Sport-Seiten des Oberschulamts Karlsruhe. Diese Seiten wurden am 7. Dezember 2003 veröffentlicht.

Auszug aus dem Sport-Info 2/2003

Berechtigungsschein Schneesportunterricht
von HERMANN KURZ (LIS)

Zur Neukonzeption der Richtlinien für den Erwerb eines Berechtigungsscheines zur Durchführung von Schneesportunterricht (Alpiner Skilauf und Snowboardfahren) im Rahmen von Schneesporttagen und Schneesportschullandheimaufenthalten.

Für die Durchführung von Skiunterricht im Rahmen von Skischultagen und Winterschullandheimaufenthalten gelten seit vielen Jahren ministerielle Regelungen (siehe Erlass des Kultusministeriums vom 20. April 1976 [Fortsetzung ....] UA I 5035/372 und der Verwaltungsvorschrift vom 1. Januar 2001 [K.u.U. 2000, S. 344]). Durch den Erwerb eines Berechtigungsscheins weisen die Bewerberinnen und Bewerber nach, dass sie über didaktisches Grundwissen verfügen und befähigt sind, den besonderen Aufgaben und Gefahren von Veranstaltungen auf einer Piste gerecht zu werden und damit den erhöhten Sorgfaltsanforderungen an die Betreuer/innen solcher Maßnahmen genügen.

Inzwischen haben sich die für "Skischultage" und Winterschullandheimaufenthalte relevanten sport-motorischen Inhalte des Wintersports entscheidend verändert bzw. erweitert. Während im Verständnis der oben genannten Verwaltungsvorschrift Sport im Winterschullandheim ausschließlich mit dem alpinen Skilauf gleichgesetzt wird, hat sich in der (schul)sportlichen Realität das Snowboardfahren auf den alpinen Pisten fest etabliert und auch der Skilanglauf hat durch die Freien Techniken (Skating) erheblich an Attraktivität dazu gewonnen. Insofern scheint es sinnvoll, im vorliegenden Kontext die Begriffe "Schneesportunterricht" und "Schneesporttag" bzw. "Schneesportschullandheim" zu nutzen und konsequenter Weise von einem Berechtigungsschein zur Durchführung von Schneesportunterricht im Rahmen von Schneesporttagen und Schneesportschullandheimaufenthalten zu sprechen. Diese Terminologie hat in der aktuellen sportspezifischen Literatur Eingang gefunden und wird auch in der Broschüre des LIS zum Sportschullandheim so verwendet. 

Da nach Auskunft der Lehrer heute ein erheblicher Teil der Schülerinnen und Schüler bei schulischen Schneesportveranstaltungen Snowboardfahren möchte und der alpine Skilauf und das Snowboardfahren unter den gleichen Umgebungsbedingungen (Abfahrtspiste) stattfinden und somit die gleichen Sorgfaltsanforderungen an die Betreuer/innen gestellt werden müssen, erschien es in der nahen Vergangenheit zwingend notwendig, die Fortbildungsmaßnahmen den neuen Bedürfnissen anzupassen und die Verwaltungsvorschrift zu aktualisieren. Das LIS hat deshalb im Jahr 2000 eine Arbeitsgruppe etabliert, mit dem Ziel eine Neukonzeption zu erarbeiten. Diese ist mit der Verwaltungsvorschrift vom 01.01.2003 in Kraft getreten. Das aus einem Basislehrgang und einem Abschlusslehrgang bestehende neue Ausbildungskonzept wird seit zwei Jahren bei den betreffenden Fortbildungen des LIS mit äußerst positiver Resonanz aus den Reihen der Lehrerschaft realisiert und soll im folgenden kurz dargestellt werden.

In einem dreitägigen Basislehrgang lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ausgewählte Aspekte aus den drei Bereichen der Schneesportarten, dem Alpinen Skilauf, dem Snowboardfahren und dem Skilanglauf kennen. Die Sportarten weisen Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Struktur der Bewegungsaufgaben und deren Lösungen auf, beziehen aber aus einem Phänomen, dem Gleiten auf Schnee, eine gemeinsame Faszination. Die Kontrolle von Gleichgewicht, Geschwindigkeit und Richtung beim Gleiten auf den Gleitgeräten Laufski, Alpinski oder Snowboard ist dann möglich, wenn die Grundfunktionen Drehen, Kanten sowie Be-/Entlasten gelingen. Um diese Grundfunktionen zu bewerkstelligen sind wiederum verschiedene Aktionen mit ihren zulässigen Bewegungsspielräumen zu realisieren. Ziel des Basislehrgangs ist es, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu vermitteln, wie das Gleiten auf den unterschiedlichen Gleitgeräten der Schnee-sportarten funktioniert und wie über vielfältige Bewegungserfahrungen die notwendigen koordinativen Fähigkeiten und Fertigkeiten zum Skifahren, Langlaufen und Snowboardfahren erworben und nach welchen methodischen Prinzipien sie gelehrt werden können. Die praktischen Inhalte werden in der Theorie durch die Themenbereiche "Organisatorische und rechtliche Fragestellungen" und "Schneesport und Umwelt" ergänzt.

Ziel des ebenfalls dreitägigen Abschlusslehrgangs ist es, entweder im Snowboardfahren oder im Alpinen Skilauf die Eigenrealisation der Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf ein Niveau zu bringen, das notwendig ist, um Schüler/innen auf einer Skipiste beaufsichtigen und unterrichten zu können. Die theoretischen Inhalte beziehen sich auf ausgewählte Themen der Methodik und Bewegungslehre der Schneesportarten. Ihre motorischen Kompetenzen (sicheres Fortbewegen auf Ski oder Board in allen schülerrelevanten Umgebungsbedingungen, Demonstrationsfähigkeit lernrelevanter Techniken) weisen die Teilnehmer/innen durch angepasstes Fahren in schüler-relevantem Gelände nach. Im Rahmen von Kurzlehrproben können die Probandinnen und Probanden grundlegende Kenntnisse in den Bereichen Bewegungswissen, Organisation und Methodik zur Anwendung bringen.

Nach erfolgreicher Teilnahme wird vom Landesinstitut für Schulsport Baden-Württemberg in Ludwigsburg (LIS) ein Berechtigungsschein ausgestellt. Eine Berechtigung wird auch erworben durch den Nachweis erfolgreich abgeschlossener Ausbildungsveranstaltungen im Rahmen der Sportlehrerausbildung oder erfolgreich abgeschlossener Ausbildungsveranstaltungen im Rahmen der Lizenzausbildung von Sportfachverbänden, die den oben beschriebenen Fortbildungsmaßnahmen inhaltlich entsprechen und zu einem gleichwertigen Qualifikationsniveau geführt haben. Ein entsprechender Antrag ist an das Landesinstitut für Schulsport Baden-Württemberg (LIS) zu richten.

Berechtigungsscheine, die aufgrund des Erlasses des Kultusministeriums vom 20. April 1976 (Fortsetzung ....) UA I 5035/372 und der Verwaltungsvorschrift vom 1. Januar 2001 (K.u.U. 2000, S. 344) ausgestellt wurden, gelten weiter. Den Inhaberinnen und Inhabern wird jedoch empfohlen, eine Fortbildung zur Aktualisierung ihrer Kenntnisse zu besuchen. Das LIS bietet dafür die Veranstaltung "Schneesport und Umwelt" an, welche in ihrem sportpraktischen Teil die motorischen Inhalte des Basislehrgangs vermittelt.



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