Variation 22
Untersuchungen von Manuela Pfau
Die Variation XXII der Diabelli - Variationen hat zur Grundlage eine Arie aus dem I. Akt in Don Giovanni von Mozart. ( Beethoven hat also sozusagen zwei Themen variiert. ) Von der Melodie und der Dynamik her hat Beethoven die ersten fünf Takte übernommen, allerdings wird das eigentlich leichte, heitere Stück durch Beethoven entstellt. Seine Variation ist stark von Ironie geprägt.
Der Charakter der Variation ist durch die vielen Sechzehnteltriolen eher drängend, beschleunigend, gehetzt, fast sogar aggressiv und durch die Dynamik und die Abwechslung von Vierteln- und Sechzehnteltriolen sehr impulsiv. Charakteristisch ist außerdem das homophone unisono-Spiel der rechten und linken Hand in ein- bis mehrfachen Oktavabstand.
Es liegt ein Wechsel zweier gegensätzlicher Motive vor :
1. Das Paukenmotiv : Es besteht aus fünf staccato und piano gespielten Viertelnoten. Die rechte und die linke Hand spielen jeweils Oktaven. Dieses Motiv beginnt immer mit dem oberen Ton, wobei der untere Ton eine Quarte, Quinte oder Terz tiefer liegt.
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2. Drei Triolensechzehntel mit Zielton : die drei legato und forte gespielten Triolensechzehntel sind immer die drei letzten Töne der Tonleiter, die zu dem Zielton gehört, dieser ist immer eine Viertelnote.
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Außerdem ist es eine Idee Beethovens, den Beginn von Mozarts Arie als Grundlage für seine Variation zu verwenden.
Harmoniefolge im Vergleich zum Thema
| Takt | 1-4 | 5-7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13-16 |
| Thema | T | D7 | D7,(D7) | S(D7) | S,DD7 | D,DD7 | D,(D7) | Tp,Kadenz zur D |
| Takt | 1-2 | 3-4 | 5-7 | 8 | ||||
| Var.XVII | T | D | *1 | D |
| Takt | 17-20 | 21-23 | 24 | 25 | 26 | 27 | 28 | 29-32 |
| Thema | D7 | T, (D7)zur S | T,(D7) | S(D7) | S,DD7 | D,DD7 | D,D7 | T,Kadenz zur T |
| Takt | 9-10 | 11-12 | 13-17 | 18 | ||||
| Var.XVII | (N) | Dp/DP | *2 | Kadenz zur T |
*1 In Takt 5-7 kann man eigentlich nicht von Harmonien sprechen. Beethoven transponiert das Triolenmotiv zuerst immer eine Sekunde nach oben, und bildet dadurch eine Motivkette. So findet man, wenn man die Zieltöne betrachtet, den Tonleiterausschnitt e,f```,g,a .
*2 In den Takten 13 -17 bleiben die Zieltöne zunächst auf e stehen, wobei nach Motivwiederholung erst die 7. und dann 6. und 7. Stufe der zum e gehörenden Tonleiter tiefalteriert werden, anschließend folgen die Zieltöne f``,f``,fis``, die eine Hinleitung zum g (D) in 16 sind. Daraufhin folgt die Kadenz zur T.
Vergleich der Harmonien mit dem Thema : Die einzige Gemeinsamkeit ist das Stehenbleiben auf einer Harmonie zu Beginn der beiden Teile, im ersten Teil sogar dieselben Harmonien, außerdem das Ende der beiden Teile im Halb- bzw. Ganzschluß.
Auf dem Höhepunkt folgt direkt ein Spannungsabfall : zweifach oktavveDie Variation beginnt mit dem Paukenmotiv im piano, worauf das Triolenmotiv im forte folgt. Die beiden Takte werden auf der D wiederholt (im Takt stehen allerdings vier Zweiunddreißigstel + Zielton, damit der erste und der letzte Ton von Paukenmotiv und Triolenmotiv übereinstimmen).
In Takt 5 und 6 wird das Paukenmotiv auf drei Töne verkürzt, darauf folgt das Triolenmotiv, ab Takt 7 folgt in motivisch thematischer Arbeit eine Motivkette dieses Motivs. Durch die motivisch thematische Arbeit und das crescendo von Takt 5(p) bis Takt 7(f) wird Spannung bis zum Höhepunkt im Takt Zz 3 aufgebaut. Dieser Höhepunkt wird dadurch hervorgehoben, daß die linke Hand eine Oktave tiefer springt und somit ein Abstand von vier Oktaven zwischen der Ober- und der Unterstimme entstehen.
Nach Wiederholung der ersten acht Takte beginnt der zweite Teil analog mit dem Paukenmotiv gefolgt von Triolen mit Zielton; diese beiden Takte werden ebenfalls wiederholt, im Gegensatz zum ersten Teil stehen diese vier Takte jedoch im pianissimo. Ab Takt 13 folgen wiederum nur noch Triolen mit Zielton, auch hier wird bis zum Höhepunkt in Takt 17 Zz 3 (ff) crescendiert, auch hier hervorgehoben durch einen Lagenwechsel der linken Hand ( Abstand : 5 Oktaven ) . Wie bereits erwähnt bleiben die Zieltöne auf e stehen und anschließend auf f, Beethoven hackt also regelrecht auf dem Motiv herum.
Auf dem Höhepunkt folgt direkt ein Spannungsabfall: zweifach oktavverdoppelt die Töne g und c im subito piano .
Auch der zweite Teil wird wiederholt.
Wie das Thema steht die Variation XXII in C-Dur, allerdings im Viervierteltakt statt im Dreivierteltakt, das Tempo ist Allegro molto, also langsamer ( Thema: vivace ) , wirkt aber trotzdem sehr drängend durch die Sechzehnteltriolen. Wie bereits erwähnt besteht die Variation aus 18 Takten anstatt 32 . Der erste Teil beträgt 8 Takte, also genau die Hälfte des Themas, er wird ebenfalls wiederholt und auch die Strukturwechsel sind übernommen, der erste nach zwei Takten durch die Wiederholung der beiden ersten Takte auf der Dominante, der zweite nach weiteren zwei Takten durch erneutes Spielen des Paukenmotivs, der dritte zwei Takte später durch ständige Motivwiederholungen des Triolenmotivs und der vierte durch das Wiederholungszeichen. Es wird ebenfalls Spannung aufgebaut, jedoch nicht durch Spannungsakkorde mit Auflösung.
Der zweite Teil ist um zwei Takte erweitert : diese sind meiner Ansicht nach Takt 13, da die Melodie hier zum einzigen Mal in der Variation auf einem Ton stehenbleibt, was der Variation Ironie verleiht, ebenso wie der zweite hinzugefügte Takt: Takt 18 mit Auftakt- die vier Töne im piano die man als Störung empfinden kann. Man findet auch eine weitere Störung in Takt 15 : Sechzehntel statt Sechzehnteltriolen.
Der zweite Teil unterscheidet sich in den Harmonien stark vom Thema, die Strukturwechsel sind jedoch übernommen, Takt 10 und 12 analog zum ersten Teil und Takt 14 durch Motivkette des Triolenmotivs.
In der Dynamik unterscheiden sich Variation und Thema. Hier ist die einzige Gemeinsamkeit der Beginn des ersten Teils im piano und ein darauf folgendes forte ( allerdings subito forte anstatt crescendo forte ), außerdem findet man keine für das Thema charakteristische sforzati. Eine weitere Gemeinsamkeit ist die motivische Verwandtschaft. Das Paukenmotiv erhält Beethoven aus Takt 1 des Themas, dort spielt die linke Hand die Paukenviertel ( sogar die gleichen Töne ) bzw. Takt 5 linke Hand des Themas.
Die Triolensechzehntel mit Zielton erhält er jedoch aus dem Thema, denn hier stehen dieselben Töne und derselbe Rhythmus.
Außerdem sind Takt 5 bis Takt 8 durch die ständige Motivtransposition und ebenfalls Takt 12 bis 16 ein Schusterfleck analog zum Schusterfleck im Thema.
Die Variation bildet mit der vorherigen und der darauffolgenden Variation eine Einheit, da alle drei im Tempo allegro stehen und im Viervierteltakt sind (Variation 21 nur teilweise ) .
Die Variation 22 bildet eine Einheit mit 20 bis 24, da sie sehr individuell sind und da sie alle an einen Komponisten oder andere Werke Beethovens erinnern:
Variation 21 erinnert an Beethovens eigene Rhigini-Variationen
Variation 22 erinnert an Mozart
Variation 23 erinnert an Johann Baptist Cramer
Variation 24 erinnert an Bach (da es eine Fuge ist)
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