Parameterdarstellungen von ebenen Kurven
W.-D. Stauss, H.-W. Henn
Beschreibung
Ausgehend von bekannten, einfachen Ortslinienaufgaben aus der Analysis
der Klasse 11 soll das Verständnis für die Parameterdarstellung
von Kurven eingeführt und gefestigt werden. Die Arbeitsblätter
können ab Ende der Klasse 11 eingesetzt werden. Für jedes der
Arbeitsblätter wird etwa eine Doppelstunde benötigt. Die ersten
beiden sollten in jedem Fall bearbeitet werden; die anderen sind voneinander
unabhängig. Die Aufgaben 1.1 und 1.2 können als vorbereitende
Hausaufgaben gestellt werden.
Didaktische Aspekte
-
Entwickeln eines Gespürs für Parameterdarstellungen (auch im
Hinblick auf Geraden und Ebenen im Raum),
-
Visualisierung, Experimentieren, selbständiges Finden, Formulieren
und Begründen von mathematischen Zusammenhängen, Erweiterung
einer Standardaufgabe durch Variieren,
-
Schönheit und Ästhetik der Mathematik,
-
historische Aspekte.
Hinweis:
Ein ausführlicher Lösungsvorschlag (Maple-Datei M5_2_PAR_LOES.MWS)
kann über die auf der Rückseite des Einbands angegebene Internetadresse
abgerufen werden.
Aufgabenblatt 1: Einführung der Parameterdarstellung
einer Kurve
-
Eine vom Parameter t abhängige Kurvenschar mit der Gleichung y = f(x,t)
hat die Hochpunkte H(2t + 5 | t2 - 4t). Bisher haben Sie die
Kurve, auf der diese Hochpunkte liegen, dadurch gefunden, dass Sie den
x-Wert x = 2t + 5 nach t zu
t =
aufgelöst haben und dies in die Gleichung für y eingesetzt haben,
also
y = t2 - 4t = (
)2
– 4
=
.
Die zugehörige Kurve ist eine Parabel.
-
Sie können auch für einige Werte von t eine Wertetabelle für
x(t) und y(t) erstellen und dann die Punkte P(t) = (x(t)|y(t)) zeichnen
und so dieselbe Parabel gewinnen. Machen Sie dies für t = -5 bis 5
mit Schrittweite 1. Man nennt x(t) = 2t+5 und y(t) = t2-4t die
Parameterdarstellung der Kurve, hier der Parabel, durch den Parameter
t.
-
Das Zeichnen unserer Parabel in Parameterdarstellung geht einfacher mit
Maple. Lesen Sie hierzu die Erläuterungen zum Befehl
plot in der Maple-Hilfe. Beachten Sie zuerst die Beispiele (tippen
Sie hierzu >???plot).
-
Zeichnen Sie wie in Aufgabe 3 die Kurve, auf der die folgenden Punkte liegen.
Wählen Sie jeweils einen sinnvollen Zeichenbereich für den Parameter
t. Beschreiben Sie die Kurven.
a. W(t2 | t3 - 5t); b. P(3 cos(t)|3 sin(t));
c. Q(t3 - 5t | 3); d. R(-2 | t2 -1).
-
Geben Sie je eine Parameterdarstellung der folgenden (zum Teil durch eine
Gleichung gegebenen) Kurven an und zeichnen Sie damit unter Verwendung
von Maple die Kurve.
a. Erste Winkelhalbierende; b. y = 4x - 1; c. y = x2; d.
y = 2; e. x = -6.
-
Kann man für jedes Schaubild einer Funktion f mit y = f(x) eine Parameterdarstellung
angeben? Kann man jede durch eine Parameterdarstellung gegebene Kurve als
Schaubild einer Funktion darstellen?
Aufgabenblatt 2: Ellipsen
1. Zeichnen Sie mit Maple die Kurve mit der Parameterdarstellung x(t) =
3× cos(t) und y(t) = 3×
sin(t) mit 0 £ t £
2p . Welche Kurve ist dies? Begründen Sie!
Welche geometrische Bedeutung hat der Parameter t ? Was ergibt sich bei
einem anderen Definitionsbereich des Parameters?
-
Geben Sie eine Parameterdarstellung des Kreises mit Radius r und Mittelpunkt
M(0|0) an. Welche Definition des Kreises haben Sie dabei benutzt ?
-
Geben Sie eine Parameterdarstellung des Kreises mit Radius r und Mittelpunkt
M (a|b) an.
| Eine Ellipse ist die Menge aller Punkte P einer Ebene,
für die die Summe der Abstände von zwei festen Punkten F1,
F2 konstant ist. F1 und F2 nennt man die
Brennpunkte der Ellipse. Kreise sind Spezialfälle von Ellipsen.
(Wieso?) |
 |
-
Geben Sie eine Parameterdarstellung der Ellipse mit den Brennpunkten F1(-3|0),
F2(3|0) und der Abstandssumme 10 an.
-
Anleitung: Bestimmen Sie zunächst die Achsenschnittpunkte A,
B, C und D (vgl. Skizze). Berechnen Sie dann für einen allgemeinen
Punkt P(x|y) der Ellipse (unter Verwendung der Ellipsendefinition)
eine Gleichung zwischen x und y. Hierbei kann Maple helfen! Dann können
Sie auch eine Parameterdarstellung angeben! Welche Definitionsmenge für
den Parameter t liefert genau die Ellipse?
-
Geben Sie eine Parameterdarstellung einer Ellipse mit den Brennpunkten
F1, F2 und der Abstandssumme d an.
-
Anleitung: Verallgemeinern Sie Ihre Bearbeitung von Aufgabe 3. Führen
Sie zunächst entsprechnd der Abbildung ein geeignetes Koordinatensystem
ein; d lässt sich dann durch die x-Koordinate von A ausdrücken.
Das Dreieck OF1B liefert einen weiteren Zusammenhang! Jetzt
können Sie wieder für einen allgemeinen Ellipsenpunkt P(x|y)
eine Gleichung zwischen x und y bestimmen (Maple hilft bei den Umformungen!).
Eine Parameterdarstellung erhalten Sie dann wie bei Aufgabe 3. Welche Definitionsmenge
für den Parameter t liefert genau die Ellipse?
-
Zeichnen Sie mit Hilfe der Parameterdarstellung verschiedene Ellipsen!
Aufgabenblatt 3: Abrollkurven
Bevor Nikolaus Kopernikus das heliozentrische Weltbild entdeckte, beschrieb
man die Bewegung der Planeten mit dem geozentrischen Weltbild des Ptolemäus.
Hierbei wurde die Bewegung mittels Kreisen beschrieben, die sich auf Kreisen
bewegten. Als einer der ersten beschäftigte sich Galileo Galilei [1564
- 1642] mit der folgenden Kurve. Er gab ihr 1599 den heute gebräuchlichen
Namen, der sich von Kreis bzw. Radlinie ableitet.
-
Rollt ein Kreis mit Radius r ohne zu gleiten auf einer Geraden ab, dann
heißt die Bahnkurve (Ortslinie), die ein fester Punkt P der Kreislinie
beschreibt, Zykloide.
Leiten Sie eine Parameterdarstellung der Zykloide her. Als Parameter
eignet sich der (negativ orientierte) Winkel t (vgl. Skizze, die Ausgangslage
von P war der Nullpunkt, der Kreis ist schon das Stück r×
t abgerollt).
Kontrollergebnis:
x(t) = r× t - r×
sin(t) und y(t) = r - r× cos(t).
Begründen Sie, dass sich die Bewegung durch Überlagerung einer
Drehung um den Kreismittelpunkt und einer Bewegung parallel zur x-Achse
ergibt.
Zeichnen Sie Zykloiden! Wie hängt das Bild vom Parameterbereich
ab?

-
Auf welcher Kurve bewegt sich der Kreismittelpunkt M?
Auf welcher Kurve bewegt sich ein beliebiger Punkt P (mit
= d) der Kreisfläche? (Vgl. Skizze)
Kontrollergebnis:
x(t) = r× t - d×
sin(t) und y(t) = r - d× cos(t).
Lässt sich d > r geometrisch deuten? (Experimentiere!)
Für die folgende erweiterte Fragestellung können Sie sich z.B.
aus Pappdeckel Schablonen schneiden.
-
Auf einem Kreis vom Radius r rollt ein Kreis mit Radius 1 ab. Bestimmen
Sie eine Parameterdarstellung der Kurve, die ein Punkt auf dem Rand des
Abrollkreises beschreibt. Diese Kurve heißt Epizykloide.
-
In einem Kreis vom Radius r >1 rollt ein Kreis mit Radius 1 ab. Bestimmen
Sie eine Parameterdarstellung der Kurve, die ein Punkt auf dem Rand des
kleinen Abrollkreises beschreibt. Diese Kurve heißt Hypozykloide.
Anleitung zu Aufgabe 3:
M sei der Mittelpunkt des Abrollkreises. Als Parameter t kann der Winkel
gewählt werden, um den sich die Strecke OM beim Abrollen dreht. Der
Abrollkreis dreht sich dabei um den Winkel a
. Sie erhalten einen Zusammenhang zwischen den Winkeln t und a
, wenn Sie berücksichtigen, dass aufgrund der Abrollbedingung die
Bögen AB und PB gleichlang sind. Für t = 0 berühren sich
die beiden Kreise im Punkt A(r|0) (vgl. Skizze).
Gehen Sie für Aufgabe 4 analog vor.
Kontrollergebnis:
Epizykloide: x(t) = (r+1)× cos(t) -
cos((r+1)× t); y(t) = (r+1)×
sin(t) - sin((r+1)× t);
Hypozykloide: x(t) = (r-1)× cos(t)
+ cos((r-1)× t); y(t) = (r-1)×
sin(t) - sin((r-1)× t).
Experimentieren Sie mit diesen Kurven (mit Ihren Schablonen und mit
Maple); notieren Sie Ihre Beobachtungen. Wann sind Epizykloiden und und
Hypozykloiden geschlossene Kurven? Wie muss man dann den Parameterbereich
für t wählen, um genau einmal die Kurve zu durchlaufen? Bestätigen
Sie den folgenden, von Nikolaus Kopernikus stammenden Satz: Läßt
man in einem festen Kreis einen Kreis vom halben Radius abrollen, so beschreibt
jeder Punkt des abrollenden Kreises einen Durchmesser des festen Kreises.
Aufgabenblatt 4: Lissajouskurven
Lissajouskurven (Antoine Lissajous [1822 - 1880]) kann man leicht
experimentell erzeugen:
-
Oszilloskop: An den x-Eingang wird eine Wechselspannung Ux(t),
an den y-Eingang eine andere Wechselspannung Uy(t) gelegt. Der
Strahl des Oszilloskops beschreibt dann eine Lissajouskurve auf dem Bildschirm.
-
Fadenpendel: Wenn ein Fadenpendel nur in einer Ebene schwingt, so beschreibt
es eine harmonische Schwingung. Wird das Pendel gleichzeitig noch in einer
dazu senkrechten Richtung angeregt, so beschreibt es ebenfalls eine Lissajouskurve.
Geben Sie eine Parameterdarstellung einer Lissajouskurve an. Setzten Sie
dazu x(t) und y(t) jeweils als sinusförmige Schwingungen mit den Perioden
p bzw. q und den Amplituden a bzw. b an. Zusätzlich kann y(t) eine
Phasenverschiebung von d gegenüber x(t) haben. Der Parameter t kann
als Zeit gedeutet werden.
Kontrollergebnis: x(t) = a×
sin(
t), y(t)
= b× sin(
t - d),
Zeichnen Sie mit Hilfe von Maple Lissajous-Figuren.
Einige Hinweise zum Experimentieren:
Setzen Sie z.B. a = b = 1 und untersuchen Sie systematisch
-
p = q, Variation von d = 0,
,
,
,
... . Versuchen Sie, die Figur räumlich zu sehen. Was bewirkt dann
d?
-
p = 2 q, Variation von d, ...
-
....
Wann entstehen geschlossene Kurven? Geben Sie dazu einen minimalen Definitionsbereich
für den Parameter t an, für den die Kurve genau einmal durchlaufen
wird. Wann liegt Symmetrie zum Ursprung, wann zur x- bzw. zur y-Achse vor?
Aufgabenblatt 5: Weitere interessante Parameterkurven
Experimentieren Sie mit den Kurven, die durch die folgenden Parametergleichungen
gegeben sind :
Rosenkurven (Guido Grandi [1671 - 1742])
x(t) = sin(k× t)×
cos(t), y(t) = sin(k× t)×
sin(t) mit Kurvenparameter t und Parameter k Î
R.
-
Zeichnen Sie die Kurve für k = 2 und t Î
[ 0, 2p ].
-
Untersuchen Sie die Rosenkurven für k Î
N.
-
Wie unterscheiden sich die Rosenkurven für k und -k?
-
Untersuchen Sie die Rosenkurven für k = , k = , k = , k = .....Für
welche k entstehen geschlossene Kurven? Geben Sie dann einen minimalen
t-Bereich an, für den die Kurve genau einmal durchlaufen wird.
-
Untersuchen Sie die Rosenkurven auf Symmetrie.
Spiralen
kommen in Natur und Technik häufig vor. Sei es beim Schneckenhaus,
Kopffüßler Nautilus macromphalus, Wasserwirbel, Bandaufwicklung
oder den Spuren der Schallplatte. Gemeinsam ist bei allen Spiralen, dass
ein "Zentrum" in immer größeren oder kleineren Windungen umlaufen
wird.
-
archimedische Spirale: x(t) = t×
cos(t), y(t) = t× sin (t).
-
logarithmische Spiralen (Albrecht Dürer [1471 - 1528] ):
x(t) =
×
cos(t), y (t) =
×
sin(t), (a > 0). Untersuchen Sie z.B. für a = 1,1 und a = 0,9.
-
hyperbolische Spirale: x(t) =
×
cos(t), y(t) =
×
sin(t).
d. Fermatsche Spirale (Pierre de Fermat [1601 - 1665]): x(t)
=
×
cos(t), y(t) =
×
sin(t).
e. Krummstab (Roger Cotes [1682 - 1716]): x(t) =
×
cos(t), y(t) =
×
sin(t).
Zeichnen Sie die Kurven.
Welchen Abstand haben die einzelnen Windungen? Untersuchen Sie genauer
die Länge der Strecke, die die Spirale aus der positiven x-Achse ausschneidet?
Gibt es Asymptoten?
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aufbereitet fürs Internet: Roland
Bernert