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Peter-Petersen Gymnasium
Klasse 11.3
Juni 1997/ Barockprojekt 2000
Referat: Hannah Markwig



Barockmusik

Kurztext:

Die bezeichnendste Eigenschaft der Barockmusik ist die Vielfalt der technischen und stilistischen Mittel.

Zwei KOMPOSITIONSTECHNIKEN herrschten im Barock vor, der Kontrapunkt und die Harmonik. Auch die akustischen Voraussetzungen, zum Beispiel die im Barock gebräuchliche TONSKALA oder die KOMBINATIONSTÖNE, die speziell bei einigen barocken Instrumenten gut zu hören sind, wurden von den Komponisten verwendet, um die beabsichtigte Wirkung auf den Hörer zu erreichen..

Kein Komponist schrieb Melodien intuitiv und komponierte „aus dem Bauch heraus". Die stilistischen Mittel und Werkzeuge kannte jeder Komponist, es galt, sie möglich effektiv zu nutzen, um eine Wirkung zu erzielen. In diesem Sinne ist die Musik des Barock mathematisch oder wissenschaftlich zu nennen.

Der Komponist, der die Techniken praktisch zur Vollendung brachte, ist JOHANN SEBASTIAN BACH.

Das Referat:

Kompositionstechniken: Mathematik und Musik

Die Komplexität der Barockmusik wird speziell im Kanon oder in der Fuge deutlich. Bach versuchte, die Komposition der Fuge mit seinem Werk „Die Kunst der Fuge", das allerdings vor seinem Tod nicht fertiggestellt wurde, zu vervollkommnen. Es beinhaltet 18 Fugen, die mit aufsteigender Nummer immer komplexer werden. Eine Melodie wurde nicht nur versetzt in der Unterstimme wiederholt, wie im Kanon üblich, sondern sie wurde rückwärts gespielt, die Tonhöhe wurde gespiegelt, sie wurde in anderem Rhythmus wiederholt, in anderen Tonarten wiederholt, und das alles in verschiedenen Stimmen gleichzeitig. Auch eine einzelne Stimme konnte vielschichtig aufgebaut sein, beispielsweise mit einer Melodie auf Schlag 1 und 3 und einer auf Schlag 2 und 4 des Taktes. Diese sozusagen verschachtelte Kompositionsweise wird der Kontrapunkt genannt.

Hier zeigt sich besonders deutlich, wie sehr die Barockmusik von der Idee, daß die Mathematik die vollkommene Wissenschaft ist, beeinflußt ist.

Bei der letzten Fuge aus der „Kunst der Fugen" fällt besonders auf, daß Bach seinen Namen in das Stück komponiert hat: B-A-C-H.

Eine andere im Barock vorherrschende Kompositionstechnik ist die Harmonik: Melodien werden oft hintereinander, vielleicht in andere Lage wiederholt. Diese Melodien sind frei von schrägen Klängen, oft einfache Intervalle oder aneinandergereihte Tonleitersegmente. Diese Melodienabfolge, die meistens nur in einer Stimme vorhanden ist, während die begleiteten Stimmen Akkorde spielen, wird oft sehr schnell gespielt, so daß sie sich trotz einfachem Aufbau kompliziert anhört. Die Abwechslung dieser beiden Kompositionstechniken ist in nahezu allen barocken Solokonzerten gut zu beobachten. Jedes Barockkonzert besteht aus einem schnellen Satz, dem ein langsamer und zum Schluß wieder ein schneller Satz folgen. Mindestens die beiden schnellen Sätze sind in Solo- und Tuttibereiche aufgeteilt. Im Tuttibereich ist die Melodie in den verschiedenen Stimmen komplex verschachtelt, im Solobereich ist sie virtuos, vom Aufbau her aber eher einfach. Beispiele hierfür sind

GEORG FRIEDRICH HÄNDEL: CONCERTO B-DUR FÜR SOPRANINOFLÖTE

GIUSEPPE SAMMARTINI: CONCERTO F-DUR FÜR SOPRANBLOCKFLÖTE

ANTONIO VIVALDI: CONCERTO C-DUR FÜR ALTBLOCKFLÖTE

 

Die Tonskala im Barock

Im Barock wurde das PYTHAGORÄISCHE KOMMA auf fünf Quinten verteilt, das heißt, jeder fünfte Ton wurde leicht falsch gestimmt.

Dadurch ergibt sich ein Unterschied in den verschiedenen Tonarten, denn der falsche Ton - oder die falschen Töne - sind in jeder Tonart an einer anderen Stelle. Jede Tonart erhält dadurch einen eigenen Charakter, C - Dur klingt zum Beispiel leicht und fröhlich und ein bißchen naiv, B - Dur klingt deutlich schwerer und würdevoller. Die im Quintenzirkel weiter hinten liegenden Tonarten, H - Dur oder Fis - Dur zum Beispiel klingen relativ schräg, für die damalige Zeit mehr als für uns heute, da wir ja schon sehr an dissonante Klänge gewöhnt sind.

Daher findet man so gut wie kein barockes Stück in H -Dur .

Die Unterschiede in den Tonarten wurden als Stilmittel verwendet, einmal indem mit der Grundtonart eines Stückes zur Atmosphäre beigetragen wird, aber auch um zum Beispiel Spannungen aufzubauen. Im ERSTEN SATZ DES CONCERTO IN C - DUR FÜR ALTBLOCKFLÖTE VON ANTONIO VIVALDI wird das Anfangsthema etwa in der Mitte in A -Dur wiederholt. Diese Wiederholung beinhaltet eine Steigerung, da A -Dur schräger klingt als C -Dur; zum Ende hin moduliert der Satz zurück nach C -Dur. Allein durch diese Tonartenabwechslung ergibt sich ein Spannungsbogen, der durch andere Mittel noch unterstützt wird.

Kombinationstöne

Ein anderes Mittel, das im Barock bekannt war und genutzt wurde, sind die Kombinationstöne. Spielt man zwei Töne, so hört man neben den zwei gespielten Tönen noch einen dritten Ton, meistens tiefer liegenden Ton, den Kombinationston. Jeder Mensch hört diesen Ton, obwohl er rein physikalisch gesehen gar nicht existiert, auf einem Oszilloskop wäre er nicht zu sehen.

Dieser Ton klingt lauter und angenehmer, wenn die beiden gespielten Töne das richtige Verhältnis haben. Wenn das Verhältnis auch nur minimal falsch ist, ist der Kombinationston als Brummen zu hören. Es gibt Instrumente, bei denen die Kombinationstöne nicht sehr stark zu hören sind, aber bei einigen Soloinstrumenten des Barock, speziell bei Blockflöte und Traversflöte sind sie sehr stark zu hören. Man muß mit diesen Instrumenten also vermeiden, falsch gestimmte Intervalle zu spielen, um das Brummen zu vermeiden. Da aber im Barock nach jeder Quinte ein falsch gestimmter Ton kam - das war durch die TONSKALA festgelegt - ist das praktisch unmöglich. Je weiter die beiden gespielten Töne beieinander liegen, desto mehr verändertet sich der Kombinationston bei Tonabweichungen der gespielten Töne. Also sind die größeren Intervalle nicht so schwierig zu stimmen wie kleinere. Nicht jeder Komponist beherrschte die Technik, mit Kombinationstönen zu arbeiten. Aber bei Bach oder bei Vivaldi findet man selten kleine Intervalle.

Es gab auch die Technik, einen Kombinationston in den Baß mit einzukomponieren. Wenn ein Kombinationston zusätzlich von einem dritten Instrument gespielt wird, klingt er obertonreicher und daher viel fülliger. Dieser Effekt war im Barock durchaus erwünscht. Die Musik des Barock ist allgemein füllig zu nennen; komplexe, schnelle und detailreiche Stücke waren angesehen. Ein Komponist wie Mozart wäre im Barock verachtet worden, weil er improvisierte und einfache, eingängliche Melodien komponierte, anstatt komplizierte Werke unter Berücksichtigung von beispielsweise Kombinationstönen zu verfassen. (Da Mozart auf dem Klavier spielte, konnte er diese Technik auch gar nicht nutzen, da man sie auf dem Klavier schlecht hört und da kleine Intervalle auch keinerlei Probleme machten, da das Klavier anders gestimmt ist.)

Das pythagoräische Komma

Schon Pythagoras errechnete die Verhältnisse der Frequenzen von verschiedenen Tönen, er verwendete Mathematik, um die Musik zu beschreiben. Er stellte eine Tonskala auf, die heute PYTHAGORÄISCHE SKALA genannt wird. Er verwendete eine Saite, um die Tonverhältnisse zu bestimmen. Eine Saite hat einen bestimmten Grundton. Pythagoras stellte fest, daß der gleiche Ton eine Oktave höher erklingt, wenn man die Hälfte der Saite abklemmt. Die Quinte erklingt, wenn man zwei Drittel der Saite, die Quarte, wenn man drei Viertel anschlägt. Mit diesen Beobachtungen berechnete er den Rest der Skala.

Diese Skala weist aber einen kleinen Fehler auf, das sogenannte pythagoräische Komma: Spielt man von einem Grundton auf dem Klavier aus 12 Quinten, so erreicht man denselben Ton, wie wenn man 7 Okrtaven hintereinander spielt. Rechnet man den Ton aber mit Pythagoras’ Skala aus, einmal als 12. Quinte und einmal als 7. Oktave, so ergibt sich ein Unterschied, die Differenz der beiden berechneten Tonhöhen nennt man das pythagoräische Komma. Wie in den einzelnen Epochen mit diesem Fehler umgegangen wird, ist unterschiedlich.

Die pythagoräische Skala: (Die Bedeutung dieser Zahlenverhältnisse bei Kepler)

Die pythagoräische Skala

Johann Sebastian Bach

- Bild aus „Gödel, Escher, Bach" -

Georg Friedrich Händel Concerto B-Dur für Sopraninoflöte

- Noten -

Giuseppe Sammartini Concerto F-Dur für Sopranblockflöte

- Noten -

Antonio Vivaldi Concerto C-Dur für Altblockflöte

- Noten -

Erster Satz des Concerto in C-Dur von Antonio Vivaldi

- Noten -