Variation XXV
Untersuchungen von Susanne Becker
Der Charakter der Variation XXV ist durch die sehr schnelle Sechzehntelbewegung, die sich in der linken Hand durch das ganze Stück hindurchzieht, sehr bewegt. Die Achtelakkorde der rechten Hand jeweils auf Zählzeit 1 und 3 unterstützen die drängende Wirkung dieser Sechzehntelbewegung und gestalten den Charakter der Variation leichtfüßig.
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Die Idee der Variation ist, daß zwei ganz verschiedene Elemente, die in ihrer Zuordnung das ganze Stück über konstant bleiben, gleichzeitig auftreten. Das eine Element ergibt sich aus den Achtelakkorden, die jeweils auf Zählzeit 1 und 3 erklingen und auf Zählzeit 2 durch eine Achtelpause getrennt sind. Hier ist die Auftaktigkeit, der Quartfall und die Akkordwiederholung des Themas verarbeitet.
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Das andere Element zeigt sich in der Spielfigur der linken Hand, die aus 6 Sechzehntelnoten besteht und eintaktig abphrasiert ist. Jeweils ein Ton der Harmonie, die in der rechten Hand erklingt, wird hier durch Wechselnoten und Durchgänge umspielt. Die Idee entstammt dem Kopfmotiv des Themas. Der Rhythmus ist verändert, da der Vorschlag integriert ist, die Notenwerte halbiert sind und da der Umfang um zwei Noten erweitert ist.
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Aus einem einzigen Motiv des Themas entstehen so zwei völlig verschiedene Elemente, wobei in dem einen der Tonvorrat und im anderen der auftaktige Rhythmus des Themas verarbeitet wird.
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Var.XXV
| Takt | 1-4 | 5-7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13-15 | 16 |
| Thema | T | D7 | D7,(D7) | S,(D7) | S,DD7 | D,DD7 | D,(D7) | Tp,Kadenz zur | D |
| VarXXV | T | D7 | D,D7 | T,D7 | (D7) | Sp | (N) | Tp,Kadenz zur Tp |
| Takt | 16 | 17-19 | 20 | 21-23 | 24 | 25 | 26 | 27 | 28 | 29-31 | 32 |
| Thema | D7 | D7 | T | T,(D7) | S,(D7) | S,DD7 | D,DD7 | D,D7 | T,Kadenz zur | T | |
| VarXXV | (D7) | (D7) | s | s | (D7) | (D7) | N | N | D7 | Kadenz zur T |
Vergleich zwischen Variation und Thema:
- in den Takten 9 bis 12 treten andere Spannungs- und Auflösungsakkorde auf. Es erscheinen entlegenere Tonarten wie zum Beispiel B - Dur, die eine reichhaltigere Harmonik garantieren.Der harmonische Verlauf wird interessanter.
- Der erste Teil endet nicht wie gewöhnlich auf der Dominante, sondern auf der Tonikaparallele.
- Im zweiten Teil tritt alle vier Takte harmonisch eine Schnittstelle auf, die aber dadurch, daß der erste Teil nur 15 Takte umfaßt, im Vergleich zum Thema jeweils um einen Takt nach vorne verschoben wird.
- Der Wechsel Spannungsakkord - Auflösung, der sich in den Takten 25 bis 28 des Themas jeweils einmal im Takt abspielt, wird in den Takten 24 bis 27 der Variation so gestreckt, daß er sich innerhalb dieser vier Takte nur einmal vollzieht. Die Auflösung wird hinausgezögert, wodurch Spannung erzeugt wird.
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Die Variation beginnt mit einem Auftakt, wobei in der linken Hand das Paukenmotiv des Themas in diminuierter Form erklingt, das aber aufgrund des hohen Tempos nur schwer als solches erkannt wird. Während die rechte Hand Akkordrepetitionen spielt, findet sich in der linken Hand das Sechzehntelmotiv, das mehrere Male transponiert wird, so daß pro Takt je ein Ton der Harmonie umspielt wird. Insgesamt zieht sich dieses Motiv wie ein Perpetuum Mobile ununterbrochen durch das ganze Stück. Die harmonische Schnittstelle in Takt 5 wird durch einen kurzfristigen Lagenwechsel in der rechten Hand hervorgehoben. Die Takte 5 bis 8 laufen strukturell gleich ab wie die Takte 1 bis 4, allerdings auf einer anderen Tonebene. In Takt 9 wird durch die veränderte Intervallstruktur in der linken Hand und dadurch, daß hier erstmals zwei verschiedene Akkorde pro Takt erklingen, eine Strukturänderung erzeugt. Von Takt 12 auf Takt 13 läßt sich kein deutlicher Einschnitt erkennen, da ab Takt 12 durch das crescendo eine Steigerung entsteht, die sich über Takt 13 hinweg erstreckt. Obwohl der Harmoniewechsel pro Zählzeit in den Takten 14 und 15 eine steigernde Wirkung besitzt, werden diese Takte mit einem diminuendo versehen, das in das piano des Beginns zurückführt. Die erste Klammer dient als Rückleitung zu Takt eins, die zweite stellt eine Hinleitung zu Takt 16 dar. Die Tatsache, daß der erste Teil nur 15 Takte umfaßt, wird als störend empfunden, da die periodische Gliederung hier nicht beibehalten wird. Der fehlende Takt wurde wahrscheinlich aus den letzten vier Takten entnommen, da sich hier die Schlußwendung nur über drei Takte erstreckt.
Die Takte 16 bis 19 bzw. 20 bis 23 verlaufen strukturell gleich wie die Takte 1 bis 4, wobei die Kontur der Haupttöne in der linken Hand hier jeweils streng aufwärts verläuft, während sie sich in den Takten 1 bis 4 zunächst nach oben und dann nach unten bewegt.An der um einen Takt vorverschobenen Schnittstelle des Taktes 20 ist in der linken Hand wiederum ein Lagenwechsel zu beobachten. Die Strukturänderung in Takt 24 wird sowohl durch die veränderte Intervallstruktur in der linken Hand, als auch durch das crescendo erreicht. Zusätzlich Steigerung erzeugen die nach oben zeigende Bewegungsrichtung in der rechten Hand, die Spannungsakkorde (siehe Harmonik) und die Gegenläufigkeit der Takte 24 bis 27 und der Takte 29 bis 33, die sich hier über einen sehr großen Ambitus erstreckt.Die erste Klammer leitet mit dem subito piano wieder zum Beginn des zweiten Teils zurück, die zweite Klammer bildet mit der Tonika den Abschluß der Kadenz.Der erste Takt der ersten Klammer entspricht genau Takt 16. So stellt sich die Frage, warum Beethoven die erste Klammer nicht um einen Takt reduziert hat und statt dessen das Wiederholungszeichen zwischen Takt 15 und 16 gesetzt hat.
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Ähnlichkeiten mit dem Thema
- 3er Takt (3/8 Takt statt 3/4 Takt)
- C - Dur
- motivische Verwandtschaft durch Verarbeitung des Kopfmotivs (Rhythmus, Tonvorrat) und Akkordwiederholungen
- Schnittstellen werden hervorgehoben durch Lagenwechsel und Strukturänderung
- ähnliche Dynamik (decrescendo gegen Ende des ersten Teils, zweiter Teil endet im forte)
- Gegenläufigkeit am Variationsende
- Es tritt auch hier eine Störung auf durch den fehlenden Takt des ersten Teils
Unterschiede
- formale Länge (31 Takte statt 32)
- einige Abweichungen vom Harmoniegerüst (siehe Harmonik)
- keine bedeutende Änderung der Stimmenanzahl
- keine sforzati
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Während die Variation XXV im Kontrast zu Variation XXIV steht, bildet sie mit den beiden darauffolgenden Variationen eine Einheit. Verbindende Elemente stellen u. a. der 3/8 Takt sowie die durchlaufende Sechzehntelbewegung dar.
Eine Verbindung ist auch zu Variation XII zu sehen, da sich hier eine leicht rnodifizierte Form der Spielfigur in der linken Hand durch das ganze Stück zieht.
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