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Minnesänger


Übersicht


    

Die wichtigsten Handschriften:
A: Kleine Heidelberger Liederhandschrift (13. Jh.; elsässisch)
B: Weingartener Handschrift (Stuttgart; Anf. 14. Jh., geschrieben in Konstanz)
C: Große Heidelberger (Manessische) Liederhandschrift (1. Hälfte 14. Jh., geschrieben in Zürich)
E: Würzburger Handschrift (München; um 1350; Hausbuch des Kanzlers Michael de Leone)
J: Jenaer Handschrift (Mitte 14. Jh.; niederdeutsch)

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1. Phase: Früher (donauländischer) Minnesang (1150-1170)

Lieder weithin geprägt durch eine natürliche und ungekünstelte Auffassung von Liebe. Formales Kennzeichen: die der epischen Dichtung angenäherte Langzeile.

     

Der von Kürenberg
   

    

Dietmar von Aist
  

Der Kür(e)nberger (Der von Kürenberg)

Leben:

Name bezeugt durch die Handschriften; keine sichere Identifizierung des Autors möglich; evtl. aus ritterlichem Geschlecht westlich von Linz (?); Schaffenszeit um 1150-1170.

überliefertes Werk:

Textkorpus von 15 Strophen; am bekanntesten das Falkenlied (Ich zoch mir einen falken...). Textüberlieferung: Hs C; Budapester Frgm. einer Liederhandschrift (um 1300).

Charakteristika:

Einzelstrophe; gleichbleibende Strophenform (des Kürnberges wîse); Langzeile. Aufeinander bezogene Frauen- und Männerstrophen ("Wechsel"); Grundthema: Erfahrung von Trennung und Vereinzelung der Liebenden.

Dietmar von Aist

Leben:

Freiherrliches Geschlecht derer von Aist seit 1125 in Oberösterreich bezeugt; die Ruinen der Stammburg am Flüsschen Aist sind noch heute zu sehen. Der Name findet sich 1139-1161 u.a. in Urkunden von Salzburg, Berchtesgaden, Regensburg, Wien; Dichter wahrscheinl. aber ein jüngerer Träger des Namens aus einer Seitenlinie, denn Schaffenszeit um 1150-1180.

überliefertes Werk:

16 Minnelieder (42 Strophen); die Lieder I, II, III werden ihm fraglos zugeschrieben; IV, V, XI und XIII bedingt; die übrigen werden gemeinhin für unecht gehalten (Merkmale einer späteren Entwicklungsstufe); evtl. ist aber auch eine dichterische Entwicklung anzunehmen.

Charakteristika:

Verschiedene Strophenformen; Entwicklung zur Mehrstrophigkeit; zum ersten Mal Refrain (XII); Wechsel; Veränderungen in der Minnekonzeption: als Dienst, als läuternde Kraft; Natureingang als festes Gestaltungselement (Tagelied, XIII: Slafest du, friedel ziere?). Grundthema: die von Trennung geprägte Liebesbeziehung. Rollengedichte; immer wieder Perspektive der Frau; lediglich in fünf Liedern spricht allein der Mann. Souveränität der Partnerin: Recht der Partnerwahl (Falkenlied, IV: Ez stuont ein frouwe alleine).

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2. Phase: Frühhöfischer Minnesang (1170-1190)

Übernahme provenzalischer Vorbilder in formaler (Vierheber, Zehn-, Elfsilbler) und inhaltlicher Hinsicht: sittliche Erhöhung des Mannes durch den Minnedienst (s.u.); Zentralbegriffe: triuwe (Treue) und mâze (maßvolles Bescheiden).

    

Heinrich von Veldeke
   

   

Friedrich von Hausen
    

Heinrich von Veldeke

Leben:

* 1140/50. Die einzigen festen Daten ergeben sich aus dem Bericht über den Diebstahl seines zu zwei Dritteln fertigen Romanmanuskripts im Jahr 1174, das er 9 Jahre später in Thüringen zurückerhält  und abschließt (Eneit 352, 26ff.), bzw. aus der Tatsache, dass Wolfram im 8. Buch des Parzival, also etwa 1205, seinen Tod beklagt (404, 28f.).
Epiker und Minnesänger. Aus einem Ministerialengeschlecht, das sich nach dem Dorf Veldeke westlich von Maastricht im heutigen Belgien benennt (Hs C); evtl. zum Kleriker ausgebildeter Mann im Hofdienst. Er nennt als Gönner die Gräfinnen Agnes von Loon und Margarethe von Cleve sowie den späteren Landgrafen Hermann von Thüringen, an dessen Hof er die Eneit vollendet.

überliefertes Werk:

Servatius-Legende (6000 Verse): Leben, Tod und Wunder des hl. Bischofs Servatius, des Maastricher Kirchenpatrons; Vorlage: lat. Heiligenvita; vor 1170 entstanden.
Eneit (Äneasroman; 13500 Verse); abgeschlossen 1187/89. Vorlage ist der anonyme Roman d´Eneas (um 1150); auch direkter Bezug auf die Aeneis Vergils.
Lyrik: etwas mehr als 30 meist einstrophige Minnelieder.

Charakteristika:

Romanische Minneauffassung: H. gehört zu den ersten, die Formen und Motive des romanischen Minnesangs aufnehmen.

Friedrich von Hausen

Leben:

* um 1150, + 6.5.1190 Philomelium (heute: Akschehir/Türkei).
Stammsitz derer von Hausen ist Rheinhausen bei Mannheim (oder aus der Gegend von Kreuznach?); Vater: der staufische Freiherr Walther von Hausen; Friedrich zum ersten Mal 1171 urkundlich bezeugt; 1175 urkundet Friedrich in zwei in Pavia ausgestellten Urkunden des Erzbischofs von Mainz, nimmt also wohl am fünften Italienfeldzug Barbarossas teil; 1186 und 1187 erscheint sein Name in Urkunden des Kaisersohns Heinrich (VI.), die in Nord- und Mittelitalien ausgestellt sind; weitere Lebensdaten aus dem Chronicon Hanoniense des Gislebert von Mons (um 1200): von 1187 bis zu seinem Tod als Vertrauter Barbarossas belegt; nimmt an Kriegszügen teil und übernimmt diplomatische Missionen. Tod auf dem 3. Kreuzzug: Sturz vom Pferd bei der Verfolgung feindlicher Türken, wenige Wochen vor dem Tod Barbarossas. Dichterisches Schaffen: um 1170-1190.

überliefertes Werk:

Je nach textphilologischer Beurteilung 17/18 bzw. 20/21 Lieder (53 Strophen); teilweise in Hs B; vollst. in Hs C.

Charakteristika:

Hauptvertreter des rheinischen Minnesangs. Formale und thematische Einflüsse der romanischen Minnelyrik; einige Kontrafakturen nach Trouvèreliedern; F. führt als erster das Ritual der hohen Minne konsequent durch. Verzicht auf Natureingang. Verknüpfung von religiöser Theamtik und Minnereflexion; Friedrichs Kreuzlieder sind Minnelieder unter dem Kreuzzugsmotiv; Kreuznahme führt zur Minneabsage (47, 9).

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3. Phase: Hochhöfischer Minnesang (1190-1230)

Festgelegtes Ritual der hohen Minne: Der ritterl. Liebhaber stellt sich bedingungslos und ohne auf Erfüllung hoffen zu können in den Dienst der hoch über ihm stehenden, unerreichbaren, verheirateten und adligen Dame (frouwe), die sich ihm versagen muss. Ihre vollkommene äußere und innere Schönheit gibt Anlass, sie zu preisen und um sie zu werben, während ihre Unnahbarkeit und abweisende Haltung Trauer und Klage des Werbenden hervorrufen. Äußerer Lohn ist dem Sänger die Huld der frouwe, innerer die soziale und sittliche Erhöhung durch den Frauendienst und das aus ihr resultierende freudige Lebensgefühl (vroide) des höfischen Menschen (vgl. Albrecht von Johansdorf 93, 12: Die Dame gibt dem Ritter, der fragt, worin sein Lohn bestehe, zur Antwort: daz ir deste werder sît und dâbî hôchgemuot). Zur "niederen" bzw. "ebenen Minne" s. bei Walther.

    

Hartmann von Aue
   

    

Albrecht von Johansdorf
   

    

Heinrich von Morungen
   

    

Reinmar der Alte
    

Hartmann von Aue

Leben:

* um 1165, + um 1210. Ministeriale; Alemanne (das Geschlecht seines unbekannten Dienstherrn ist ze Swâben gesezzen); "von Ouwe": Au bei Freiburg (?), Weißenau bei Ravensburg (?), Eglisau im Thurgau (?). H. hat eine lat. Schulbildung und verfügt über Kenntnisse in franz. Sprache und Literatur. Über sein Leben ist kaum etwas bekannt:  Einschneidende Erlebnisse sind der Tod seines Dienstherrn (1187?) und (evtl.) die daraus resultierende Teilnahme an einem Kreuzzug (Barbarossa-Kreuzzug 1189/90?). Dichterisches Wirken: zwischen 1180 und 1205.

überliefertes Werk:

18 Lieder (2 fraglich); davon 15 Minnelieder;
Klage/Büchlein (Minnelehre: Frage nach dem Wesen der Minne und dem sich daraus ergebenden Verhalten des Menschen; überliefert im Ambraser Heldenbuch, um 1510);
epische Werke:
Erec; erster deutscher Artusroman (Übertragung der frz. Verserzählung Erec et Enite von Chrétiens de Troyes);
Gregorius (Verslegende; Quelle: die frz. Legende La Vie du Pape Saint Grégoire, 11./12. Jh.):
Der arme Heinrich (Verslegende);
Iwein (Artusroman; nach dem Chevalier au lion von Chrétiens de Troyes).

Die Datierung der Werke hängt davon ab, an welchem Kreuzzug H. teilgenommen hat. Aus einer Teilnahme am Barbarossakreuzzug ergäbe sich folgende Chronologie:
1180-85 (vor dem Tod des Dienstherrn): Büchlein, Erec, Minnelyrik;
1187-89 (innere Krise nach dem Tod des Dienstherrn): Kreuzlieder, Gregorius;
1195 (Klärung der relig. Krise durch das Kreuzzugerlebnis): Der arme Heinrich;
bald nach 1200: Iwein.

Charakteristika:

Klassisches Schema der hohen Minne; Ton der Klage überwiegt; im Unmutslied Absage an die hohe Minne; in einem Lied wird die Gottesminne der Minne gegenübergestellt (218, 5).
H. gehört mit Wolfram v. Eschenbach und Gottfried von Straßburg zu den drei großen Epikern der mhd. Literatur. Große Wirkung auf die zeitgenössische (H. als Vorbild) und spätere Literatur (noch auf Thomas Mann [Der Erwählte] und Gerhart Hauptmann [Der arme Heinrich]).

Albrecht von Johan(n)sdorf

Leben:

* vor 1165; seit 1180, bis 1206 urkundlich bezeugt; aus niederbayerischem Ministerialengeschlecht, das in Beziehung zu den Bistümern Bamberg und Passau stand; Ortsname nicht zweifelsfrei identifiziert (Jahrsdorf in Niederbayern?); wahrscheinlich Teilnahme am Kreuzzug Barbarossas 1189/90; evtl. Teilnahme am Kreuzzug von 1197; Todesdatum unbekannt.

überliefertes Werk:

13 Minnelieder (42 Strophen); darunter 5 Lieder mit Kreuzzugsthematik (I, II, III, V, XIII).

Charakteristika:

Trotz des Rituals der hohen Minne kein starres Rollenschema; gegenseitige Minne, Frau als Partner; Kreuzzugsproblematik wird mit der Bindung an die Geliebte vereinbart.

Heinrich von Morungen

Leben:

Um 1200; aus Thüringen; Stammburg: Burg Morungen bei Sangershausen. Bezieht als miles emeritus eine Pension seines Gönners, des Markgrafen Dietrich von Meißen, die 1217 auf seinen Wunsch dem Leipziger Thomaskloster überschrieben wird (nach Quellen aus dem 16. Jh. dort 1222 nach einer Indienfahrt gestorben; ??).

überliefertes Werk:

33 Lieder, 115 Strophen; Überlieferung: 104 Str. in Hs C, 28 Str. in Hs B; 26 Str. in Hs A.

Charakteristika:

Dämonie der Minne (Bild der antiken Liebesgöttin Venus): Minne als magische, als krank machende, sogar als tödliche Macht; als religiöses und mystisches Erlebnis. In Form und Inhalt von der provenzalischen Lyrik beeinflusst (daktylische Rhythmen, häufige Durchreimung); Übernahme inhaltl. Motive (selten z.B. im dt. Minnesang: Aufkündigung des Minnedienstes, XXVII); Wurzeln auch in klass.-antiker Literatur (Ovid). Neuschöpfung: Tagelied-Wechsel.
Einer der bedeutendsten dt. Lyriker des Mittelalters; Wirkung vor allem auf Walther von der Vogelweide. 

Reinmar der Alte (von Hagenau)

Leben:

Um 1200; Beiname "der Alte" in der Hs C; über Stand und Herkunft keine sichere Nachricht: Hagenau (genannt im "Literaturexkurs" des Tristan: die Kaiserpfalz im Elsaß oder Hagenau in Österreich? Unsicher auch, ob R. von dort stammt oder dort wirkte oder einem danach benannten Geschlecht angehörte. An weiteren Lebensumständen ist nur die zeitweilige Verbindung zum Wiener Hof belegt. Tod im ersten Jahrzehnt des 13. Jhs. (Tristan).

überliefertes Werk:

Insgesamt 340 Strophen. Hs A: 70 Strophen, Hs B: 30 Strophen (+ Anh. b: 87 namenlose Str.); Hs C: 262 Strophen; Hs E: 164 Strophen; dazu kommen namenlose Zeugnisse aus späteren Jahrhunderten. Echtheitsdiskussion in der Forschung.

Charakteristika:

Lieder der hohen Minne stehen im Zentrum; auf diesem Gebiet erhebt R. den Anspruch auf literarischen Meisterschaft (163, 6ff.). Zahlreiche Frauenmonologe, Wechsel. Starke Wirkung auf Walther von der Vogelweide.
Neben Heinrich v. Morungen der bedeutendste Minnesänger vor Walther.

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4. Phase: Späthöfischer Minnesang (1210-1320)

Abkehr vom Ideal der hohen Minne bzw. (epigonenhafte) Variation ihrer Form- und Themenmuster.

   

Neidhart
  

    

Ulrich von Lichtenstein
   

   

Der Tannhäuser
   

   

Frauenlob
   

Neidhart von Reuent(h)al

Leben:

Dichterisches Schaffen von etwa 1210 bis etwa 1240. Berufsdichter. Name umstritten, evtl. auch als Beiname ("Neidling", "Teufel") zu verstehen; nennt sich selbst "der von Riuwental"; es könnte sich auch hier um einen fiktiven Namen handeln ("Jammertal"); auch eine ritterliche Herkunft ist nicht sicher; vermutlich aus Bayern; Beziehung zum Landshuter Hof des bayer. Herzogs Ludwig I. und zum erzbischöfl. Hof in Salzburg. Vermutlich Teilnahme am Kreuzzug 1217-21. Nach dem Tod Ludwigs I. (1231) am Hof des Babenbergers Friedrich II. von Österreich in Wien.

überliefertes Werk:

150 Lieder; Textüberlieferung: 26 Hss bzw. Hs-Fragmente des 13.-15. Jhs. Echtheitsdiskussion in der Forschung.

Charakteristika:

Thematisiert wird der Niedergang der höfischen Welt: originelle Übertragung der Grundsituation des höf. Minnesangs auf eine bäuerliche Umgebung. Die Minnedamen des ritterl. Sängers sind Bauernmädchen, seine Konkurrenten Bauernburschen, Schauplatz ist das Dorf: Zum ersten Mal in der dt. Dichtung wird die bäuerl. Sphäre zum Gegenstand der Literatur. Liedtypen: Sommerlieder (Inhalt: Bauernmädchen wollen beim Tanz im Freien Gunst des Ritters erringen: auf den Kopf gestellte Minnesituation!); Winterlieder (Tanz in der Bauernstube; Ritter ist der Werbende; derbes Milieu; in den "Trutzstrophen" Polemik der Bauernburschen gegen "Neidhart"). In einer Reihe von Liedern Weltabsage.
Erfolgreichster Liedautor des dt. Mittelalters.

Ulrich von Lichtenstein

Leben:

* um 1200/10, + 26.1.1275; Grabstätte: Chorherrenstift Seckau, Johanneskapelle. Aus einflussreichen Ministerialengeschlecht der Steiermark; Vater: Dietmar III.; fünf Geschwister; in insgesamt 94 Urkunden zwischen 1227 und 1274 belegt; tätig in der Steiermark, Österreich, Kärnten, Krain. Bedeutende politische Ämter: 1244/45 Truchseß der Steiermark, 1267-72 Marschall, 1272 Landrichter.

Werke:

Frauendienst (um 1250); Textüberlieferung: 3 Hss u Hs C; Darstellung der Minnebiographie der Erzählerfigur U.; Einbettung von Minneliedern in einen Erzählverlauf.
Frauenbuch (um1250); Textüberlieferung: Ambraser Heldenbuch (um 1510); Zwiegespräch zwischen Ritter und Dame ("Minnerede"): Verhaltensregeln über den rechten Umgang miteinander.

Charakteristika:

Frauendienst einer der ersten autobiographischen Romane der deutschen Literatur; darin eingeflochten 60 Minnelieder, die teils dem höf. Minneideal verpflichtet, teils der neuen Sinnenfreudigkeit zugewandt sind.

Der Tannhäuser

Leben:

Burgsitz in Tannhausen bei Neumarkt/Oberpfalz (??). Über sein Leben ist wenig bekannt: fahrender Berufsdichter; von Herzog Friedrich II. von Österreich gefördert; evtl. Teilnahme am Kreuzzug Friedrichs II. 1228/29 (Kreuzlied, XIII). Die histor. Bezüge in seinem Werk deuten auf eine Schaffenszeit zwischen 1245 und 1270.

überliefertes Werk:

9 Lieder (36 Str.), eine Rätselsammlung (XVI), 6 Leiche. Überlieferung: Hs C, 4 Str. in Hs J (umstritten).

Charakteristika:

Minnelieder knüpfen z.T. an die traditionelle Minnedichtung an (rückhaltlose Offenheit der Bilder beim Preis der Minnepartnerin, XI), parodieren z.T. das herkömmliche Minneschema (VIII-X). Tannhäuser-Sage (Tannhäuser-Ballade, Mitte des 15. Jhs.).

Heinrich von Meißen (Frauenlob)

Leben:

Herkunftsort: Meißen. * 1250/60, + 29.11.1318 Mainz. Künstlername "Frauenlob" nach dem Hauptthema seines Dichtens.  Frühreifes Wunderkind. 1276/78 in Böhmen. 1299 urkundlich bezeugt im Dienst Herzog Heinrichs von Kärnten. Frauenlob dichtet für König Rudolf von Habsburg, König Wenzel II. von Böhmen, den König von Dänemark, Fürst Wizlav von Rügen, Erzbischof Giselbert von Bremen u.a. Einige Sprüche sind dem Rostocker Ritterfest von 1311 gewidmet. Lebt zuletzt in Mainz als Schützling des Erzbischofs und früheren Kanzlers Wenzels II., Peter von Aspelt, der ihn wohl von Prag her kennt. Beisetzung im östl. Kreuzgang des Mainzer Doms; Grabstein 1774 zerstört, 1783 ersetzt.

überliefertes Werk:

3 Leiche: Marienleich (Frauenlobs Canticum Canticorum), Minneleich, Kreuzleich;
Streitgespräch zwischen Minne und Welt; 320 Sprüche; 7 Minnelieder.
Textüberlieferung: Hs C, Hs J; Weimarer Hs, Kolmarer Hs (15. Jh.). Schwierigkeiten bei der philologischen Rekonstruktion.

Charakteristika:

Vollender meisterlich-gelehrter Sprachkunst des "geblümten Stils" (rhetorischer Schmuck, Bildfülle, syntakt. Extravaganz): oft dunkel; deshalb in der frühen germanistischen Forschung allen Ernstes für verrückt erklärt.

 

Nur zarte hände, reine und hehre,
Dürfen ihn zum münster tragen zum gewölb und grab,
Mit königlicher ehre
Den toten priester ihrer schönheit zu verklären.
(Stefan George, 1895)

 


     

       

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