Fortbildungsveranstaltungen "Installation eines Kommunikationsservers unter dem Betriebssystem LINUX/UNIX"
von Manfred Berberich (StD)
(Fachberater am Oberschulamt Karlsruhe)

1. Was ist LINUX?

Linux ist ein Betriebssystem, mit dem man u.a ein lokales Computernetz (z.B. Novell, WIN-NT oder WIN-95 Netzwerke) über eine ISDN-Leitung an das Internet anschließen kann. Es wurde in weltweiter Zusammenarbeit von vielen Informatikern entwickelt. Diese Entwicklungsarbeit wurde ständig über das Internet koordiniert. Das Betriebssystem ist bezüglich Internetanbindung von Lokalen Netzwerken (LAN) führend und insbesondere bei den Universitäten sehr verbreitet. Es ist dem Betriebssystem UNIX sehr ähnlich, findet in der industriellen Praxis immer mehr Anwendung, und ist kostenlos erhältlich. Eine Statistik über die Anzahl der installierten Server-Betriebssysteme finden Sie unter diesem Link.

2. Bericht über eine 3-tägige Fortbildungsmaßnahme (Mai 1997)an der IGMH

2.1. Fortbildungsbedarf

Die Fortbildungsveranstaltung „LINUX als Kommunikationsserver“ ist in engem Zusammenhang mit dem Projekt "Lehrer an das Internet" des Oberschulamts Karlsruhe zu sehen .

Eine Arbeitsgruppe des Oberschulamts Karlsruhe unter Leitung von Herrn RSD Buhmann ging davon aus, daß in einem ersten Schritt den Lehrern ein Zugang zum weltumspannenden Internet ermöglicht werden sollte. In den letzten zwei Jahren haben weit mehr als 1500 Lehrer unseres Oberschulamtsbereichs einen Internetzugang über einen UNIX-Kommunikationsserver der Firma IBM erworben. Dieser Computer steht im Rechenzentrum der Universität Karlsruhe, unserem Partner bei diesem Projekt. Im Rahmen der Medienoffensive des Landes Baden-Württemberg wird der Bedarf immer größer, in den Schulen aller Schularten den Schülern das Internet im Unterricht näherzubringen. Ziel ist u.a. die Vermittlung von Kompetenz im Umgang mit diesem neuen Medium.

Um dieses Ziel zu erreichen, möchten die Schulen die vorhandenen Netzwerke an das Internet anschließen, teilweise auch aus diesem Grund lokale Netzwerke einrichten, weil nur damit eine sinnvolle Nutzung des Internets im Unterricht möglich ist.

2.2. Das Fortbildungskonzept

Es zeigt sich, daß die Anbindung der lokalen Netzwerke der Schulen an das Internet noch nicht ganz unproblematisch ist. Es sei denn, man vergibt die Installation an Fremdfirmen die eine Installtion nach industriellen und nicht nach pädagogischen Gesichtspunkten vornehmen. Diese Installationen sind zudem noch sehr teuer und sind für einige Schulen, bzw. deren Schulträger nicht finanzierbar. Daher ist es sinnvoll, Musterinstallationen die bereits an einigen Schulen existieren, im Rahmen von Lehrerfortbildungsmaßnahmen auf andere Schulen zu übertragen. Gleiche Installationen in den Schulen erleichtern die Zusammenarbeit zwischen den Beratern an den jeweiligen Schulen und erweisen sich daher als sehr produktiv im Rahmen der Wartungsarbeiten.

Der Aufbau eines Kommunikationsrechners in einer Schule ist in der Regel eine einmalige Sache. Nach erfolgter Installation schließt sich der Betreuungsaufwand an. Als Pädagogen wissen wir, daß man das Wissen besonders gut behält, das man durch eigenhändiges Tun erlernt hat. Schulen aufzusuchen, um Musterinstallationen zu bestaunen bringt nicht viel. Der engagierte Netzzwerkbetreuer verbringt dann trotzdem viele Stunden in der eigenen Schule, um die Internetanbindung zu realisieren. Aus diesem Grund war es naheliegend, die Fortbildung im Rahmen eines Workshops durchzuführen, bei dem die Teilnehmer ihren Rechner, der später als Kommunikationsserver an den Schulen installiert werden soll, selbst mitbringen können. Außerdem wurden die Schulen gebeten, zwei Kollegen zur Fortbildung zuzulassen. Dadurch ist gewährleistet, daß eine Wartung des Rechners z.B. auch nach Schulwechsel eines Kollegen kontinuierlich möglich ist.

2.3. Fortbildungsteam

Seit ungefähr einem Jahr beschäftigt sich die Kollegin

Frau Assessorin d.L. Andrea Neumann, Bruchsal und die Kollegen StR Aribert Biel, Werner-von-Siemens-Schule Mannheim, OStR Uwe Labs, Bonhoeffer-Gymnasium, Weinheim, OStR Gerhard Liebrich, Peter-Petersen-Gymnasium, Mannheim und StD Manfred Berberich, Integrierte Gesamtschule Mannheim-Herzogenried,

erfolgreich mit der Anbindung von Netzwerken der Schulen an das Internet u.a auch mit dem Betriebssystem LINUX.

Eine Dokumentation über die Installation eines Linux-Rechners zur Anbindung eines lokalen Netzwerkes an das Internet liegt vor.

2.4. Die Teilnehmer der Fortbildung

Bei der Installation eines Kommunikationsservers handelt es sich um ein fächer- und schulartenübergreifendes Projekt. Daher waren sowohl die Referenten als auch die Teilnehmer aus allen Fachrichtungen und allen Schularten (allgemeinbildend und berufsbildend) vertreten. Nach den Berichten der Teilnehmer wurden an den Schulen bereits Computernetze mit WIN 3.X und WIN 95 - Workstations und der Netzsoftware NOVELL installiert. Die Verbindung zum Interent sollte über einen kostengünstigen LINUX-Kommunikationsserver realisiert werden.

Es hat sich gezeigt, daß die Anwesenheit von Kollegen aus den verschiedenen Schularten zu einem sehr angenehmen Fortbildungsklima beiträgt. Die Durchführung der Fortbildungsveranstaltung im Rahmen eines Workshops war eine wichtige und richtige Entscheidung. Die Teilnehmer zeigten dadurch eine hohe Kooperationsbereitschaft. Die Installation des Systems auf den eigenen Computern, die später auch im Schulaltag ihren Dienst erfüllen sollten, motivierte außerordentlich stark und förderte den Teamgeist. In den Praxisphasen entwickelten sich konzentrierte Gruppenarbeiten, in die die Teilnehmer ihre unterschiedlichen Vorkenntnisse gut einbringen konnten.

3. Weiterer Fortbildungsbedarf

Bereits in der Planungsphase der Fortbildung und durch eine Veröffentlichung im Internet unter der Homepage des Oberschulamts Karlsruhe (http://www.lehrer.uni-karlsruhe.de/˜OSA), ergaben sich viele interessierte Anfragen von Kollegen aus unserem Oberschulamtsbereich, die ebenfalls an dieser Fortbildung teilnehmen wollten.

Bedingt durch diese vielen Anfragen sind weitere Fortbildungsveranstaltungen „LINUX als Kommunikationsserver“ geplant. Die nächste Fortbildung wird im Dezember 1997 stattfinden.

4. Warum gerade LINUX?

Selbstverständlich bleibt es jeder Schule selbst überlassen, mit welcher Software sie die Internetanbindung des lokalen Netzwerkes realisieren will. Das Netzwerkbetriebssystem NOVELL und das Betriebssystem WINDOWS NT sind die möglichen Alternativen.

4.1. Folgende Gründe sprechen für den Einsatz von LINUX:

Die finanzielle Situation der Schulträger ist sehr angespannt. Linux ist im Internet kostenlos erhältlich. Ebenso sind fast alle Anwendungsprogramme im Internet frei verfügbar. Distributionen, bei denen der gesamte Quelltext, der Binärcode, verschiedene Anwendungsprogramme und Dokumentationen schon auf einigen CD's zusammengestellt wurden, sind inklusive Installations- und Einstiegshandbücher für ca. 90 DM im Handel erhältlich. Wir empfehlen die LINUX-Distribution von S.U.S.E. weil dadurch ein Höchstmaß an Flexibilität erreicht werdern kann. Im Rahmen der Bundesinitiative „Schulen ans Netz“ wurde eine Lösung für einen Kommunikationsserver unter LINUX entwickelt, der auf einer CD-ROM vom Heise-Verlag kostenlos bezogen werden kann. Die Installation ist vollkommen menüorientiert. Eine verbesserte zweite Version ist seit Oktober 1997 erhältlich.

LINUX ist ein offenes und daher sehr flexibles Betriebssystem für einen Kommunikationsserver, das mit Hilfe der Konfigurationsdateien auf fast alle lokalen Anforderungen speziell zugeschnitten werden kann. Sonderwünsche oder exotische Systeme können somit fast immer realisiert werden.

Auf der Grundlage des über dreißig Jahre alten UNIX läuft LINUX konkurrenzlos stabil. Es wurde von vielen Informatikern der Universitäten in weltweiter Zusammenarbeit bei ständigem Informationsauschtausch über das Internet entwickelt. Ein LINUX-Rechner offenbart erst beim Anschluß an das Internet seine Stärken. Ein 486'er kann unter Linux als Kommunikationsserver für ein ganzes lokales Netz dienen, bietet neben der Möglichkeit als File-und Printserver zu laufen noch den Zugriff auf alle Internetdienste. Dabei ist der Mehrbenutzerbetrieb schon implementiert (email-adressen für jeden Benutzer, eigene Verzeichnisse für jeden Benutzer, hoher Sicherheitsstandard). Im Gegensatz zu anderen Betriebsystemen, bei denen der Benutzer meist auch noch die Endkontrolle des Produkts übernehmen muß, wird LINUX weltweit gepflegt. Bugs oder fehlender Hardwaresupport werden sehr schnell behoben.

4.2. Nachteile von LINUX :

Weil Linux kostenlos über das Internet zu beziehen ist, bekam man von kommerziellen Computerfachleuten bisher wenig Hilfestellung. Seit kurzer Zeit haben jedoch auch einige Industriebetriebe Interesse an diesem Betriebssystem gezeigt. So z.B. auch von der Mannheimer Versorgungs- und Verkehrs Gesellschaft mbH (MVV) unserem industriellen Partner bei der ersten Veranstaltung. An einigen Schulen wurden ebenfalls von externen Beratungsunternehmen LINUX-Kommunikationsserver installiert (z.B. beim Moll-Gymnasium in Mannheim).

Im Hinblick auf den Support von Linux hat sich die Situation inzwischen erheblich gebessert. Im Businessbereich etabliert sich das Betriebssystem Linux  immer mehr. Ein gutes Beispiel herufür sind die Firmen IBM und SAP. Die Gründe der Unternehmen sich für Linux zu entscheiden sind sehr vielfältig.

Hinweise zur Sicherheit u.a. auch von WEB-Servern liefert das für Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik.

Die Flexibilität von LINUX verlangt eine größere Verantwortung des Systemadministrators beim Einrichten des Systems. Dies erfordert unter Umständen auch eine längere Einarbeitungszeit als bei anderen Systemen.


Studiendirektor Manfred Berberich, 07.02.1998; e-mail : Manfred.Berberich@lehrer.uni-karlsruhe.de
Überarbeitet: 03.03.1999, 01.11.2002