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Peter-Petersen Gymnasium
Klasse 11.3
Juni 1997/ Barockprojekt 2000
Referat: Heiko Danisch



Der dreissigjährige Krieg (1618-1648)

Teil 2

Revolutionierung des Militärs und wirtschaftliche Perspektiven eines 30jährigen Krieges

Den Armeen der frühen Barockzeit boten sich durch revolutionäre Taktiken vollkommen neue Möglichkeiten der Kriegsführung. Die Folgen „moderner" Bewaffnug wirkten sich besonders auf die Form des Heeres und der Art der Soldaten aus.
Doch die sich damit auftuenden Möglichkeiten für die Ausnutzung des Kriegs in wirtschaftlicher Hinsicht, offenbarten bald
die wahren „Gewinner" des Krieges und bewegten ganze Scharen von Leuten sich den Heeren anzuschließen, um ein Stück vom Kuchen zu erhaschen.
Am Ende stand die vollkommene Vernichtung der deutschen Wirtschaftsstruktur und der
Aufbruch in ein neues Zeitalter.

Revolutionäre Taktiken

Der 30jährige Krieg lag technisch, taktisch und wirtschaftlich gesehen in einer günstigen oder besser gesagt für eine Chance auf ein baldiges Ende, in einer denkbar ungünstigen Position. Denn genau diese drei Komponenten: Technik, Verständnis von Taktik und Wirtschaft wirkten in einer solch perfekten Konstellation aufeinander ein, dass alles zu einer maximalen Verlängerung des Krieges beitrug.
Im 15. Jahrhundert entwarfen schweizer Militärs die Taktik des geschlossenen Gevierthaufens. Sie bestückten die Fußsoldaten mit meterlangen Stäben, an deren Ende jeweils eine eiserne oder hölzerne Spitze saß.
Velasquez: Die Übergabe von Breda

Diese sogenanten Infanteriewaffen eigneten sich besonders gut zur Abwehr gegnerischer Reiter. Die Fußsoldaten stellten sich in mehreren geschlossenen Reihen versetzt hintereinander auf und warteten ab, bis sie den angreifenden Reitern eine unüberwindbare Wand aus spitzen Piken entgegenhalten konnten. Diese Variante der Kriegsführung war so effektiv, daß die bis dahin für unbezwingbar gehaltenen Ritterheere im damals üblichen Sturmangriff kläglich versagten. Die Reiterei wurde bis zur Einführung des geschlossenen Gevierthaufens in lockeren Verbänden eingesetzt, die meist unter donnernden Hufen und wildem Geschrei in das Getümmel eingriffen und in den meisten Fällen die Schlacht entschieden. Diese Taktik war praktisch über Nacht nutzlos geworden. Analog zur Entwicklung des geschlossenen Gevierthaufens wurde auch die Strategie der Reiterei verändert. Sie operierte jetzt meht und mehr ebenfalls in geschlossenen Verbänden. Das Defizit war beseitigt.

Folgen „moderner" Bewaffnug

Seit etwa 1500 standen nun auch brauchbare Schußwaffen zur verfügung, die in ihrer Reichweite und Durchschlagskraft die Armbrust weit übertrafen und in ihrer Effektivität auch so manche Pike in den Schatten stellten. Den langen Ladezeiten und dem hohen Anschaffungspreis war es jedoch zu verdanken, das die Infanteriewaffen im Gegensatz zu den Armbrüsten nie vollständig verträgt wurden. Die Rüstungen waren jetzt allerdings auch untauglich geworden, was nicht unbedingt als Nachteil zu sehen war, denn auch sie hatten einen hohen Anschaffungspreis, der sie meist nur dem Adel zugänglich machte. Auch hatten die Rüstungen kein einheitliches Design und waren meist Unikate, was häufig Verwechslungen zur Folge hatte. An ihre Stelle kamen leicht gepanzerte Waffenröcke und leichte Helme, die meist durch einheitliche farbliche Kennzeichnug eine Erkennung des Feindes, selbst im wildesten Schlachtgetümmel, möglich machten. Auch erlaubten sie es, sich im Kampf wesentlich freierzu bewegen und machten es möglich im klassischen Sinne zu Fechten. Führten bisher die schweren Rüstungen dazu, dass das Ausweichen eines Hiebes schier unmöglich war (Gebrauch des Schildes zur Abwehr) und man zur Ausführung eines Schlages ohnehin nur schwerfällige Bewegungen wie Stoß und Hieb machen konnte, wurden die massiven und nicht sehr scharfen Schwerter, die dafür besonders gut geeignet waren, durch wesentlich leichtere, schärfere und besser zu führende Degen oder Säbel ersetzt. Das moderne Kriegsgerät schlug darüber hinaus auch nicht so auf die Kondition und es konnte länger gekämpft werden.
Die Erfindung des Schießpulvers verhalf jedoch nicht nur den, nach einiger Entwicklungszeit brauchbar gewordenen Handfeuerwaffen, sondern auch der etwas größeren Variante dieser Waffe namens Artillerie auf die Schlachtfelder. Diese Waffen brachten es mit ihren gußeisernen
Kugeln und für damalige Zeiten extremen Reichweite von mehreren tausend Metern auf eine gewaltige Durschlagskraft, der die alten, im Mittelalter gebauten, Stadtmauern und Burgen nicht mehr gewachsen waren. Gegen sie schützten allein umfangreiche Bastionen aus Erdwällen, die selbst Geschütze und reichlich Schußfeld vor dem Festungsgräben besaßen. Doch die waren immens teuer in Unterhaltung und Bau.
Damit waren die drei Waffengattungen geboren, die bis zum Ende des 1. Weltkrieges die Säulen einer jeden Armee blieben: Infanterie, Kavallerie, Artillerie.
Jedoch war es durch solch ein technisches Aufgebot nicht mehr möglich im Kriegsfall un- oder nur schlicht ausgebildete Bauern zu rekrutieren. Es verlangte nach kampf- und geräterprobten Berufssoldaten, den Söldnern. Zwar besaßen die den Nachteil Geld zu kosten, erlaubten sie es jedoch die Armeen zu vergrößern, da ja bekanntlich jeder für einen bestimmten Preis (Sold) für die eigene Sache zu begeistern ist. Dies hatte wiederum den Nachteil, dass es mit der Moral und der Loyalität nicht weit her war. Das Wechseln der Fronten war ebenso Sitte, wie das Plündern der befreundeten Stadt bei ausbleibendem Sold. Hatte es im ganzen Mittelalter kein deutsches Heer gegeben das 10.000 Mann überschritt, so waren jetzt Heere von zig tausend, im 30jährigen Krieg sogar bis zu 100.000 Mann, keine Seltenheit. Armeen dieser Größenordnung, Ausbildungsstandes und benötigten Materials hätten überhaupt nicht aufgestellt werden können, wenn die dritte Komponente das Verständnis von Wirtschaft nicht gewesen wäre.
Schon im späten Mittelalter bildeten sich reiche Handelshäuser wie die Fugger, die Kaiser und König mit Krediten unter die Arme halfen.

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