Feiern

Kommentar zu: Jacob Jordaens: "Der König trinkt"
Quelle: Bildbefragungen, Rose Marie & Reiner Hagen, Taschenverlag 1994

Auch bei anderen Gelegenheiten wurden üppige Bankette organisiert, die mehrere Tage dauerten - kostspielig für die Gastgeber und, weil sie so oft in Saufereien und Schlägereien ausarteten, der Obrigkeit ein Dorn im Auge. Die Regierung versucht immer wieder, diese Ausschweifungen zu bergenzen, doch die 1613 erlassene "Verordnung gegen die Exzesse bei Hochzeiten und die Bankette bei Ausfahreten" richtete ebensowenig aus wie die vielen vorhergegangenen.
Die Antwerpener Sankt-Lukas-Gilde war eigentlich eine ständische Vereinigung der Maler zum gegenseitigen Beistand in Krankheit und Not. Im 17.Jahrhundert jedoch betätigte sie sich mit Vorliebe als Festorganisation. Fast die gesamten Einnahmen wurden beim alljährlichen Mahl am Sankt-Lukas-Tag verzehrt. Kein Wunder, daß Jordaens - erfolglos - versuchte, 1621 das Amt des Gilden-Dekans abzulehnen. Er fühlte sich wohl den damit verbundenen Repräsentationskosten nicht gewachsen. Sogar der Tod bot Gelegenheit für Tafelfreuden. Bei Rubens' Begräbnis im Jahre 1640 fanden in Antwerpen nicht weniger als vier Trauermahlzeiten statt: eine im Sterbehaus für Familie und Freunde, eine auf dem Rathaus für die Herren des Magistrats, eine für die Bruderschaft der Romanisten im Gasthof "Zur Goldblume" und eine für die Mitglieder der Lukas-Gilde im Gasthof "Zum Hirsch". Auch in den Klöstern wurde geschlemmt. Als am 10. Februar 1664 im Antwerpener Falconkloster ein Mädchen den Schleier nahm, feierten dort 19 Personen und verzehrten, laut Klosterregister, "20 halbe Stüber Weißbrot, eine gesottene Hammelkeule, zwei Schinken, zwei Stück gesalzenes Fleisch, drei Schüsseln Reis, drei Schüsseln mit zerstückeltem Hammelfleisch samt Gemüse, Würsten und Klößen und drei Schüsseln Pflaumenmus, das ist der erste Gang". Es folgten zwei weitere, ebenso opulente Gänge und dasselbe noch einmal am folgenden Tag. Selbst bei Familienfeiern wie dem Dreikönigsessen wurde mindestens ein Dutzend kräftiger Gerichte aufgetragen. Auf dem Gemälde ist der Tisch schon fast abgegesssen. Nur eine Dame stochert noch mit der Gabel auf dem Teller herum. Zu erkennen sind ansonsten nur eine angeschnittene Pastete, Apfelsinenstücke sowie am anderen Tischende Crevetten, zur Begleitung des Alkohols und als Durstanreger wie der ge- salzene Hering, den ein Gast sich gerade in den Mund baumeln läßt. Zum Dreikönigsmahl gehörte der Brauch, durch den Schornstein nach den Sternen zu schauen. Dann durften so viele Schoppen Wein getrunken werden, wie man Sterne zählen konnte. In den Römergläsern glänzte Rhein- und Moselwein. "Den Flamen das Glas wegnehmen", schrieb im 18. Jahrhundert ein französischer Reisender, "das hieße, einem Baum die Wurzel abzuschneiden, durch die er mit den Säften das Leben saugt." Über zwei Drittel der niederländischen Genrebilder zeigen Trinkszenen, ob zu Hause oder in Tavernen. Noch die seriösesten holländlische Ratsherren heben, auf ihren repräsentativen Gruppenporträts, den Becher.

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