

 

Versailles  

  Index:  

 1) Vorgeschichte zum Bau von Versailles:

Am Anfang des 17. Jahrhunderts war Versailles nur ein kleines Dorf. 1624 kaufte Ludwig XIII Jean de Soissy ein Grundstück ab, und baute darauf einen Jagdpavillon. 1631 trat Jean-Francois de Gondi, der Erzbischof von Paris, das Gebiet von Versailles an den König ab. Dieser beauftragte Philibert Le Roy den Pavillon in ein Schlösschen umzubauen. Dieses Schlösschen war die Grundlage für die Errichtung von Versailles, die von Ludwig XIV befohlen wurde. Nachdem Ludwig XIV Fouquet, den Besitzer des Schlosses Vaux-le-Vicomte, in Piemont eingekerkert hatte, da es ihn ärgerte, dass dessen Schloss prunkvoller als seines war, nahm er die Schöpfer von Vaux-le-Vicomte Louis Le Vau, Charles Le Brun und Andre‚ Le Notre in seine Dienste. Sie sollten für ihn Versailles errichten. Nach dem Tod von Louis le Vau, im Jahre 1670, nahm der 30jährige Jules Hardouin-Mansart dessen Platz ein. 

2) Der Bau von Versailles:

Die Anlage der Wasserspiele fiel in die Zuständigkeit zweier Italiener, Vater und Sohn Francini. 1400 Wasserspiele sollten errichtet werden. Dafür wurde das Flüsschen Bièvre umgeleitet und man zapfte mittels eines Hebewerks die Seine an. Sogar ein Aquädukt sollte errichtet werden,doch nachdem Tausende von Arbeitern an Sumpffieber gestorben waren, und nachdem auch noch ein Krieg geführt werden musste, wurden die Arbeiten nach etwa einem Kilometer abgebrochen. über 36000 Menschen arbeiteten mehr als 50 Jahre an dem Palast. Doch vor der Grundsteinlegung musste erst der Hügel, auf dem der alte Jagdpavillon stand, vergrössert werden.

3) Entstehung der Aussen- und Gartenanlagen:

Das gesamte Gelände wurde umgestaltet. Auf einem trockengelegten Sumpf entstand ein 100 Hektar grosser Park mit Wasserbecken und Kanälen. Es wurde eine Orangerie mit 3000 Sträuchern und Bäumen errichtet. Dort traf Mansart auf eine unerwünschte Senkung im Boden. Doch anstatt diese aufzufüllen baute er auf beiden Seiten der Orangerie Treppen, die als Hundertstufentreppen bekannt sind. Dies erweckte nun den Anschein, als ob nicht eine Laune der Natur, sondern architektonische Planung diese Senkung geformt habe. So vermehrte sich der Ruhm des Sonnenkönigs als grosser Architekt. Für die Jagd legte man einen 6614 Hektar grossen Park an. Zur Unterhaltung wurde auch ein Wildpark mit Löwen, Tigern, Kamelen, Dromedaren, einem Nashorn und einem Elefantenweibchen. Planer und Architekt dieser Gartenanlagen, die als bedeutendste Anlage französischen Stils in ganz Europa nachgeahmt wurde, war Le Notre. Seine Bauart war die" lebende Geometrie" mit runden Bassins, Buchsbaumreihen und Blumenrabatten wie Brokatmuster. Der Palast wuchs so immer mehr und als letzter Teil wurde 1710 die Schlosskapelle von Robert de Cotte fertiggestellt. Ludwig XIV kümmerte sich höchstpersönlich um die Bauarbeiten. Er korrigierte ständig die Baupläne und prüfte sogar an der Baustelle, ob alles, bis aufs kleinste Detail, seinen Vorstellungen entsprach.

Schlossgarten von Versailles

4) Aufbau und Anordnung von Versailles:

Dem Palast vorgelagert sind der Place d'Armes, die Avenue de Paris und die grossen und kleinen Stallungen. Früher fanden dort prunkvolle Feste mit Wagen und Reitern statt. Das Schloss und der Place d'Armes werden durch mächtige schmiedeeiserene Gitter getrennt. Man muss drei Höfe überqueren um dort hin zu gelangen. Der Vorhof, auch Cour des Ministres genannt, hat auf beiden Seiten Gebäude aus der Zeit von Ludwig XIII. Damals wohnten Regierungsmitglieder dort. Der Königshof, auch Cour Royale, befand sich früher an dem Ort, wo heute das Standbild von Ludwig XIV steht. Zu diesem Hof hatte nur die Königliche Karosse Zugang. Der dritte Hof ist der Marmorhof. Er war früher mit schwarzem und weissem Marmor gepflastert, und er ist auf drei Seiten vom ältesten Teil des Schlosses umgeben. Der alte Teil, aus der Zeit von Ludwig XIII, wurde von Le Vau und Mansart völlig umgestaltet. Ludwig XIV bewohnte die Räume im ersten Stock. Sein Schlafzimmer lag auf der Achse des Schlosses. In seinem Schlafzimmer fanden die Morgen- und Abendaudienzen statt,( Das „Lever" und das „Coucher") und dort starb er auch. Der berühmte „Bullaugen- Salon" grenzte ebenfalls an Ludwigs Schlafzimmer. Durch diesen Salon stürmte zwei Generationen später die wütende Menschenmasse vor der LudwigXVI zitterte.Auf der anderen Seite des Schlafzimmers liegen die Räume der Königin, dahinter die Wohnung der Mätresse des Königs, Madame de Maintenon, die später seine zweite Frau wurde. Der schönste Saal im Schloss ist der Spiegelsaal. Dieser ist 75 Meter lang und 10 Meter breit. Er hat 17 Fenster und 17 der untergehenden Sonne zugewandte Spiegel. Der Spiegelsaal wurde erst später zum Schloss hinzugefügt, indem aus mehreren Räumen die Wände herausgerissen wurden. In diesem Spiegelsaal rief Otto von Bismarck am 18.1.1871 das neue Deutsche Reich aus. Dort wurde ebenfalls am 26.6.1919 der Vertrag von Versailles unterzeichnet. Der Nordflügel von Versailles wurde 1684 fertiggestellt. Zur selben Zeit wurde Opernsaal unter LudwigXV im Jahre 1768 von Gabriel erbaut, und durch die Hochzeit von Ludwig XVI mit Marie-Antoinette eingeweiht. Er ist prächtig ausgeschmückt und hat eine sehr gute Akustik. Im Südflügel, einst Wohnort von Angehörigen der damaligen Königsfamilie, ist heute der Kongresssaal, indem der Präsident der Republik gewählt wird.

5) Der Hofstaat und das Alltagsleben auf Versailles:

In Versailles lebten nicht nur 1000 Adlige und 4000 Bedienstete, sondern auch 10000 Soldaten, 5000 Diener. So entstand vor dem Schloss eine Stadt mit breiten Strassen. Grund und Boden erhielt jeder, den der König für würdig hielt. Die Steuern betrugen nur 5 Sous pro Morgen, es herrschte aber eine strenge Bauvorschrift: kein Gebäude durfte höher als der Schlosshof sein, das als Symbol absoluter Herrschermacht galt. Der König stand souverän über allem! Versailles war zu Zeiten von Ludwig XIV Mittelpunkt der Künste. Opern und Theaterstücke wurden aufgeführt, ebenso Komödien des Venezianers Goldoni. Der königliche Hof hatte auch ein eigenes Orchester und einen eigenen Chor. Der Innenraum des Schlosses war mit Gemälden von Claude Lorrain, Poussin und Nattier, und mit schönen Tischen, Vitrinen, Bücherschränken, elegant geschwungenen Stühlen ausgestattet. Dort liessen sich auch viele verschiedene Handwerksleute, wie zum Beispiel Juweliere, Silberschmiede, Emailleure, Konditoren und Schneider. Dies machte Versailles zu einem „Einkaufszentrum" in dem ausser den Ansässigen Handwerkern auch einzelne Händler ihre Stände aufbauten. Unter Ludwig XIV war Versailles der Regierungssitz und das Verwaltungszentrum Frankreichs.