Sport-Seiten des Oberschulamts Karlsruhe. Diese Seiten wurden am 9. Januar 2003 veröffentlicht.
Auszug aus dem Sport-Info 2/2002 Heft 20

Sicheres Gerätturnen - eine immer neue Herausforderung

Unfallzahlen konstant bei 16 %
Wenn man die Unfallzahlen der letzten 10 Jahre miteinander vergleicht, so ist festzustellen, dass die Anzahl der Unfälle beim Gerätturnen im Schulsport mit einem Anteil von 16 % konstant geblieben ist. Die prozentuale Aufteilung der Unfälle beim Gerätturnen im Jahre 2000 stellt sich wie folgt dar:

 

Prozentuale Unfallhäufigkeit

Unabhängig von Schulart, Geschlecht und Altersgruppe lässt sich beim Gerätturnen feststellen, dass bei den Sprungübungen (bei der Stützphase, beim Absprung und bei der Landung) Unfälle am häufigsten auftreten.
Beim Barrenturnen und Turnen am Reck ereignen sich die meisten Unfälle während des Übens am Gerät. Beim Bodenturnen sind Kopf- und Nackenverletzungen bei den Rollbewegungen (Rolle vorwärts, Rolle rückwärts, Flugrolle) dominierend.
Beim Trampolinturnen kommen, neben den Fußverletzungen beim Absprung und bei der Landung, auffallend häufig Wirbelsäulenverletzungen vor.

Turngeräte und Gerätekombinationen für mehr Abenteuer im Unterricht
Turngeräte werden im Sportunterricht nicht mehr nur als Einzelgeräte verwendet wie beim klassischen Turnen. Der modern ausgerichtete Sportunterricht präsentiert sich ideenreich in der Wahl der Mittel und Methoden. Gerätekombinationen bestimmen das Bild in den Turnstunden. Beim Turnen in der Grundschule werden Abenteuer und Risiko bewusst geschaffen, um den Erfahrungs- und Erlebnisbereich der Schüler/innen zu erweitern und Erfolgserlebnisse bei der Bewältigung von Risikosituationen zu schaffen.
Dabei können sich aber auch Gefahren durch den unsachgemäßen Einsatz der Turngeräte in Gerätekombinationen ergeben. Diese werden von Lehrkräften häufig nicht erkannt oder unterschätzt. Ein unsachgemäßer, unüberlegter und nicht bestimmungsgemäßer Gebrauch und Einsatz der Sportgeräte in Geräteparcours kann sehr schnell dazu führen, dass Schüler/innen in gefährliche Situationen hineingeraten, auf deren Ausgang sie keinen Einfluss mehr haben. Ein unsachgemäßer Einsatz von Geräten ist häufig Ursache dafür, dass Geräte schneller verschleißen oder beschädigt werden (Bruch der Barrenholme, Beschädigung der Arretierungseinrichtung, Beschädigung der Matten). Der Abenteuersport ist nur dann vertretbar, wenn das Unterrichtsgeschehen für die Schüler/innen mit kalkulierbaren Risiken verbunden bleibt und die Schüler/innen Spielraum haben und Möglichkeiten sehen, risikoreiche Situationen auch mit unterschiedlichen Strategien zu bewältigen.

Worauf ist bei der alternativen Nutzung von Turngeräte zu achten?

  • Der Geräteaufbau muss sorgfältig durchdacht sein und ist als wesentlicher Bestandteil der Unterrichtsvorbereitung nicht zu vernachlässigen.
  • In Gerätekombinationen dürfen Turngeräte nur dann, und nur so eingebaut werden, dass diese sich nicht von selbst lösen oder verrutschen können. Quetsch- und Scherstellen dürfen durch das Arrangieren von Geräten nicht geschaffen werden.
  • Die Geräte müssen sicherheitstechnischen Anforderungen entsprechen. Defekte Geräte dürfen in Geräteparcours nicht eingebaut werden.
  • Beim Auf- und Abbau von Bewegungslandschaften dürfen Grundschüler nicht überfordert werden (z.B. beim Anheben von Bänken, Transport von schweren Weichbodenmatten u.a.). Der Geräteaufbau ist entsprechend zu organisieren (Aufbau in Gruppen oder durch Mithilfe älterer Schüler).
  • Bei Geräteparcours müssen an den erforderlichen Stellen genügend Matten ausgelegt werden. Geeignete Matten in ausreichender Zahl müssen zur Sicherung von Absprungstellen und Fallbereichen vorgehalten werden.
  • Befestigungselemente wie Taue oder Seile um Geräte miteinander zu verbinden müssen entsprechend bemessen, tragfähig und stabil sein. Werden Geräte durch Seile und durch Knoten miteinander verbunden, sind Kenntnisse über das Binden von Knoten und deren Zwecktauglichkeit erforderlich.
  • Häufig bauen mehrere Schülergruppen die Geräteparcours gleichzeitig auf. Eine permanente Beaufsichtigung der Gruppen und ein direktes Eingreifen der Lehrkraft bei Störungen und Fehlverhalten der Schüler ist daher kaum möglich. Aus diesem Grunde müssen alle Schüler vorher sorgfältig in ihre Aufgaben beim Aufbau der Geräte eingewiesen worden sein, mit den Transportvorrichtungen der Geräte vertraut sein, sowie Verletzungsgefahren, die durch unsachgemäße Handhabung entstehen können, kennen.
  • Der Schwierigkeitsgrad der Übungen muss dem Könnensstand der Schüler/innen angepasst sein. Schülerinnen dürfen im Verlauf des Übungsbetriebes nicht plötzlich Risiken, die sie nicht bewältigen können, ausgesetzt werden.
  • Während des Geräteaufbaus darf an Geräten im Geräteraum oder in der Halle nicht geturnt werden.
    Geräte müssen stabil und kippsicher stehen (z.B. Kästen).
  • Grundsätzlich sind Großgeräte wie Langbänke oder Weichbodenmatten in schwingenden Gerätearrangements zu vermeiden. Die dabei auftretenden Gewichte und Schwungmassen können zu einer Überlastung der Aufhängung und zum Abriss und Absturz der Geräte führen.
  • Bei den Gerätearrangements dürfen sich Schwung- und Laufwege nicht überschneiden. Schüler/innen dürfen sich beim Üben an den Geräten gegenseitig nicht gefährden.
  • Geräte dürfen durch den Einsatz in Geräteparcours nicht beschädigt werden (z.B. Matten Verstelleinrichtung der Ringe, Barrenholmen).

Folgende Abbildungen, diese sind der Broschüre "Alternative Nutzung von Sportgeräten", GUVV 57.1.47 entnommen, zeigen sowohl Positiv- als auch Negativbeispiele.

        Negativbeispiele:

  • ungesicherte Fallbereiche

  • Fallschutz fehlt

  • Gefährdung der Mitschüler/innen

  • Beschädigung der Weichbodenmatte

  • Überlastung der Aufhängung durch zu viel Gewicht
    in Kombination mit Auslenk- und Schwungbewegungen

Gefahren durch schwingende Großgeräte:

  • Die Aufhängevorrichtung kann abreißen oder aus der Verankerung ausbrechen.

  • Im Schwungbereich können Schüler/innen von der schwingenden Bank getroffen werden.

       Positivbeispiele

Gesicherte Fallbereiche, keine Überlastung der Geräteaufhängung oder Verankerung

Weitere Beispiele und Anregungen für mehr Sicherheit in den auf Abenteuer ausgerichteten Turnstunden sind folgenden Schriften zu entnehmen. Diese sind beim Badischen Gemeindeunfallversicherungsverband kostenlos erhältlich:

"Turnen" GUV 57.1.14
"Matten im Sportunterricht" GUV 57.1.28
"Alternative Nutzung von Sportgeräten" GUV 57.1.47
"Checklisten zur Sicherheit im Schulsport" GUV 57.1.39

Heidi Palatinusch, Päd. Mitarbeiterin der Abt. Prävention des Bad. GUVV Waldhornplatz 1 
76131 Karlsruhe Tel. 0721 / 6098  297

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