Ihre Mail

Peter-Petersen Gymnasium

Juni 1997/ Barockprojekt 2000
Referat:
Dr. Hans Werner Günther




Kunst des Barock

Anmerkungen zu der heiligen Theresa des Bernini

Diese Marmorkomposition des Giovanni Lorenzo Bernini in der Kirche Santa Maria della Vittoria in Rom (um 1642 entstanden) ist eines der Meisterwerke des Barock. Es ist Berninis bedeutendstes Werk, das die heilige Theresa im Moment ihrer Unio mystica darstellt. Der Künstler schuf dieses Werk für die Familienkapelle des venezianischen Kardinals Federico Cornaro. Bernini ließ sich von einer knappen Darstellung der Heiligen in ihrer Autobiographie inspirieren. Bei der Enthüllung des Werkes soll es damals zu einem Skandal gekommen sein. Die erotischen Ausdrucksformen schienen den mystischen Gehalt zu überdecken. Doch wie schon im Hohenlied des AT blieb die Mystik der Sprache und den Bildern der menschlichen Liebe als das zentrale Analogon zur göttlichen Liebe verhaftet. In einem Tabernakel über dem Altar von Santa Maria della Vittoria ist das Geschehen gezeigt. Erst an diesem den Bezügen zur Wirklichkeit enthobenen Ort war es möglich, die Heilige auf Wolken zu zeigen, der Erde entrückt und im Licht des Himmels. Das leidensvolle Pathos der Heiligen, die vom Gnadenstrahl der göttlichen Liebe getroffen wird kontrastiert mit dem jugendlichen Engel mit dem (Amor-) Pfeil. Die fließenden und bewegten Gewänder geben die Dramatik des gottmenschlichen Geschehens wieder. Alles dient diesem als Metapher und sinnfälliger Ausdruck in diesem Werk des Hochbarock.