Geschichte der Bissa
Szepter von Naaba Tigre II
jetzt ausgestellt im Rathaus von Ladenburg
Die Sage Die Einsetzung Die Weißen Die Familien
Die Sage
In Gambaga (im heutigen Ghana) regierte einst der mächtige König Nédéga.
Die Grenzen seines Reiches erstreckten sich über viele Länder und reichten bis "Yagui"
(zum Ozean). Überall im Lande herrschte Wohlstand. Alle Nachbarfürsten zahlten Tribut,
denn sie fürchteten die Tapferkeit und Kühnheit von Nédégas Kriegern.
Das Heer wurde angeführt von des Königs Tochter, Yininga, d.h. "unter Schmerzen geboren".
Yiningas Ruhm hatte sich weit über die Grenzen des Landes verbreitet, sie war ihren
Eltern ein und alles. Nédéga hatte viele Frauen und auch viele Kinder, Jungen und
Mädchen. Aber unter all diesen Kindern liebte er doch Yininga am meisten, wegen ihrer
kriegerischen Fähigkeiten und ihres kühnen Geistes. Er schätzte sie so sehr, daß
er sich nicht vorstellen konnte, daß sie jemals heiratete.
Yiningas Lieblingsbeschäftigungen waren Jagd und Krieg, und sie zeigte sich dabei
so draufgängerisch, daß kein Mann je hoffen konnte sie für sich zu gewinnen.
Allerdings, ihre Mutter, Tallalou, war gar nicht zufrieden mit dem Leben ihrer Tochter.
Um sie auf den rechten Weg zu bringen legte sie ein großes Gombofeld an.
(Hier wird die Erzählung etwas unklar. Eine Übersetzung folgt noch. Jedenfalls wies
Tallalou ihre Tochter ständig daraufhin, daß es an der Zeit sei zu heiraten
und Kinder zu gebären.)
Betroffen vom ständigen Tadel ihrer Mutter nahm Yininga schließlich ihren ganzen Mut
zusammen und bat ihren Vater um die Erlaubnis in die Welt hinaus ziehen zu dürfen,
um sich selbst einen Mann zu suchen. Schweren Herzens willigte Nédéga ein und traf alle
Vorbereitungen für diese Fahrt ins Ungewisse. Unter den Tränen ihrer Eltern und Freunde
brach Yininga endlich auf, begeleitet von zahlreichen Dienern, beladen mit Ausrüstung
und Vorräten, und einer großen Schar von Kriegern auf starken Pferden.
Die Gruppe ritt Tag und Nacht, bis sie die Grenzen von Nédégas Reich erreichte.
Dahinter begann eine Kette von Abenteuern, die alle glücklich bestanden wurden.
Eines Abends rastete man am Ufer eines Flusses, zu Füßen eines wunderbaren, riesigen
Baobab-Baumes. Erhitzt vom langen Ritt äußerte Yininga den Wunsch zu baden.
Ihre Begleiter zogen sich zurück und wandten sich ab. So bemerkten sie nicht den Jäger,
der sich im Baobab versteckt hatte als er die Krieger kommen sah. Angespannt und voller
Freude beobachtete er nun das Bad der schönen und eleganten Frau.
Unwillkürlich rief er aus: "Bidiga"(etwa: Mutter meiner Kinder).
Seit jener Zeit heißt die Gegend in der dies geschah, Bidiga.
Der Name des Jägers war Niyaré, das bedeutet "Der Mutige",
also faßte er sich ein Herz, stieg herab von seinem Baum und näherte sich Yininga.
Als die Krieger das sahen, stürmten sie herbei, nahmen ihn fest und fragten was er hier
zu suchen hätte. Niyaré erklärte, er sei Jäger und wohne ganz in der Nähe.
Da fragten nun die Krieger nach einer Unterkunft für ihre Herrin.
Darum mußten sie nicht lange bitten, Niyaré führte die ganze Truppe zu seiner Hütte.
Die stand nahe bei einem Hügel mit dem Namen Mêgnon, das bedeutet Ruhe und Erholung.
(Dieser Hügel ist die kleinere der beiden Boulgou Kuppen, von Garango aus,
der linke Hügel, s.Umgebung von Garango.)
Dort bereitete er seinem Gast einen besonders warmen und herzlichen Empfang. Er tischte viel
frisches und verschiedenes Wildbret auf, denn die Gegend war reich an jagdbaren Tieren.
An den folgenden Tagen zog er immer wieder hinaus, um zu jagen und Yiningas Krieger
zogen mit ihm.
Im Laufe der Zeit wurden Yininga und Niyaré immer vetrauter und schließlich willigte
Yininga ein zu heiraten. Außer sich vor Freude schwor Niyaré die Jagd aufzugeben
und sich nur noch seiner Frau zu widmen. Als am nächsten Morgen die Krieger, wie
gewöhnlich, kamen, um ihn zur Jagd zu begleiten, erklärte er
"GARGO" - die Jagd ist zu Ende.
Yiningas Gefolge ließ sich nun fest nieder und gründete ein Dorf zu Füßen des Mêgnon
und des Boulgou. Aus "gargo" wurde Garango.
Das Dorf vergrößerte sich und die Bevölkerung wuchs. Yininga und Niyaré hatten viele
Söhne, die zogen aus und gründeten neue Dörfer: Bargasgho, Bougoula, Boura, Gaangla, ....
Als Niyaré gestorben war, versammelten sich die Ältesten, um einen neuen "gutaré" zu
wählen. Die Struktur der Chefferie gab es damals noch nicht. Vielmehr wurde eine
Gemeinschaft regiert vom Rat der Ältesten. Den Vorsitz führte der "gutaré", der
aus der Mitte des Rates gewählt wurde. Der Rat regelte alle Probleme der Gemeinschaft,
er schlichtete Konflikte und bestrafte Übeltäter. In besonderen Fällen konnte er
sogar die Todesstrafe aussprechen.
Nun also versammelte sich dieser Rat, aber ausgerechnet das älteste und würdigste
Mitglied fehlte. Man fragte herum und erhielt die Antwort, er sei "a ta garma", auf der
anderen Seite. Und tatsächlich fand man ihn auf der anderen Seite des Mêgnon. Er hatte
sich dort fest niedergelassen, denn die Gegend war wildreich und fruchtbar, und er war
nicht bereit nach Garango zurückzukehren. Wann immer man seinen Rat brauchte mußte die
ganze Versammmlung nach "Tangaré" ziehen, so nannte man das "A ta garma".
Als man ihm das Amt des gutaré antrug lehnte er ab, die Bürde sei zu groß für ihn.
Er bestimmte, daß Diigri, der Patriarch von Gaangla, seinen Platz einnehmen
sollte. So entstand die Institution des Naaba der Bissa.
Die Einsetzung
Seit der Zeit von Diigri empfangen alle Naabas ihre Würde in Tangaré. Der Chef von
Tangaré richtet die Zeremonie der Einsetzung aus. Streitigkeiten um die Thronfolge
werden in Tangaré entschieden.Kein Naaba kann Autorität beanspruchen, wenn er nicht
in Tangaré eingesetzt wurde. Selbst wenn er, was später öfter geschah, durch
staatliche Macht in sein Amt kam, muß er die traditionellen Riten durchlaufen, wenn er
anerkannt sein will.
Er muß im Haus des Ritus erscheinen, angetan mit einem Schaffell, dort seinen Anspruch
belegen und ein Trankopfer darbringen. Er muß beschwören, daß er die Wohlfahrt
seines Volkes sichern will, daß er ehrbar und gerecht regieren wird und daß er
seinen Nachbarn in Frieden begegnet.
Er wird gesegnet mit Zaubersprüchen und empfängt die königliche Kleidung:
die Kopfbedeckung, den dreiteiligen Königsboubou und die bestickten Schuhe.
Er erhält einen neuen Namen und wird im Triumphzug unter lautem Jubel herumgetragen.
Anschließend besucht er die Gräber der Ahnen in Tangaré, Garango und Zanga.
Dann folgt ein Aufenthalt bei den Schmieden in Guierma, wo er in deren magische
Geheimnisse eingeweiht wird. Schließlich muß er noch einige Zeit bei den Peulh leben.
Zum Abschluß dieses Aufenthaltes rasiert ihm der Chef der Peulh die Haare vom Kopf.
Am Ende des Ritus muß er ein großes Fest in seinem Hof ausrichten.
Diigri war der erste, der diesen Ritus durchlief. Ihm folgten viele andere: Pougouba,
Boussoukoudoma, Tigre I, Mougouba.....
Die Weißen
Als die Weißen kamen regierte Naaba Tigre I.
1896 mußte er einen wenig friedlichen Besuch empfangen: die französischen Militär-
einheiten Voulet und Chanoine.Sie verfolgten den Moro-Naaba Wogbo (Mossi Kaiser) und
verwüsteten dabei das Land, brannten Dörfer nieder und massakrierten die Bevölkerung.
Naaba Tigre I unterwarf sich, er akzeptierte die französische "Protection" und mußte
von Hauptmann Voulet die französische Flagge annehmen.
Voulet und Chanoine zogen weiter und eroberten 1897 Tenkodogo.
Nach dem Abzug des Militärs zerstörte Naaba Tigre die französische Flagge
und organisierte den Widerstand. Erfolglos.
Von neuem mußte er eine Unterwerfungsurkunde unterzeichnen. Hauptmann Destenave
verlangte von ihm die Flagge. Der Naaba konnte aber nur noch Fetzen vorzeigen.
Zur Strafe für diesen Frevel sperrte man ihn, Naaba Tigre I, und einen großen Teil
seines Gefolges in Ouaga ins Gefängnis.
Seinen Platz sollte, so wollten es die neuen Machthaber, Yamba einnehmen, sein
erstgeborener Sohn. Der aber weigerte sich, er könne die Macht nicht übernehmen
solange sein Vater am Leben sei. Da wandten sich die Kolonialherren an Zoulli,
einen "Petit Frere" von Naaba Tigre I. Der willigte freudig ein und wurde Naaba Mougouba.
Nachdem er seine Strafe abgebüßt hatte, kehrte Naaba Tigre I zurück. Er ließ sich in
Cissin nieder, einem Dorf 6 km entfernt von Garango. Von dort schickte er Würdenträger
aus, um den Weißen seine Entschuldigung zu überbringen und sie zu bitten ihn in seine
Heimat und zu seiner Familie zurückkehren zu lassen.
Die Weißen befragten Mougouba; der lehnte kategorisch ab: wenn sein Bruder zurück käme,
würde er seine Macht verlieren.
Abermals schickte Naaba Tigre I seine Würdenträger aus, um für seine Heimkehr zu bitten.
Man antwortete ihnen, der Naaba könne näher kommen, aber nicht in seinen Hof.
Der zog daraufhin auf 2 km heran an Garango, in die Nähe eines Peulhs mit Namen Hamboye.
Nachdem er einige Jahre dort gelebt hatte, bat er ein drittes mal darum, bei seiner
Familie leben zu dürfen. Diesmal war die Antwort: er dürfe in Garango wohnen, wenn
er auf alle Ämter und Würden verzichtete.
Das tat Tigre I und lebte wieder bei seiner Familie, unter der Herrschaft von Mougouba.
Als der 1925 starb ernannten die Kolonialherren Kimba, seinen erstgeborenen Sohn,
zu seinem Nachfolger. Er wurde Naaba Kougri.
Doch schon nach zwei Jahren verstarb er, ohne männliche Nachkommen.
Zu jener Zeit gab es einen Marktaufseher in Gonghin (bei Koupela), der war ehemals
Soldat gewesen und hatte für die Franzosen im 1. Weltkrieg gekämpft. Den
ernannte der weiße Militärbefehlshaber kurzerhand zum Nachfolger:
Naaba Saaga kam 1928 ins Amt.
Dieser Naaba Saga organisierte seinen Hof nach Art der Mossi Kaiser. Er umgab sich mit
einer Vielzahl von Ministern und Pagen, von Hofsängern und Musikern.
Er setzte die Chefs der 20 wichtigsten Orte ab und ernannte neue.
Sein Nachfolger wurde sein ältester Sohn, Naaba Zomwobgo (1965).
(In dessen Regierungszeit kamen neue Weiße nach Garango:
1972 die Lavaler, 1982 die Ladenburger)
Ihm folgte am 27.5.88 ein Bruder: Naaba Tigre II. Naaba Tigre II starb am 23.9.93.
Seit dem 9.6.95 regiert sein Sohn Denis als Naaba Koum.
Die Familien
So aber verteilten sich die Familien auf die 20 wichtigsten Orte, die die Bissa gründeten:
Bargasgho
Bambara Galbani | Bougoula
Dargai | Boura
Zouré | Gaangla
Guengani Nonkani |
Gaanla
Zaré | Garango
Bambara | (Garango-Peulh
Sondé Bari) | Gargou
Bambara Dabré Bancé |
Guierma
Zigani | Kadpogo
Yankiné | Kayo
Gampéné | Lourgogho
Bila Sékoné |
Magourou
Bambara Moné | Pagou
Nombré | Pousga
Gaméné | Sarégou
Saré |
Tangaré
Lengani Séoni | Zalla
Goumbani | Zanga
Bambara | Zidré
Yabré |
erzählt von Alphonse Bambara übersetzt von Helmut Pohl
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