| Revolutionierung des Militärs und
wirtschaftliche Perspektiven eines 30jährigen Krieges Den Armeen der frühen Barockzeit boten
sich durch revolutionäre
Taktiken
vollkommen neue Möglichkeiten der
Kriegsführung. Die Folgen moderner"
Bewaffnug
wirkten sich besonders auf die Form des Heeres
und der Art der Soldaten aus.
Doch die sich damit auftuenden Möglichkeiten
für die Ausnutzung des Kriegs in
wirtschaftlicher Hinsicht, offenbarten bald
die wahren Gewinner"
des Krieges und
bewegten ganze Scharen von Leuten sich den Heeren
anzuschließen, um ein Stück vom Kuchen
zu erhaschen.
Am Ende stand die vollkommene Vernichtung der
deutschen Wirtschaftsstruktur und der Aufbruch in ein neues Zeitalter.
Revolutionäre Taktiken
Der 30jährige Krieg lag
technisch, taktisch und wirtschaftlich gesehen in
einer günstigen oder besser gesagt für eine
Chance auf ein baldiges Ende, in einer denkbar
ungünstig en Position. Denn genau diese drei
Komponenten: Technik, Verständnis von Taktik und
Wirtschaft wirkten in einer solch perfekten
Konstellation aufeinander ein, dass alles zu
einer maximalen Verlängerung des Krieges
beitrug.
Im 15. Jahrhundert entwarfen schweizer Militärs
die Taktik des geschlossenen Gevierthaufens. Sie
bestückten die Fußsoldaten mit meterlangen
Stäben, an deren Ende jeweils eine eiserne oder
hölzerne Spitze saß.
Velasquez: Die Übergabe von Breda
Diese sogenanten
Infanteriewaffen eigneten sich besonders gut zur
Abwehr gegnerischer Reiter. Die Fußsoldaten
stellten sich in mehreren geschlossenen Reihen
versetzt hintereinander auf und warteten ab, bis sie den angreifenden Reitern eine
unüberwindbare Wand aus spitzen Piken
entgegenhalten konnten. Diese Variante der
Kriegsführung war so effektiv, daß die bis
dahin für unbezwingbar gehaltenen Ritterheere im
damals üblichen Sturmangriff kläglich
versagten. Die Reiterei wurde bis zur Einführung
des geschlossenen Gevierthaufens in lockeren
Verbänden eingesetzt, die meist unter donnernden
Hufen und wildem Geschrei in das Getümmel
eingriffen und in den meisten Fällen die
Schlacht entschieden. Diese Taktik war praktisch
über Nacht nutzlos geworden. Analog zur
Entwicklung des geschlossenen Gevierthaufens
wurde auch die Strategie der Reiterei verändert.
Sie operierte jetzt meht und mehr ebenfalls in
geschlossenen Verbänden. Das Defizit war
beseitigt.

Folgen moderner"
Bewaffnug
Seit etwa 1500 standen nun auch
brauchbare Schußwaffen zur verfügung, die in
ihrer Reichweite und Durchschlagskraft die
Armbrust weit übertrafen und in ihrer
Effektivität auch so manche Pike in den Schatten
stellten. Den langen Ladezeiten und dem hohen
Anschaffungspreis war es jedoch zu verdanken, das
die Infanteriewaffen im Gegensatz zu den
Armbrüsten nie vollständig verträgt wurden.
Die Rüstungen waren jetzt allerdings auch
untauglich geworden, was nicht unbedingt als
Nachteil zu sehen war, denn auch sie hatten einen
hohen Anschaffungspreis, der sie meist nur dem
Adel zugänglich machte. Auch hatten die
Rüstungen kein einheitliches Design und waren
meist Unikate, was häufig Verwechslungen zur
Folge hatte. An ihre Stelle kamen leicht
gepanzerte Waffenröcke und leichte Helme, die
meist durch einheitliche farbliche Kennzeichnug
eine Erkennung des Feindes, selbst im wildesten
Schlachtgetümmel, möglich machten. Auch
erlaubten sie es, sich im Kampf wesentlich freier zu
bewegen und machten es möglich im klassischen
Sinne zu Fechten. Führten bisher die schweren
Rüstungen dazu, dass das Ausweichen eines Hiebes
schier unmöglich war (Gebrauch des Schildes zur
Abwehr) und man zur Ausführung eines Schlages
ohnehin nur schwerfällige Bewegungen wie Stoß
und Hieb machen konnte, wurden die massiven und
nicht sehr scharfen Schwerter, die dafür
besonders gut geeignet waren, durch wesentlich
leichtere, schärfere und besser zu führende
Degen oder Säbel ersetzt. Das moderne
Kriegsgerät schlug darüber hinaus auch nicht so
auf die Kondition und es konnte länger gekämpft
werden.
Die Erfindung des Schießpulvers verhalf jedoch
nicht nur den, nach einiger Entwicklungszeit
brauchbar gewordenen Handfeuerwaffen, sondern
auch der etwas größeren Variante dieser Waffe
namens Artillerie auf die Schlachtfelder. Diese
Waffen brachten es mit ihren gußeisernen Kugeln
und für damalige Zeiten extremen Reichweite von
mehreren tausend Metern auf eine gewaltige
Durschlagskraft, der die alten, im Mittelalter
gebauten, Stadtmauern und Burgen nicht mehr
gewachsen waren. Gegen sie schützten allein
umfangreiche Bastionen aus Erdwällen, die selbst
Geschütze und reichlich Schußfeld vor dem
Festungsgräben besaßen. Doch die waren immens
teuer in Unterhaltung und Bau.
Damit waren die drei Waffengattungen geboren, die
bis zum Ende des 1. Weltkrieges die Säulen einer
jeden Armee blieben: Infanterie, Kavallerie,
Artillerie.
Jedoch war es durch solch ein technisches
Aufgebot nicht mehr möglich im Kriegsfall un-
oder nur schlicht ausgebildete Bauern zu
rekrutieren. Es verlangte nach kampf- und
geräterprobten Berufssoldaten, den Söldnern.
Zwar besaßen die den Nachteil Geld zu kosten,
erlaubten sie es jedoch die Armeen zu
vergrößern, da ja bekanntlich jeder für einen
bestimmten Preis (Sold) für die eigene Sache zu
begeistern ist. Dies hatte wiederum den Nachteil,
dass es mit der Moral und der Loyalität nicht
weit her war. Das Wechseln der Fronten war ebenso
Sitte, wie das Plündern der befreundeten Stadt
bei ausbleibendem Sold. Hatte es im ganzen
Mittelalter kein deutsches Heer gegeben das
10.000 Mann überschritt, so waren jetzt Heere
von zig tausend, im 30jährigen Krieg sogar bis
zu 100.000 Mann, keine Seltenheit. Armeen dieser
Größenordnung, Ausbildungsstandes und
benötigten Materials hätten überhaupt nicht
aufgestellt werden können, wenn die dritte
Komponente das Verständnis von Wirtschaft nicht
gewesen wäre.
Schon im späten Mittelalter bildeten sich reiche
Handelshäuser wie die Fugger, die Kaiser und
König mit Krediten unter die Arme halfen.
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