Autoren | Epochen
  

Alfred Andersch
 

Lebensdaten
| Werk


 

* 4. Februar 1914 München

+ 21. Februar 1980 Berzona/Tessin (Nierenversagen)

Grabstätte: Berzona, Friedhof

 


 
Aus kleinbürgerlich-konservativem Elternhaus. Mittlerer von drei Söhnen des Veterinärs, späteren Buchhändlers, Immobilienkaufmanns und Versicherungsagenten Alfred Andersch sen. (1875-1929) und seiner Frau Hedwig, geb. Watzek (1884-1976). Brüder: Rudolf (1909-1981), Martin Otto (1921-1993). Abbruch der gymnasialen Ausbildung, Buchhändlerlehre. Geprägt von den Erfahrungen der Weimarer Republik, des Nationalsozialismus und der Soldatenzeit.
 

1935

1. Ehe mit der Fabrikantentochter Angelika Albert (*1906, Halbjüdin); Scheidung 1943. Tochter: Susanne (1937-1988)

1950

2. Ehe mit der Malerin Gisela Groneuer, geb. Dichgans (1913-1987); Kinder: Michael (Adoptivsohn, 1940-1981), Martin (Adoptivsohn, *1945), Annette (*1950)

 
Vielgelesener Autor. Mitbegründer der Gruppe 47. "Sansibar" ist zum modernen Klassiker geworden.
 Anderschs Werk ist ein Plädoyer für die Entscheidungsfreiheit des Individuums gegenüber mächtigen Kollektiven: gegen jegliche Form von gedanklicher oder politischer Beeinflussung zur Anpassung. Themen: Zweifel des Intellektuellen, der unter dem Druck politischer Ereignisse Stellung beziehen muss; Flucht aus gesellschaftlichen und ideologischen Zwängen (aber nicht aus der Wirklichkeit). Kritik an der Bundesrepublik der sechziger Jahre: "Die Ästhetik des Widerstands ist der Widerstand der Ästhetik" ("Efraim").
 Eingängiges Erzählen; Montagetechnik (plötzlicher Szenenwechsel), knapper durch Bildhaftigkeit aufgelockerter Reportagestil.

Preise (Auswahl)

1958

Deutscher Kritikerpreis

1968

Nelly-Sachs-Preis der Stadt Dortmund
Prix Charles Veillon

1975

Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste


Wichtige Lebensdaten:

1920-24

Volksschule in München.

1924-28

Besuch des Wittelsbacher Gymnasiums (Direktor ist der Vater Himmlers; vgl. Der Vater eines Mörders); A. muss wegen unzureichender Noten nach der Untertertia von der Schule abgehen; Buchhändlerlehre.

1929

Tod des Vaters (Spätfolgen einer Kriegsverletzung).

1930

Eintritt in den kommunistischen Jugendverband von Südbayern.

1931-33

Arbeitslos; politische Tätigkeit: Organisationsleiter im kommunistischen Jugendverband.

1933

Mai: Verhaftung; bis April KZ-Haft in Dachau. Sept.: bei einer Razzia der Gestapo erneute Verhaftung; A. kommt frei, gibt die Arbeit für die kommunistische Partei auf; totale intellektuell-ästhetische "Introversion". Herbst: Anstellung bei einer Verlagsbücherei.

1934

1. Italienreise; Bekanntschaft mit Angelika Albert.

1935

Mai: Heirat in München; 2. Italienreise mit Angelika.

1937

Werbetexter und Angestellter einer Fotopapierfabrik in Hamburg; Beginn des professionellen Schreibens.

1940

Besatzungssoldat in Frankreich. Herbst: auf Fronturlaub in Köln Bekanntschaft mit der (verheirateten) Malerin und Lehrerin Gisela Groneuer.

1941

Als ehemaliger KZ-Häftling (oder als Angehöriger von "jüdischen Mischlingen") vorübergehend aus der Wehrmacht entlassen; Büroangestellter bei einer Kosmetikfirma in Frankfurt/M; Liebesverhältnis mit Gisela Groneuer.

1943

Scheidung von Angelika. Wieder eingezogen, Infanteriepionier in Siegen.

1944

Obergrenadier in Dänemark und Oberitalien; 6.6.: Desertion zu den Amerikanern.

1944-45

Kriegsgefangenschaft in den USA: Fort Ruston (Louisiana), Fort Kearny (Rhode Island), Fort Getty (Rhode Island); Redaktion der Zeitschrift Der Ruf - Blätter für deutsche Kriegsgefangene.

1945

Rückkehr nach Deutschland über Boston und Le Havre nach Darmstadt.

1946-47

Redaktionsassistent Erich Kästners bei der Neuen Zeitung in München; dann zusammen mit H. W. Richter Herausgeber der politisch-literarischen Zeitschrift Der Ruf, die von den Amerikanern wegen "Nihilismus" verboten wird

1947

Mitbegründer der Gruppe 47.

1948

Wiederaufnahme des Verhältnisses mit Gisela Groneuer.

1948-58

Einflussreicher kulturell-literarischer Rundfunkredakteur beim Hessischen, ab 1955 beim Süddeutschen Rundfunk. Förderung der "jungen" deutschen Literatur.

1949-52

Juli: Wohnsitz auf der Burg Kerpen bei Daun in der Eifel.

1950

25.4.: Heirat mit Gisela Groneuer.

1952

Umzug nach Hamburg.

1952-54

Herausgeber der Buchreihe studio frankfurt.

1955-57

Herausgeber der literarischen Zeitschrift Texte und Zeichen.

1958

Rückzug ins entlegene Val Onsernone im Tessin (Nachbarn: Max Frisch und Golo Mann) aus Protest gegen politische, gesellschaftliche und kulturelle Entwicklungen in der Bundesrepublik; freier Schriftsteller.

1962-63

Aufenthalt in Rom.

1964

Aufenthalt in Berlin.

1965

Leiter einer Fernseh-Expedition in die Arktis.

1970

Auf Einladung des Goethe-Instituts Vortragsreise in Nordamerika.

1972

Reise nach Mexiko. Schweizer Staatsbürgerschaft.

1974

Schwere Erkrankung (Gürtelrose).

1975

Reisen nach Spanien, Portugal und die Sowjetunion.

1977

Niereninsuffizienz; Aug.: Nierentransplantation.


Werke:
(U = Ursendung)

Autobiographischer Bericht

1952

Die Kirschen der Freiheit

Romane

1957

Sansibar oder der letzte Grund

1960

Die Rote

1967

Efraim

1974

Winterspelt

Erzählungen

1957

Piazza San Gaetano. Suite

1958

Fahrerflucht

1958

Geister und Leute. Zehn Geschichten:

  • Weltreise auf deutsche Art

  • Diana mit Flötenspieler

  • Die letzten vom 'Schwarzen Mann'

  • Ein Auftrag für Lord Glouster

  • Vollkommene Reue

  • Blaue Rosen

  • Cadenza finale

  • Mit dem Chef nach Chenonceaux

  • In der Nacht der Giraffe

  • Drei Phasen

1963

Ein Liebhaber des Halbschattens

1971

Mein Verschwinden in Providence

1980

Der Vater eines Mörders. Eine Schulgeschichte

1981

Flucht in Etrurien

1983

Sämtliche Erzählungen

1986

Erinnerte Gestalten. Frühe Erzählungen:

  • Skizze zu einem jungen Mann

  • Ein Techniker

  • Sechzehnjähriger allein

Lyrik

1977

empört euch der himmel ist blau (Sammlung)

Hörspiele

1956 U

Von Ratten und Evangelisten

1958 (U 1957)

Fahrerflucht

1960 (U 1959)

Der Tod des James Dean. Eine Funkmontage

1960 U

Der Albino

1963

In der Nacht der Giraffe

Essays

1948

Deutsche Literatur in der Entscheidung

1965

Die Blindheit des Kunstwerks ud andere Aufsätze (veränd. Neuausg. 1979)

Reiseschilderungen

1962

Wanderungen im Norden

1966

Aus einem römischen Winter

1969

Hohe Breitengrade oder Nachrichten von der Grenze

1972

Norden Süden rechts und links. Von Reisen und Büchern. 1951-71

1977

Weltreise auf deutsche Art

Gesamtausgaben

1979

Studienausgabe, Zürich: Diogenes (15 Bde.)

2004

Gesammelte Werke, hg. v. Dieter Lamping, Zürich: Diogenes (10 Bde.)


 

Ausführliches Booklet des Diogenes-Verlags

  

  

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