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Peter-Petersen Gymnasium
Klasse 11.3
Juni 1997 / Barockprojekt 2000
Referat: Christian Feige, Heiko Danisch und Torsten Schlegel



Geldgeber und Revolutionär

Im Krieg stehen die Truppen der katholischen Liga unter Tilly auf verlorenem Posten. Wallenstein bietet dem Kaiser an innerhalb kürzester Zeit eine Armee von bis zu 50000 Mann auf eigene Kosten aufzustellen. In der gleichen Zeit gewährt er dem Kaiser ein Darlehen von 900000 Goldgulden. Nachdem die Armee abmarschbereit ist, wird er zum Oberhaupt aller kaiserlicher Truppen ernannt. Am 1. August beginnt der Ausmarsch. Das neue, kaiserliche Heer Wallensteins wird bald in Organisation und Funktion die Urform aller modernen Heere. Er revolutioniert so das gesamte Kriegswesen. Die maschinellen technischen Züge der modernen Kriege kündigen sich hier zum ersten Mal an. Ein Beispiel: Die Heere Wiens sind bis zum Ende der Doppelmonarchie, 1918, unter den Feldzeichen marschiert, die Wallenstein aufgerichtet hat. Darüber hinaus hebt er die Idee des stehenden Heeres, reguläre Kriegssteuer, Heeresorganisation, Gelegenheitscharakter der Rüstung und der allgemeinen Wehrpflicht aus der Taufe. In den Folgenden Jahren von 1626-28 bewahrt er das österreichische Kaiserhaus vor dem sicheren Untergang. Am Ende des niedersächsisch-dänischen Krieges hat Wallenstein, der Sieger von Dessau im April 1626, der Eroberer Schlesiens, Pommerns, Schleswigs, Jütlands, Mecklenburgs, ganz Norddeutschlands, der Schöpfer des Lübecker Friedens von 1629 eine Position erreicht, die nur mit der eines regierenden Oberhauptes zu vergleichen ist. Sie vereinigt militärische und politische Befugnisse in größten Dimensionen. Er verkörpert in sich die kaiserliche Macht, nutzt diese aber für sich aus und macht dem Kaiser damit von ihm abhängig. Ein Augenzeuge berichtet, „Wallenstein sei ein Mann, der die Kirchtürme, geschweige den die Menschen erzittern macht". Wallenstein befindet sich zu dieser Zeit auf dem Gipfel seiner Macht.
Trotz seiner Machtfülle und seines berechnenden Kalküls vertraut Wallenstein auf die Berechnungen seines Astrologen
Kepler. Er führt keine Schlacht, ohne dass diese Ergebnisse positiv sind. Diese Szene hat Schiller in seinem Drama "Wallenstein" festgehalten.

Der Absturz

Während er versucht, seine Vorstellungen und Pläne von der Reichsgestaltung, der absoluten Stärkung der kaiserlichen Macht, der Befriedigung des Reiches und Beilegung des religiösen Konflikts zu realisieren, wird auf dem Reichstag zu Regensburg seine Absetzung erzwungen. Wallenstein hat das österreichische Erzhaus nicht nur vor dem Verderben bewahrt sondern auch alle Erfolge, die Habsburg in dieser Zeit erringt, sind ausschließlich ihm zu verdanken. Kaiser Ferdinand II. steht im Mittelpunkt seiner Macht, und niemand anders als Wallenstein hat ihn dorthin gestellt. Diesen Feldherrn nun, an dessen Persönlichkeit die Armee und das Glück ihrer Waffen fixiert ist, schickt der Kaiser um der Gunst des Reichsfürsten willen in die Wüste - und das in einem Moment, da der gefährlichste Feind, Gustav Adolf und seine Schweden, in Deutschland angreift.

Verräter?

Der Herzog nimmt seine Entlassung äußerst unbewegt entgegen; er will sich aber auch rächen, zunächst an den Kurfürsten, vor allem aber an seinem Hauptfeind Maximilian von Bayern. Wallenstein, der freie Reichsfürst, durch keine Bindung an den Kaiser gehindert, beginnt Gespräche mit den Sachsen, den böhmischen Emigranten und den Schweden. Außerdem teilt er Wien die Tatsache dieser Unterhaltungen offiziell und offen mit. Gleichzeitig verfolgt er gespannt das Schicksal der lingistischen und kaiserlichen Truppen, die nach seiner Entlassung nicht nur schlagartig verfallen, sondern auch von einer militärischen Katastrophe in die andere taumeln. Er kann den Augenblick mit Sicherheit berechnen, wenn der Kaiser wieder als Bittsteller bei ihm auftaucht.

Retter in der Not

Im Dezember 1631 ist es soweit. Die Schweden sind Herren in Deutschland, die Sachsen haben Böhmen besetzt, Gustav Adolf, der "Schwertführer des deutschen Protestantismus", den sein reiner Kampf um den reinen Glauben nicht daran hindert, den Sold Frankreichs anzunehmen - Kardinal Richelieu zahlt ihm jährlich 400000 Reichstaler - der schwedische König schätzt also schon von München den Weg nach Wien ab. Darauf wird Wallenstein gebeten, angefleht, bestürmt, den Retter in der Not zu spielen. Er sagt zu , verlangt allerdings umfassende, schlechthin diktatorische Vollmachten und bekommt sie auch. Aufgrund dieser Göllersdorfer Vereinbarungen ist er als unbeschränkter Herrscher aufgetreten, als Staatsmann und Heerführer, der frei und unabhängig über Krieg und Frieden entscheiden kann. Ferdinand II. hat ihn freiwillig zum Diktator gemacht. Die Situation des Kaisers war so, dass er praktisch zu jedem Zugeständnis bereit war, wenn es nur zu seiner Rettung beitrug. Wallenstein musste aber diese unumschränkten Vollmachten haben, er musste Gustav Adolf ebenbürtig gegenüberstehen, frei und souverän, also nicht als geführtes, abhängiges Werkzeug.
Der König war Feldherr, Staatsmann, er war S
chweden in eigener Person. Wallenstein musste das selbe sein, Feldherr, Staatsmann und das Reich in eigener Person. Das forderte er.
Er macht sich nun gleich an die Arbeit und stellt in kürzester Zeit ein Riesenheer auf, die größte Armee die Europa je gesehen hat. Nun verjagt er die Sachsen aus Böhmen, er manövriert Gustav Adolf aus Bayern heraus, schlägt im September 1632 die grandiose Abwehrschlacht an der "Alten Veste" bei Fürth in Franken, und gibt nach dem Remis bei Lützen und dem Tod Gustav Adolfs dem Kaiser wieder alle Trümpfe in die Hand.

Wallensteins Tod

Im Jahre 1633 schließlich gehen die Ansichten des Kaisers und Wallensteins über die Form der Kriegführung und die Art des anzustrebenden Friedens immer schärfer auseinander und der Kaiser entschließt sich ein zweites Mal zur Absetzung des Herzogs. Was aber 1630 eine Dummheit war, wird jetzt zum politischen Verbrechen. Im Januar 1634 unterschreibt Ferdinand II. das kaiserliche Patent, dass Wallenstein "und die vornehmsten Mitverschworenen, wenn irgend möglich gefangenzunehmen und nach Wien zu bringen oder aber sie als überführte Schuldige zu töten" sind. Welcher Verschwörung sich der Feldherr bis zum 20. Februar 1643 schuldig gemacht haben soll, ist bis heute rätselhaft geblieben. Wohl aber existiert in Wien eine Verschwörung mit dem unbedingten Ziel, Wallenstein um jeden Preis fortzuschaffen. Am 25. Februar 1634 wird er in Eger ermordet. Drei Stunden vorher werden auf einem Bankett seine engsten Vertrauten umgebracht, die Grafen Kinsky und Treka, Feldmarschall Ilow und Rittmeister Neumann.