Sport-Seiten des Oberschulamts Karlsruhe. Diese Seiten wurden am 8. Juni 2002 veröffentlicht.
Auszug aus dem Sport-Info 1/2002 Heft 19

Sicherheit im Schulsport - Leichtathletik

Unfallstatistik

Etwa 9 -10 Prozent der Schulsportunfälle geschehen bei leichathletischen Übungen. Nach den Ballspielen und dem Gerätturnen stehen damit die Unfälle in der Leichtathletik an dritter Stelle der Schulsportunfälle. 49,9 % der Unfälle ereignen sich beim Laufen, 27,7 % beim Hochsprung, 14,2% beim Weitsprung, 5% bei Wurfübungen und 3,2% beim Hürden-/Hindernislauf. Zu einem erheblichen Teil sind Gefährdungen, die mit der Leichtathletik einhergehen, durch geeignete Maßnahmen vermeidbar.

Gefährdungen bei den Laufdisziplinen

In der Leichtathletik ziehen sich die Schüler beim Laufen die meisten Verletzungen zu. Die Ursachen für Unfälle sind mangelnde Trittsicherheit, Umknickvorgänge und Stürze. An zweiter Stelle stehen Zerrungen oder Überdehnungen und Muskelfaserrisse im Bereich von Oberschenkel und Hüftgelenken. An dritter Stelle stehen Zusammenstösse, wobei Platzwunden, Prellungen und Gehirnerschütterungen typisch sind.

Stolpern über Hindernisse:

Innenbahnbegrenzungen, Gegenstände, die auf der Laufbahn liegen, Unebenheiten durch Absenkungen in der Laufbahn, schlecht ausgebesserte Stellen in der Laufbahn, Kaninchenlöcher im Rasen oder vorstehende Metallteile von Beregnungsanlagen sind Stolperfallen, die zu Stürzen führen können.

Getroffen werden - Aufprall

Bei Läufen in Gruppen auf der Rasenfläche, also ohne Bahneinteilung, kommt es häufig zu Kollisionen, aufgrund von Unaufmerksamkeit. Die Schüler/innen sind es nicht gewohnt, in Gruppen zu laufen, sie behindern sich gegenseitig, stoßen zusammen. Unaufmerksamkeit kann auch dazu führen, dass Schüler über die eigenen Beine stolpern.

Mängel in der Ausrüstung

Gut sitzendes, funktionelles Schuhwerk bietet genügend Halt für die Durchführung korrekter Bewegungsabläufe und Schutz für Wirbelsäule und Gelenke. Bei ungeeignetem Schuhwerk oder bei barfüßigem Laufen und Springen kön-nen Schnittverletzungen zustande kommen beim Anstoßen an vorstehende scharfkantige Einrichtungen (Stangen, Bodenhülsen) oder Hineintreten in herumliegende Glasscherben.

Mangelhafte Vorbereitung

Besonders bei Schnellkraftübungen wie bei Kurzstreckenläufen, kann es bei ungenügender Erwärmung zu Leistenzerrungen, Muskelzerrungen oder Muskelfaserrissen an der Innenseite der Oberschenkel, sogar zu knöchernen Abrissen im Beckenbereich und Entzündungen des Muskelschleimbeutels kommen. Bei Ausdauerübungen kann es bei hohen Außentemperaturen oder einer hohen Luftfeuchtigkeit in Einzelfällen zu Kreislaufproblemen kommen. Bei Ozonkonzentration von 180 µg/m³ sollte auf schwere kreislaufbelastende Übungen verzichtet werden.

Checkliste zur Unfallverhütung bei den Laufdisziplinen

Eine sehr wirkungsvolle Maßnahme um Verletzungen zu vermeiden, ist die gute Vorbereitung in Form von laufspezifischem Aufwärmtraining mit gymnastischen Übungen zur Dehnung der Waden und Oberschenkelmuskulatur. Auf Schnellkraftanforderungen müssen die Schüler gut vorbereitet werden.
Überforderungen durch Erschöpfung und Überlastung des Kreislaufsystems sind durch ein planmäßiges, alters- und entwicklungsgemäßes Heranführen der Schüler an das Ausdauertraining zu vermeiden. Pulskontrollen können Aufschluss geben über die Belastbarkeit und den Gesundheitszustand der Schüler. Nach ausdauerndem Laufen kann der Puls eine Frequenz von 150 - 170 Schläge/min erreichen. Bei normalem Gesundheitszustand sollte der Puls nach einer Minute Pause um mindestens 30 Schläge absinken. Um an heißen Tagen den Flüssigkeitsverlust auszugleichen und die Körpertemperatur optimal regulieren zu können, sollen Schüler Getränke mitbringen, luftdurchlässige, schweiß-absorbierende Kleidung tragen, bei starker Sonneneinstrahlung Sonnenschutzmittel benutzen und in Wartezeiten zwischen den Übungen Kopfschutz tragen.
Auf den Tiefstart müssen Schüler durch Startübungen vorbereitet werden. Für den Staffellauf müssen die Wechsel separat geübt werden (Wechselart und Übergabetechnik, Vermeiden des Auflaufens). Besonders sorgfältig sind die Schüler auf das Hürdenlaufen vorzubereiten. Der ungewohnte Bewegungsablauf stellt hohe Anforderungen an die Koordination und Rhythmusfähigkeit. Eine spezifische Beweglichkeit ist im Hüftbereich erforderlich. Die Schüler müssen dazu gebracht werden die Hürden zu überlaufen, sie nicht zu überspringen. Schwere Verletzungen können entstehen, wenn das Überlaufen der Wettkampfhürden gegen die Kipprichtung misslingt.
Schüler müssen geeignete, gut geschnürte und stoßdämpfende Sportschuhe tragen. Die Sportschuhe müssen richtig geschnürt sein. Die Verwendung von Spikes ist vom Leistungsstand abhängig zu machen. Auf die Gefahren beim Transport und den richtigen Umgang mit Spikes sollen Lehrkräfte beim erstmaligen Einsatz der Spikes hinweisen.


Gefährdungen bei den Sprungdisziplinen

Die meisten Unfälle beim Weitsprung ereignen sich bei der Landung in der Sprunggrube oder während der Absprungphase auf dem Absprungbalken. Die Wirbelsäule und die Gelenke sind beim Absprung und bei der Landung besonderen Belastungen ausgesetzt, weshalb bei der Vorbereitung dosierend vorgegangen werden muss. Auch beim Anlauf kann es durch Umknicken oder Stolpern zu Unfällen kommen.
Beim Hochsprung kommt es bei der Landung am häufigsten zu Verletzungen. Dabei sind Hals Rücken, Schultern, Arme und Hände betroffen. Es entstehen Knochenbrüche, Prellungen oder Verstauchungen. Kopfverletzungen geschehen
hauptsächlich bei Fehllandungen neben der Matte. Vermeiden lässt sich dies durch das Aufstellen einer nicht überlaufbaren Sichtmarke, z. B. zwei Markierungshütchen, in der Mitte direkt vor der Hochsprunganlage. Nicht selten verletzen sich Schüler/innen bei der Landung auf dem Rücken dadurch, dass die Körperspannung aufgegeben wird und sie sich die Knie ins Gesicht schlagen. Beim Verlassen der Matte ändert sich die Beschaffenheit und das Niveau des Untergrundes, was zu Umknickverletzungen, Verstauchungen oder zu Bänderrissen führen kann.

Checkliste zur Sicherheit beim Weitsprung

Die Weitsprunganlage ist auf Unebenheiten beim Anlauf, Schäden am Absprungbalken und Fremdkörper in der Sprunggrube zu prüfen. Absprungbalken können ausgehöhlt und versandet sein oder um mehrere Zentimeter hervorstehen. Der Sand auf dem Absprungbalken ist regelmäßig zu entfernen. Der Sand in der Weitsprunggrube darf nicht verdichtet sein, damit es bei Landungen nicht zu Stauchungen der Wirbelsäule kommt.

Bild rechts: "Hügellandschaft in der Weitsprunggrube"

Die Sandgrube muss frei sein von Fremdkörpern, Gegenständen und Hindernissen und hygienisch einwandfrei sein.
Der Unterricht muss so organisiert werden, dass sich Schüler beim Anlauf und bei der Landung nicht gegenseitig behindern.
Es ist sicherzustellen, dass kein Schüler springt, solange sich noch Helfer oder Werkzeuge in der Sprunggrube befinden. Die Lehrkraft bleibt so lange auf der Bahn in der Absprungnähe stehen, bis die Sprunggrube frei ist.
Die Absprungzone ist so nahe an die Sprunggrube zu legen, dass die Distanz auch vom schwächsten Schüler leicht überwunden werden kann.
Die Körperspannung darf bei der Landung nicht völlig aufgegeben werden, die Knie dürfen das Gesicht nicht berühren.

Checkliste zur Sicherheit beim Hochsprung

Hochsprungständer müssen mit standfesten T-Füßen ausgestattet sein. Der Anlauf zum Hochsprung muss frei von Stolperstellen (Ablaufmarkierungen) sein. Die Hochsprungmatten und Weichböden dürfen nicht beschädigt sein.
Die Hochsprunglatte darf nicht verbogen oder seitlich eingerissen sein. Beim Reißen der Latte können die Ständer zum Kippen gebracht werden. Es ist empfehlenswert beim Üben eine "Zacharias-Latte" (Plastikband mit Gummizug und Ablösemechanismus, evt. auch eine Zauberschnur) zu verwenden.
Die Hochsprunganlage muss genügend breit sein. Durch Aufstellen einer Markierung in der Mitte vor der Anlage muss ein falscher Absprungpunkt vermieden werden. Die Ständer sind so aufzustellen, dass die Matte seitlich ca. 60 - 100 cm über die Ständer hinausragt. Der Anlauf ist von Laub, Moos und Sand zu reinigen. Bei nassem Boden darf nicht gesprungen werden.

Es muss verhindert werden, dass der Lattenrost unter der Hochsprungmatte hervorsteht.
Während des Übungsbetriebes ist laufend zu überprüfen, ob sich die Matte verschoben hat. Gegebenenfalls ist diese zurechtzurücken.
Durch verschiedene Sprünge ohne Latte sollen die Schüler an die Landung gewöhnt werden. Die Arme sollen bei der Landung nicht aufgestützt werden. Die Landung soll auf dem ganzen Rücken erfolgen, nicht auf den Schultern oder dem Nacken. Die Körperspannung bleibt erhalten, damit die Knie nicht das Gesicht berühren.

Sicherheit bei den Wurfdisziplinen und beim Kugelstoßen

Für alle Wurfdisziplinen und das Kugelstoßen gilt:

Bei der Technikschulung sollen leichte Geräte eingesetzt werden (z.B. leichtere Schleuderbälle und Kugeln).
Spezielle Gerätegewöhnungsübungen und die Technik der Wurfdisziplinen und des Kugelstoßens sind sorgsam einzuüben. Eine ausgeprägte und speziell auf das Werfen oder Stoßen ausgelegte Aufwärmarbeit, die besonders die Schulter-, Arm- und Rückenmuskulatur vorbereitet und zunehmend intensiver gestaltet wird, ist als Unfallprophylaxe unverzichtbar.
Mit der Behebung technischer Mängel an Sportanlagen und den bereitgestellten Hilfsmitteln, ist lediglich eine geringe Anzahl der Unfälle zu verhindern. Die Mehrzahl der Unfalle kann über organisatorische oder verhaltensregelnde Maßnahmen vermieden werden. Hierbei ist neben den materiellen Rahmenbedingungen das situative Handeln und das methodische Vorgehen der Lehrkraft von entscheidender Bedeutung.

Checkliste zur Sicherheit bei den Wurfdisziplinen und beim Kugelstoß

Vorübungen dürfen nur nach Anleitung und bei Einhaltung ausreichender Sicherheitsabstände durchgeführt werden.
Grundsätzlich darf sich niemand in der Wurfbahn aufhalten oder diese kreuzen. In Gegenüberstellung darf nur mit ausreichendem Abstand geworfen werden. Die Wurfgeräte werden erst eingesammelt, wenn alle geworfen oder gestoßen haben.
Die Geräte werden nicht zurückgeworfen, sondern von den Werfern auf Kommando gleichzeitig geholt oder zurückgerollt.
Speerwurf sollte nur in Kleingruppen (6-8 Schüler) und unter kontrollierten Bedingungen (Aufsichtsführung) geübt werden. Keine Würfe in Gegenüberstellung!

Bei der Einübung von Drehwürfen kann der Diskus als Wurfgerät in der Übungsphase durch alte Fahrradmäntel oder Gummiringe ersetzt werden (siehe Bild rechts).
Beim Schleuderballwurf ist ein Sicherheitsabstand von ca. 3m einzuhalten und auf eine um mind. einen Meter versetzte Aufstellung der Übenden zu achten.
Diskuswürfe sollen nur aus dem Wurfkreis (mit Schutzgitter) erfolgen.
Die Abwurfstellen müssen trittsicher und rutschfest ausgebildet sein. Der Untergrund muss fest und trocken sein.

 

Beim Kugelstoßen an der Kugelstoßanlage gilt bezüglich des Ordnungsrahmens:

  • Wartende Schüler halten sich an festgelegten Plätzen im Rückraum der Kugelstoßanlage auf.
  • Die zum Messen eingeteilten Schüler behalten die Vorbereitungen zum Stoß im Auge, erst wenn die Landefläche frei ist, darf gestoßen werden.
  • Der Stoßkreis wird immer entgegen der Stoßrichtung verlassen.
  • Die Landefläche wird nur betreten, wenn sich niemand im Stoßkreis befindet.
  • Die Geräte dürfen niemals zum Abstoßbereich zurückgestoßen oder -gerollt werden.
  • Es muss unbedingt verhindert werden, dass Schüler nach dem Stoß ihrer Kugel nachlaufen um sie zu holen, während andere das Stoßen üben.
  • Um Verletzungen vorzubeugen muss beim Kugelstoßen auf die sichere Handhabung (Hand- und Armhaltung) der Kugel hingearbeitet werden.

Folgende Schriften zum Thema können kostenlos beim Bad. GUVV bezogen werden:

GUV 57.1.39, "Checklisten zur Sicherheit im Sportunterricht"
GUV 20.27, Merkblatt "Der schulsportgerechte Schuh"
GUV 57.2.319, Lehrerbrief "Drehwürfe", Ausgabe 1/2001

Heidi Palatinusch, Päd. Mitarbeiterin der Abt. Prävention des Bad. GUVV Waldhornplatz 1 
76131 Karlsruhe Tel. 0721 / 6098  297

 

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