Sport-Seiten des Oberschulamts Karlsruhe. Diese Seite wurde am 09. Dezember 2001 veröffentlicht.

Spielreihe zur Vermittlung des Rückschlagspiels Volleyball

 

 

Vorweg soll eine Übersicht über die Stundenschwerpunkte gegeben werden. Bei der Dokumentation werde ich mich auf die Darstellung der Spielreihe beschränken. Die einleitenden Stundenteile bzw. die Stundenausklänge können frei gestaltet werden. Sie müssen nicht unbedingt volleyballspezifische Elemente beinhalten.

Doch zunächst ein Überblick über die gesamte Unterrichtseinheit :

1. Einheit:
Balltransport unter Vernachlässigung technischer Fertigkeiten zugunsten der Spielidee

2. Einheit:
Spielformen zum Erlernen und Üben des oberen Zuspiels

3. Einheit:
Spielformen zum Erlernen und Üben des unteren Zuspiels

4. Einheit:
Verbesserung der Grobform des oberen und unteren Zuspiels durch Spiele in kleinen Gruppen

5. Einheit:
„Schnuppern“ am Aufschlag von unten in spielerischer Form - Volleyball-Brennnball

 

1.  Balltransport unter Vernachlässigung technischer Fertigkeiten zugunsten der Spielidee

In der ersten Stunde werden über Varianten des Sportspiels Prellball folgende Schwerpunkte der Spielidee angestrebt:

  • Spielen des Balls im freien Raum (Spielfeld)
  • Orientierung zum Ball

Organisationsform: vier Spielfelder quer, drei bis vier Schüler pro Spielfeldhälfte, Turnbänke trennen die Spielfeldhälften voneinander ab, pro Spielfeld ein Volleyball.

1. Werfen und fangen: Ein Spieler wirft den Ball beidhändig in Richtung der anderen Spielhälfte. Der Ball wird indirekt (Bodenkontakt im eigenen Feld) gespielt. Der Ball muss von einem Gegenspieler direkt gefangen werden. Dieser wirft dann erneut indirekt zurück.

Wertung: Die Schüler merken dabei schnell, dass sie das Spielfeld am besten abdecken, wenn sie versetzt und auf Lücke stehen. Durch kurzes, langes oder diagonales Spiel entsteht ein variantenreiches, bewegungsintensives Spiel.

Variation: Wer den Ball geworfen hat, muss danach verschiedene Bewegungsaufgaben erfüllen wie: zur Wand laufen, kurz auf den Boden setzen, einen Liegestütz turnen, kurz auf die Bank setzen o.ä.. Nach einer dieser Zusatzaufgaben müssen sich die Mitspieler neu im Raum orientieren und gegebenenfalls ihre Positionen ändern. Dadurch werden die Spielpartner zum Spielträger, wodurch alle Teilnehmer ins Spiel integriert sind.

2. Nach „Zuspiel“ werfen und fangen: Der Ball wird nicht vom Fänger zurückgeworfen, sondern dieser wirft den Ball zuerst nach oben. Dann wird der Ball von einem Mitspieler direkt gefangen und (indirekt s.o.) zurückgeworfen. Wichtig dabei ist, dass der Ball nicht zugespielt, sondern vom Fänger nach oben geworfen wird. Dadurch müssen sich die Spieler zum Ball bewegen, da sie ihn direkt fangen müssen.

Variation: Wenn die Spielform begriffen wird, können erneut Zusatzaufgaben (s.o.) eingebaut werden.

3. Schlagen statt werfen: Spielform wie oben, allerdings wird nun der Ball nicht mehr zurückgeworfen, sondern von oben zurückgeschlagen (kurzer Ballkontakt!). Nach dem „Zuspiel“ des Fängers darf der Ball einmal aufspringen, bevor er indirekt über die Bank geschlagen wird.

4. Mehrere Ballkontakte: Im weiteren Verlauf ist eine unbegrenzte Zahl von Ballkontakten in der eigenen Spielhälfte erlaubt. Dabei darf der Ball nach Körperkontakt einmal im eigenen Feld aufspringen. Es ist weiterhin darauf zu achten, dass der Ball nach oben gespielt und nicht zu einem Mitspieler gepasst wird.

Variation 1: Der Schüler, der den Ball gespielt hat, wechselt jeweils in die gegnerische Spielfeldhälfte. Bei gutem Gelingen kann auf Anweisung auch diagonal gewechselt werden, d.h. in das benachbarte Spielfeld.

Wertung: Durch diese Maßnahme erreicht man eine enorme Steigerung der Bewegungsintensität und die Schüler müssen sich ständig auf neue Mitspieler einstellen.

Variation 2: Der Ball darf bei unbegrenzter Anzahl von Balltransporten nur zweimal bzw. nur noch einmal in der eigenen Hälfte aufspringen.

Binnendifferenzierung: Leistungsschwächere Schüler dürfen den Ball vor dem Schlagen kurz fangen bevor sie ihn weiterspielen, leistungsstärkere können den Ball direkt schlagen (spielen).

Nach diesen ersten Spielformen wird nun in einer kurzen Spielpause das Bauband in Höhe von maximal 1,20m gespannt. Die Gruppen und die Spielfelder bleiben erhalten.

5. Indirektes Spiel über das „Netz“: Die Spielform bleibt wie in Punkt 4. erhalten, allerdings muss der Ball nun so gut „gestellt“ werden, dass er jetzt indirekt gespielt nicht mehr nur über die Turnbank, sondern über das Bauband fliegt. Des weiteren darf der Ball zusätzlich direkt mit einem beidhändigen Unterhandwurf über das Bauband gespielt werden.

Durch den beidhändigen Unterhandwurf beschreibt der Ball fast immer eine weite Flugkurve, so dass die Gegenspieler gezwungen sind, ihn über mehrere Kontakte nach vorne zu transportieren. Als einfache taktische Maßnahme kann in einer kleinen Spielpause die Dreiecksaufstellung erläutert werden. Der Positionswechsel wird erklärt und durch ein akustisches Signal vom Lehrer gesteuert. Einige Mannschaften werden im Verlauf der Stunde ihre eigene Strategie zur optimalen Raumaufteilung (Feldabschirmung) entwickeln. Hierbei wird bei der ein oder anderen Mannschaft die Dreiecksaufstellung schon vor der Erklärung zu erkennen sein.

Binnendifferenzierung: Bei dieser letzten Spielform der ersten Doppelstunde dürfen die Schüler den Ball nach dem letzten „Zuspiel“ direkt zum Weiterspielen annehmen. So kann man gerade bei leistungsstärkeren Gruppen schon Spielhandlungen sehen, bei denen der Ball mit mehrfachem Abspiel ohne Bodenkontakt gespielt wird.

Tipps für die erste Doppelstunde:

  • Es muss mehrere Male darauf hingewiesen werden, dass der Ball nur nach oben gespielt werden soll, damit sich die Schüler zum Ball bewegen. Anfangs wollen die Schüler den Ball noch zuspielen (zuwerfen).

  • Das Schlagen des Balls muss nicht unbedingt erläutert werden. Die Schüler entwickeln meist ihre eigene Schlagtechnik. Dies fördert das kognitive Lernen.

  • Das Punktezählen scheint bei den Schülern trotz des Wettkampfcharakters einiger Spielformen gar nicht so wichtig zu sein. Vielmehr sollte sich durch Lehrersteuerung ein Gruppenbewusstsein durch Orientierung auf die Zahl der Ballwechsel bzw. der Ballkontakte entwickeln, wobei die Passfolgen von lautem Mitzählen begleitet werden.

 

2. Spielformen zum Erlernen und Üben des oberen Zuspiels

Nach dem Aufwärmen wird erneut der Aufbau mit dem Bauband gewählt. Kleine Turnmatten (evtl. in das Aufwärmprogramm integrieren) werden der Länge nach unter das Bauband gelegt. Sie dienen in dieser Doppelstunde als Zone, die nicht betreten werden darf, damit die Schüler beim späteren Spiel 3 gegen 3 den Ball mit einer weiten Flugkurve spielen müssen. Dies gelingt am besten, wenn die Schüler nicht so nah am Bauband stehen. Die vier Spielfelder werden erneut mit Turnbänken und Markierungshütchen abgeteilt.

Es werden Fünfergruppen gebildet, wobei jede Gruppe einer Spielfeldhälfte zugewiesen wird.

1. Ball spielen durch Armstreckung, Nummernspiel: Zuerst erhält jeder Schüler eine Nummer (von 1 bis 5 aufsteigend). Danach wird der Ball von einem Schüler nach oben geworfen. Die Schüler sollen nun den Nummern nach den Ball mit gestreckten Armen fangen, die Arme beugen und dann durch Strecken der Arme den Ball erneut nach oben werfen. Wichtig dabei ist, dass der Ball nur nach oben und nicht dem Mitschüler zugespielt wird. Der Ball soll weich gefangen werden (kein „batschen“). Sollte der Ball unpräzise nach oben geworfen werden, so darf der annehmende Schüler den Ball einmal aufspringen lassen.

Variation: Die Reihenfolge der Schüler wird nicht festgelegt, sondern der Schüler, der den Ball nach oben wirft, ruft irgendeine Nummer eines Schülers seiner Gruppe. Dies erhöht die Aufmerksamkeit der gesamten Gruppe, da jeder als nächstes ins Spiel gebracht werden kann.

Wertung: Bei dieser Spielform kann es sein, dass die Schüler sowohl mit der Wahrnehmung als auch mit der Umsetzung (Entscheidungsfindung) Probleme haben. So wird häufig auf Zuruf nicht reagiert oder der Ball wird ohne Aufruf hochgeworfen. Dies macht deutlich, wie wichtig es ist, Kinder bei der Vermittlung von Spielfähigkeit in Spielsituationen zu bringen, die adäquate Bewegungshandlungen (Spielhandlungen) schulen.

2. Ball fällt auf die Stirn: Die Schüler sollen den Ball, nachdem sie ihn mit gestreckten Armen gefangen haben, auf die Stirn fallen lassen (mit der Stirn spielen), erneut fangen und durch Strecken der Arme weiterspielen.

Wertung: Diese Spielform ist sehr motivierend, zumal sie zusätzlich die Koordination mit dem Ball schult und die Schüler durch das Spielen mit der Stirn automatisch mit dem Körper unter den Ball kommen.

3. Spielform 1 mit 3 (1+3) über das „Netz“: Bei dieser Spielform beträgt die Baubandhöhe ca. 2m. Schüler 1 bringt den Ball mit einem Unterhandwurf ins Spiel. Die Schüler 2, 3 und 4 transportieren auf der anderen Seite des Baubandes mit Hilfe des oberen Zuspiels den Ball nach vorne und spielen zu Schüler 1 zurück. Der Ball darf nach jedem „Zuspiel“ einmal aufspringen. Nach acht bis zehn Spielaktionen werden die Positionen gewechselt. Auf einem Spielfeld können zwei Gruppen problemlos spielen (siehe Abbildung 1. Gruppe A: Dreiecke, Gruppe B: Vierecke).

Abb. 1: Feldaufteilung bei der Spielform 1+3

 

 

 

4. Oberes Zuspiel 3 gegen 3 (3:3): Bei der letzten Spielform dieser Doppelstunde wird das Bauband noch höher gespannt (bis 2,50m), damit der Ball hoch über das „Netz“ gespielt wird. Ein Spieler einer Dreiergruppe bringt den Ball mit einem Unterhandwurf ins Spiel. Die Gegenseite versucht, den Ball zuerst mit soviel Ballkontakten wie nötig, später mit maximal drei Ballkontakten, zurückzuspielen.

Binnendifferenzierung: Je nach Spielstärke der einzelnen Schüler und Gruppen kann die Anzahl der Bodenkontakte des Balls festgelegt werden.

Tipps für die zweite Doppelstunde:

Das Rufen der Nummern als Variation der ersten Spielform erhöht sehr stark die Aufmerksamkeit der Schüler. Hierbei sollte man den Schülern genügend Zeit zur Realisierung der Spielform zur Verfügung stellen.

Durch die Möglichkeit, den Ball nach dem oberen Zuspiel auf den Boden aufspringen zu lassen, können die Schüler trotz einer unpräzisen Ausführung die Spielaktion länger aufrecht erhalten. Wenn nötig, dürfen vereinzelte Schüler den Ball beim Schlussspiel 3:3 kurz fangen und danach schnell weiterspielen. Durch diese Maßnahme bleibt der Spielfluss erhalten.

 

3. Spielformen zum Erlernen und Üben des unteren Zuspiels

Für diese Doppelstunde werden vier Turnbänke in der Mitte der Halle in Kreuzform aufgestellt, so dass vier Spielfelder abgegrenzt sind. Es werden vier Mannschaften von sechs (sieben) Schülern gebildet, die sich in eines der Felder begaben.

1. Namensball: Ähnlich wie in der ersten Spielform der letzten Stunde soll der Ball von einem Schüler nach oben geworfen werden, der aber diesmal den Namen eines Mitspielers seiner Gruppe ruft. Dieser soll den Ball direkt fangen und wieder nach oben werfen. Bezüglich der Technik des Hochwerfens gibt es keine Vorgaben. Die meisten Schüler werden den Ball beidhändig vor dem Körper fangen, ein wenig in die Knie gehen und dann den Ball durch Streckung der Beine und Armzug beidhändig nach oben werfen.

Wertung: Durch das Rufen der Namen können sich die Kinder bei diesem Spiel regelrecht austoben. Es kann sich ein schnelles Ballspiel entwickeln, bei dem die Namen immer lauter gerufen werden.

2. Namensball mit Fuchs: Jede Gruppe bestimmt einen Schüler als Fuchs. Die anderen Schüler der Gruppe spielen wie in Punkt 1 beschrieben weiter, wobei der Fuchs nun versucht, den Ball vor dem genannten Schüler zu fangen. Gelingt dies, so wird der Aufgerufene zum Fuchs.

Wertung: Durch den Störspieler erhält die Spielform eine Intensivierung und erfordert ein noch schnelleres Reagieren.

3. Namensball mit unterem Zuspiel: Die Spielform bleibt erhalten, allerdings wird nun ohne Fuchs gespielt. Die Schüler sollen nun den Ball nicht mehr hochwerfen, sondern durch das untere Zuspiel nach oben spielen. Die Ballannahme erfolgt nicht direkt, sondern nach einmaligem Aufspringen des Balls.

Die Armtechnik beim ´Nach oben spielen` des Balls mit dem unteren Zuspiel wird von einem Schüler oder vom Lehrer demonstriert, aber nicht zur Pflicht erhoben. Lediglich die Armstreckung sollte als bedeutend erwähnt werden. Durch das Aufspringen des Balls wird das Tempo aus dem Spiel genommen, wodurch sich die Schüler besser zum Ball stellen können.

Wertung: Sollte durch mangelnde Ballkontrolle praktisch kein Spielfluss zustande kommen, ist es an dieser Stelle angebracht, eine Übungsform zur Verbesserung des unteren Zuspiels einfließen zu lassen.

4. Übungsform zur Verbesserung des unteren Zuspiels: Hierfür benötigen zwei Schüler einen Volleyball. Ein Schüler sitzt auf der Bank, sein Mitspieler steht ca. zwei bis drei Meter mit dem Ball vor ihm. Dieser wirft den Ball indirekt zu, wobei der sitzende Schüler im Aufstehen den Ball im unteren Zuspiel seinem Mitschüler zurückspielt.

Binnendifferenzierung: Schüler, die den Ball schon relativ sicher spielen können, dürfen diesen auch direkt spielen.

Wertung: Durch den indirekt gespielten Ball kann der sitzende Schüler dem Ball optimal entgegen gehen. Im Aufstehen geht die Körperbewegung nach vorne oben, wie dies beim unteren Zuspiel gefordert wird.

Abb.2: Übungsform zur Verbesserung
des unteren Zuspiels

 

 

 

 

 

5. Namensball mit unterem Zuspiel: Nach dieser Übungsform sollen sich die Schüler nun nochmals an der vorletzten Spielform versuchen.

Binnendifferenzierung: Fortgeschrittene versuchen, den Ball direkt durch unteres Zuspiel im Spiel zu halten.

6. Unteres Zuspiel 3+3: Für diese Spielform wird zunächst der Aufbau mit dem Bauband und den vier Spielfeldern benötigt. Das Bauband wird in einer Höhe von ca. 1,20m gespannt. Aus jeder Sechsergruppe werden zwei leistungshomogene Dreiergruppen gebildet.

Jede Dreiergruppe nimmt zuerst die Dreiecksaufstellung in ihrer jeweiligen Spielfeldhälfte ein. Zunächst soll nur der vordere Spieler (auf Position 3) den Ball zu dem vorderen Spieler der gegenüberstehenden Mannschaft im unteren Zuspiel über das Bauband zuspielen. Nach jedem Zuspiel werden die Positionen innerhalb der Mannschaft im Uhrzeigersinn gewechselt. Der Ball darf vor der Annahme einmal aufspringen.

Abb. 3: Rotationsprinzip in der Übungsform 3+3

 

 

 

Wichtig bei dieser Spielform ist die Beibehaltung von Dreiecksaufstellung und Rotation. Die Schüler müssen sich durch die Rotation jedes Mal neu zum Ball orientieren. Der Ballweg ist vorgeschrieben.

7. Unteres Zuspiel 3:3: Der Ball kann nun beliebig im unteren Zuspiel ins gegnerische Feld gespielt werden. Er darf im eigenen Feld zweimal aufspringen (nicht hintereinander!). Zum Balltransport dürfen beliebig viele Ballkontakte benötigt werden. Bei zwei Bodenkontakten des Balls hintereinander im eigenen Feld ist der Ball „tot“. Dieser wird dann mit einem Unterhandwurf erneut ins Spiel gebracht.

Binnendifferenzierung: Die Anzahl der aufspringenden Bälle im eigenen Feld kann je nach Spielstärke variiert werden. Durch Zusatzaufgaben für dominante Spieler (siehe 1. Stunde, Werfen und fangen) können leistungsschwächere Schüler mehr ins Spiel integriert werden.

 

Tipps für die dritte Doppelstunde:

Bei der Spielform 3+3 kann den Schülern die Beibehaltung der Rotation anfänglich Probleme bereiten. Die Schüler schauen oft dem gespielten Ball hinterher und vergessen dabei, die Positionen zu wechseln. Auf diesen Positionswechsel müssen die Schüler unbedingt hingewiesen werden.

 

4.  Verbesserung der Grobform des oberen und unteren Zuspiels durch Spiele in kleinen Gruppen

Zu Beginn wird das Bauband in einer Höhe von maximal 1,20m längs durch die Halle gespannt.

1. Übungsform zur Verbesserung des unteren Zuspiels 1+1: Die Schüler stellen sich paarweise am Bauband gegenüber auf. Jedes Paar hat einen Ball. Zur Ballgewöhnung spielen sich die Paare den Ball im unteren Zuspiel über das Bauband zu.

Binnendifferenzierung: Der Ball kann direkt oder mit einmal Aufspringen angenommen werden.

2. Übungsform zur Verbesserung des unteren Zuspiels 2+2: Zwei Schüler spielen den Ball abwechselnd im unteren Zuspiel zu ihren beiden Mitspielern über das Bauband. Der Schüler, der gespielt hat, läuft um ein Markierungshütchen, welches an der Grundlinie seiner Spielfeldhälfte steht. Den Abstand der Markierungshütchen zum Bauband steuern die Schüler individuell.

Binnendifferenzierung: Der Ball kann direkt oder mit einmaligem Aufspringen angenommen werden.

Wertung: Bei dieser Übungsform haben die Schüler den Anreiz, die Entfernung zwischen Netz und Markierungshütchen so weit wie möglich zu machen. Das laufintensive Üben steuern die Schüler hierbei selbst.

3. Spielform zur Verbesserung des unteren Zuspiels 3:3: Ziel dieser Spielform ist es, mit maximal drei Ballkontakten und nur einmaligem Aufspringen des Balls im eigenen Feld den Ball im unteren Zuspiel ins gegnerische Feld zu spielen.

Binnendifferenzierung: Bei einzelnen Spielern darf der Ball vor der Annahme einmal aufspringen. Der Spielgedanke bleibt jedoch innerhalb der Mannschaft erhalten, d.h. durch die Erlaubnis für einen Schüler, den Ball aufspringen zu lassen, ist nicht generell ein zweimaliges Aufspringen für diese Mannschaft erlaubt.

4. Übungsform zur Verbesserung des oberen Zuspiels 2+2: Zur Wiederholung des oberen Zuspiels soll der Ball zunächst abwechselnd und ohne Laufen um die Markierungshütchen ins gegnerische Feld gespielt werden. Für diese Spielform wird das Bauband in einer Höhe von ca. 2,50m gespannt

Binnendifferenzierung: Wie in der vorangegangenen Spielform dürfen einzelne Schüler den Ball vor der Annahme einmal aufspringen lassen.

5. Königsspiel 3:3: Der Ball wird mit einem Unterhandwurf ins Spiel gebracht. Zum Balltransport sind oberes und unteres Zuspiel erlaubt. Der Ball darf bei maximal drei Ballkontakten einmal aufspringen (Binnendifferenzierung s.o.).

Nach fünf Minuten wird eine Ergebnissicherung durchgeführt. Die Siegermannschaft wechselt in ein rechtsliegendes, die Verlierermannschaft in ein linksliegendes Spielfeld. Am Ende der Stunde wird der Tagessieger ermittelt (Königsspiel!).

 

Tipps für die vierte Doppelstunde:

Das Spiel 2+2 (unteres Zuspiel) hat neben der hohen Bewegungsintensität den Vorteil, dass sich die Schüler beim Zurückkommen ins Spielfeld jedes Mal erneut zum Ball orientieren müssen. Durch die individuelle Steuerung des Abstandes der Markierungshütchen können auch weniger begabte Schüler ein Erfolgserlebnis in der Übungsform haben.

Gerade beim Königsspiel 3:3 kann man sehen, dass der Spielgedanke immer mehr verinnerlicht wird. Die technischen Fertigkeiten des oberen und unteren Zuspiels sind bei weitem noch nicht perfekt, doch das ist auch nicht das Ziel dieser Unterrichtseinheit. Der Wille und die Fähigkeit, den Ball unbedingt im Spiel zu halten, ist immer deutlicher ausgeprägt. Auch die durch die Binnendifferenzierung erreichten Erleichterungen für leistungsschwächere Schüler werden von den versierteren Schülern meistens ohne Probleme akzeptiert.

 

5.  „Schnuppern“ am Aufschlag von unten in spielerischer Form - Volleyball-Brennball

In diese Doppelstunde übernehmen wir die dritte Spielform der letzten Doppelstunde (3:3). Allerdings wird anstelle des unteren Zuspiels das obere Zuspiel gewählt. Hierzu sollte der Aufbau mit einer Baubandhöhe von ca. 2,50m gewählt werden.

1. Spielform oberes Zuspiel 3:3: (s.o.)

2. Übungsform zum Aufschlag von unten 1+1: Die Organisationsform der ersten Übungsform bleibt bis auf den Abstand der Paare zueinander erhalten. Nachdem der Aufschlag von unten von einem Schüler oder vom Lehrer demonstriert wurde, spielen sich die Paare den Ball mit dem Aufschlag von unten gegenseitig zu. Hierzu wählen sie individuelle Abstände zueinander, damit der Aufschlag sicher zum Partner gespielt werden kann.

Wertung: Die Abstände der Paare werden so unterschiedlich gewählt, dass der zur Verfügung stehende Raum ausreichend ist.

3. Ballwechsel laut mitzählen im Spiel 3+3: Um im motivationalen Bereich Anreize zu setzen, zählen die „Felder“ (alle 6 Spieler) die Zahl der Ballwechsel laut mit. Dadurch entsteht ein Wettstreit zwischen den vier Feldern, der rein akustisch ausgetragen wird und der die Schüler der einzelnen Felder zu Mannschaften zusammenschweißt. Der Ball darf pro Feld maximal zweimal aufspringen und es müssen mindestens zwei Ballkontakte erfolgen, ehe der Ball in die andere Spielhälfte gespielt wird. Der Ball wird mit einem Aufschlag von unten ins Spiel gebracht.

Wertung: Durch die geringe Körpergröße der Schüler der Klasse 7 ist es durchaus sinnvoll, auch beim oberen Zuspiel den Ball vorher aufspringen zu lassen. So gelingt es immer, „unter den Ball“ zu kommen.

4. Aufschlagspiel: Für das Aufschlagspiel nehmen die Schüler folgende Aufstellung ein (siehe Abbildung 4).

Abb. 4: Die Aufstellung und die Laufwege
beim Aufschlagspiel

 

 

 

 

 

Fünf Schüler stehen mit je einem Ball in der Aufschlagzone (xo), vier Schüler stehen im halben Feld (O) und weitere vier Spieler stehen in der gegnerischen Spielhälfte in Frontalaufstellung hinter dem Netz (x). Der erste Schüler mit Ball spielt einen Aufschlag von unten über das Bauband. Hierfür darf er die gesamte Breite der Aufschlagzone nutzen. Einer der in Frontalaufstellung stehenden Schüler spielt den Ball direkt über das Bauband zurück. Dort kämpfen vier Feldspieler um den gespielten Ball, um ihn zu fangen. Der Fänger wird zum Aufschläger und wechselt in die Aufschlagzone. Der Aufschläger wechselt ins Spielfeld und der Spieler, der den Aufschlag angenommen hat, wird zum Fänger (exemplarische Darstellung der Laufwege siehe Abbildung 4). Sind die neuen Positionen eingenommen, so beginnt sofort der zweite Schüler mit dem Aufschlag.

„Gute“ Aufschläge werden zurück gepritscht, „schlechte“ werden gefangen und sofort ins Feld zurückgespielt.

Wertung: Das Aufschlagspiel kann anfangs zu Schwierigkeiten bezüglich der zeitlichen Abfolge und der Laufwege führen. Auch bei dieser Spielform kann man erkennen, dass die Annahme des Aufschlags der schwierigste Ball gerade im Anfängerbereich ist. Daher ist das einmalige Aufspringen des Balls vor der Annahme durchaus sinnvoll (Binnendifferenzierung). Wenn das Aufschlagspiel von der Organisationsform verstanden ist, erreicht man damit eine hohe Aufschlagfrequenz und damit eine hohe Spielintensität.

6. Volleyball-Brennball: Gespielt wird auf drei Spielfeldern. Die Baubandhöhe beträgt ca. 2,20m. Bei dieser Spielform ist die Verwendung des Baubands abermals ein Vorteil, da die Schüler darunter durchlaufen können, ohne sich bücken zu müssen. Als „Male“ wurden Turnreifen (fünf Reifen pro Spielfeld, Symbol (O) in der Abbildung) verwendet.

Abb. 5: Organisationsform von Volleyball-Brennball

 

 

 

Beim Volleyball-Brennball empfiehlt es sich, die Schüler einer Mannschaft in Werfer (Aufschläger) und Läufer einzuteilen (Symbol: Dreiecke). Jedem Werfer ist ein Ball zugeordnet, für den er verantwortlich ist, d.h. bei Fehlversuchen holt er seinen Ball selbst und ordnet sich dann wieder ein. Jede Mannschaft bestimmt zuerst zwei Werfer, damit bei Verlust des Balls das Spiel durch den zweiten Werfer schnell fortgesetzt werden kann. Bei Ermüdung der Läufer ist ein interner Wechsel durch Ballübergabe möglich.

Der Werfer bringt den Ball durch einen Aufschlag von unten ins Spiel. Die gegnerische Mannschaft muss mit mindestens zwei Ballkontakten versuchen, den Ball so schnell wie möglich über das Bauband zurückzuspielen. Wenn der Ball dort den Boden (Brennmal) berührt, wird „Stop“ gerufen. Die Läufer müssen dann einen Reifen erreicht haben, sonst sind sie „verbrannt“. Wichtig dabei ist, dass ein Mal immer nur von einem Schüler besetzt ist, d.h. der nächste Läufer darf erst bei freiem Mal starten.

Ebenso sind die Schüler vor dem Spiel darauf hinzuweisen, dass die Reifen nicht berührt werden dürfen, da sie auf dem Hallenboden leicht wegrutschen können. Nach ein bis zwei Probedurchläufen wird gezählt, wie viele Läufer in fünf Minuten das Ziel erreichen. Danach wird gewechselt.

Tipps für die fünfte Doppelstunde:

Bei der dritten Spielform sollte darauf geachtet werden, dass die Schüler die Ballwechsel laut mitzählen. Vor allem die leistungsschwächeren Schüler sind oft noch sehr mit dem Spiel selbst beschäftigt. Hier zeigt sich erneut die Schwierigkeit bei der Vermittlung der Spielfähigkeit. Die Schüler sind mit der Spielsituation „wo geht der Ball hin“ (Wahrnehmung) so sehr beschäftigt, dass sie darauf ihre ganze Konzentration verwenden müssen und dabei vergessen, den Ballwechsel mitzuzählen. Doch durch die Integration der leistungsschwächeren Schüler in der Gruppe werden von begabteren Schülern Aufgaben übernommen, damit am Ende alle Gruppenspieler ein befriedigendes Spielerlebnis haben.

Das Highlight in dieser Stunde ist sicherlich das Volleyball-Brennball. Die Schüler kennen meist schon die Spielregeln von Brennball und somit stellt der Transfer zum Volleyballspiel kein Problem dar. Sollte das Spiel einigen Schülern dennoch nicht bekannt sein, so ist es sinnvoll, durch Schüler den Ablauf der Spielhandlung demonstrieren zu lassen. Vielen Schülern wird es oft wichtiger sein, das Mal vor dem „Stop“-Ruf zu erreichen, als die Punkte der im Ziel ankommenden Läufer zu zählen.

Georg Zwirner, Studienassessor
Otto-Hahn-Gymnasium Karlsruhe

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