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Peter-Petersen Gymnasium
Klasse 11.3
Juni 1997 / Barockprojekt 2000
Referat: Christian Feige, Heiko Danisch und Torsten Schlegel



Albrecht von Wallenstein

Über kaum eine Person des Barock (ein Bild) ist so viel geschrieben und nachgedacht worden . Kaum eine Karriere ist beeindruckender und schicksalhafter, keine wirft so viele Fragen auf. War es geniale Planung oder „nur" Schicksal? Schon in seiner Kindheit und Jugend zeichnete sich das zukünftige Leben dieses Mannes ab. In jungen Jahren sammelt er erste Erfahrungen und Erfolge. Seine Heirat öffnet ihm schliesslich das Tor zu Reichtum und Macht. Sein Organisations- und Führungstalent macht ihn vom Feldherrn zum Herzog. Als Geldgeber und Revolutionär leistet er dem Kaiser treue Dienste. Doch der Absturz ist unvermeidlich, als seine Macht dem des Kaisers fast ebenbürtig ist. War Wallenstein ein Verräter? Das letzte Mal feiert er Erfolge als Retter in der Not und vertreibt die Schweden aus Deutschland. Sein „Comeback" ist aber nur kurz. Wallensteins Tod ist genauso mysteriös und spektakulär wie sein Leben und wird wahrscheinlich nie ganz erklärt werden können.

Kindheit und Jugend

Am 24. September 1583 wird Albrecht Wenzel Eusebius von Wallenstein, als jüngster Sohn Wilhelm von Waldsteins, in Hermanitz bei Arnau an der Elbe geboren. Die Waldsteins sind ein böhmisches Adelsgeschlecht mittleren Reichtums. Der junge Albrecht verwaist früh, seine Mutter stirbt 1593, sein Vater zwei Jahre später. Bis zu seinem vierzehnten Lebensjahr lebt Wallenstein auf Schloss Kuschumberg bei seinem Onkel. Danach kommt er auf die evangelische Lateinschule nach Goldberg in Schlesien, und nach weiteren zwei Jahren ist er reif für die Hohe Schule, für Altdorf, die spätere Universität bei Nürnberg. Schon in seiner Studienzeit macht er durch blutige Schlägereien und dubiose Geschäfte mit Studienkollegen auf sich aufmerksam. Aufgrund dessen muss der knapp Siebzehnjährige die Akademie nach bereits acht Monaten wieder verlassen.

In jungen Jahren

Wallenstein tritt die damals übliche Reise eines jungen Edelmannes durch die Welt an, die der Höhepunkt und Abschluss seiner Ausbildung zum Kavalier wird. Die Reiseroute führt durch Deutschland, Frankreich und Italien, wo er in Padua und Bologna studiert und seine intellektuelle Ausbildung abschließt.

Nachdem er aus Italien 1602 zurückkehrt, tritt er zum Katholizismus über. Im Jahre 1604, also mit 21 Jahren, schließt er sich als Fähnrich der Kaiserlichen Armee an, und zieht in einem Regiment böhmischer Fußknechte nach Ungarn. Dort sammelt er erste kriegerische Erfahrungen und studiert vor allem die Reitertaktik der ungarisch-siebenbürgischen Kavallerie. Darüber hinaus beobachtet er ebenfalls das militärische Vorgehen eines anderen Mannes, des Kommandeurs der kaiserlichen Artillerie, der erst kurz im Dienste der Habsburger steht. Wallenstein wird wegen hervorstechender Tapferkeit zum Hauptmann befördert. Nach Friedensschluss mit Ungarn ist seine militärische Laufbahn vorerst beendet.

Tor zu Reichtum und Macht

1607 lernt er Lukretia von Witschkow kennen, die er 1609 heiratet. Durch die Heirat avanciert Wallenstein zum reichen Feudalherr. Der Landtag Mährens akzeptiert, dass sich Wallenstein nun ganz zu den Mitgliedern des mährischen Herrenstandes zählt, und bestellt ihn zum Musterungskommissar. Sein erster Auftrag dient der Sicherung der Landesgrenzen, indem er eine Schutztruppe von Musketieren anwirbt und aufstellt. Im Mai 1612, nach der Kaiserkrönung von Matthias, wird aus dem königlichen- ein kaiserlicher Kammerherr. 1614 stirbt seine Frau und hinterlässt ihm ihren gesamten Besitz. Im den Jahren 1608 bis 1618 (Prager Fenstersturz) tritt Wallenstein weder militärisch noch politisch in Erscheinung. Wallenstein tritt in die Dienste Ferdinands, des König von Böhmen, und agiert als seine „rechte Hand". Nach dem Olmützer Skandal wird er von den mährischen Ständen auf ewig des Landes verwiesen, und muß seine gesamten Güter entschädigungslos abgeben.

Vom Feldherrn zum Herzog

Von Wien betreibt er die Aufstellung seiner Kürassiere und ein zweites Regiment kommt dazu. Wallensteins Reiter kämpfen für die vereinigten ligistisch-kaiserlichen Truppen und nehmen am 4. November 1620 die böhmische Stadt Lauen ein. Vier Tage später sind seine Truppen an der Schlacht und dem Sieg am Weißen Berg bei Prag beteiligt. Die böhmische Rebellion ist also ausgelöscht. Daraufhin wird Wallenstein 1621 zum kaiserlichen Kommandierenden in Böhmen ernannt. Aufgrund seiner Dienste für den Kaiser Ferdinand II. erhält er 95000 Gulden. Am 18. Januar 1622 wird Wallenstein zum „Gubernator des Königreichs Böhmen" ernannt, ist also Leiter der Militärverwaltung des Landes. Der Kaiser beauftragt ihn die Rebellengüter zu konfiszieren. Wallenstein nutzt die Konfiskationen um sich persönlich zu bereichern. Aus der Abwicklung der Verfahren geht Wallenstein als heimlicher König von Böhmen hervor. Er bringt die fruchtbarsten und wichtigsten Gebiete Böhmens in seinen Besitz und wird zum reichsten Grundherrn des Landes. Im September 1622 verleiht ihm der Kaiser den Titel eines Reichs- und Pfalzgrafen; im Sommer des folgenden Jahres wird er zum Generalwachtmeister „über alles Kriegsvolk zu Fuß" ernannt. Kurz darauf heiratet er Isabella Katharina Freiin von Harrach, der Tochter Karl Graf von Harrachs, der wichtigsten Persönlichkeit am Wiener Hof. Wallenstein inzwischen auch Hochkriegsrat wird im September 1623 in den Fürstenstand versetzt. Im darauffolgenden März wird sein Besitz zum selbständigen Fürstentum Friedland erhoben. Im Juni 1625 ernennt der Kaiser ihn zum Herzog und erhebt Friedland zum Herzogtum.