Variation 15
Untersuchungen von Susanne Fisch
Die Variation ist mit der Angabe "presto scherzando" überschrieben, d.h. die Tempoangabe ist mit der Charakterangabe kombiniert : sie ist schnell und scherzend. Weitere Charakterangaben, die jedoch nicht angegeben sind wären zum Beispiel, daß die Variation einen sehr flüchtigen und luftigen Charakter besitzt ( v. a. Takt 1-9 und 17-23 ) und ein "Zur-Ruhe-Kommen" findet kaum statt. Es ist auffallend, daß Beethoven zum erste mal in dieser Variation den 2/4-Takt verwendet und dieser kommt sonst nur noch in Variation XXVIII vor. Bemerkenswert ist außerdem, daß das Lautstärkegrad der Variation sich ständig zwischen piano und pianissimo bewegt.
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Die Idee der Variation ist das auftaktige Quartsprungmotiv, das sowohl in der Variation, als auch im Thema z.B. in Takt 1 vorkommt, mit anschließender Tonrepeditionen, was in beiden Teilen der Variation die ersten neun Takte beherrscht.
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Ferner benutzt Beethoven das Motiv der Sequenz mit seinen Spannungsakkorden und Auflösungen ( vgl. Takt 9 ff., Takt 25 ff., in der Variation und im Thema !).
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Es wird staccato mit piano verbunden (vgl. Takt 1 ff.) was in starkem Kontrast zu dem Sequenzmotiv steht, das nämlich mit Legatobögen und crescendi versehen ist. Diese so sehr unterschiedlichen Motive lassen auf zwei aufeinanderprallende Welten schließen: die erste ( Takt 1ff.) ist eher klar durchschaubar, dagegen ist die zweite Welt ( Takt 9 ff. ) relativ verschleiert und bewegt sich in tiefen Regionen. Dadurch kann man diese Idee also als dialektisch bezeichnen.
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| Takt | 1-4 | 5-7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13-16 |
| Thema | T | D7 | D7,(D7) | S,(D7) | S,DD7 | D,DD7 | D,(D7) | Tp, Kadenz zur D |
| VarXV | T | D | D,(D7) | ssEllipse | ssElip. | (D7)Eli. | (D7)E.(Dv) | Kadenz zur T |
| Takt | 17-20 | 21-23 | 24 | 25 | 26 | 27 | 28 | 29-32 |
| Thema | D7 | T, (D7)zur S | T(D7) | S,(D7) | S,DD7 | D,DD7 | D,D7 | T, Kadenz zur T |
| VarXV | D7 | T,D7 | D7,T | DD7,D | DD7,D7 | T,D7 | T,D7 | T,Kadenz zur TD |
Vergleich zwischen Variation und Thema:
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Die Variation beginnt auftaktig mit dem Motiv der fallenden Quarte und den darauffolgenden Tonrepedition auf dem Ton g´ , das bis zu Takt 8 reicht. Hier werden pro Takt immer eine Viertel und zwei Achtel verwendet, wobei die Betonung immer auf dem Viertel liegt, also auf der Zählzeit "1". Die linke Hand unterstützt homorhythmisch die musikalische Bewegung der rechten Hand. Ab Takt 5 wechselt die Harmonie von der Tonika auf die V. Stufe, die der Dominante, wobei der Verlauf strukturell dem Beginn gleicht. Ab Takt 9 beginnt der Sequenzabschnitt mit dem charakteristischen Leittongedanken (z.B.Takt 9: e => f ), hier ist es, wo die zwei Welten aufeinandertreffen. Jetzt werden ausschließlich Viertel gespielt, die durch Legatobögen miteinander verbunden sind, die über vier Takte reichen. Die Oberstimme führt eine chromatische Wellenlinie aus ( e', f', e', f', fis', g' ...), die in ähnlicher Form schon in Variation VIII enthalten ist und die Baß-Stimme führt dazu eine Spiegelung aus, die mit den restlichen Stimmen relativ dissonante Klänge bildet. Auch ein Spannungsaufbau findet hier statt, der auch durch das crescendo in Takt 9 ff. zustande kommt. Außerdem schweift Beethoven in diesem Teil in relativ abgelegene, bizarre Tonarten aus: die Musik bewegt sich zum Beispiel nach Ges-Dur, b-moll,...also solche Harmonien, die eigentlich kaum noch mit der Grundharmonik von C-Dur verwandt sind .Außerdem werden Spannungsakkorde nicht aufgelöst. Dieser Teil endet in Takt 16 durch einen Plagalschluß auf der Tonika. Der zweite Teil dieser Variation beginnt mit der Umkehrung des Motivs der fallenden Quarte mit anschließender Tonrepedition. Der Verlauf des Zweiten Teils ist nun umgekehrt, wie es häufig in den Diabelli-Variationen vorkommt. Die Oberstimme führt wieder eine chromatische Wellenlinie aus, wogegen die Baß-Stimme gegenläufig die Umkehrung dazu liefert, wobei die Gegenläufigkeit der beiden Stimmen in diesem zweiten Teil sehr dominiert. Außerdem fühlt man sich in diesem zweiten Teil wieder auf normalen Boden zurückversetzt, denn die Harmonien sind jetzt einfacher und durchsichtiger, denn es kommen ausschließlich Hauptharmonien vor, bis auf viermal der verminderte Septakkord. Die Variation endet mit einer schlußkräftigen Kadenz auf der Tonika. Es wäre noch zu erwähnen, daß in Takt 21 die rechte und linke Hand auseinanderdriften, was nach dem thematischen Zusammenhang jedoch nicht einleuchtend erscheint. Möglicherweise hat Beethoven diese Stelle in der Baßstimme im G-Schlüßel gedacht, was jedem Klavierspieler gängiger erscheint, jedoch ist der Schlüsselwechsel nicht notiert. Hat Beethoven den Schlüsselwohl vergessen ?!?!?
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Durch die Tonrepeditionen ist die Variation sehr eng mit dem Thema verwandt,außerdem durch die gleichen Harmonien der Takte 1-9, durch die gleiche Struktur d.h. die Periodenlänge, die Einschnitte, die Länge der gesamten Variation, die Wiederholung an gleichen Stellen, durch das Motiv der fallenden Quarte und den Tonrepeditionen, außerdem durch das Motiv der Sequenz, daswie im Thema in Takt 9 ff. steht.
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Die Variation steht in einem engen Verhältnis zur vorhergegangen Variation XIV, durch den großen Kontrast der hier entsteht: die Variation XIV ist mit "grave maestoso" überschrieben und die Variation XV mit "presto scherzando". Gerade in diesem großen Gegensatz, der nicht größer sein könnte, liegt die Zusammengehörigkeit der beiden aufeinanderfolgenden Variationen: genauso ist es auch bei einem symphonischen Werk, wo Sätze aufeinanderfolgen, die beispielsweise sich vom Charakter, Dynamik,... kontrastieren. Ebenfalls gehört die Variation auch zu der nachfolgenden Doppelvariation XVI und XVII, da diese eine Steigerung darstellt, denn der Charakter wird noch unruhiger und drängender, außerdem basiert der Zusammenhang auf dem kurzen, flüchtigen Schluß der Variation XV.
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