Autoren | Epochen
   

Ludwig Heinrich Christoph Hölty

Lebensdaten
| Werk


* 21. Dezember 1748 Mariensee bei Hannover

   

+ 1. September 1776 Hannover (Schwindsucht)

  

Bestattet auf dem Nikolaifriedhof in Hannover
(genaue Lage des Grabes unbekannt);

Denkmal neben der Nikolaikapelle

 

 
D. Chodowiecki
Titelkupfer zum Musenalmanach von 1778

   

  

Sohn des Pastors Philipp Ernst Hölty (1712-1775) und seiner zweiten Frau Elisabeth Juliana, geb. Gössel (1724-1757). Mit 9 Jahren Blatternerkrankung, die sein Gesicht mit Narben entstellt ("in dem allerhässlichsten Körper die schönste Engelseele", Charlotte von Einem) und seine Sehkraft gefährdet. Verliert zur gleichen Zeit seine Mutter (Schwindsucht). Stiefmutter seit 1758: Maria Dorothea Niemann (1736-1805). Elf Geschwister.

Seit der Erkrankung kränklich, zurückhaltend, verschlossen; aber auch ungeheuer wissbegierig und fleißig. Bis zum 16. Lebensjahr Unterricht durch den Vater. Erlernt insgesamt sieben Sprachen. Äußerlich ereignisarmes Leben: "Bücherleben".

   

Lyriker des "Hainbundes". Kleines Werk von 138 Gedichten.
Frühvollendet; "sanft melancholischer Anklang" (Goethe) seiner Lyrik; Formenvielfalt, sprachliche Virtuosität. Seine Oden und Elegien beeinflussen Hölderlin, Novalis, Lenau, Mörike. Erster Balladendichter der dt. Literatur. Vertonungen durch Mozart, Beethoven, Schubert, Brahms u.a.

Dein, o Hölty, gedenk´ ich! dein Lied ist der liebliche Knabe,
Der in Goethes Gesang reifte zum herrlichen Mann.
(Friedrich Rückert)


Wichtige Lebensdaten:

1757

Mutter stirbt an der Schwindsucht. Blatternerkrankung schlägt auf die Augen: H. kann zwei Jahre schlecht sehen. 

1765-1768

Gymnasium in Celle, Wohnung beim Keinzleirat Gössel, seinem Onkel.

1768

Rückkehr nach Hause. Heimliche Liebe zu Anna Juliane Hagemann: die "Laura" seiner Gedichte (nach dem Vorbild Petrarcas).

1769-72

Studium der Theologie und Philologie in Göttingen; hält sich mit Sprachunterricht und Übersetzungen über Wasser. Erste Gedichte.

1770

Aufnahme in die Deutsche Gesellschaft.

1772

H. findet über G. A. Bürger Zugang zu einem Kreis junger Dichter (u.a. Voß, Bürger, Boie, Leisewitz). 12. Sept.: Gründungsmitglied im Dichterbund "Hain" (Bundesnamen: "Haining"). Stipendium; H. kann weiter in Göttingen bleiben. Halbherzige Bemühungen um eine Repetenten- oder Hauslehrerstelle; Pfarramt kommt wegen Brustbeschwerden, die vieles Reden unmöglich machen, nicht in Frage.

1774

Okt.: Reise nach Leipzig zur Requirierung von Übersetzungsaufträgen. Nov.: Gemeinsam mit Voß Besuch in Münden: H. lernt die 18-jährige Charlotte, die Tochter des Konrektors Johann Konrad von Einem, kennen ("das kleine Entzücken"); harmlose Freundschaft, Briefwechsel. - Die Tuberkulose bricht aus.

1775

Tod des Vaters. Rückkehr nach Mariensee. Kur beim berühmten Leibarzt Zimmermann. Juli: Reise nach Wandsbek und Hamburg: Begegnung mit Klopstock und Claudius, Wiedersehen mit Voß. Herbst: Um in Zimmermanns Nähe zu sein, Übersiedlung nach Hannover.

1776

Tod im Beisein der Freunde Boie und Wehrs.


Werke:
(e = entstanden)

Lyrik

1771-72 e

Elegie auf einen Dorfkirchhof

1771-73 e

Adelstan und Röschen (Ballade)

1773-75 e

Die Nonne (Ballade)

1782

Sämtlich hinterlaßne Gedichte, hg. v. A. F. Geisler, Halle: Hendel (2 Teile)

1783

Gedichte, bes. durch seine Freunde L. Graf zu Stolberg u. J. H. Voß, Hamburg: Bohn. U.a.: 

  • Landleben

  • Die Maynacht

  • Maylied

  • Maygesang

  • Laura

  • Das Traumbild

  • Der alte Landmann an seinen Sohn ("Üb immer treu und Redlichkeit")

  • Rosen auf den Weg gestreut

Übersetzungen

1775

R. Hurd: Moralische und politische Dialoge. Aus dem Englischen (2 Bde.)

1775

Der Kenner. Eine Wochenschrift von Town, dem Sittenrichter. Aus dem Englischen

1776

Der Abentheurer. Ein Auszug aus dem Englischen

1776-79

A. A. Cooper von Shaftesbury: Philosophische Werke (3 Bde.)

Werkausgaben

1857

Gedichte. Erste vollst. Ausgabe, hg. v. F. Voigts, Hannover: Meyer

1869

Gedichte. Nebst Briefen des Dichters, hg. v. K. Halm, Leipzig: Brockhaus

1914-18

Sämtliche Werke, kritisch hg. v. Wilhelm Michael, Weimar: Ges. d. Bibliophilen (2 Bde.)

1998

Gesammelte Werke und Briefe, hg. v. Walter Hettche, Göttingen: Wallstein (2 Bde.)


 

 
Ihr Freunde, hänget, wann ich gestorben bin,
die kleine Harfe hinter dem Altar auf,
wo an der Wand die Totenkränze
manches verstorbenen Mädchens schimmern.
Der Küster zeigt dann freundlich dem Reisenden
die kleine Harfe, rauscht mit dem roten Band,
das, an der Harfe festgeschlungen,
unter den goldenen Saiten flattert.
 
(9. November 1774)
 

 

 

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