PROJEKTBERICHT

MICROSOFT PARTNERSCHULENPROGRAMM

Peter-Petersen-Gymnasium
Lötzener – Weg 2-4

68305 Mannheim

Projektleiter. Dr. Norbert Ruske, StD
e-mail: nruske@gmx.de

 

Rahmenbedingungen:

Die Klasse 11.1 im Schuljahr 1999/2000 hatte 26 Schülerinnen und Schüler. Mit dieser Klasse führte ich mehrere Computerprojekte durch. So besuchten wir verschiedene Messen und andere Veranstaltungen und erstellten dort live eine Onlinezeitung. Daher waren die meisten  Schülerinnen und Schüler an den Umgang mit dem PC und zumindest dem Textverarbeitungsprogramm WORD und der Arbeit mit einem Browser vertraut. Eine Einarbeitungsphase war nicht notwendig. Taten sich bei einzelnen Lücken auf, wurden diese durch die Beratung durch Klassenkameraden geschlossen.

In der Schule standen zwei Computerräume zur Verfügung, sie sind mit jeweils 9 – 12 Pentium – Rechnern ausgestattet, verfügen über ein NT – Netz, von allen Plätzen aus kann man im Internet arbeiten. Zudem ist der Schule eine Zweigstelle der Stadtbücherei angegliedert, die mit vier Computern mit Internetanschluss ebenfalls problemloses Arbeiten ermöglicht zu jeder Tageszeit.

Wir arbeiten mit Microsoft Produkten, in der Endphase mit Office 2000.

Hinzu kam eine von dem Kollegen Willi Fergen ( OStR Willi Fergen, Copernicus-Gymnasium Philippsburg) entwickelte dynamische Datenbank, in die die Schüler ohne weitere Kenntnis von FTP Programmen ihre Referate einstellen konnten und die nun nach Schlagworten recherchierbar sind.

 

Projektverlauf

 

a) Fragestellung

 Traditionelle Ziele auf neuen Wegen - Bewährtes in neuem Gewand ,

so kann man die Zielsetzung des Projektes "Barock" im Schuljahr 1999/2000 in Klasse 11 beschreiben. Die Fragen waren, wie sich die neuen Medien in den Unterricht integrieren lassen, welche Erfahrungen Schüler damit machen, in welcher Weise sie damit umgehen können und schließlich und entscheidend: Wie ist der Rahmen des Unterrichtes zu gestalten - inhaltlich und zeitlich - um in sinnvoller Weise neue Wege der Präsentation zu ermöglichen. Wie kann ein Produkt aussehen, das im Unterricht einer "ganz normalen" Klasse 11 mit fast 30 Schülerinnen und Schülern erstellt wird?

b) Der Ablauf

Klar ist zunächst, dass sich mit dem Einsatz neuer Medien auch neue Formen des Unterrichts verbinden. So begann das Projekt im November 1999 mit dem Besuch der Carl-Theodor-Ausstellung im Mannheimer Reiß - Museum, dem Besuch der barocken Jesuitenkirche und  der Schlosskirche im Mannheimer Schloss. Die Schüler waren inhaltlich vorbereitet und schon nach Interessen in Gruppen geteilt, hier schon zeigte sich, dass außerschulische Lern- und Erfahrungsorte einen enorm motivierenden Einfluss haben und das Interesse an Regionalem dies noch verstärkt. Der Klasse war mehrheitlich nicht bewusst, welche Rolle das Barock in Mannheim spielte. Die einzelnen Gruppen notierten bei den Führungen Wesentliches mit, es war sicher gestellt, dass sie die Möglichkeit erhielten, einen zweiten eigenständig organisierten Besuch an den verschiedenen Orten durchzuführen.

Im Unterricht ermöglichte ich den Gruppen dann, ihre Aufzeichnungen gruppenintern auszutauschen und grob auszuformulieren. Ergänzend konnten sie die in der Schule angesiedelte Stadtbücherei benutzen, hier gab es einige wenige weiterführende Bücher zu den Themen, insbesondere aber nutzte man die Ausstellungskataloge und spezielle Publikationen zu Carl - Theodor, die wir anschafften und die nun in der Schule den Lehrern künftiger Klassen zur Verfügung stehen. Internetrecherchen ergaben, dass zu unserem Thema nichts zu finden ist.

c) Die Computerarbeit

Das entscheidende aber ist folgende Phase, die direkt auch auf das Endprodukt im Internet zusteuert: Aus jeder Gruppe trifft sich ein Vertreter mit jeweils einem Vertreter der anderen Gruppen: Hier war abzustimmen, welche Inhalte einer Gruppe sich mit Inhalten der anderen berührten, wo es Überschneidungen gab, anders formuliert: Die LINKS wurden erstellt, die von einem Thema zum anderen führen. So wurden den Schülern  Bezüge bewusst, die den Horizont über das eigene Referat hinaus öffneten, dieses Arbeiten korreliert in hohem Maße mit der Idee des "Internet", auch der Technik modernen Multimedialexika. Über diese Bezüge der modernen Medien zu dem Ansatz des fächerverbindenden Unterrichts wurde bisher zu wenig nachgedacht - es liefert eine Begründung für den Einsatz dieser Medien im Unterricht: Auf Papier sind diese Vernetzungen nicht zu leisten.

Die Referate wurden in WORD geschrieben und in der Schule gespeichert.

Nun aber stellt sich für den Lehrer eine entscheidende Frage: Wie viel Zeit will ich, da die Inhalte gesichert sind, aufwenden für die Erstellung der Internetseiten: Bilder sind zu wählen, das lässt sich auf jeden Fall rechtfertigen, aber dann sind diese zu scannen, zu bearbeiten, es ist das Layout festzulegen, die Randleiste, die die Navigation ermöglicht,  deren   Buttons sind zu machen, eine Gesamtstruktur ist zu finden. Dies sind zunächst Inhalte, die sich unter dem neuen, noch nicht im Lehrplan vertretenen Aspekt der Medienerziehung rechtfertigen lassen - aber eben nur unter doch gewichtigem Aufwand an Organisation und Zeit.  Daher wählte ich  für dieses Projekt einen neuen, aber realistischen Weg: Aus der Arbeit an dem "Projekt Zeitung" , das ich mit Kollegen (StD Thamm, Ettlingen und OStR Fergen, Philippsburg) seit zwei Jahren durchführe, stand ein Datenbanksystem bereit, das der Kollege Willi Fergen aus Philippsburg entwickelte. Dieses ermöglicht den Schülerinnen und Schülern ein nahezu problemloses Publizieren ihrer Referate und das Einbinden von bis zu vier Bildern, ohne dass man über Programme wie FTP oder Telnet reden muss.  Das Layout ist weitgehend vorgegeben, was aber auch für das Printmedium Zeitung gilt.  Es ergibt sich aus der dynamischen Struktur der Datenbank allerdings auch der unschätzbare Vorteil,  dass es möglich ist, in diesen teilweise langen und ausführlichen Referaten zu recherchieren, dies ist bei "üblichen" WWW-Seiten nicht möglich! Zudem konnten die Schüler selbständig ihre Referate teilweise auch von zu Hause aus in das Internet eingeben- ein großer Erfolg, sich so rasch publiziert zu sehen. Für mich als Lehrer bot sich eine völlig neue Form der Erfolgskontrolle: Während ich auf einer Fortbildungsveranstaltung in Karlsruhe war, konnte ich verfolgen, wie meine Klasse selbständig in Mannheim ihre Referate veröffentlichte. Aus diesem Grunde halte ich dieses Datenbanksystem für eine sehr sinnvolle und notwendige "Erfindung", die allen Lehrern den Druck, der vom Einsatz neuer Medien ausgeht, in doppelter Hinsicht abnimmt: Die Zeit, die man braucht, um zu publizieren, wird minimiert.

Mit diesem Ergebnis kann man schon zufrieden sein und die Arbeit mit der gesamten Klasse muss hier enden: Das Strukturieren der eigentlichen WWW-Seiten mit Bildern und Text in freiem Layout kann im Groben vorbesprochen werden, die Realisation  ist Sache von "Spezialisten".

Wir einigten uns auf einen sinnvollen Kompromiss: Wenn die Referate in dieser Form ausführlich im Netz zu finden sind, dann bedarf es nur noch optischer "Anreize", sich mit ihnen und ihren Inhalten zu beschäftigen. Daher gestaltete nun jede Gruppe die Idee ihrer "Bilderseiten" auf Papier, suchte die notwendigen Bilder aus, kopierte diese, legte die Ausschnitte fest - so erhielten wir zu jedem Thema einige wenige "Bilderseiten", die dann von   vier Spezialisten in Zusammenarbeit mit dem Lehrer gestaltet werden – zum Zeitpunkt dieses Berichtes sind sie in Arbeit und zwei Teilbereiche sind fertig. Da ich diese Schüler weiter unterrichte, ist die Zusammenarbeit kein Problem.

So entstand nun ein Produkt, das die neuen Medien in verschiedener Weise nutzt: Die Datenbank sichert die vollständigen Referate und macht sie nach Schlagworten recherchierbar, die frei gestalteten Seiten sichern die optischen Reize, ermöglichen interessantes Layout in Frame-Technik und ein Button sichert den Bezug der beiden Elemente zueinander, er ist auf jeder Seite zu finden.

So schließt sich die Arbeit inhaltlich zusammen. Damit präsentiert sich das Projekt im Internet auf eine Art und Weise, wie sie bisher nicht möglich war und in dieser Form auch nicht zu finden ist.

Abschließend noch eine ergänzende Überlegung aus der Sicht des Lehrers: Schülerarbeiten sind zu werten. Daher wird eine gewisse  Ausführlichkeit und Vollständigkeit der Referate angestrebt  - will man sie aber in der Weise des WWW publizieren, in der Bilder und schnelle Informationen erwartet werden, so widersprechen sich diese beiden Aspekte. Natürlich ließe sich von den Schülerinnen und Schülern auch verlangen, ihre Arbeiten stark auf das absolut Notwendige zu kürzen, um dies dann mit den Bildern zu kombinieren - eine aus Sicht des Deutschlehrers sinnvolle Arbeit hinsichtlich der Präsentation, aber wieder zeitaufwendig. Auch daher scheint mir der hier präsentierte Kompromiss weitaus tragfähiger: Das Layout mit den kurzen, Interesse weckenden Texten - hier kann die Verbindung zu Unterrichtseinheiten wie Werbung (Sprache in der Werbung)  und auch  zum Fach Bildende Kunst erfolgen -  "dahinter" und jederzeit abrufbar die vollständigen Informationen.

So konnten eine Reihe von Schülern mit den modernsten Microsoft- Produkten arbeiten, sie tun es immer noch, die anderen haben zumindest gesehen, wie sich ihre Ideen doch recht einfach umsetzen lassen. 

Somit glauben wir mit dieser Präsentation in jeder Hinsicht einen Weg gefunden zu haben, der Lehrerinnen und Lehrern mit großen Klassen sehr weit entgegen kommt, ihnen die Angst vor der Technik und dem Zeitaufwand nimmt und Mut macht, auch mit großen Klassen Projekte unter Einsatz neuer Medien zu realisieren.

Ausblicke:

Das Barockprojekt wird bald abgeschlossen sein.

Nach den gemachten Erfahrungen wird sich in diesem Jahr ein neues Projekt anschließen, das die Großstadterfahrung der Schülerinnen und Schüler in Zusammenhang bringt mit der literarischen Epoche des Expressionismus. Hier sollen eigenständig Bild- und Tondokumente erstellt und im Netz publiziert werden.

Dr. Norbert RUSKE
September 2000