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Ludwig van Beethoven (1770 - 1827)

Dritte Sinfonie "Eroica", op. 55 in Es-Dur

 - Materialien erstellt von

Jürgen Karl, Mannheim


Beethoven hat in seiner Dritten Symphonie ("Eroica,") einen neuen Weg des Komponierens beschritten. Ursprünglich hieß die Symphonie "Bonaparte" oder auch "Napoleon"; sie sollte auf musikalische Weise ein Porträt des französischen Konsuls Napoleon geben. Die Symphonie bezog sich auf das bedeutsame Ereignis "Napoleon": auf die Hoffnung, daß die Epoche der chaotischen revolutionären Zustände in eine Epoche der disziplinierten Republik überführt werde. Erst nach Beendigung der Komposition hat Beethoven aufgrund der Nachricht von Napoleons selbstinszenierter Kaiserkrönung den Titel geändert.

Aber nicht nur der Bezug der "Eroica" zu weltpolitischen Ereignissen verwandelt ihre Stellung innerhalb der Gattung Symphonie, sondern auch die spezifische Anlage des Werkes selbst. Es überschreitet beispielsweise mit einer Aufführungsdauer von 45-50 Minuten die der klassischen Symphonien bei weitem. Dem äußerlichen Kriterium der Länge entsprechen in der Komposition bestimmte neuartige Prinzipien; man kann sie schlagwortartig wie folgt angeben:

1. Darstellung bedeutender allgemeiner und musikalischer Ideen in einer sinnfällig sich entwickelnden Form,

2. Entfaltung der Farb- und Ausdrucksfähigkeit des Orchesters.

3. Ordnung der Sätze nach Prinzipien des motivischen Zusammenhangs und nach einer poetischen Idee.

Zusammenfassung


Zu 1.:

An die Stelle eines Themas, welches in der Exposition aufgestellt und in der Durchführung verarbeitet wird, tritt ein Thema, das in verschiedenen Gestalten erscheint und sich erst im Verlauf des Satzes entwickelt.

Dieses Vorhaben war aber erst durch die Einbeziehung aller klanglicher und dynamischer Möglichkeiten des Orchesterapparates bei der thematischen Gestaltung zu leisten.


Zu 2.:

Wechselnde Klangfarben bewirken wechselnden musikalischen Ausdruck und dies in engstem zeitlichen Rahmen.


Zu 3.:

Seit Beethovens "Eroica" beginnen die Bemühungen, die Sätze einer Sinfonie zu einem sinnvollen Ganzen, einem Zyklus von Sätzen, zu gestalten.

Bei der "Eroica" sind dies bspsw. der Rahmen einer Quinte nach oben und der einer Quarte nach unten in der Themengestaltung innerhalb der Sätze. Oder auch die inhaltlich-poetische Idee als einer "Napoleon-Symphonie".


Zusammenfassung

· Der 1. Satz stellt das musikalische Porträt eines Helden dar, dessen starker Wille, alle Widerstände zu brechen und die Idee einer künftigen idealisierten Menschheit durchzusetzen, zum Ziel führt.

· Der 2. Satz, ein Trauermarsch in Moll, bildet eine zusammengesetzte dreiteilige Liedform mit einem Durteil als Mittelteil und einem Fugato im Da Capo des Anfangsteiles, ist quasi eine Gegenüberstellung von Trauer und Hoffnung.

· Im 3. Satz bietet die endgültige Verwendung des Scherzos anstelle des Menuetts die Möglichkeit, kontrastreichere dynamische Prozesse darzustellen.

· Der letzte Satz rundet das Thema Bonaparte durch seine musikalisch-thematische Beziehungen zum 1. Satz ab. Hinzu kommt seine motivisch-thematische Beziehung zum Ballett "Die Geschöpfe des Prometheus", einem Ballett über einen Helden.

· Dieser Satz ist obwohl nicht als solcher gekennzeichnet ein Thema mit Variationen und einer vorausgehenden Introduktion. Das Thema der Variationen wird von Beethoven neben dem o.g. Ballett noch in den "Contretänzen" für Orchester und den "Fünfzehn Variationen Es-Dur mit einer Fuge", op.35 verwendet.

Obwohl Beethoven die ursprüngliche Widmung zurücknahm, ist anzunehmen, dass er nicht mehr eine bestimmte Persönlichkeit im Blick hatte, sondern Urbilder des Heroischen, wie das Sich-durchsetzen, Sichauseinandersetzen, Tragische und Triumphale eines Helden.