Geschichte der Bissa
Ein Dorf im Nigerbogen nach einer Zeichnung von Mungo Park
der 1797 vermutlich als erster Weißer Kontakt mit dem Kaiserreich der Mossi hatte.
aus Sicht der Wissenschaft
Auszug aus: Strukturelle
Transformation in agro-ruralen Territorien Uni Hd, mit
freundlicher Genehmigung des Autors
2.1 Historisch-genetische Raumentwicklung in
Boulgou
2.1.1 Erste Dokumentationen und ethnische Einordnung
Das Untersuchungsgebiet wird hauptsächlich von verschiedenen
Bissagruppen bewohnt. Um
sich an die Geschichte einer Ethnie zu wagen, soll auf verschiedene
Versionen und mehrere
Quellen eingegangen werden. Im Falle der Geschichte der Bissa ist die
Zahl schriftlicher
Zeugnisse gering. Das erste Mal wurden die Bissa bei Clarke
erwähnt, der sie in seinen linguistischen
Studien 1849 in ihrer Lokalität beschrieb. Das zweite Mal
erwähnt sie der Missionar
Koelle in seiner Polyglotta Africana als Verwandte der Mossi. Auch
Delobsom (1932)
zählt sie in der Geschichte der Mossi auf. Danach werden sie von
den Entdeckungsreisenden
Krause (1887) und Binger (1889) unter dem Namen Boussancé
beschrieben. Dieser Name
stammt aus der Mossi-Sprache Mooré. Ausführlicher sind die
Beschreibungen von Delafosse
(1919) und Tauxier (1924), die sie als eine der 5 Mossigruppen
aufzählen.
Das erste Mal als eigene Gruppe nennt sie ein italienischer Missionar
(um 1920), dem auch
Wüstungen auffallen und der damit auf mögliche Vertreibungen
aufmerksam macht.
Marc beschreibt aus derMossiperspektive, dass diese beim Eintreffen
in das Gebiet einige
„sauvages“ vorgefunden haben, die sie dann zum Verkauf mitgenommen
haben.
Die Verwandtschaft zu den Mossi findet sich auch in den oralen
Geschichten wider, die man bei den Bissa hört.
Gegen diese enge Bindung spricht deren Sprache. Im Gegensatz zum
Moré der Mossi sprechen die Bissa
eine Mandesprache und bilden somit eine Insel, umgeben vom Moré.
Die eigentliche Geschichte der Bissa ist erst seit 1800
nacherzählbar, weil anders als bei den
Mossi, die in Königtümern organisiert waren, das politische
Leben der Bissa dergestalt aussah,
dass verschiedene Klane der Jägerkultur weitgehend autark
nebeneinander existierten.
Wurden die Heldentaten und Erbfolgen im Königreich der Mossi
über Dynastien durch die „Tambourinaire“
mündlich weitergegeben, fehlte diese Möglichkeit der
historischen Überlieferung in den Klanen bis zum Zeitpunkt
der Konstituierung der Chefferien, die bei den Bissa als Reaktion
externen Drucks begann.Wahrscheinlich siedeln
die Bissa schon genauso lange in dem Gebiet wie die benachbarten Mossi,
jedoch liegen keine Zeugnisse darüber vor.
2.1.2 Phase der Besiedlung und der akephalen Klanstruktur
Die Bissa haben zu einigen Ethnien nachweislich Verwandtschaftsgrade,
die mehr oder weniger
direkt sind. Die Samo werden nach einer Legende Cousins genannt, auch
die Gourounsi
sind Verbündete; im Umgang kommt es zu spielerischen Beleidigungen
wie „Mein Sklave“
und „Erdnussfresser“. Die Bissa, Samo und Gourounsi sind allesamt
Mandesprachinseln, das
Mande-Kerngebiet liegt westlich des Untersuchungsraums. Die engste
ethnische Verwandtschaft
besteht dennoch zu den Mossi, sodass deren Verhältnis in den
meisten historischen
Studien im Mittelpunkt steht. Nicht nur weil sich die
kriegerischen Auseinandersetzungen
und Sklavenbeutezüge der Mossi tief in das Bewusstsein der Bissa
gebrannt haben, sondern
auch, weil sich durch sie neue gesellschaftliche Organisationsformen
formierten und durch
Wüstungen, Schutzsiedlungen und Neugründungen
Siedlungsgeschichte geschrieben wurde.
Die Verwandtschaft zwischen Mossi und Bissa ist bereits in der Legende
der Reichsgründung
der Mossi verankert. Die Entstehungsgeschichte der Bissa und Mossi ist
weitgehend identisch,
die Darstellungsweise differiert mit der Perspektive des Erzählers
und der Erzählsituation.
Manchmal ist der Gründer ein Bissa, manchmal ein Mossi. Je nachdem
wird der Herrschaftsanspruch
der einen, wie der anderen Ethnie ausgelegt.
Die Besiedlung des Untersuchungsgebiets fand von Süden aus statt
und die einzelnen Orte
wurden gegründet von linearen Gemeinschaften, die einen
Siedlungsplatz suchten, um dort
zusammen zu leben und zu wirtschaften. Das Zusammenleben kann nur
rekonstruiert werden
und war wohl akephal und segmentär. Erst in der nächsten
Phase kann man von einer differenzierten
Gesellschaftsform sprechen, in der unterschiedliche Funktionen in der
Gemeinschaft übernommen wurden.
2.1.3 Phase der Bevölkerungsdezimierung und
Gesellschaftskonstitution
Mit dem Aufkommen der Chefferien im 19.Jh. wurde auch eine Bodenreform
durchgeführt.
Es gibt einen klaren Einschnitt in der Geschichte in ein Vorher und
Nachher. Das Chefferieprinzip ist als
Schutz vor feindlichen Eindringlingen von den benachbarten
Mossistämmen übernommen worden,
daher gilt es auch als Manifestation der ersten
überklanmäßigen Gesellschaft.
Der erste nachweisliche Chef wurde in Garango um 1850 nominiert, Naaba
Busunkudma.
Die Linie der Chefs wird in der Familie der Bambara weitergegeben.
Diese Einführung
ging einher mit der Gründung eines Hofes und dazugehörigen
Kriegern, die den Chef,
das Volk und dessen Boden beschützen sollten, während in der
segmentären Klangesellschaft
im Senioritätsprinzip mehr oder weniger autonome Kleingruppen bzw.
Familien nebeneinander
lebten, die Hirten oder Jäger waren und zur gemeinsamen
Überlebenssicherung eine Gemeinschaft bildeten.
Die Ausbreitung des Chefferiephänomens ist auf Außenkontakte
in kleineren Kriegen zurückzuführen,
die das Sippentum als schwachen Gegner auswies. Da bei den
ungeschützten Siedlungen keine Krieger
vorhanden waren, wurden viele Bewohner als Sklaven entführt, und
so mussten sich sukzessiv alle kleineren
Klane und dispersen Siedlungen zu größeren Einheiten
zusammenfinden und zum Selbstschutz eine Armee aufstellen,
die Sklavenbeutezüge ihrer Nachbarn zu verhindern suchte.
Diese Gründungswelle markiert den Anfang der
Geschichtsdokumentation.
Seit die Heldentaten der Krieger erzählt wurden, werden auch
andere Geschehnisse weitererzählt
und in Gesängen dokumentiert. Der Hof wurde zur oralen
Geschichtssammlungsstätte. Damit
wurden auch die ethnischen Gebietsgrenzen geschaffen, die die
jeweiligen Territorien zuordneten.
Boden und Fläche wurde damit zugehörig.
Der Prozess dauert bis heute an, die Bodenfrage ist keinesfalls
endgültig geklärt und
sorgt immer noch für zahlreiche Konflikte zwischen staatlichen,
kommunalen, ethnischen und
familiären Ansprüchen.
Dass das Prinzip nicht nur Sicherheit und Stärke mit sich brachte,
zeigt auch das Beispiel Garango,
wo zwei Naaba Anwärter bei Streitigkeiten der Thronbesetzung
Anspruch auf die Herrschaft erheben
und sich bis in die jüngste Untersuchungszeit (1999) erbitterte
Kämpfe mit Todesfällen liefern.
Neben der Ausbildung von Dorfgemeinschaften entleerten sich auch
Siedlungen, die in kriegerischen
Auseinandersetzungen verwüstet wurden oder die ob ihrer schlecht
zu schützenden Lage aufgegeben wurden.
Außer den unabhängigen Chefferien Garangos und Zabrés
(südlich des Untersuchungsgebiets)
sind alle anderen Chefferien Mossigründungen der Nakomsé
und diese hatten eine relative
Nähe zum Hof in Ouagadougou. Die freien Bissa-Dörfer wurden
immer wieder attackiert
und durch Sklavenrazzien heimgesucht.
Für die Herrscher in Ouagadougou waren ihre Mossichefferien
Außenposten des Reiches und
zugleich Stationen, von wo aus die Razzien durchgeführtwerden
konnten. Prost (1950, S.60) mutmaßt,
dass eine Einnahme Garangos und Zabrés von den Mossi durchaus
möglich gewesen sei, die
relative Verwandtschaft veranlasste allerdings den Mogho Naaba dazu,
sie „nur Gott allein“ zu unterstellen.
Die ersten Sklaven der Mossi waren alle aus dem Gebiet um Garango,
zumeist junge Männer,
die gute Schützen waren oder auf dem Hof helfen sollten. Zum
größten Teil wurden sie am
Markttag verschleppt.
In den Intensivinterviews wurde dies bestätigt, auch als Grund
dafür,dass sich die Bissamänner
nicht am Marktgeschehen beteiligt haben, und das junge Männer noch
lange Zeit dem Marktplatz
gänzlich fern blieben. Faure (1996, S.79) zieht zudem die
Architektur als Beweis für die Angst um
Verschleppung heran, die die jeweiligen Höfe mit großen
Mauern schützt. Auch der nahegelegene
Hausberg Boulgou wurde Zufluchtsort für dieschutzsuchenden jungen
Männer.
In Erzählungen beschreiben die Älteren oft die Verstecke,
an die sie die jungen Männer gebracht
hatten sowie die Folter und Erpressungen, um sie zur Herausgabe der
Söhne zu zwingen.
Nicht unterschätzt werden darf auch die Anzahl der verschleppten
Frauen, allerdings galt es
als ein Teil der Bissakultur, Frauen zu verschiedenen Anlässen
zu verschenken.
Dorfchefs sollen bis zu 100 Frauen geschenkt worden sein, bei Migration
wurden Frauen oft zurückgelassen.
Dementsprechend selten wird darüber gesprochen, der Diebstahl
junger Männer steht in den
Ungerechtigkeitsgeschichten an höherer Stelle.
Die Sklaven blieben nicht nur bei den Mossi, sie wurden auch auf
Sklavenmärkten wie in
Salaga weiterverkauft und so in alle Welt gebracht.
In der Bissaregion plünderten nicht nur die Mossi, sondern auch
Ashanti und Dagomba.
Dererfolgreiche Widerstand gegen die Eindringlinge, die lebende wie
sächliche Beute machten,
wird bis heute stolz berichtet, die Bissa haben nie kapituliert. Erst
mit dem Eintreffen der
Franzosen ordneten sie sich einer fremden Gruppe unter.
2.1.4 Das letzte Jahrhundert
Die Kolonialgeschichte begann mit der Einnahme des Gebietes durch die
Franzosen Ende des
19.Jh.. Administrativ wurde das Gebiet 1899 zum „Cercle du Mossi“
gezählt, 1919 das Gebiet
Haute-Volta errichtet. Bei der Gründung der Verwaltungseinheit
Tenkodogo gab es Widerstände
von Seiten der Dorfchefs der Bissa. Sie wurden Tenkodogo nicht
untergeordnet, sondern
behielten eine eigene Verwaltung.
Zunächst war das 20.Jh. von einer Dezimierung der Bevölkerung
der Region geprägt. Vor den
Angriffen, um sich der Okkupation zu entziehen und vor unfreiwilligen
Soldaten- und Arbeiterrekrutierungen
flüchtete eine beachtliche Anzahl der Bevölkerung in die
benachbarte Gold-Küste (heute Ghana)
Zunächst wurde von der Kolonialverwaltung der wirtschaftliche
Aufschwung
proklamiert und die Marktproduktion (vor allem Baumwolle) wurde
eingeführt.
Aber schon bald änderte sich die Taktik, und man nahm das Gebiet
als Arbeiterreservoir der
Küstenregionen für Minen, Plantagen, Eisenbahnbau und den
Hafen. Zahlreiche Arbeiter
wurden auch in den Baumwollfeldern und im Straßenbau
benötigt. Viele Soldaten Frankreichs
kamen ebenfalls aus dem Untersuchungsgebiet: 1914 waren es 7.740
Soldaten, die von
den Franzosen rekrutiert wurden. Nach den Archiven und Faure
(1996) betrug die Abwanderung 25-46%.
Im Kanton Niaogho sind zwischen 1923 und 1931 27% der Einwohner
abgewandert,
eine Bevölkerungsabnahme von 7.623 auf 5.545 Einwohner.
Der Migrationsfluss hin zur Elfenbeinküste war und ist am
stärksten. Dazu beigetragen hat die
Verwaltungseinheit der zwei Länder zwischen 1933 und 1947. In
dieser Zeit wurden viele
Bissa an die Küste gebracht um ihre Dienste zu leisten.
Commandant Adam von Tenkodogo hatte Verträge mit dem Naaba Koom
geschlossen,
Bissa an die Küste umzusiedeln, weil sie als gute und
fleißige Arbeiter galten. Bei dieser Aktion
kamen 916 Freiwillige Richtung Süden, die eine Siedlung bei
Bouaflé zugeteilt bekamen, die am
11. August 1933 Bouaflé-Garango getauft wurde.
Weitere Siedlungen wie Tenkodogo-Bouaflé und
Koudougou-Bouaflé kamen hinzu.
Hervouet schätzt, dass der Region insgesamt etwa 150.000 Einwohner
in der Zeit von 1928-1947 verloren gingen, das entspricht der
Hälfte der Population im Ausgangsjahr
(321.000). Laut einer Orstomstudie waren noch 1975 etwa 11% der
Bevölkerung
im Alter zwischen 20-35 Jahren in den Küstenstaaten. Die
Rückwanderung fand erst statt, als
sich die Situation in der Heimat verbesserte.
Ghana profitierte wirtschaftlich von den arbeitswilligen jungen
Männer, die aus Burkina Faso kamen.
Deren Rückzug löste eine Krise aus.
Auch die Elfenbeinküste geriet in den 90er Jahren in eine Krise.
Mittlerweile kommen sogar
Bewohner der Küstenregion nach Burkina Faso, um dort Arbeit zu
suchen.
Die Franzosen bauten nicht nur die Verwaltung auf und verstärkten
die Migration, sondern
initiierten auch die Monetarisierung der Gesellschaft durch die
Einführung des Handels und
eines Steuersystems, bei dem mit Geld und in Lebendvieh gezahlt werden
konnte. Bei der
Neugliederung des Gebietes machten die Franzosen das Angebot, die
Verwaltung in die Hand
von Dorfchefs zu legen. Viele Dorfneugründungen fallen in diese
Zeit. Die Dorfchefs und ihr
Hofstaat rekrutierte sich zumeist aus den Mitgliedern einer Familie,
die in dem jeweiligen
Dorf angesehen waren, oder zumindest schnell genug waren um das Angebot
wahrzunehmen.
Diese neuen Chefferien bestanden bis zum Ende der französischen
Vorherrschaft. In dieser
Zeit bereicherten sich die Familien an der relativen Autonomie, welche
ihnen die Franzosen
überließen, indem sie die Steuern für einen
aufgeblähten Hofstaat aufbrauchten. Auch diese
kleptokratischen Praktiken veranlassten viele Bissa ihr Land zu
verlassen. Selbst bei der
Auswanderung wurden Forderungen erhoben wie: 2 Frauen, 3 Rinder, 23
Paniers Hirse, 15 Stück
Geflügel, 14.000 Kaurimuscheln und Geld im Gegenwert von 70 €. Es
gab auch öffentliches
Auspeitschen und Zwangsarbeit. Es wird geschätzt, dass etwa 200
Dörfer in dieser Zeit
entstanden sind, aber nur die wenigsten existieren heute noch.
Die Abwanderung wurde zudem durch verschiedene Epidemien und
endemischen Krankheiten
verstärkt: Die Onchozerkose führte zur temporären
Entleerung der Landstriche um den
Weißen Volta. Noch heute gibt es in den Gebieten um den
Nakambé viele ältere Menschen,
die davon erblindet sind. Hinzu kamen Krankheiten wie Pocken,
Heuschreckenplagen und
Hungersnöte, die die Bevölkerung dezimierten.
Da das Bissagebiet der Unabhängigkeit wegen lange hinter der
Infrastruktur der Mossiebene
zurücklag, war auch die medizinische Versorgung sowie die
Aufklärung nicht in nötigem Maße vorhanden.
In der Region war und ist es üblich, für die Zeit der
Feldarbeit sein Haus zu verlassen und im Busch
zu leben, weil so Brachezeiten eingehalten werden können und man
ein größeres Stück Land bearbeiten kann.
In dieser Zeit schlafen die Feldarbeiter unter freiem Himmel und
trinken das Wasser, das in unmittelbarer
Nähe verfügbar ist. Die Folge ist ein erhöhtes Risiko an
Krankheitsübertragungen.
Phase der Wiederbesiedlung und des wirtschaftlichen Aufschwungs
Bereits in den 50er Jahren kamen die ersten Migranten in ihre Heimat
zurück und besiedelten
ihre alten Wohnstätten. Der Entleerungs- und Wüstungsprozess
änderte sich aber erst spürbar
mit dem medizinischen Fortschritt und der Unabhängigkeit
Obervoltas im Jahre 1961. 1975
nahm sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) des Onchozerkose
Problems an und es
gelang, die Krankheit einzudämmen. Mit der Bekämpfung der
Simulium damnosum-Fliege
als Vektor der Onchozerkose konnte in den 70er Jahren expansiv die
Voltaregion erschlossen
und urbar gemacht werden. In Yakala ging die Zahl der
Onchozerkosefälle in den Jahren 1969
bis 1978 von 800 auf 0 zurück. 1977 veröffentlichte Hervouet
eine Studie, nach der die Einwohnerzahl
von 300.000 wieder annähernd auf dem Niveau vom Anfang des
Jahrhunderts
liegen sollte. Damit wurde die Voltaregion für die Landwirtschaft
attraktiv. Der wirtschaftliche
Aufschwung Béguédos und Niaoghos steht nach Houvouet
stark in Verbindung mit der
erfolgreichen Krankheitsbekämpfung. Die Region hat sich zwischen
1975 und 1985 von einer
bewaldeten Savanne mit reichem Tierbestand zu einem intensiv
landwirtschaftlich genutzten,
dicht besiedelten Gebiet gewandelt. Die Wiederbesiedlung der
verlassenen Orte um den Nakambé
wurde von den umliegenden Orten her durchgeführt, hinzu kamen auch
Mossi vom
Plateau und Peul, die vornehmlich unbewohnte Plätze besiedelten.
Nach öffentlicher Werbung
im Radio zog es östlich des Voltas Neusiedler aus anderen Teilen
des Landes an. Die
ersten Siedler kamen eher zögerlich, das änderte sich 1984,
als die damalige Regierung eine
Bodenreform erließ, nach dem der Boden staatlich verteilt
würde und eine Dürre die Menschen
aus dem Norden trieb.4 Allein in den Jahren nach der
Gesetzesnovellierung wurden
zwischen 1984 und 1987 zwischen 2500-3000 Neuankömmlinge an den
Nakambéufern des
Untersuchungsgebietes gezählt, 1000 in Bagré zwischen 1987
und 1991. In Lenga schätzt die
C.D.R. 1986 etwa 60 neue Familien und 1988 bereits 200 Familien pro
Jahr. Einige suchten
die Erdherren auf, andere setzten sich über die Tradition hinweg.
Einige Migranten besiedelten
auch Buschland, oftmals übernahmen sie die alten Bissaverstecke
als Siedlungsplätze oder
Orte, an denen ihnen das Land besonders fruchtbar erschien. Die
Zuwanderung allochthoner
Gruppen zu den traditionell lebenden Bissa blieb nicht ohne
Konsequenzen. Mit dem massenhaften
Zuzug wurden die Probleme größer und Konflikte geschürt.
Zu den technischen Neuerungen, die zum wirtschaftlichen Aufschwung
beitrugen, gehörte der
Pflug, aber auch schon bald Traktoren, die seit 1976 in
Béguédo eingesetzt wurden. Dämme
wurden errichtet, um länger Wasser für die Felder nutzen zu
können und den Boden nicht der
erosiven Kraft der Regenzeit zu überlassen. Die Marktproduktion
wurde exportiert, zum einen
in Richtung Norden, zum anderen nach Ghana. Das Marktgeschehen gewann
an Anziehungskraft,
weil die Razzien aufhörten und man durch den
Überschussverkauf ein Einkommen erzielen
konnte.
Obwohl die Besiedlung und die Bevölkerungsdichte des Gebietes
zunahm,
blieben die Bissa ein wanderfreudiges Volk. Einer Studie von Orstom
1975 nach riss der
Strom von Auswanderern in Richtung Küste zwar national ab, aus
dem Gebiet der Bissa wurde
jedoch noch immer eine Rate von 36% gemessen, zwischen 1960 und 1973
sind demnach
117.00 Bissa nach Ghana gezogen (neben 5.600 Heimkehrern), 20.400 in
die Elfenbeinküste
(5.700 Heimkehrer). Seit den 90er Jahren ist sogar eine weitere
Dimension der Arbeitsmigration
hinzugekommen, die Auswanderung nach Italien in der Gegend von
Béguédo.
Seit der Unabhängigkeit nimmt die föderale Zergliederung der
Region zu und kleinere Verwaltungseinheiten
entstehen, zuletzt die Departements Boussouma und Komtoéga, die
ehemals zu Garango gehörten.
Ein Erstarken traditioneller Machtstrukturen ist die Folge.
Die jungen Orte entwickeln sich, wie zu zeigen sein wird, different
und neue Institutionen und
Ordnungen entstehen, die traditionelle Muster überprägen.
Die Gesellschaft befindet sich im
Aufbruch zum Pluralismus, die Region erfährt eine strukturelle
Transformation.
Im Original gibt es Quellenangaben in Form von Fußnoten, sie wurden hier weggelassen.
weiter mit Die Sage Die Einsetzung Die Weißen
zum Inhaltsverzeichnis