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Barock (1600-1720)
 

 
Begriff:

von portug. barocco, unregelmäßige, schiefe Perle; zunächst abwertende Bez. für einen Stil der bildenden Kunst (im Sinne von "übertrieben, verzerrt"); von F. Strich erstmals auf die Literatur übertragen.

Datierung:

Zeitraum vom Ende der Renaissance bzw. des Späthumanismus bis zur Aufklärung. Überwindung der lat. Tradition: normenaufstellende Poetik des Martin Opitz (Buch von der  Deutschen Poeterey, 1624). Die Einheit der Epoche liegt in der Polarität ihrer Welterfahrung.

Tragende Schicht:

Gehobenes, gebildetes Bürgertum; die Literatur ist aber höfisch orientiert.

Sprachgesellschaften: Vereinigungen von Fürsten, Adligen, Gelehrten und Dichtern mit dem Ziel der Pflege und Reinerhaltung der deutschen Sprache; großer Einfluss auf die Ausbildung der Barock-Rhetorik. Erste und größte Sprachgesellschaft ist die "Fruchtbringende Gesellschaft" (Palmenorden). Die Mitglieder tragen zum Ausgleich der Standesunterschiede Gesellschaftsnamen (Opitz als poeta laureatus heißt z. B. "der Gekrönte").

Grundzüge:

Hintergrund: 30-jähriger Krieg. Von Gegensätzen geprägt: fürstlicher Machtwillen, Repräsentation - Weltangst, Pessimismus, Gefühl der Unsicherheit des Lebens; Weltzuwendung - Weltverneinung; Sinnenfreude - Erkenntnis der Vergänglichkeit, Scheinhaftigkeit, Eitelkeit alles Irdischen (vanitas-Gedanke). Die Erfahrung der Brüchigkeit der Welt führt zu einer epikureischen carpe-diem-Haltung, zur stoischen Gelassenheit oder zum christl. Gedanken der Weltüberwindung.
Dichtung ist lernbar (Poetiken); Betonung der Form; virtuose Beherrschung der (rhetorischen) Darstellungsmittel; dichterischer Ausdruck der Sinnenhaftigkeit und des dualistischen Lebensgefühls sind vor allem Allegorie, Metapher (Fundus: Emblembücher), Antithese; antiker Schmuck, mythologische Motive - christlicher Gehalt.
Überfeinerung, Gesuchtheit im Hochbarock ("Marinismus", nach dem italienischen Dichter Giambattista Marino).

Themen:

Bezugspunkt ist der Tod ("memento mori"); thematisiert werden unter der Polarität von Diesseits und Jenseits die Scheinhaftigkeit, Veränderlichkeit, Vergänglichkeit der Welt ebenso wie der Lebensgenuss (Lyrik); Welt als Theater, Leben als Rollenspiel; religiöse Themen; geschichtliche Stoffe (Trauerspiel); Liebeshändel, "Haupt- und Staatsaktionen" (höfischer Roman).

Dichter:

Beamte, Professoren, Lehrer, Ärzte, Pastoren, Ordensleute; protestantisches Element herrscht (in der muttersprachlichen  Dichtung) vor; literarische Zentren: Höfe Nord- u. Mitteldeutschland u. Frankens; wichtigste Literaturlandschaft ist aber Schlesien

Bevorzugte Formen:

(Gesellschafts-, religiöse) Lyrik (verbreitetste Gedichtform: Sonett); Drama (Jesuitendrama, Trauerspiel, Komödie); Roman (höfisch-historischer R., Schäferroman, satirischer Roman, Schelmenroman).


Autoren:

       

Emblem
(Motto - Bild - Epigramm)

EX MAXIMO MINIMUM.


 

HAE Sunt Relliquiae Sacrarij, in quo
Fertur viua Dei fuiße imago.
Haec est illius, et domus ruina,
In qua olim Ratio tenebat arcem.
At nunc horribilis figura Mortis.
Ventosum caput, haud habens cerebrum.

 

AUS DEM GRÖSSTEN DAS KLEINSTE.
Dies sind die Überreste des Heiligtums, in dem
 das lebendige Ebenbild Gottes gewesen sein soll.
Dies sind die Trümmer davon und auch von dem Haus,
in dem die Vernunft einst ihren Sitz hatte.
Aber jetzt: die schauderliche Gestalt des Todes,
ein Kopf ohne Hirn, durch den der Wind pfeift.

 

 
     

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