Zum wiederholten Male konnten auf dem Ebenberg Gottesanbeterinnen beobachtet werden. Auch als Fangschrecken bezeichnet, zählen diese sechs bis sieben Zentimeter langen, ebenso anmutig wie kurios wirkenden Tiere zu den Insekten und damit zur zahlenmäßig größten Klasse im Tierreich. Sie sind mit den Schaben näher verwandt als mit den Heuschrecken. Ihre Vorderbeine sind zu Fangbeinen umgewandelt, was charakteristisch für die gesamte Gruppe ist. Weltweit gibt es zirka 2300 Arten von Fangschrecken, wovon nur eine Art, mit wissenschaftlichem Namen "Mantis religiosa", bei uns heimisch ist.

Gottesanbeterinnen sind Meister der Tarnung und können stundenlang regungslos an einem Ast hängend die Umgebung beobachten. Dazu dienen ihnen hervorragend ausgebildete Komplexaugen, die seitlich am dreieckigen Kopf sitzen, und die es ihnen ermöglichen, nahezu ihr gesamtes Umfeld zu überschauen. Während sie in dieser Stellung verharren, sind die Unterschenkel der Fangbeine angewinkelt. Das Insekt wirkt wie ins Gebet vertieft. In Wirklichkeit aber ist es hellwach und zum Angriff bereit: Nähert sich einer Gottesanbeterin zum Beispiel eine kleine Heuschrecke, schlagen die Fangbeine blitzschnell und zielsicher zu, ergreifen die Beute und ziehen sie an den Mund und die kräftigen Kauzangen. Der Vorgang dauert gerade einmal eine Zehntel Sekunde, das Beutetier wird anschließend sofort verzehrt.
Nachdem die Gottesanbeterin lange Zeit in der Pfalz als ausgestorben beziehungsweise als verschollen galt, wird seit zirka zehn Jahren eine Wie-dereinwanderung der Wärme liebenden Art beobachtet. Die ersten Funde gelangen im Bienwald bei Büchelberg und in der Kaiserslauterer Gegend. Auch in einem ehemaligen Militärlager bei Dahn wurden Nachweise erbracht. Wie die Tiere dort hingelangt sind, ist unklar, die Flugfähigkeit der Gottesanbeterin gilt als stark eingeschränkt. Im vergangenen Jahr gelangen am Haardtrand und in der pfälzischen Rheinebene vermehrt Einzelfunde zwischen Neustadt und der französischen Grenze. Auffällig viele Meldungen kamen aus der Gegend um Landau. Ende August dieses Jahres wurden auf dem Ebenberg eine männliche und eine weibliches Gottesanbeterin entdeckt, nachdem hier im vergangenen Sommer bereits zwei Tiere nachgewiesen worden waren.
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Will man die Tiere ausfindig machen, bieten sich die Monate Juli bis September zur Nachsuche an. In dieser Zeit sind sie ausgewachsen und aufgrund der Partnersuche besonders aktiv. Eine gezielte Kartierung erfolgte auf dem Ebenberg bisher noch nicht. Die bisherigen Nachweise sind eher als Zufallsfunde zu bezeichnen. Das Naturschutzgebiet könnte aber durchaus Lebensraum für eine größere Population bieten. Ausgedehnte Schlehen- und Weißdorngebüsche bieten der Gottesanbeterin Schutz, die angrenzenden Wiesen und Weiden sind reich an Nahrungsinsekten. Ist der Ebenberg eventuell sogar ein Liefergebiet für andere Stellen nahe Landau, an denen im vergangenen Jahr einzelne Tiere gefunden wurden? Auf jeden Fall sind die Bedingungen für die Vermehrung der Gottesanbeterin auf dem Ebenberg ziemlich optimal. Sollten sich die Bestände bei günstigem Klima in den nächsten Jahren weiter vergrößern, wird es vielleicht bald möglich sein, bei geführten Exkursionen das eine oder andere Tier ausfindig zu machen und vorzustellen. Für viele Besucher der Naturkundlichen Station Ebenberg, für Kinder wie für Erwachsene, wäre es sicherlich ein unvergessliches Erlebnis, eine Gottesanbeterin einmal in der freien Natur zu beobachten.  

Übrigens, die immer wieder in der populär- wissenschaftlichen Literatur nachzulesende Behauptung, weibliche Gottesanbeterinnen würden bei beziehungsweise nach der Paarung männliche Tiere angreifen und sogar auffressen, ist wohl eher eine Sensation heischende, übertriebene Darstellung des tatsächlichen Verhaltens. So konnte unter anderem Dr. Hans-Wolfgang Helb, Präsident der Pollichia und Dozent an der Universität Kaiserslautern, bei vielen Freilandbeobachtungen und bei Dreharbeiten zu Lehrfilmen über Gottesanbeterinnen nachweisen, dass Artgenossen bei der Paarung nur im Einzelfall gefressen werden, die Paarung bei normal ernährten Tieren aber ansonsten friedlich verläuft. RheinPfalz 04.09.2006 |