Wie repariere ich einen Geberit Spülkasten ?

Gleichzeitig gingen bei mir zu Hause beide Kästen kaputt -naja, 17 Jahre haben sie gehalten. Wenn das Füllventil undicht ist hört man das Wasser eventuell laufen, man sieht einen mehr oder weniger starken Rinnsal in der Kloschüssel. Hier beschreibe ich , wie ich diese Havarie repariert habe. Wer sich traut mag es  auch probieren - ich fordere aber niemand dazu auf und hafte für keinerlei Schäden! Besonders gefährlich scheint es mir aber nicht zu sein. Selbermachen bringt aber ein Zusatzwissen, macht Spaß - und spart noch dazu Geld.

Eine ganz ähnliche Seite wie die hier ist auch:

http://www.ikz.de/ikz-praxis-archiv/p0203/020310.php

Wies funktioniert erläutert Herrmann Ryter aus dem Mutterland von Geberit (Geberit ist eine Schweizer Qualitätsfirma mit einem sehr kräftigen Standbein in Deutschland) für seine Schüler:

http://www.ryter-hermann.ch/wissen/wissen_6_spuelk.html

Lade dort auch die pdf-Datei herunter!

Neuere Modelle

http://download.geberit.de/ch/Montagehandbuch/de/Unterputz-Spuelkasten.pdf

und

http://download.geberit.de/ch/Montagehandbuch/de/Aufputz-Spuelkasten.pdf

Geberit unterhält eine "Online-Videothek" bei denen die Technik neuerer Modelle (Unifill) in aufwändigen Produktionen gut erklärt wird.


Was man braucht:

Bevor  man Teile kauft würde ich erst mal den Deckel hochheben und nachschauen, was defekt ist.


Ein laufender Spülkasten kann Unmengen von Wasser verschwenden - eine Reparatur ist dringend nötig. Eigentlich kann dies zwei Ursachen haben: entweder ist die Dichtung beim Abfluss des Kastens undicht (die Glockendichtung), häufiger ist aber die Dichtung beim Zuflussventil defekt, dieser Fall wird hier beschrieben. Den Unterschied merkt man leicht, wenn man den Deckel entfernt:

Deckel entfernen - Unterputzmodell

die Druckplatte von unten nach oben drücken und abheben erst den äußeren Rahmen abschrauben, dann die innere Abdeckung. Vorsichtig nach vorne wegziehen!

 Deckel entfernen - Aufputzmodell

ist leicht: links und rechts packen und recht kräftig nach oben ziehen

nun liegen die Innereien offen, in beiden Fällen ist das Füllventil - das graue Plastikteil an der Seite - zu sehen. Zum Füllventil führt die Frischwasserleitung. Die Ventile sind gleichartig. Ihre Bezeichnung bei Geberit ist "Kompakt", gebaut wurden sie wohl bis in die 90er Jahre, modernere Versionen weichen etwas ab. Heute heißen sie "Unifill". Installateure tauschen oft das komplette "Kompakt" gegen ein moderneres "Unifill" (passt wohl)- ist auch nicht so teuer und man hat wieder jahrzehntelang Ruhe.

Aufputz...(beachte die "Schwalbenschwanzführung", später mehr..) ...und Unterputzversion

In der Mitte des Kastens ist ein Rohr zu erkennen, welches nach oben gezogen werden kann und so den Spülschwall auslöst. Durch das Rohr kann Überschusswasser ablaufen, wenn das Füllventil nicht richtig schließt. Der Kasten würde sonst überlaufen. Wenn das Wasser also so hoch steht, dass es hier dauernd abläuft ist wahrscheinlich die Fülldichtung defekt - eben das wird hier beschrieben! Wenn dagegen die Glockendichtung defekt ist, läuft ständig Wasser ab, und das Füllventil muss andauernd für Nachschub sorgen. Dies wird hier nicht gezeigt, ich würde mich über Bilder und eine Beschreibung freuen. Ein kurzer Ausblick darauf ist aber am Ende der Seite zu sehen.

Achtung: Zuerst muss man den Zulauf (den Eckhahn in der Mitte) gut schließen - sonst spritzt es!

Jetzt entfernt man die weiße Überwurfmutter aus Kunststoff:

geht schon, nur Mut Vorsicht, die Düse (im linken Teil) soll nicht herausfallen.

jetzt kann das gesamte Ventil herausgehoben werden, es ist mit der oben erwähnten Schwalbenschwanzführung eingeschoben, mit etwas Kraft senkrecht nach oben ziehen. Bei der Unterputzversion war eine kleine Verriegelung mit einer Plastiknase, diese wegbiegen!

Wie kommt das Ventil raus?

Bei der Aufputzversion ist das kein Problem, wegheben, fertig. Bei der Unterputzversion muss man fummeln:

zur Seite legen... und so lange drehen, bis sich das Ventil (grau) vom Schwimmer (weiß) lösen lässt.

Zerlegen

hier ist das Prachtstück.  Der Schmutz ist nicht ekelhaft - es ist halt Kalk. Man sollte ihn entfernen, damit alles wieder schön gleiten kann

Die Dichtung

ist aber meistens nicht nötig, eine Dichtung kostet viel weniger. Kolben und Düse soll man ordentlich putzen!

...und ein Spartipp von freundlichen Mitlesern: Häufig kann man die Dichtung einfach umdrehen (dann funktioniert die Ausbohrmethode natürlich nicht) - kostet aber Garnichts!

Komplettes Set, kostet um 5 Euro.

Geberit 240.182.00.1

Austausch

Falls man den Dichtungskolben tauschen will: von unten herausdrücken. Den Neuen aus obigem Set später wieder fest reindrücken! Falls man nur die Dichtung tauschen will: mit einem Trick geht sie leichter raus. Hier die Dichtung herausgelöst. Deutlich zu sehen ist der ringförmige Abdruck der Öffnung, er führt eben zur Undichtigkeit.

(Bild Jordan)

Diese Pinzette dient normalerweise zum Herauslösen von elektronischen Bauteilen.

(Bild Jordan)

die Dichtung (kann auch schwarz sein!) muss raus, und die klemmt fest im Kolben. Ich habe ein Loch mit der Bohrmaschine (Vorsicht, nicht zu tief) reingebohrt und mit einem Schraubenzieher rausgehebelt. Diese Methode ist etwas rustikal, es geht auch mit einem kleinem Schraubenzieher. Die neue Dichtung einsetzen dauert zwei Sekunden.

Herr Jordan aus Kiel schreibt:

Ich wollte zunächst den Stempel mit dem Dichtungsgummi aus dem Ventil herausziehen, um dann bequemer hantieren zu können. Das Teil saß aber erstaunlich fest. Schließlich gelang es mir mit Verwendung einer zufällig vorhandenen Spezialpinzette, die eigentlich zum Herausgeben von integrierten Schaltungen mit DIL-Sockel gedacht ist. Sie ist vorn abgewinkelt, so dass sie beim Ziehen des zylindrischen Vorderteils nicht abrutschen kann (Bild). Damit klappte das Ziehen des Dichtungsstempels mit einiger Kraft auf Anhieb.

Das Dichtungsgummi habe ich vom Rand her mit Hilfe meines kleinsten Uhrmacher-Schraubendrehers herausgehebelt.Die Oberfläche war ringförmig eingedellt (Bild), was offensichtlich die Leckage hervorgerufen hatte.

Das wars , nun halt alles wieder rückwärts!

Aufpassen (Unterputzmodell):

Der Hebel muss in den Mechanismus für den Ablauf eingreifen:

mit dem Schraubenzieher etwas nachhelfen

Ein Ausblick: Wenn die Glockendichtung defekt ist muss man da rein:

(UP-Modell)

Beachte das graue Teil unter dem Eckventil. Die beiden Laschen müssen auseinander gezogen werden ...dann kann es kann herausgehoben werden und die Glocke ist frei.

Ein Hinweis dazu hat mich erreicht, ausprobiert hab ichs nicht: Im linken Bild ist unterhalb des Eckventils ein graues Kunststoffteil zu sehen. Wenn man dies an den beiden oberen Laschen etwas auseinanderzieht kann man das Teil aus dem Metallstift ziehen und herausnehmen. Es hält die Glocke fest, die man nun problemlos aus dem Kasten heben kann.

Jochen Kunisch, ein freundlicher Mitleser schreibt:

Zunächst habe ich das Ventilteil mit Schwimmer im Ganzen "herausgefummelt". Also zunächst die Kunststoffnase wegdrücken, dann aus der Kunststoffhalterung heben und dann eben "herausdrehen und -kanten".

Die Halterung unter dem Eckventil, wie beschrieben (durch auseinanderbiegen der Laschen) gelöst und auch herausgedreht. Der obere Teil des "Überlaufrohres" ist in durch einen Bajonettverschluss verbunden. Diesen lösen, so dass das Rohr in zwei Teile zerfällt. Jetzt lassen sich die beiden Teile bequemer herausholen. Die Dichtung selbst wird unten in einem Kunststoffring gehalten. Da sie ja elastisch ist, wird sie herausgezogen und durch die neue ersetzt.

Zum AP-Modell hier ein Bericht den mir Christian Schneider dankenswerterweise zur Verfügung gestellt hat:

Werkzeug:

18-er Gabelschlüssel

15-er Gabelschlüssel (zum Gegenhalten)

Den Hebel entfernen, dazu einfach die Brücke nach oben abziehen (blaue Pfeile ) Den Zulaufhahn abdrehen und den Spülkasten komplett leerlaufen lassen, danach die Verschraubung lösen (grüne Pfeile) und den kompletten Schwimmer mit Leitung nach oben aus der Führung ziehen Den oberen Teil der Heberglocke ausklipsen, dazu die ,,Laschen´´ nach oben ziehen

Die Dichtung ist elastisch und kann einfach rausgezogen werden (Silikon sei Dank ). Beim Einbau muss man allerdings beachten, dass der Schwimmer richtig
sitzt, sonst läuft das Wasser über.

Bei mir war der Fall, dass die Dichtung verkalkt war und nicht mehr richtig dichtete, wenn sie nicht gerissen ist reicht es sie zu reinigen und umgedreht einzubauen, dann schließt sie wieder.


Wenns euch was genützt hat schreibt mir mal:

za311< bei - keine mistmail- >lehrer.uni-karlsruhe.de

Valentin Willmann - Weinheim