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Matthias Claudius
 

Pseudonym: Asmus
 
Lebensdaten | Werk


* 15. August 1740 Reinfeld bei Lübeck (Holstein damals dänisch)

+ 21. Januar 1815 Hamburg

Grabstätte: Hamburg-Wandsbek an der Christuskirche

 

 
Gemälde von Friederike Leisching
 

 
Sohn des Pastors Matthias Claudius (1703-1773) und seiner zweiten Frau, der Ratsherrentochter Maria Claudius, geb. Lorck (+1780). Acht Geschwister, u.a. Josias (1739-1760), Dorothea Christine (+1766). Erster Unterricht vom Vater.
  Zeit seines Lebens auf finanzielle Unterstützung von Freunden und Mäzenen angewiesen. Führt äußerlich ein beschauliches Leben "im Abseits", sein Haus in Wandsbek wird aber zum Treffpunkt von Freunden und Besuchern aus nah und fern.
 

1772

Heirat mit der Zimmermeisterstochter Rebekka Behn (1754-1832).
12 Kinder: Matthias (*+1772), Caroline (*1774), Christiane (1775-1796), Anna (*1777), Auguste (*1779), Trinette (*1781), Johannes (*1783), Rebekka (*1783), Matthias (1786-1788), Fritz (*1789), Ernst (*1792), Franz (*1794)

 
Volkstümlicher Journalist, Schriftsteller und Lyriker. Mit dem "Wandsbecker Bothen", der ersten deutschen Volkszeitung (mit Beiträgen von Autoren wie Goethe, Lessing, Herder, Bürger, Gleim, Voß oder Gerstenberg), schafft Claudius einen neuen journalistischen Typus, der sich von den bisherigen moralischen Wochenschriften absetzt. Über die Grenzen Hamburgs hinaus machen ihn dann die sieben Bände der im Selbstverlag erschienenen "Sämmtlichen Werke des Wandbecker Bothen" bekannt. In dieser Fiktion einer Zeitschrift steht Unterhaltendes neben Belehrendem, Kritisches neben Erbaulichem: Gedichte, Betrachtungen, Aphorismen, Abhandlungen, Rezensionen, Briefe (an "Vetter Andres" oder den Sohn Johannes), Epigramme und Fabeln wechseln in bunter Folge.

    "Ich bin ein Bote und nichts mehr,
    Was man mir gibt das bring ich her [...]
    Die nackte Wahrheit lieb ich sehr,
    Doch gibt man mir noch etwas mehr,
    Wenn's nur noch eine Sage wär',
    Und wenn's ein Spott zur Beßrung wär' 
    Und wenn's ein sanftes Liedchen wär', 
    Und wenn es sonst so etwas wär' 
    Je nun - da bring ich's auch mit her..."

Konservativ-christliche, aber aufklärerische Grundhaltung. Die ursprüngliche, von Humor geprägte, nur scheinbar naive Diktion verbürgt zusammen mit der bildhaften Sprache die Volkstümlichkeit und macht C. zum großen Vorbild für die Volksschriftsteller des 19. Jhs. (z. B. für Johann Peter Hebel). Von Claudius stammen einige der schönsten deutschen Gedichte.
  Hermann Hesse über Claudius: "Fromm in tiefster Seele, mit einer gegen das Alter wachsenden Neigung zu einer herzlichen, doch engen Pietisterei, in den Wissenschaften nicht unbewandert, voll Bedürfnis nach beständigem Umgang mit Büchern, mit Kunst, mit geistigen Menschen, blieb er doch immer ein Kind und ein Stück Volk."


Wichtige Lebensdaten:

1751

Tod dreier Geschwister innerhalb eines Jahres.

1755

Zusammen mit dem Bruder Josias auf der Lateinschule in Plön.

1759

Studium in Jena (zusammen mit dem Bruder); zuerst Theologie, dann Jura und Kameralwissenschaften. Mitglied der Teutschen Gesellschaft. Begegnung mit Heinrich Wilhelm von Gerstenberg.

1760

19.11. Tod des Bruders Josias in Jena (Blattern).

1762

Ohne Studienabschluss Rückkehr nach Reinfeld. Freundschaft mit Gottlob Friedrich Schönborn.

1764

In Kopenhagen als Privatsekretär des Grafen Holstein. Im Kreis um Bernstorff und Klopstock.

1765

Aug.: Rückkehr nach Reinfeld.

1766

Tod der Schwester Dorothea Christine.

1768

Übersiedlung nach Hamburg: redaktionelle Mitarbeit an den Hamburger Adreß-Comptoir-Nachrichten. Bekanntschaft mit Philipp Emanuel Bach und Lessing (im Hause Reimarus).

1770

Erste Begegnung mit Herder. Ende des Jahres zurück nach Reinfeld.

1771-75

Jan.: in Wandsbek; Redakteur des Wandsbecker Bothen.

1772

15.3.: Heirat. Tod des ersten Kindes unmittelbar nach der Geburt.

1773

Tod des Vaters.

1774

Beginn des Briefwechsels mit Johann Georg Hamann.

1775

Juli: C. quittiert seine Redaktionstätigkeit; Okt.: Der Wandsbecker Bothe stellt sein Erscheinen ein. Herbst: Reise nach Berlin; Treffen mit den Brüdern Stolberg und dem Freiherrn von Haugwitz (später preußischer Staatsminister); Aufnahme in eine Freimaurerloge; Weiterreise auf das Gut von Haugwitz' in Schlesien.

1776

März: Aufbruch der Familie nach Darmstadt. Apr.: Mitglied in der Oberlandeskommission des Ersten Staatsministers Karl von Moser (auf Vermittlung Herders); Aufgabe: Volksaufklärung. Bekanntschaft mit Johann Heinrich Merck und Friedrich "Maler" Müller.

1777

Jan.: zwei Monate Redakteur der Hessen-Darmstädtischen privilegierten Land-Zeitung. Entlassung in Ungnade aus dem Dienst bei Moser. März: lebensgefährliche Krankheit (Rippenfellentzündung). Apr.: Rückkehr nach Wandsbek. Von da an freier Schriftsteller. Freundschaft mit dem Düsseldorfer Kaufmann und Mäzen Friedrich Heinrich Jacobi.

1780

Tod der Mutter.

1784

Reise nach Schlesien zu Haugwitz. Auf der Rückreise Treffen mit Goethe in Weimar. Verstimmung zwischen Goethe und Claudius.

1785

Jahrespension durch den dänischen Kronprinzen Friedrich.

1788

Stelle als Erster Revisor an der Altonaer Species-Bank (auf Vermittlung des dänischen Kronprinzen). Reise durch Holstein mit Friedrich Heinrich Jacobi. Tod des Sohnes Matthias.

1793

Besuch der Fürstin Gallitzin. Begegnung mit Lavater.

1794

Kuraufenthalt in Pyrmont.

1796

Tod der Tochter Christiane. Wilhelm von Humboldt in Wandsbek.

1797

C. verteidigt die Pressezensur; Angriff des alten Freundes Voß. Gegen Claudius gerichtetes Distichon in Goethes und Schillers Xenien. Heirat der Tochter Caroline mit dem Verleger Friedrich Christoph Perthes.

1800

Im Gegensatz zu Jacobi und Voß toleriert Claudius die Aufsehen erregende Konversion Friedrich Stolbergs zum Katholizismus.

1807

Die Brüder Stolberg in Wandsbek.

1810

Beiträge für Perthes' Zeitschrift Vaterländisches Museum. Begegnungen mit Dichtern und Malern der Romantik (Runge, Schelling, Friedrich Schlegel).

1812

Mitarbeit an Friedrich Schlegels Deutschem Museum.

1813

Flucht vor den Kriegswirren nach Kiel und Lübeck.

1814

März: Rückkehr nach Wandsbek. Verschlimmerung des Gesundheitszustandes und Übersiedlung nach Hamburg zu Tochter und Schwiegersohn.


Werke:
(e = entstanden)

Gedichte/Verserzählungen

1763

recte 1762

Tändeleyen und Erzählungen (anonym)

1779

Ein Lied, nach dem Frieden Anno 1779 (anonym)

Sammelwerk (Zeitungsbeiträge, Plauderein, Aphorismen, Aufsätze, Gedichte)

1775

Asmus omnia sua secum portans oder Sämmtliche Werke des Wandsbecker Bothen: I. und II. Theil

1778

Asmus omnia sua secum portans oder Sämmtliche Werke des Wandsbecker Bothen: III. Theil

1783

Asmus omnia sua secum portans oder Sämmtliche Werke des Wandsbecker Bothen: IV. Theil

1790

Asmus omnia sua secum portans oder Sämmtliche Werke des Wandsbecker Bothen: V. Theil

1798

Asmus omnia sua secum portans oder Sämmtliche Werke des Wandsbecker Bothen: VI. Theil

1803

Asmus omnia sua secum portans oder Sämmtliche Werke des Wandsbecker Bothen: VII. Theil

1812

Asmus omnia sua secum portans oder Sämmtliche Werke des Wandsbecker Bothen: VIII. Theil

Schriften (Auswahl)

1760

Ob und wie weit Gott den Tod der Menschen bestimme

1794

Auch ein Beytrag über die Neue Politick (u. d. Psn. Asmus)

1796

Von und mit dem ungenannten Verfasser der "Bemerkungen" über des H.O.C.R. und G. S. Callisen Versuch den Werth der Aufklährung unsrer Zeit betreffend (anonym)

1797

Urians Nachricht von der neuen Aufklärung (u. d. Psn. Asmus)

1799

Nachricht von der Neuen Aufklärung. Zweite Pause, die Philosophie betreffend (anonym)

1804

Einfältiger Hausvater-Bericht über die Christliche Religion an seine Kinder (u. d. Psn. Asmus)

1814

Predigt eines Laienbruders zu Neujahr 1814

Übersetzungen

1776

Richard Twiss: Reise nach Spanien und Portugal

1777/78

Jean Abbé Terrasson: Geschichte des ägyptischen Königs Sethos (2 Teile)

1780

André Michel Chevalier de Ramsay: Die Reisen des Cyrus, eine moralische Geschichte von dem Ritter von Ramsay (u. d. Psn. Asmus)

1782

Louis Claude Marquis de Saint-Martin: Irrthümer und Wahrheit oder Rückweiß für die Menschen auf das allgemeine Principium aller Erkenntniß

1800, 1809, 1811

Fénelon's Werke religiösen Inhalts (3 Bde.)

Werkausgaben

1819

Werke, Hamburg: Perthes (4 Bde.)

1871

Sämtliche Werke mit einer Nachlese, hg. v. C. Redlich, Gotha: Perthes (2 Bde.)

1907

Werke, hg. v. G. Behrmann, Leipzig: Hesse & Becker

1924

Werke, hg. v. Bruno Adler, Weimar: Utopia (3 Bde.)

1960

Werke, hg. v. Uwe Lassen, Hamburg: Hoffmann & Campe

1968

Sämtliche Werke, hg. v. Jost Perfahl u.a., München: Winkler

1975

Ausgewählte Werke und Briefe, hg. v. G. Albrecht, Berlin: Rütten & Loening


     
Claudius-Gesellschaft e.V.

     

Abendlied

Der Mond ist aufgegangen,
Die goldnen Sternlein prangen
    Am Himmel hell und klar;
Der Wald steht schwarz und schweiget,
Und aus den Wiesen steiget
    Der weiße Nebel wunderbar.

Wie ist die Welt so stille,
Und in der Dämmrung Hülle
    So traulich und so hold!
Als eine stille Kammer,
Wo ihr des Tages Jammer
    Verschlafen und vergessen sollt.

Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen,
    Und ist doch rund und schön!
So sind wohl manche Sachen,
Die wir getrost belachen,
    Weil unsre Augen sie nicht sehn.

Wir stolze Menschenkinder
Sind eitel arme Sünder,
    Und wissen gar nicht viel;
Wir spinnen Luftgespinste,
Und suchen viele Künste,
    Und kommen weiter von dem Ziel.

Gott, laß uns dein Heil schauen,
Auf nichts Vergänglichs trauen,
    Nicht Eitelkeit uns freun!
Laß uns einfältig werden,
Und vor dir hier auf Erden
    Wie Kinder fromm und fröhlich sein!

Wollst endlich sonder Grämen
Aus dieser Welt uns nehmen
    Durch einen sanften Tod!
Und, wenn du uns genommen,
Laß uns in Himmel kommen,
    Du unser Herr und unser Gott!

So legt euch denn, ihr Brüder,
In Gottes Namen nieder;
    Kalt ist der Abendhauch.
Verschon uns, Gott! mit Strafen,
Und laß uns ruhig schlafen!
    Und unsern kranken Nachbarn auch!

(1783)

 

 

Kriegslied

's ist Krieg! 's ist Krieg! O Gottes Engel wehre,
  Und rede du darein!
's ist leider Krieg - und ich begehre
  Nicht schuld daran zu sein!

Was sollt ich machen, wenn im Schlaf mit Grämen
  Und blutig, bleich und blaß,
Die Geister der Erschlagnen zu mir kämen,
  Und vor mir weinten, was?

Wenn wackre Männer, die sich Ehre suchten,
  Verstümmelt und halb tot
Im Staub sich vor mir wälzten, und mir fluchten
  In ihrer Todesnot?

Wenn tausend tausend Väter, Mütter, Bräute,
  So glücklich vor dem Krieg,
Nun alle elend, alle arme Leute,
  Wehklagten über mich?

Wenn Hunger, böse Seuch und ihre Nöten
  Freund, Freund und Feind ins Grab
Versammleten, und mir zu Ehren krähten
  Von einer Leich herab?

Was hülf mir Kron und Land und Gold und Ehre?
  Die könnten mich nicht freun!
's ist leider Krieg - und ich begehre
  Nicht schuld daran zu sein!

(1779)

  

Der Tod

Ach, es ist so dunkel in des Todes Kammer,
   Tönt so traurig, wenn er sich bewegt
Und nun aufhebt seinen schweren Hammer
   Und die Stunde schlägt.

  

Der Tod und das Mädchen

       Das Mädchen:

Vorüber! ach vorüber!
Geh, wilder Knochenmann!
Ich bin noch jung, geh Lieber!
Und rühre mich nicht an.

       Der Tod:

Gib Deine Hand, Du schön und zart Gebild!
Bin Freund und komme nicht zu strafen.
Sei gutes Muts, ich bin nicht wild,
Sollst sanft in meinen Armen schlafen!

(1775)
           

  

  

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