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 Spanier
wollen nicht mehr kämpfen:
Die Haltung der Lanzen als Symbol
In Spanien
heißt das Bild volkstümlich »Las Lanzas« - Lanzen beherrschen fast ein Viertel der
Malfläche. Jahrhundertelang waren sie Symbol
militärischer Stärke. Feuerwaffen spielten zur Zeit der
Belagerung von Breda noch keine große Rolle. Die
Niederländer benutzten die kürzeren Spieße. In dicht
aufgeschlossenen viereckigen Formationen von mehreren
hundert Lanzenträgern marschierte die spanische
Infanterie ihren Feinden entgegen.Calderon vergleicht die
Lanzenformation mit Ährenfeldern. Ein Franzose
beschreibt sie als wandernde Türme, die Löcher im
Mauerwerk sogleich wieder schließen können. Schon ihr
Anblick verbreitete Furcht.
Unter Philipp II., dem Großvater des 1625 regierenden Königs, waren die
spanischen Soldaten berühmt für ihre Disziplin. Als
Paradebeispiel dieser militärischen Zucht galten die
genau senkrecht und parallel gehaltenen Lanzen. Velazquez malt keine Parade, und
die Glanzzeit dieser spanischen Disziplin ist lange
vorbei. Nicht alle
Lanzen stehen senkrecht. Nur noch Abenteurer und
verfolgte Verbrecher lassen sich in Spanien anwerben. Ein
großer Teil des Heeres besteht aus Söldnern. Sie
kämpfen mal auf dieser, mal auf jener Seite; der Sold
ist überall gering, die Hoffnung auf Beute ist groß.
Nach einem Feldzug werden die Landsknecht entlassen und
bilden als herumziehende Marodeure eine Plage für die
Bevölkerung. Während des Krieges ist
Mitteleuropa voll
von stellungslosen Söldnern auf der Suche nach einem
Hauptmann. 1629,
also vier
Jahre nach dem Triumph von Breda, erhält der spanische
Hof einen Brief aus Flandern: "Die Soldaten sterben
vor Hunger »sie gehen halb nackt von Tür zu Tür und
betteln um Almosen. Wir sind an einem äußersten Punkt
von Elend."
Velazquez malt die Lanzenträger fast
gesichtslos. Im Unterschied zu den Offizieren, die der
Zeremonie zuschauen, haben sie die Hüte auf dem Kopf
behalten. Vielleicht beobachten sie den Auzug der
niederländischen Besatzung im Hintergrund. Sie dürften
darüber verbittert ge wesen sein, daß sie ihre Gegner
nicht haben ausplündern dürfen. Für die Sosiego-Geste
im Vordergrund fehlt ihnen das Interesse. Sie entspricht
nicht ihren Bedürfnissen.
Als Velasquez neun oder zehn Jahre nach dem Sieg von
Breda im Auftrag des Königs die Belagerung malen sollte,
- für dessen Lustschloss -war er in einer schwierigen
Situation, denn es hatte keine spektakulären Kämpfe
gegeben. Die Soldaten mussten vor allem gegen Hunger und
Kälte kämpfen. was also blieb ihm?
SOSIEGO -diese Haltung, von der man annahm,
sie sie typisch spanisch und die man so schätzte. Man
der Realität hat das nichts zu tun.
QUELLE:
HAGEN:Bildbefragungen. Taschen-Verlag 1994
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