Variation 14

Untersuchungen von Christoph Dauth

Inhalt:

Charakter der Variation

Idee der Variation

Harmoniefolge

Verlaufsbeschreibung

Vergleich mit dem Thema

Stellung im Zyklus


Charakter der Variation

"Grave e maestoso"

Gleichsam einer Melodie schwebt die fallende Linie in der rechten Hand mit der spielerisch wirkenden Motivvariante über dem Hauptmotiv in der linken Hand. Über dem schweren, bestimmten Rhythmus, der durch die Spielanweisung grave e maestoso ("ernst/gemessen und majestätisch") eine feierliche aber durch die Doppelpunktierung eine zugleich drängende Gestik bekommt. Das Gefühl des Schwebens wird durch die weite Lage erweckt, in der rechte und linke Hand beginnen (über zwei Oktaven). Drängend und spannend wird die Variation durch die komplizierten Harmoniefolgen, auf die im unteren Teil noch näher eingegangen wird. Merkwürdig viele Tritonusschrite verstärken den harmonischen Spannungsaufbau. Z.B. in Takt 4 zweite auf dritte Zählzeit in der obersten Stimme der rechten Hand (h->f), oder in Takt 5 letzte Zählzeit in der linken Hand (f->h). Hierfür gibt es im Verlauf noch weitere Belegstellen.

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Idee der Variation

Die 14. Variation der "33 Veränderungen über einen Walzer von A. Diabelli" von Ludwig van Beethoven besteht in ihrem ganzen Verlauf aus einem einzigen Motiv "(Notenbsp.)",der Variationsidee. Dieses Motiv wird der vorhergehenden Variation XIII entnommen, wo es ebenfalls zur Variationsidee gehört. In der 14. Variation spielt nun eine Motivvariante "(Notenbsp.)" eine große Rolle, die dem Hauptmotiv rhythmisch sehr ähnlich ist, aber in ihrem erweiterten Tonvorrat melodisch davon abweicht. Oft wird die Motivvariante durch ein vorausgehende, angebundene Viertelnote verändert. Die Intervallstruktur stimmt immer mit der des Sequenzmotivs aus dem Thema in Takt 9 mit Auftakt überein: Sekunde dann Terz. Die Motivvariante spielt das Sequenzmotiv inversus. Hauptmotiv und Motivvariante werden oft in zwei Stimmen komplementär geführt, was der Variation ein ziemlich polyphones Klangbild verleiht. Die polyphone Anlage der Variation ist trotz des über weite Strecken homophonen Satzes durch die kanonartige Imitationen der zweiten Stimme in der rechten Hand nicht zu übersehen.

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Harmoniefolge

Var.XVII

Takt 1-4 5-7 8 9 10 11 12 13-16
Thema T D7 D7,(D7) S(D7) S,DD7 D,DD7 D,(D7) Tp,Kadenz zur D
Takt 1-2 3 5 6 7-8
Var.XVII D,(D7) Tp,Dv D Kadenz zur D

Takt 17-20 21-23 24 25 26 27 28 29-32
Thema D7 T, (D7)zur S T,(D7) S(D7) S,DD7 D,DD7 D,D7 T,Kadenz zur T
Takt 9-10 11 12 13 14-16
Var.XVII D,(D7) Tp,Dv D Kadenz zur D

Vergleich zwischen Variation und Thema:

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Verlaufsbeschreibung

Die Variation ist wie das Thema und die meisten anderen Variationen streng periodisch aufgebaut

____3____5____7____9____11____13____15____ Die Taktzahlen geben die Schnittstellen in der Variation an. An diesen Schnittstellen läßt sich meistens einen Strukturwechsel erkennen.

In den ersten beiden Takten wird die Tonika durch Akkordrepetitionen auf dem Hauptmotiv in der linken Hand festgehalten. Über dieser Tonikaebene spielt die rechte Hand mit der Motivvariante eine absteigende Linie, die am Anfang noch von der zweiten Stimme imitiert wird, dann aber einstimmig zum Zielton hinführt. An diesem Zielpunkt (Takt 2 auf Zählzeit 3) ist die erste Schnittstelle festzumachen. Ab diesem Schnitt wird zwar wieder eine Linie über den Akkordrepetitionen der rechten Hand abwärts geführt, doch wechseln sich die Stimmen in der linken Hand streng ab bis im fünften Takt auf Zählzeit 3 das nächste Ziel erreicht ist. Ein neuer Harmonie- und Strukturwechsel bestätigt uns hier einen weiteren Schnittpunkt. In den Takten fünf und sechs bestimmt das Hauptmotiv das Satzbild, dadurch wird das komplizierte Spannungs-, Auflösungsfeld durchsichtiger und homophon. Takt 7 schließlich enthält die Kadenz nach der Dominanteparallelen.

Der zweite Teil nach dem vierten Schnitt baut sich umgekehrt auf wie der erste Teil. Die linke Hand mit der Motivvariante auf dem G der Kontraoktave beginnt einstimmig auf der Dominante, aber mit ansteigender Linie verdichtet sich das Satzbild und erreicht am Höhepunkt Siebenstimmigkeit. Dieser vorläufige Höhepunkt (Takt 10)markiert einen neuen Einschnitt: wie im ersten Teil werden diese Takte transponiert wiederholt, hier auf der (D7)-Ebene. Der anzunehmende Höhepunkt dieser aufsteigenden Linie wäre die Subdominante, doch diese bleibt aus (Takt 12 auf Zählzeit 4) und an ihrer Stelle steht ein (Dv), der sich zur Subdominantparallele auflöst. In diesem Trugschluß wird die Tritonusspannung am deutlichsten (b->e). Im vorletzten Abschnitt (Takt 13/14) der Variation wird die Dominante noch einmal stark heraus gehoben (Takt 14 Zählzeit 4) ihr voraus gehen die Tonika und der DD7, die im Bezug zur Dominante wie eine schlußkräftige Kadenzwirken, wie ein Halbschluß, bei dem die Musik aber nicht stehenbleibt. Die letzten Takte beinhalten eine Kadenz zur schließenden Tonika.

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Vergleich mit dem Thema

Die Variation hat 16 Takte, gegenüber dem Thema mit 32 Takten die Hälfte. Hier liegt die Vermutung nahe, das alle strukturellen Parameter, auf denen das Thema aufgebaut ist in der 14. Variation halbiert sind. Diese Vermutung bestätigt sich bei der Betrachtung der Schnittstellen. Sie sind ebenfalls gleichmäßig, periodisch, über die Variation verteilt. Dabei bleiben die Strukturwechsel erhalten, sie werden gleich wie im Thema behandelt: zu Beginn Tonikaebene, dann transponierte Wiederholung, dann Spannung mit Auflösung und Kadenz. Der zweite Teil ist wie der erste aufgebaut mit dem Unterschied: der Beginn ist auf der Dominantebene. Analog zum Thema lehnt sich der dynamische Verlauf streng an die Variation an. Weit entfernt vom Thema hat sie der Komponist im Bezug auf das Tempo und den Charakter der Stücke.

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Vergleich der Harmoniefolge zwischen Thema und Variation:

Die hauptsächlichen Veränderungen sind :

-(DD7) zur Tp statt D in Takt 5/6

-Schluß auf der Dp statt D

-(Dv) zur Sp statt (D7) zur S

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Stellung im Zyklus

Gegensätze bildet die 14. Variation mit den umgebenen. Die Variation XIII "Vivace" mit ihrem scharf ausgeprägten Rhythmus, den starken Dynamikveränderungen und ihrem "lebendigen" Charakter hinterläßt der nachfolgenden Variation nur noch das Hauptmotiv (s.o.).Ihre Variationsidee beruht auf dem Gegensatz des Hauptmotivs im f und dessen Reduktion im p. Die folgende 15. Variation, die von zwei Charakteren bestimmt wird und in sich selbst schon einen Gegensatz bildet, ist auch zu der Variation XIV gegensätzlich. Neben der 14. gibt es noch weitere Variationen in dieser Umgebung, die ebenfalls keine zusätzlichen Ideen verwenden, z.B. die Variation XI oder XII aber auch die Doppelvariation XVI/XVII, welche diese Einheit mit der ersten Fermate des Zyklus´ abschließt.

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