Variation 28
Untersuchungen von Florian Knapper
3. Harmoniefolge im Vergleich zum Thema
Die achtundzwanzigste von Beethovens Diabelli- Variationen steht, wie auch das Thema, das ihr zugrunde liegt, in C-Dur. Der Charakter des Musikstücks ist drängend und aufgewühlt, was auch durch die Tempoangabe `Allegro` unterstützt wird , die ein schnelles, bewegtes Tempo vorschreibt , wie es ähnlich auch schon im Thema zu finden ist (dort sogar vivace).
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Schneller Wechsel von Spannungsakkord, der zusätzlich noch betont ist ( sf ) mit Auflösungsakkord. Der Spannungsakkord ist häufig ein verminderter Septakkord ( D v )
Diese Idee beinhaltet auch den Leittongedanken : Zwei Achtelnoten: Leitton (von oben oder auch von unten) mit darauf folgendem Grundton . Diese Motivik entstammt dem Schusterfleck des Themas (dort z.B. in Takt 9 mit Auftakt und folgende) .
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Harmoniefolge im Vergleich zum Thema
Var.XVII
| Takt | 1-4 | 5-7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13-16 |
| Thema | T | D7 | D7,(D7) | S(D7) | S,DD7 | D,DD7 | D,(D7) | Tp,Kadenz zur D |
| Takt | 1-4 | 5-7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 7-8 |
| Var.XVII | T | D | D,(Dv) | S,DDv,D | DDv,D,(Dv),Tp | ((Dv),Tp)x2 | wie 11 | Kadenz zur D |
| Takt | 17-20 | 21-23 | 24 | 25 | 26 | 27 | 28 | 29-32 |
| Thema | D7 | T, (D7)zur S | T,(D7) | S(D7) | S,DD7 | D,DD7 | D,D7 | T,Kadenz zur T |
| Takt | 17-20 | 21-24 | 25 | 26 | 27 | 28 | 29 | 30-32 |
| Var.XVII | D | (D7) | (D),S,(D) | S,(DD | DD | D) | Tp | Kadenz zur T |
Insofern läßt sich sagen , daß das Harmoniegerüst der Variation 28 ähnlich dem des Themas ist , jedoch keinesfalls gleich , da die Harmoniewechsel nicht immer an den gleichen Stellen/Takten auftreten und andere Spannungsakkorde benutzt werden .Beethoven hält sich also nicht sklavisch an das vom Thema vorgegebene Modell .
Im zweiten Teil ist Diabellis Harmoniegerüst also zwar noch verschwommen erkennbar, und es gibt auch Variationen in denen Beethoven sich noch weiter davon entfernt , aber als nahe am Thema kann man Beethovens Komposition harmonisch gesehen keinesfalls bezeichnen .
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Der Verlauf des ersten Teils ist recht gleichförmig. Beethoven benutzt die oben beschriebene Motivik (zwei Achtel als Leitton-Grundton , sf , Gegenläufigkeit der Hände ) immer wieder
wiederholt , transponiert und motivisch verarbeitet , gibt dabei den Leittongedanken jedoch nie auf , ebensowenig wie die sf auf Zählzeit 1 und 2 und die Gegenläufigkeit der Hände . Dynamisch gesehen verändert sich gar nichts . Im zweiten Teil bringt Beethoven die Idee der sich abwechselnden Hände ins Spiel : während eine Hand pausiert, spielt die andere Hand das Motiv mit den zwei Achteln . Ab Takt 25 aber , wo sich eine zunehmende harmonische Zuspitzung erkennen läßt (siehe Harmoniebeschr. oben) benutzt Beethoven wieder beide Hände , wird vollgriffiger . Er weicht hier dann auch teilweise von der Idee der Gegenläufigkeit ab . Insgesamt ist aber auch dieser zweite Teil von der beschriebenen Motivik stark geprägt . Von der Dynamik her gesehen bleibt Beethoven bis Takt 25 bei seinem fast schon monotonen sf auf 1 und 2 , wird dann aber gegen Ende (ab benanntem Takt 25) dynamisch differenzierter und unterstützt so die Schlußwirkung seiner Kadenz . Bemerkenswert ist , daß Beethoven aber nicht nach einer riesigen Schlußsteigerung im f oder ff endet sondern - fast bescheiden- im piano .
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Die Variation ist motivverwandt mit dem Thema schon in ihre Idee : der Leittongedanke entstammt dem Schusterfleck des Thema. Von dort hat Beethoven auch die Idee der Gegenläufigkeit beider Hände übernommen, die in der Variation sehr häufig verwirklicht ist. Weitere Gemeinsamkeiten sind Tonart C-Dur und der auftaktige Beginn. Auch im Harmoniegerüst läßt sich, wie angedeutet, noch eine gewisse Verwandtschaft erkennen.
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Die 28. Variation steht sicherlich in völligen Kontrast zur folgenden neunundzwanzigsten -schon vom Tempo her . Desweiteren steht diese neunundzwanzigste in Moll, während die achtundzwanzigste in Dur ist , auch der Charakter der beiden könnte unterschiedlicher nicht sein . Verwandt hingegen ist die Variation Nr. 28 jedoch ganz sicher mit der vorangegangenen (Nr. 27) , da auch diese sich mit dem Schusterfleck-Motiv beschäftigt (siehe dort Takt eins rechte Hand) , ebenfalls in C-Dur steht und von Tempo und Charakter her ähnlich ist .
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Florian Knapper