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Daniel Casper von Lohenstein
 

Adelstitel "von Lohenstein" ab 1670
 
Lebensdaten
| Werk


* 25. Januar 1635 Nimptsch (Schlesien)

+ 28. April 1683 Breslau (Schlaganfall)

 

 
Kupferstich von Johann Tscherning (1688)
 

                     

Neben Gryphius der zweite bedeutende deutsche Barockdramatiker. Besonderen Ruhm erntet L. bei den Zeitgenossen mit seinem umfangreichen, über 3000 Seiten starken höfisch-historischen Roman Großmüthiger Feldherr Arminius, dem Versuch der enzyklopädischen Aufarbeitung des gesamten zeitgenössischen Wissens. L. verfällt dann aber dem Verdikt der Aufklärer, die an seinem Werk Unnatur und den sprichwörtlich gewordenen "Lohensteinschen Schwulst" kritisieren. Erst im Lauf des 20. Jahrhunderts positivere Wertung.
  Die grellen Dissonanzen der Dramen, die Verzerrung des Tragischen ins Grässliche, die Stoffe aus den Verfallsepochen der römischen und türkischen Geschichte sind gegenbildlich zu verstehen: Sie dienen der Gegenwart als Spiegelbild (memento mori!), sind Plädoyers für eine vernunftgeleitete, dem Gemeinwohl verpflichtete Herrschaft (V. Meid).

                       

Ältester Sohn des kaiserlichen Steuereinnehmers und Ratsherrn Johann Casper (1602-1672), Stadtvogt von Nimptsch (Fürstentum Brieg), und seiner Frau Susanne, geb. Schädel von Greiffenstein (1612-1652). Der Vater wird 1670 in den erblichen Reichsadelstand erhoben. Lutheraner. Die Widmungen seiner Werke richten sich an die für Schlesien bedeutsamen politischen Mächte: die Stadt Breslau, die schlesischen Herzöge und das habsburgische Kaiserhaus. Jurist und Diplomat.

                  

1657

Eheschließung mit Elisabeth Herrmann (+1708), Tochter des Amtmanns über die Landgüter der Stadt Breslau


Wichtige Lebensdaten:

1643-51

Magdalenen-Gymnasium in Breslau.

1651

Jurastudium an der Universität Leipzig.

1653

Wechsel nach Tübingen.

1655

Promotion in Tübingen mit einer "Disputatio Juridica de Voluntate".

1655-56

Hofmeister der beiden Söhne des Obersten von Kleindienst; Bildungsreisen mit den Söhnen des  Dienstherrn in die Schweiz, die Niederlande und nach Ungarn; vorzeitige Aufgabe einer Italienreise (Pest).

1657

Rechtsanwalt in Breslau. 16.10.: Heirat.

1668

Regierungsrat im Fürstentum Oels. Berater der Herzogin Louise von Liegnitz-Brieg-Wohlau.

1670

Das Angebot, als Geheimsekretär in die Dienste des Herzogs Christian von Liegnitz und Brieg zu treten, schlägt C. aus; stattdessen Syndikus der Stadt Breslau; Erhebung der Familie in den Adelsstand durch Kaiser Leopold I.

1675

Als Delegierter des Breslauer Senats in diplomatischer Mission am kaiserlichen Hof in Wien; Ernennung zum Ober-Syndikus durch den Breslauer Rat; Ernennung zum Kaiserlichen Rat durch Leopold I.


Werke:
(e = entstanden; a = Uraufführung)

Dramen

1653
(1650 a Breslau)

Ibrahim. Trauer-Spiel (Neuaufl. 1689: Ibrahim Bassa)

1661
(1661 a Breslau) 

Cleopatra. Trauer-Spiel (Urfassung)

1665
(1666 a Breslau) 

Agrippina. Trauerspiel

1665
(1666 a Breslau)

Epicharis. Trauer-Spiel

1673

Ibrahim Sultan

1680 (a Breslau)

Cleopatra (2. Fassung)

1680
(1669 a Breslau)

Sophonisbe. Trauerspiel

Roman

1689/90
(1680ff. e) 

Großmüthiger Feldherr Arminius oder Herrmann, Als Ein tapfferer Beschirmer der deutschen Freyheit, Nebst seiner Durchlauchtigen Thußnelda ... In Zwey Theilen vorgestellet (2 Bde.)

Sonstige Prosa

1676

Lob-Schrifft (auf den letzten Piastenherzog Georg Wilhelm, gest. 1675)

1679

Lob-Rede Bey Des Weiland HochEdelgebohrnen ... Herrn Christians von Hofmannswaldau

Gedichte

1680

Blumen

  • Rosen (Hochzeitsgedichte)

  • Hyacinthen (Trauergedichte)

  • Himmel-Schlüssel oder Geistliche Gedichte

1680

Geistliche Gedancken über Das LIII. Capitel des Propheten Esaias

Übersetzung

1672

Gracián: El Político D. Fernando el Católico - Staats-Kluger Catholischer Ferdinand

Ausgaben

1733

Sämtliche Geist- und Weltliche Gedichte, Leipzig: Zedler

1748

Sämmtliche Poetische Werke, Leipzig: Löwe

1961

Gedichte, hg. v. Gerd Henniger, Berlin: Henssel

1953, 55, 57

Trauerspiele, hg. v. Klaus Günther Just, Stuttgart: Hiersemann (3 Bde.)

2005ff.

Sämtliche Werke. Hist.-krit. Ausgabe, hg. v. Lothar Mundt u.a., Berlin: de Gruyter (ca. 25 Bde.)


              

 
O BIOS ESTI KOLOKYNTHÄ

Das Leben ist ein Kürbis
 

  Dis Leben ist ein Kürbis / die Schal' ist Fleisch und Knochen;
Die Kerne sind der Geist / der Wurmstich ist der Tod;
Des Alters Frühling mahlt die Blüthe schön und roth /
Jm Sommer / wenn der Saft am besten erst sol kochen /
So wird die gelbe Frucht von Kefern schon bekrochen /
Die morsche Staudte fault / der Leib wird Asch' und Koth;
Doch bleibt des Menschen Kern der Geist aus aller Noth /
Er wird von Wurm' und Tod und Kranckheit nicht gestochen.
 

  Er selbst veruhrsacht noch: Daß eine neue Frucht /
Ein unverweßlich Leib aus Moder Asch' und Erde /
Auf jenen grossen Lentz im Himmel wachsen werde.
Warumb denn: daß mein freind mit Thränen wider sucht
Die itzt entseel'te Frau? die Seel' ist unvergraben /
So wird Er auch den Leib dort schöner wieder haben.

 

  Der Hofnungs-Bau ist Fall / die Blüthe faulend Most /
Eis / Trübsand ist das Feld / wo unser Muth ausblühet.
Wenn man den Ehren-Zweck beym Lichten recht besiehet /
Hat Erde / Sand und Sarch Uns so viel Müh gekost.
Wir etzen Marmel aus nur für der Zeiten Rost /
Der Wurm ist / was er spinnt / der Mensch / was er erziehet /
Ja was er betet an / selbst zu zerstörn bemühet /
Und unser Sonnenschein hegt morgen Haß und Frost.

 

  So wendet sich das Blatt. Wol dem der ihm nicht traut!
Mein Freind / der nichts als sich im Leben wolln besiegen /
Muß durch den gift'gen Hauch des Todes zwar erliegen.
Wol aber ihm! daß er kein Luft-Schloß hat gebaut!
Denn seiner Seele Bau / worinnen er itzt wohnet /
Bleibt von der Zeit und Tod / und Untergang verschonet.
 

         

  

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