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Sport-Seiten des Oberschulamts Karlsruhe. Diese Seiten wurden am 7. Dezember 2003 veröffentlicht. Auszug aus dem Sport-Info 2/2003 Bildungsstandards im Fach Sport (Gymnasium) I ALLGEMEINE INFORMATIONEN ZU DEN BILDUNGSSTANDARDS Der neue Bildungsplan für Gymnasien ab Schuljahr 2004/05 orientiert sich nicht mehr länger an Lehrplänen, sondern zeigt nunmehr Bildungsstandards auf, die Kompetenzen und Kenntnisse der Schülerinnen und Schüler für bestimmte Abschnitte ihrer gymnasialen Schullaufbahn beschreiben. Die Bildungsstandards beschreiben vier Arten von Kompetenzen, über die die Schülerinnen und Schüler verfügen müssen: fachliche, methodische, soziale und personale Kompetenzen. Bildungsstandards greifen also allgemeine Bildungsziele auf und legen fest, was Schüler zu einem bestimmten Zeitpunkt (am Ende der 6. Klasse, der 8. Klasse und der 10. Klasse) können sollen. Bildungsstandards beschreiben das Gesamtergebnis von Unterricht. Sie sind ergebnisbezogen und weisen eine Output-Steuerung auf. Die Bildungsstandards Baden-Württembergs zielen auf ein mittleres schularttypisches Erwartungsniveau. Sie werden somit als Regelstandards verstanden. Die Erarbeitung der Bildungsstandards soll lediglich zwei Drittel des zur Verfügung stehenden Jahresunterrichts (also ca. 24 von durchschnittlich 36 Wochen) in Anspruch nehmen (= Kerncurriculum). Über das Kerncurriculum werden somit die verpflichtend zu erarbeitenden Kompetenzen angestrebt. Die restlichen 12 Wochen können für das Schulcurriculum verwendet werden, um entweder a) das Kerncurriculum zu erweitern und zu vertiefen oder um b) das Profil einer Schule zu schärfen. Vergleichsarbeiten (auch Jahrgangsarbeiten genannt) stellen fest, ob die Bildungsstandards für die entsprechenden Bildungsabschnitte (Ende der Klassen 6, 8 und 10) erreicht wurden. Sowohl das Kern- als auch das Schulcurriculum sind inhaltsleer. Es sind lediglich mehr oder weniger ausformulierte Zielvorgaben bekannt. Wie diese erreicht werden, kann und muss von jeder Fachschaft erarbeitet werden. Dies stellt für jede Fachschaft eine Herausforderung und eine Chance dar, denn durch die Vorgabe von Zielen und nicht von Inhalten, haben die Schulen jetzt die Möglichkeit, über selbst gewählte Inhalte regionale Schwerpunkte in ihrer Sportartenwahl zu setzen und auch sinnvolle Trendsportarten in den Kanon ihrer Schulsportarten aufzunehmen. II BILDUNGSSTANDARDS IM FACH SPORT AN GYMNASIEN Die Bildungsstandards im Sport
definieren sich über die beiden Maxime "Erziehung zum Sport"
und "Erziehung durch Sport". Sportunterricht war und ist schon
immer mehr als die reine Vermittlung von Sportarten! Neben der Vermittlung
von grundlegenden Fähigkeiten und motorischen Fertigkeiten erhält die
altersgemäße Förderung von Gesundheitsbewusstsein und Fitness eine
prominente Rolle. Kenntnisse und Einstellungen führen folglich zu einem
freudvollen und bewussteren Sporttreiben wie auch zu individuellen
Leistungsfortschritten. Dazu gehören der Wille zur Leistung und
Anstrengungsbereitschaft. Über die in den Leitgedanken formulierten
Handlungsfelder erwerben die Schülerinnen und Schüler personale und
soziale Kompetenzen wie Kooperation, Fairness, Konfliktfähigkeit,
Risikobereitschaft und Verantwortung. Sie reagieren auf soziale
Ausgrenzungen und wenden sich dagegen. Im Mittelpunkt aller Klassenstufen steht die Verbesserung der konditionellen Fähigkeiten, insbesondere die der Ausdauer und der Kraft als Grundlage der allgemeinen Fitness und Gesundheit sowie die regelmäßige Förderung der koordinativen Fähigkeiten. Durch den Erwerb von Kenntnissen über die biologischen Zusammenhänge des Sporttreibens wie auch Einsichten in die Möglichkeiten und Risiken des sportlichen Tuns, sollen die Schüler lernen, verantwortungsbewusst Sport zu treiben. Die Vermittlung theoretischer Kenntnisse - stets altersgerecht aufbereitet - soll grundsätzlich in enger Praxis-Theorie-Verknüpfung stattfinden ! In den Klassen 5 und 6 wird das beste
motorische Lernalter genutzt und eine breite, allgemeine motorische
Grundlage geschaffen. Die Schwerpunkte liegen hier eindeutig auf der
Schulung und Verbesserung der koordinativen Fähigkeiten sowie auf der
Ausbildung sportmotorischer und sportartspezifischer Grundlagen!
Entdeckendes Lernen und eigene Lernerfahrungen sind tragende Bestandteile
des Sportunterrichts. Über dieses Konzept soll Sport eine
feste Größe im Leben eines jungen Menschen werden und ihn damit hoffentlich zu lebenslangem
reflektiertem Sporttreiben motivieren. III ORGANISATORISCHE HINWEISE A) KONTINGENTSTUNDENTAFEL : SPORT Auch im Sport werden über die
Bildungsstandards Kompetenzen unterschiedlichster Art entwickelt. Dies
geschieht über eine Grundversorgung von 16 Stunden, die über die Klassen
5 bis 10 nach Belieben von der Schule/ Fachschaft verteilt werden können.
Bei allen möglichen Modellen muss die
Gesamtstundenwochenzahl jeder Klassenstufe beachtet werden, denn jedes
Fach wird eine Zuordnung seiner Stunden zu den einzelnen Jahrgangsstufen
vornehmen. Dies erfordert Absprachen. B) STRUKTUR DER BILDUNGSSTANDARDS SPORT Die Bildungsstandards im Fach Sport sind in folgende Bereiche gegliedert : 1. Leitgedanken zum Kompetenzerwerb mit stufenspezifischen Hinweisen ¦ Altersgemäßheit Die Leitgedanken haben eine zentrale
Bedeutung für die Bildungsstandards im Sport. Sie ziehen sich wie ein
roter Faden durch die "Kompetenzen und Inhalte" und können
damit durchaus als 2. Kompetenzen und Inhalte 3. Niveaukonkretisierungen * C) VERGLEICHSARBEITEN IN SPORT * Für die künstlerischen Fächer wie auch für das Fach Sport wird es selbstverständlich einen adäquaten Ersatz für Vergleichsarbeiten geben. Im Sport wären dies u.U. motorische Tests, Spielsituationen, Geräteparcours, Bewegungsaufgaben usw. Es soll festgestellt werden, inwieweit bestimmte Bildungsstandards erreicht wurden. D) PERSPEKTIVEN Voraussetzung für die Implementierung
der Standards ist die Akzeptanz in den Schulen, den Kollegien und
natürlich vor allem in den einzelnen Fachschaften. Wir sollten erkennen,
dass Standards keine Einengung sind, sondern einen Freiraum für
pädagogisches Arbeiten bedeuten. Die gewollt offene und abstrakte
Formulierung der Bildungsstandards in Bezug auf Kompetenzen stellt die
Chance dar, eigene Erfahrungswerte sowie situativ und personal relevante
Entscheidungen zu berücksichtigen. In keinem anderen Fach können wir
diese Offenheit und Freiheiten bezüglich der Inhalte so gut gebrauchen
wie im Sport! Wir sollten umdenken - noch denken wir zu stark "in
Inhalten". Stattdessen sollten wir mehr denn je das Ziel vor Augen
haben und dann versuchen, so viele Schüler wie möglich über
verschiedenste Wege und unterschiedlichste Inhalte auf ein befriedigendes
Niveau zu bringen. Selbstverständlich schließt das höhere
Leistungsebenen nicht aus! Für den Sportunterricht stellt dies nicht
unbedingt eine völlige Innovation dar; Differenzierung war schon immer
unser wichtigstes Handwerkszeug! E) VORGEHENSWEISE Ab Frühjahr 2004 sollten die Inhalte der Bildungsstandards für die Klassenstufen 5 und 6 von den einzelnen Fachschaften in Angriff genommen werden. Diese greifen nämlich ab dem kommenden Schuljahr. Bewähren wird sich sicherlich eine Art "Vorarbeit" in Spezialistengruppen, d.h. die Kompetenzen und Inhalte für Grundformen der Bewegung, Spielen-Spiel sowie Fitness und Gesundheit sollten inhaltlich vorbereitet werden, um anschließend der Fachschaft vorgestellt und danach verabschiedet zu werden. Ich sehe in dieser Vorgehensweise den Vorteil, dass sich die Sportfachschaft zum einen viel eher mit den dann selbst gewählten Inhalten identifiziert (da sie realistisch und hoffentlich praktikabel sind) und zum anderen über diese Inhalte indirekt eine hausinterne Sportarten-Fortbildung stattfindet! Darüber hinaus können diese Inhalte jederzeit aktualisiert und modifiziert werden, solange sie das Ziel, die Bildungsstandards für bestimmte Klassenstufen, nicht aus den Augen verlieren. Mit einer positiven Einstellung, gutem
Willen, hoher Anstrengungsbereitschaft und einer gehörigen Portion
Sportsgeist müssten wir Sportlehrer doch auch bei dieser weiteren
Bildungsreform ins Ziel gelangen - und das mit Bestzeit! |