Krankenstationen

Allgemeine Probleme

Krankheiten
41% der behandelten Fälle betrafen Malaria, 17% Atemwegserkrankungen, 10% Hauterkarnkungen, 9% Durchfallerkrankungen (Stand 2000).
Kosten
Eine Konsultation in einer öffentlichen Krankenstation kostet 100 FCFA (0,5 €) für Erwachsene und 50 FCFA für Kinder (Stand 2000) unabhängig von der Krankheit.
Viele Patienten kommen jedoch nach dem ersten Besuch nicht wieder, da die verordneten Medikamente zu teuer sind.
Ein Malariamittel ist i.a. noch erschwinglich, man zahlt 200 bis 250 F( 0,3  bis 0,38 € ) für 20 Tabletten ( zur Behandlung eines Erwachsenen benötigt man 12 Tabletten), ein Bronchikum (Mucosolvan) kostet jedoch 4000 F (6,1 €).
(Malariamittel bekommt man im einfachen Plastiksäckchen mit einem kleinen Aufkleber, Mucosolvan in der europäischen Umverpackung mit mehrsprachigem Beipackzettel und aluminierten Portionstütchen.)
Epidemien
Eine Hospitalisation hochinfektiöser Patienten ist häufig nicht möglich da entweder keine Isolierstaion vorhanden, oder die vorhandene nicht benutzbar ist (50 Jahre alte Lehmziegelbauten).Eine Überstellung nach Garango oder Tenkodogo scheitert an den fehlenden Transportmitteln.
Immer wiederkehrend sind Meningitisepidemien. 1992 gab es in Garango eine Choleraepidemie.
1998 wurde eine Gelbfieberepidemie in Teilen des Partnerschaftsgebietes beobachtet (Quelle:D.Steinborn)
Epidemien werden ausgelöst durch verschmutztes Wasser aber auch durch Fäkalien am Rande der Wege (fehlende Latrinen). Die Aufklärungsarbeit der Dispensaires hilft hier immer nur kurzfristig. Nötig wäre eine ständige Aufklärung, die durch die Schulen vermittelt wird.
Onchozerkose, die bis Ende der achtziger Jahre im Partnerschaftsgebiet weitverbreitete Flußblindheit, wurde durch eine WHO Kampagne inzwischen besiegt.
Polio und Lepra gehen, dem Augenschein nach, zurück.
Ausstattung
Bei Schlangenbissen sollte die Krankenstation eigentlich rasche Hilfe leisten können. Ein Antitoxin muß aber kühl aufbewahrt werden - Kühlschränke gibt es nicht oder sie sind defekt- so gibt es Hilfe nur in Tenkodogo. (Von Lengha aus sind das 50km- i.a. zu Fuß)
Viele Geburten finden nachts statt. Die Hebamme hat aber bestenfalls eine Petroleumlampe.
Auch Erwachsene tragen bei der Feldarbeit keine Schuhe, daher sind Wurmerkrankungen weit verbreitet (Onchozerkose gehört zu Filariosen, wird aber durch eine Mücke übertragen). Zu einer genauen Diagnose dieser Wurmerkrankungen wären Mikroskope nötig.
Bei den kleineren Operationen, wie sie in Garango drchgeführt werden, gibt es keine Möglichkeit zur Anästhesie.
Eine Zahnbehandlung ist nirgendwo möglich, eine Augenbehandlung nur begrenzt bei dem Blindenzentrum in Garango. Manche Dispensaires haben jedoch gespendete Brillen, der Patient versucht darunter eine passende zu finden.
Infrastruktur
Die Kranken werden nur medizinisch versorgt, für Essen u.ä. muß der Kranke selbst sorgen, d.h. seine Familie.Dies bedeutet, daß mindestens ein Familienmitglied nicht an der Feldarbeit teilnehmen kann. Ist das Krankenhaus nicht am Ort, entstehen Kosten für Unterbringung und Versorgung des Angehörigen. Ein öffentliches Verkehrssystem gibt es nicht und auch die Buschtaxis verkehren nur zwischen den größeren Orten.
Manche Orte liegen weit abseits ( südlich von Boussouma gibt es nicht einmal eine Piste, Samsagbo ist während der Regenzeit überhaupt nicht erreichbar), Allradfahrzeuge gibt es nur in Tenkodogo. So ist die Versorgung mit Medikamenten, Geräten, Betten.. oft schwierig. Eine Ersatzbeschaffung dauert oft Monate da die Dispensaires keinen eigenen Etat haben.
Die Wohnsituation der Krankenpfleger ist meist katastrophal: am Dispensaire fehlt eine Wohnung, die Gemeinde kann ein Haus weder bauen noch unterhalten, Mietwohnungen gibt es nicht. Der Pfleger selbst wird sich auch kein Haus bauen (selbst wenn er die Mittel hätte) da er jederzeit versetzt werden kann.
Bei größeren Krankenhäusern (Tenkodogo) kommt das Abwasserproblem hinzu. Nirgendwo im Lande werden Abwässer zufriedenstellend entsorgt (nach europäischen Maßstäben). Übersteigt die Abwassermenge 30-50 l/m2 Tag so bilden sich Pfützen und Tümpel - ideale Brutstätten für Mücken. Die frischgeschlüpften Mücken stechen dann gleich zu Anfang ihres Lebens Kranke, infizieren sich und werden so zu Krankheitsüberträgern.
Akzeptanz
Die genannten Probleme mindern die Akzeptanz der Dispensaires bei der Bevölkerung. Vestärkt wird das durch weitere Faktoren: Die Krankenpfleger sind nicht vom Ort, meist nicht einmal Bissa, also Fremde (man erkennt das am Namen).
Die Kommunikation läuft in Französich oder über Dolmetscher.
Viele Krankheiten (Malaria, Wurmerkrankungen, Bronchitis, Lungenentzündung...) treten verstärkt in der Regenzeit auf,
das ist aber die Zeit höchster landwirtschaftlicher Aktivität ( diese Aktivität ist auch ein Grund für das Ansteigen der Krankenzahlen: Die Felder liegen oft viele Kilometer vom Wohnort entfernt. Die Bauern bleiben mehrere Tage auf dem Feld, übernachten im Freien und trinken das vor Ort vorhandene Wasser) . Entzieht man in dieser Zeit mehrere Familienmitglieder der Arbeit, so ist die Ernte gefährdet und damit die ganze Familie vom Hunger bedroht.
Schließlich steht die "westliche", der Naturwissenschaft verbundene, Medizinauffasung der Dispensaires im Gegensatz zu der traditionellen, im Gemeinwesen verankerten, "Selbstheilungsmethode" . Bei uns trägt diese Methode Namen wie "Hausmittel", "Omas Apotheke" usw. und besteht widerspruchsfrei neben der "Schulmedizin". In Garango kann der Arzt oder Krankenpfleger einerseits nicht auf das Gemeinwesen verzichten (wegen der Versorgung der Kranken), setzt aber so gut wie nie traditionelle Heilmethoden oder Medikamente ein. Allerdings werden in beiden Denkweisen Medikamente, die erkennbar und schnell wirken, gerne angenommen, sofern sie billig sind. Außer Aspirin stehen vor allem Spritzen in dem Ruf, solche Medikamente zu enthalten. Impfaktionen werden i.a. sehr gut akzeptiert (Impfungen außerhalb der Aktionen werden vom Staat unterstüzt: eine Impfung kostet zwischen 30FCFA und 100FCFA).

Die Regierung bemüht sich seit einigen Jahren (Gesetz: 1989) den Problemen entgegenzuwirken und in Form der P.S.P.(Poste de Santé Primaire) und der C.S.P.S. (Centre de Santé et de Promotion Sociale) eine Basisgesundheitsfürsorge aufzubauen.
Geplant sind 49 P.S.P. 's unter der Verwaltung des C.M. Garango, damit gäbe es an jedem Ort eine Grundversorgung.
Bei einem neu errichteten P.S.P. oder C.S.P.S. steht ein einfaches Gebäude zwei Helfern zur Verfügung: einem männlichen Krankenpfleger und einer weiblichen Hebamme. Die beiden stammen aus dem Dorf der Station und sind nur bei Bedarf tätig. Sie werden vom Dorf bezahlt, notfalls in Naturalien. Sie erhalten ihre, etwa einjährige Ausbildung im Centre Médical in Garango. Die Kosten für die Ausbildung trägt das Centre, die Kosten für den Aufenthalt in Garango trägt das Dorf.
Der Krankenpfleger betreut eine kleine Apotheke und verabreicht einfache, billige Medikamente (Aspirin, Nivaquine..beim C.S.P.S. kommen Mittel gegen Tuberkulose, Lepra, Wurmerkrankungen und Vaccine sowie das entsprechende Aufklärungsmaterial hinzu. (Die Medikamente sind bestimmt im ME (médicaments essentiels) vom Februar '91).
Er erkennt schwere Krankheiten, insbesondere hochinfektiöse, er berät die Kranken das nächste Dispensaire aufzusuchen und informiert das Centre Médical. Außerdem bereitet er Impfaktionen vor  (regelmäßige Impfaktionen gibt es seit 1983, sie waren ein Revolutionsziel, allerdings fehlen häufig die Mittel dafür).
Die Hebamme verfügt über einen kleinen Vorrat an Babynahrung, Babyzusatznahrung und Vitaminpräparaten aber auch Contraceptiva. Sie leistet Geburtshilfe und , wichtiger noch, eine Nachbetreung von Mutter und Kind. (Quelle Dr.Compaoré)

Die im Partnerschaftsgebiet häufig beobachteten Anämien bei Kindern und Jugendlichen haben als Ursache eine Hakenwurminfektion im Babyalter und/oder Eisenmangel, hervorgerufen durch eine einseitige Ernährung mit To (Hirsebrei). Beidem kann bei entsprechender Aufklärung begegnet werden. Die stark auftretenden Masern sind bei uns eine eher harmlose Kinderkrankheit, sie führen bei Mangelernährung (To) jedoch rasch zum Tode.



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