Autoren | Epochen
  

Hans Henny Jahnn

eigentl. Hans Henry Jahn

Lebensdaten | Werk


 
* 17. Dezember 1894 Stellingen
(Hamburg)

+ 29. November 1959 Hamburg (Herz- und Nierenleiden)

Grabstätte: Hamburg, Nienstedtener Friedhof
 


   

Sohn des Schiffzimmerers Gustav William Jahn (1855-1935) und seiner Frau Elise Marie Charlotte, geb. Petersen (1858-1920). Orgelbauer von Weltruf, Pferdezüchter, Hormonforscher. In streng protestantischer Umwelt erzogen. Die religiöse Vorstellung des Erwachsenen schwört dem Christentum ab und wendet sich einem pantheistisch gedachten göttlichen Prinzip zu: Die Verpflichtung des Menschen besteht in der Ehrfurcht vor und dem Mitleid mit allem Leben. Literarischer und gesellschaftlicher Außenseiter; versucht in Dichtung und Leben aus den Konventionen der Gesellschaft auszubrechen; bisexuell.

     

1926

Ehe mit Ellinor Philips (1893-1970, Gymnastiklehrerin); Tochter Signe

      

Einzelgänger unter den großen deutschen Schriftstellern der ersten Jahrhunderthälfte. Antichristliche Kultur- und Zivilisationskritik. Sein Werk, auf dessen Zug ins Sexualpathologische sich seinerzeit vor allem die Kritik einschoss ("Prophet der Unzucht"), beschwört eine elementare Welt jenseits von Gut und Böse. Antizivilatorische, kulturpessimistische Grundhaltung. Zwiespältiges Urteil über ihn: "Ich kenne keinen lebenden Dichter, der das Bild des klassisch schönen Menschen so großartig besudelt und das Besudelte so inbrünstig liebt wie Jahnn" (K. H. Kramberg, 1954). - "Ich halte Jahnn ohne jede Einschränkung für den größten deutschen Prosaisten unserer Zeit" (W. Muschg, 1957). Jahnn über sich selbst: "Anarchist mit guten Zielen, überzeugter Antimilitarist".

     

Auszeichnungen:
     

1920

Kleist-Preis für "Pastor Ephraim Magnus"

1954

Niedersächsischer Literaturpreis

1956

Lessing-Preis der Freien und Hansestadt Hamburg


Wichtige Lebensdaten:

1909-11

Realschule; Freundschaft mit Gottlieb Friedrich Harms (1893-1931; späterer Musikschriftsteller).

1911-14

Oberrealschule am Kaiser-Friedrich-Ufer; Abitur.

1915-1918

Aug.: Als überzeugter Pazifist emigriert J. zusammen mit Harms, seinem Lebensgefährten, nach Norwegen; autodidaktisches Studium des Orgelbaus.

1918

Rückkehr nach Hamburg; Restauration der Arp-Schnitger-Orgel von St. Jacobi.

1919

Gründung der "Glaubensgemeinde Ugrino" in Eckel bei Hamburg zusammen mit Harms und dem Bildhauer Franz Buse: Versuch der Wiederbelebung eines elementaren Lebenszusammenhangs. Projekte zu monumentalen Sakralbauten, die aber nie errichtet werden.

1920

Tod der Mutter. Austritt aus der evangelischen Kirche.

1921

Gründung des Ugrino-Verlags zusammen mit Harms.

1923-1933

Orgelbauer; Organisator des "Hamburger Künstler-Kartells".

1928

Harms heiratet die Halbschwester von Jahnns Frau Sybille Philips; gemeinsame Wohnung.

1931

Tod von Harms.

1931-33

Orgelexperte der Stadt Hamburg.

1933

Emigration nach Zürich (wird jedoch von den Nazis nicht ausgebürgert).

1934-1950

Bewirtschaftung eines Bauernhofs auf der dänischen Insel Bornholm, unterbrochen von kurzen Deutschland-Aufenthalten. Zwiespältige Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus.

1935

Tod des Vaters.

1945

Bornholm wird von russischen Truppen besetzt, J.'s Vermögen vom dänischen Staat beschlagnahmt.

1946-49

Mehrere Aufenthalte in Deutschland.

1950

Endgültige Rückkehr nach Hamburg. In den folgenden Lebensjahren Mahner gegen deutsche Wiederbewaffnung und atomare Bedrohung.

1956

Reise nach Moskau.

1959

Tod im Tabea-Krankenhaus Hamburg.


Werke:
(e = entstanden; a = uraufgeführt in)

Romane

1929

Perrudja (2 Bde.)

1949-61

Fluß ohne Ufer (Romantrilogie):

  • Das Holzschiff (1949)

  • Die Niederschrift des Gustav Anias Horn (2 Bde., 1949-50)

  • Epilog (1961, unvollendet)

1956

Die Nacht aus Blei (aus: Jeden ereilt es)

1968 (1951-58 e)

Jeden ereilt es (Frgm.)

1968

Ugrino und Ingrabanien (Frgm.)

Erzählungen

1927

Polarstern und Tigerin

1941

Der fremde Züchter

1954

Dreizehn nicht geheure Geschichten:

  • Ragna und Nils

  • Die Geschichte der Sklaven

  • Der Uhrenmacher

  • Sassanidischer König

  • Der Gärtner

  • Die Geschichte der beiden Zwillinge

  • Ein Knabe weint

  • Kebad Kenya

  • Die Marmeladenesser

  • Mov

  • Ein Herr wählt seinen Diener

  • Der Taucher

  • Gestohlene Pferde

Dramen

1919 (1923 a Berlin)

Pastor Ephraim Magnus

1921 (1922 a)

Die Krönung Richards III. Historische Tragödie

1922 (1923 a Hamburg)

Der Arzt, sein Weib, sein Sohn

1924

Der gestohlene Gott. Tragödie

1926 (a Berlin)

Medea. Tragödie (Neufass. 1959)

1931 (1951 a)

Neuer Lübecker Totentanz

1931

Straßenecke. Ein Ort. Eine Handlung

1948 (1933 e; 1948 a Hamburg)

Armut, Reichtum, Mensch und Tier (2. Fass. 1948)

1952 (1948/49 e; 1969 a Münster)

Spur des dunklen Engels

1955 (1956 a Hamburg)

Thomas Chatterton. Eine Tragödie

1961 (1959 e)

Die Trümmer des Gewissens

Tagebuch

1986

Bornholmer Tagebuch

Übersetzung

1941

A. Tamási: Ein Königssohn der Sekler

Werkausgaben

1974

Werke und Tagebücher, hg. v. Thomas Freeman u. Thomas Scheuffelen, Hamburg: Hoffmann & Campe (7 Bde.)

1985ff.

Werke in Einzelbänden, hg. v. Uwe Schweikert, Hamburg: Hoffmann & Campe

1994

Jubiläumsausgabe, hg. v. Ulrich Bitz u. Uwe Schweikert, Hamburg: Hoffmann & Campe  (8 Bde.)


   

Arbeitskreis Hans Henny Jahnn

   

  

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