Anmerkungen
zu der heiligen Theresa des Bernini
Diese Marmorkomposition des Giovanni
Lorenzo Bernini in der Kirche Santa Maria della
Vittoria in Rom (um 1642 entstanden) ist eines
der Meisterwerke des Barock. Es ist Berninis
bedeutendstes Werk, das die heilige Theresa im
Moment ihrer Unio mystica darstellt.
Der Künstler schuf dieses Werk für die
Familienkapelle des venezianischen Kardinals
Federico Cornaro. Bernini ließ sich von einer
knappen Darstellung der Heiligen in ihrer
Autobiographie inspirieren. Bei der Enthüllung
des Werkes soll es damals zu einem Skandal
gekommen sein. Die erotischen Ausdrucksformen
schienen den mystischen Gehalt zu überdecken.
Doch wie schon im Hohenlied des AT blieb die
Mystik der Sprache und den Bildern der
menschlichen Liebe als das zentrale Analogon zur
göttlichen Liebe verhaftet. In einem Tabernakel
über dem Altar von Santa Maria della Vittoria
ist das Geschehen gezeigt. Erst an diesem den
Bezügen zur Wirklichkeit enthobenen Ort war es
möglich, die Heilige auf Wolken zu zeigen, der
Erde entrückt und im Licht des Himmels. Das
leidensvolle Pathos der Heiligen, die vom
Gnadenstrahl der göttlichen Liebe getroffen wird
kontrastiert mit dem jugendlichen Engel mit dem
(Amor-) Pfeil. Die fließenden und bewegten
Gewänder geben die Dramatik des gottmenschlichen
Geschehens wieder. Alles dient diesem als
Metapher und sinnfälliger Ausdruck in diesem
Werk des Hochbarock.
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