Reisebericht
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Bernhard und die Waisenkinder, Eindrücke einer Uganda-Reise


Eigentlich waren die Herbstferien viel zu kurz und der Weg viel zu weit für die Fahrt ganz in den Westen Ugandas, um dort einen alten Bekannten zu treffen. Dennoch hat sich der Weg gelohnt.
Wenn man aus dem immer noch weit gehend ausgetrockneten Zentralkenia kommt, ist das grüne, üppig fruchtbare Land, das bereits westlich des Rifts beginnt, eine wahre Augenweide. Auf dem Weg zur ugandischen Provinzstadt Kagadi, unserem Ziel, das ganz im Westen in der Nähe des Albert-Sees, also in Grenznähe zum Kongo liegt, durchquerten wir ausschließlich grüne Fluren und in Uganda Reste noch vorhandener Regenwälder. Vegetationen, die wir bisher noch nicht kannten. Die erste Übernachtung war in Jinja, der zweitgrößten Stadt Ugandas an den Ufern des Victoria-Sees mit einem noch recht gut erhaltenen kolonialen Stadtkern, in dem sich abends gut flanieren ließ. Zwei weitere Nächte verbrachten wir in Kampala, der Hauptstadt Ugandas, die sich außer durch die Lage auf sieben Hügeln (das Rom Afrikas?) kaum von Nairobi unterscheidet. Für unsere Begleiter Almut und Ingo, die auch die deutschsprachige lutherische Gemeinde Kampalas betreuen, stand hier Dienst an, für uns ein Tag Sightseeing in Kampala und Entebbe am Victoria-See mit einem nach neuestem Stand der Tierpflege angelegten und außerordentlich gut gepflegten Tierpark. Am folgenden Tag ging es dann weiter nach Kagadi, zu Beginn noch auf Teerstraßen, die zweite Hälfte nur noch auf Erdstraßen, die trotz Regenzeit glücklicherweise weit gehend trocken waren, so dass wir gegen Abend ohne größere Rutschpartien ankamen.


Der einsetzende Regen machte die Straßen 
für LKWs bereits schwer passierbar.


 Bernhard, mein ehemaliger Lehrerkollege aus Deutschland, hatte schon gar nicht mehr mit uns gerechnet und befürchtet, wir hätten uns durch das Auftreten von Ebola-Fällen im weiter nördlich gelegenen Distrikt Gulu abschrecken lassen.

Bernhard hat es sich nach seiner Pensionierung vor vier Jahren zur Lebensaufgabe gemacht, “den Armen zu helfen” und kam über Monsignore John, einen einheimischen Geistlichen, den er in Deutschland kennen gelernt hatte, nach Kagadi. Hier hat er hat mit persönlichem Engagement und Nächstenliebe in den vergangenen vier Jahren etwas geschaffen, was in der weiteren Umgebung wohl nicht wieder zu finden ist: In einem für die Verhältnisse der afrikanischen Provinz ungewöhnlich soliden Steinhaus leben mittlerweile 15 Mädchen und 15 Jungs. Sie kommen aus Familien der Umgebung, die mit der Aufnahme der verwaisten Kinder überfordert sind. Beeindruckt waren wir vom Frieden, der Harmonie und der Freude, die im Kinderheim herrschen. Dies geht sicherlich auf die gute Seele Josephine zurück, die die Kinder rund um die Uhr betreut.


Die Kinder des Heimes beim Mittagessen

Aber auch die beiden einheimischen katholischen Pfarrer kümmern sich jeder auf seine Art sehr warmherzig um die Kinder. Das Kinderheim verfügt über ein Hauptgebäude mit zwei Schlafsälen, dem die europäische Konzeption deutlich anzumerken ist, einem überdachten, gemauerten Aufenthaltsraum, zwei Sanitärgebäuden und Pferchen für eine Kuh und vier Schweine. Besonders stolz ist Bernhard auf den gerade fertiggestellten gemauerten Regenwasserbehälter. Im Bau ist ein Hühnerstall und in Planung ein Küchengebäude, das die bisherige Küche in traditioneller Lehmbauweise ablösen soll. Rings um den Gebäudekomplex befinden sich selbst bestellte Felder, um das Heim mit den notwendigen Grundnahrungsmitteln zu versorgen. Ziel ist es nicht nur, die Selbstversorgung sicherzustellen und den Kindern landwirtschaftliche Kenntnisse beizubringen, sondern durch den Verkauf landwirtschaftlicher Produkte auch einen Beitrag zur sonst von Spendengeldern aus Deutschland getragenen Finanzierung des Heimes zu leisten.


Das Hauptgebäude des Kinderheimes

Am folgenden Tag besuchten wir die benachbarte Grundschule (Klassen 1 bis 7), in die die Kinder des Heimes gehen. Klassenstärke 100 bis 120, die Kinder teilen sich zu dritt den Platz für einen. Dennoch herrscht aufmerksame Ruhe in den Klassenzimmern und in den beiden Unterrichtsstunden die wir besuchten, sahen wir einfühlsame, ideenreiche Pädagogen, die mich beeindruckten durch die Art, wie sie auch bei diesen Klassengrößen praktisch ohne Hilfsmittel und ohne Schreibmaterialien für die Schülerinnen und Schüler den Unterricht gestalten können.


Auf dem Schulhof

 Beim Rundgang durch die Kleinstadt fiel uns Bernhards Bekanntheitsgrad auf, überall wurden wir willkommen geheißen. Am Nachmittag besuchten wir zwei Familien aus denen Kinder des Heimes kommen. Nach diesen Besuchen konnten wir auch verstehen, warum die Kinder während der Ferien nur nach "Hause" gehen, wenn ihnen versprochen wird, dass sie danach wieder ins Heim kommen dürfen. Am Abend eine herzliche Abschiedsfeier für Bernhard und für uns. Bernhard begleitete uns am nächsten Morgen nach Kampala, um nach Deutschland zu fliegen. Unseren Kindern hatten zwei Tage ausgereicht, um neue Freundschaften zu schließen, entsprechend schwer fiel der Abschied und wir mussten versprechen, wieder zu kommen. Wir fuhren durch bis Jinja und verbrachten die Nacht auf einem Campingplatz hoch über jenen Nil-Fällen, die wohl bald einem neuen Staudamm-Projekt zum Opfer fallen, das auch Kenia mit mehr Energie versorgen wird.
Am folgenden Tag an der Grenze nach Kenia Gesundheitscheck und Erklärung, dass wir nicht aus einem Ebola-Gebiet kommen.

Artikel entnommen aus
dem Gemeindebrief der deutschsprachigen
Kirchengemeinden in Nairobi, Dezember 2000

 

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