Propheten
Seit es in Israel Könige gab, also etwa ab 1000 v. Chr. traten
auch immer wieder Menschen (meistens Männer) auf, die man als Propheten
bezeichnet.
Prophet wurde man dadurch, dass man von Gott zum Propheten berufen
wurde. Meist war dies für die Berufenen ein besonderes Erlebnis, in
dem sie Gott hörten, der ihnen einen Auftrag gab. Manche Propheten
sahen auch ein Ereignis, von dem sie wußten, dass es eine Botschaft
war, die Gott ihnen schickte. Die, die Propheten wurden, waren im Allgemeinen
ganz normale Menschen der damaligen Zeit wie z.Bsp. Großgrundbesitzer,
Bauern oder Priester. Es gab aber auch Gruppen von Propheten, die sich
zusammen schlossen und wahrscheinlich jüngere Menschen als Propheten
ausbildeten – sie also darin schulten, auf Nachrichten Gottes zu achten.
Solche Propheten übten ihre Tätigkeit fast wie einen Beruf aus
und verdienten damit wahrscheinlich auch Geld. (Besonders gern wurden wahrscheinlich
Propheten bezahlt, die das sagten, was die Ratsuchenden hören wollten!)
Gott berief vor allem dann Menschen zu Propheten, wenn der König,
der für die richtige Ausübung der Religion und die Einhaltung
der Gesetze in Israel und Juda verantwortlich war, diese Verantwortung
nicht wahrnahm, oder wenn große Teile des Volkes nicht ihrem Glauben
gemäß handelten. Dann mußten die Propheten dem König
oder dem Volk öffentlich mitteilen, dass Gott dieses Verhalten nicht
länger dulden werde, und sie mußten auf das hinweisen,
was falsch gemacht wurde. Die Propheten nannten also das Unrecht beim Namen
und teilten mit, wie Gott auf das falsche Handeln reagieren werde, sie
kündigten eine Strafe an. Sie zeigten auf, wohin das falsche Verhalten
führen würde und was man statt dessen tun sollte.
In bedrohlichen und entmutigenden Situationen hatten die Propheten
manchmal auch den Auftrag, das Volk zu trösten und ihm zu sagen, dass
Gott sein Volk nicht untergehen lasse.
Dem König und der Oberschicht des Volkes Missstände vorzuwerfen,
durch die die schwächeren Gruppen des Volkes benachteiligt wurden,
war keine ganz einfache Sache: Die Propheten standen schnell in der Gefahr,
von den Mächtigen als Unruhestifter und Volksverhetzer beseitigt zu
werden, auch wenn sie Recht hatten. Aber auch dem ganzen Volk die Wahrheit
zu sagen, war nicht leicht: Warum sollte ein Einzelner Recht haben? In
beiden Fällen aber war die Frage: Wie sollte ein Prophet, denen, die
ihm nicht glaubten, nachweisen, dass er zu Recht im Namen Gottes sprach?
Was die Propheten sagten, wurde von den Zuhörern weitergesagt
und von denen, die dem Propheten glaubten, gesammelt in Erinnerung behalten.
Erst einige Zeit nach der öffentlichen Rede der Propheten schrieb
jemand ihre Aussagen auf und erzählte vielleicht noch dazu, in welcher
Situation diese Sätze gesagt wurden. So konnte man auch verfolgen,
ob sie mit ihren Aussagen Recht behalten würden. So entstanden die
Bücher von Propheten wie Jesaja, Jeremia, Amos, Hosea, Hesekiel usw.
Spätere Generationen haben dann zu den ursprünglichen Aussagen
der Propheten Aussagen anderer Propheten und eigene Erfahrungen hinzugefügt.
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