Sport-Seiten des Oberschulamts Karlsruhe. Diese Seiten wurden 25. Juni 1997 veröffentlicht.

Auszug aus dem Sport-Info 2/96

Sport und Biologie - Oberstufe: Grundlagen der Immunbiologie

Einfluß von sportlicher Betätigung und gesunder Lebensweise auf das Immunsystem

Vorbemerkung

Im Schuljahr 91/92 unterrichtete ich jeweils einen Grundkurs 13 Biologie, sowie einen Grundkurs 13 Mädchensport. Die Mädchen des Biogrundkurses waren fast alle auch im Sportgrundkurs vertreten. Ein weiterer Teil der Biogrundkursschüler hatte Sport als Leistungskurs gewählt.

Dies bewog mich dazu, bei entsprechenden Themen in Biologie immer wieder Bezüge zum Sportunterricht herzustellen.

BIOLOGIE Im Biologieunterricht bot sich zur Lehrplaneinheit Grundlagen der Immunbiologie ein Exkurs mit dem Thema Einfluß von sportlicher Betätigung und gesunder Lebensweise auf das Immunsystem an. Es wurde zum einen von Lehrerseite zusätzliche Information und Literatur geboten, aber auch die Schüler selbst brachten Informationsmaterial und Erfahrungsberichte aus dem sportlichen Bereich in den Biologieunterricht ein.

Ziel war es herauszufinden, inwieweit sportliche Betätigung sich positiv auf das Immunsystem/körperliche Wohlbefinden aber auch auf die Psyche/subjektives Wohlbefinden auswirken, was letztendlich natürlich wieder dem Körper zugute kommt.

Als Ergebnis wurde festgestellt:

SPORT Im Sportunterricht wurde dann versucht, die Wirkung der in der Literatur bzw. aus Erfahrungsberichten stammenden Erkenntnisse an sich selbst zu testen.

Dabei wurden selbstverständlich keine wissenschaftlichen Experimente durchgeführt, sondern anhand des subjektiven Wohlbefindens indirekt auf eine positive Beeinflussung des Immunsystems geschlossen.

Im Bereich Ausdauersport führten wir über 6 Wochen systematisch Waldläufe (extensives Dauertraining) durch, die von einigen Schülern durch 1-2 private Waldläufe pro Woche ergänzt wurden. Das Ziel war hierbei, die allgemeine aerobe Ausdauer zu verbessern. Es wurde die Anweisung gegeben, daß jede Schülerin auf der festgelegten Umkehrstrecke im selbstgewählten Tempo nach 10 Minuten umkehren sollte, so daß nach 20 Minuten jeder wieder am Startpunkt war.

Leistungsstärkere Schülerinnen legten dabei natürlich eine längere Strecke zurück. Anfangs wurde der Dauerlauf bei vielen durch kurze Gehpausen unterbrochen, aber gegen Ende des Trainingsabschnittes war es für fast alle möglich, 20 Minuten am Stück zu laufen, und außerdem wurde die Laufstrecke bei den meisten stetig verlängert.

Wichtig war, daß das individuelle Lauftempo so gewählt wurde, daß keine Überanstrengung auftrat.

Schüler, die regelmäßig 2-3 Mal pro Woche trainierten, hatten erwartungsgemäß die besten Ergebnisse zu verzeichnen. Fast alle Teilnehmer bestätigten zum Abschluß, daß sich nach einer gewissen Zeit des Trainings während des Laufens und danach ein Gefühl des Wohlbefindens und der Entspannung einstellte.

Ein weiterer Praxisteil war die Durchführung verschiedener Entspannungsübungen nach körperlich anstrengenden Disziplinen oder am Stundenende.
Entspannung, so hatten wir im Biologieunterricht gelernt, erhöht die Zahl der Immunzellen und wirkt über das vegetative Nervensystem beruhigend und ausgleichend.
Es wurden allerdings nur solche Entspannungsmethoden angewendet, die organisatorisch machbar waren, den zeitlichen Rahmen von ca. 20 Minuten nicht sprengten und von der Lehrkraft auch vermittelt werden konnten.

  1. Übungen aus dem Bereich der Progressiven Muskelrelaxation, bei denen der Wechsel von An- und Entspannung der Schulung der Körperwahrnehmung und besonders der Wahrnehmung von Spannungszuständen dient.

So wird man allmählich in die Lage versetzt, künftigen Spannungszuständen entgegenzusteuern.
Allerdings gelingt dies erst nach einer längeren Zeit des Übens.

  1. Massage mit dem Noppenball/Tennisball

Paarweise wurde ein Noppenball bzw. ersatzweise ein Tennisball ausgegeben. Ein Partner lag entspannt in Bauchlage auf einer Matte, während der andere neben ihm kniend mit leichtem Druck und kreisenden Bewegungen besonders den Rücken- und Schulterbereich massierte.

  1. Phantastische Geschichten - Massage

Die Lehrkraft erzählte/beschrieb eine kurze altersgemäße Geschichte/Tätigkeit, wie z.B.

Dabei wurden die verschiedenen Tätigkeiten durch differenzierten Einsatz der Hände des Masseurs (Fingerspitzen, flache Hand, Fingerknöchel bzw. Klopfmassage, Streichmassage etc.) ausgedrückt, wobei der Partner wieder entspannt in Bauchlage auf einer Matte lag.

Autogenes Training mit Phantasiegeschichten

Während die Schüler entspannt mit geschlossenen Augen am Boden lagen, las die Lehrkraft altersgemäße Phantasiegeschichten vor (Literatur: Else Müller z.B. Wege in der Wintersonne; Du spürst unter Deinen Füßen das Gras; Träumen auf der Mondschaukel), in deren Handlungsverlauf Formeln und Übungen des Autogenen Trainings eingebunden sind (z.B. Ruhe-, Schwere- und Wärmeübungen, Atemberuhigung etc.). Dabei wirkte leise "Meditationsmusik" zusätzlich entspannend.

Ein abschließendes Gespräch mit den Schülern nach dieser mehrwöchigen "Entspannungseinheit" erbrachte folgende Erkenntnisse:

Man muß dazu in einen Extraraum - falls vorhanden - ausweichen.
An unserer Schule bot sich der Kraftraum an.

Das Fazit der gesamten Unterrichtseinheit

Die Schüler hatten nicht nur theoretisch sondern auch praktisch erfahren, daß die beste Voraussetzung einer erfolgreichen Krankheitsprophylaxe die Aktivierung der Selbstheilungskräfte ist.

Doris Hepperle, StR´in
Theodor-Heuss-Gymnasium Mühlacker


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