Sport-Seiten des Regierungspräsidiums Karlsruhe. Diese Seiten wurden am 11. August 2005 veröffentlicht.

Auszug aus dem Sport-Info Heft 25 1/2005.

GFS IN KLASSE 12/13 SPORT

Erster Erfahrungsbericht vom Gymnasium Karlsbad nach zwei Jahren: Sehr zu empfehlen!

Häufigkeit der Wahl einer GFS im Fach Sport

Im Neigungsfach wählen fast alle Schüler das Fach Sport für eine GFS; im Pflichtfach eher wenige.

Themenvergabe

Grundsätzlich können sowohl der Schüler/ die Schülerin als auch der Lehrer/ die Lehrerin Themen vorschlagen. Es tritt aber viel häufiger der Fall ein, dass Schüler beim Lehrer zwar die Bereitschaft für eine GFS signalisieren, aber Themenvorschläge vom Lehrer erhoffen. Dies ist aus Lehrersicht sowieso wünschenswerter, da der Lehrer auf diese Weise die zeitliche und inhaltliche Positionierung in seinem Lehrstoffverteilungsplan besser steuern kann. Auf jeden Fall zu vermeiden ist eine zeitliche Häufung von GFS, die zu einem „Abarbeiten“ zwingen würde und das praktische Sporttreiben, was immer an erster Stelle stehen muss, störend unterbrechen würde. Wenn ein Schüler selbst ein GFS-Thema vorschlägt, sollte ein Bezug zum Unterricht gewährleistet sein. Das kann geschehen durch Bezug zur Theorie laut Lehrplan oder durch Bezug zur Praxis.

Positives Beispiel Theoriebezug:

  • Laktatbestimmungsarten und Conconi-Test

Positives Beispiel Praxisbezug:

  • Vorstellung einer neuen Sportart mit Praxisteil

Negatives Beispiel:

  • Meine Lieblingssportart (ohne Praxisteil)

Zu vermeiden sind Themen ohne jeden Bezug zum Unterrichtsgeschehen, für die man auch noch die Sporthalle verlassen müsste, um sich in ein Klassenzimmer zu begeben. Es muss auch gewährleistet sein, dass die ausgegebenen Unterlagen (Tischvorlage) in einem Ordner „Sport-Theorie“ landen.

Themen:

Vorschläge, die Kollegen auf weitere Ideen bringen könnten
Thema Methode
Geschichte des Weitsprungs Präsentation
Ausdauertraining Vorbereitung auf den Cooper-Test Theorie: Präsentation Praxis: Lehrtätigkeit Trainingseinheiten
Handstütz-Überschlag Theorie: Präsentation Powerpoint Praxis: Lehrtätigkeit in 3 Stundenabschnitten
Koordinative Fähigkeiten im Fußball Theorie: Präsentation Praxis: Lehrtätigkeit in 3 Stundenabschnitten
Bauch-Beine-Po Versprechen und Wirklichkeit Theorie: Präsentation Praxis: Lehrtätigkeit in 3 Stundenabschnitten
Snowboarden Physikalische Aspekte der Schwungeinleitung und -steuerung Theorie: Präsentation Praxis: Lehrtätigkeit in Teilgruppe (im Kompaktkurs)
Snowboarden Koordinative Fähigkeiten Theorie: Präsentation Praxis: Lehrtätigkeit in Teilgruppe (Im Kompaktkurs)
Laktatbestimmungsarten und Conconi-Test Präsentation
Leichtathletik Weitsprung: Lehrweg Theorie: Präsentation Praxis: Lehrtätigkeit in Stundenabschnitten
Volleyball Training von Schnelligkeit und Reaktionsschnelligkeit Theorie: Präsentation Praxis: Lehrtätigkeit in Stundenabschnitten
Dehnen und Stretching Theorie: Präsentation Praxis: Lehrtätigkeit in Stundenabschnitten
Gerätturnen Strukturgruppen von turnerischen Bewegungen Theorie: Präsentation mit praktischer Demonstration
Gerätturnen Biomechanische Fachbegriffe im Zusammenhang mit Rotation am Beispiel von Handstütz-Überschlag vw Theorie: Präsentation
Leichtathletik Sprungkrafttraining Theorie: Präsentation Praxis: Lehrtätigkeit in Stundenabschnitten
Gymnastik/ Tanz
Aerobic-Fitnesstraining in der Schule
Unterrichtsziele, Stundenstruktur, Wirkungen, Intensitätssteuerung
Theorie: Präsentation
Praxis: Erarbeitung einer Choreografie
Sport und Ernährung Präsentation
Doping Präsentation
Gerätetraining im Fitness-Studio Präsentation

Diese Übersicht soll Ihnen Ideen geben für Ihre eigene Arbeit in den Kursen. Mein Anliegen ist die Empfehlung, in der Theorie einen allgemeinen und einen konkreteren, Sportart bezogenen Anteil auszuweisen und dann den Vortrag nach Möglichkeit mit einem Praxisanteil zu verknüpfen.

 

Praxisbezug

Der Praxisbezug ist nach meinen Erfahrungen der größte Pluspunkt der GFS für den Sport. Der/die Referent/innen können sich dort einbringen, wo sie seit Jahren in ihrer Freizeit Kompetenz erworben haben, und die Kursteilnehmer/innen folgen mit sichtlicher Freude einem von einem Mitschüler gestalteten Unterricht. Selbstverständlich darf man hier nicht die gleichen Maßstäbe anlegen wie gegenüber Referendaren (siehe hierzu die Ausführungen von Frau Fischer-Blüm). Auch sollten nicht ganze Stunden oder gar Doppelstunden den Schüler/innen überlassen werden. Bewährt hat sich die Vergabe von Stundenteilen wie

  • sportartspezifisches Aufwärmen
  • Ausrichtung eines Stationen-Betriebes
  • z. B. für Balltechniken, Koordination
  • Übernahme einer Teilgruppe (immer unter Aufsicht) usw.
    auch die Organisation des Spielbetriebs und von Turnieren wäre denkbar.

Erwartungen an den Umfang und das Vorgehen

Zeitliche Vorgaben: Die Dauer einer reinen theoretischen GFS (Referat/ Präsentation) sollte sich an die Vereinbarungen innerhalb der eigenen Schule halten (z.B. 20 Minuten) Wenn die GFS einen Praxis-Anteil beinhaltet, dürfte die Zeitdauer des Vortrags/der Präsentation eigentlich etwas kürzer sein; dies stellt aber nicht wirklich ein Problem dar, weil die meisten Schüler es nicht als zusätzliche Belastung betrachten, einen Praxisteil zu übernehmen. Sie freuen sich im Gegenteil eher darauf zu zeigen, was sie in ihrer Sportart können. An jeden Vortrag sollte sich ein Kolloquium anschließen. Es empfiehlt sich, die Zuhörerschaft darauf hinzuweisen, dass Fragen erwartet werden. Dafür ist es wiederum unbedingt nötig, Schreibzeug dabei zu haben, um sich Notizen zu machen (siehe oben). Nötig zu erwähnen ist diese Selbstverständlichkeit, wenn der Vortrag in der Halle oder draußen stattfindet.
Zeitlicher Umfang des Praxisteils: Bewährt hat sich die Vergabe von 1-3 x Anteilen von Unterrichtsstunden im Umfang von z. B. je 10-20 Minuten. Es sollten keine ganzen Unterrichtsstunden oder gar Doppelstunden vergeben werden. Ausnahmen könnten bei ausgebildeten Mentor/innen oder Übungsleiter/innen oder anderweitig sehr hoch qualifizierten Sportler/innen gemacht werden.

Vorbesprechung

Eine Woche vor dem GFS-Termin sollte eine Vorbesprechung vereinbart werden, bei der der Lehrer sich alle Unterlagen vorzeigen lässt. Dazu gehören, je nach schulinterner Vereinbarung, die Angabe der verwendeten Literatur bzw. der Inter-net-Adressen2, die Vorlage der verwendeten Bilder o.Ä. und die Einreichung einer Tischvorlage. Die Einhaltung dieses Termin und die Qualität der eingereichten Unterlagen fließt in die Bewertung mit ein.

Bewertung

Es kursieren unter den Kollegen im nunmehr dritten Jahr GFS in Baden-Württemberg sehr viele, z.T. bis ins kleinste Detail ausgearbeitete Bewertungsschemata.

Ich möchte im Nachfolgenden unterscheiden zwischen Wichtigem, was unabdingbar, da vorgeschrieben ist, und Möglichem.

Wichtig: Die Transparenz in Bezug auf

  • Gewichtung der einzelnen Teile

  • Bewertungskriterien

  • Zeitliche Vorgaben

Der Lehrer/ die Lehrerin muss die Gewichtung der einzelnen Teile bekannt geben, und dazu sollte ein Fachkonferenzbeschluss vorliegen.

Folgende Arten von GFS und deren Bewertung sind denkbar:

GFS als reines Referat/ GFS als Referat/ GFS als reine Lehrtätigkeit
Präsentation ohne Lehrtätigkeit Präsentation mit Lehrtätigkeit ohne Referat
Gewichtung Gewichtung Gewichtung
Planung 1 Teil Planung 1 Teil Planung 1 Teil
Vorbesprechung Vorbesprechung Vorbesprechung
Konzept, Quellen Konzept, Quellen Konzept, Quellen
Inhalt 2 Teile Inhalt 2 Teile
Präsentation Vortragstechnik 1 Teil Lehrtätigkeit mit kurzer anschl. Besprechung 2 Teile Präsentation Visualisierung 1 Teil
Kolloquium 1 Teil Präsentation 1 Teil Lehrtätigkeit 4 Teile
Vortragstechnik mit kurzer anschl. Besprechung
Summe 5/5 6/6 6/6

Möglich: Ausgearbeitete Bewertungsbögen für den Lehrer. Ich habe den Eindruck, dass im Augenblick bei der Lehrerschaft die Bandbreite von extremer Beachtung des Neuen, sprich der Präsentation, bis zu zögerlicher Annäherung reicht. Als Geisteswissenschaftlerin bin ich gewohnt, seit jeher zwischen Form und Inhalt zu unterscheiden. Noch nie konnte eine noch so blendende Form einen fehlenden Inhalt ausgleichen. Ich habe ein Beispiel eines Bewertungsbogens für die Hand des Sportlehrers beigefügt (siehe Anlage). Jeder Kollege, jede Kollegin ist eingeladen, sich mit dessen Hilfe ein eigenes Bewertungsschema zu erstellen und auszudrucken.

Tipps

1. Plagiate

Bald wird sich, wenn schon viele GFS-Themen vergeben und GFS gehalten worden sind, im Netz ein „grauer Markt“ entwickeln, analog den fertig ausgearbeiteten Präsentationen in den traditionellen Unterrichtsfächern auf den entsprechenden Webseiten. Es empfiehlt sich, die vom Schüler angegebenen Quellen, hauptsächlich die Internet-Adressen, zum späteren Vergleich zu archivieren und den Text auf Plagiate hin zu überprüfen (z. B. mit www.plagiarism-finder.de). Der beste Garant für ehrliche Leistung ist allemal eine Themenstellung, die neben einem allgemeinen theoretischen Einführungsteil immer auch einen konkreten aktuellen Praxisbezug aufweist.

Positives Beispiel: Biomechanische Aspekte des Handstütz-Überschlags am Boden (darin enthalten die Auswertung eines digitalen Fotos mit Eigenrealisation der Referentin) mit einem Praxisteil: Erarbeitung des Handstütz-Überschlages.

2. Theorie-Note

Es empfiehlt sich, die zuhörenden Schüler/innen darauf hinzuweisen, Schreibunterlage und Schreibzeug mitzubringen, um sich Notizen zu machen, weil der Inhalt der GFS in die Theorienote einfließt. Der Lehrer kann dann in der folgenden Stunde, z. B. während des laufenden Übungs- oder Spielbetriebes, die Schüler einzeln nacheinander zu sich bitten und kurz das Wissen überprüfen; auf diese Weise kann man ohne großen Zeitaufwand zusätzlich zu einer Note für den Referenten auch eine mündliche Benotung der Kursteilnehmer/innen „mitnehmen“.

3. GFS und schriftliches Abitur

Wenn ein/e Abiturient/in im schriftlichen Abitur Sportwissen aus der Arbeit an der GFS in die Beantwortung der schriftlichen Fragen mit einbringen will, empfiehlt es sich, den Autor bzw. die Quelle dazu anzugeben. Da der Erwartungshorizont sich mit gutem Recht ausschließlich an Blum/Fried-mann bzw. Göhner orientiert, sollte eine über diesen Erwartungshorizont hinausgehende oder von diesem abweichende Antwort die Quellen angeben, um als zutreffend gewürdigt werden zu können.

4. GFS überall und jederzeit Nutzen Sie alle Orte und Zeiten, an denen Sie mit Ihrem Kurs Sport treiben, für eine GFS: Die Turn- oder die Schwimmhalle, das Leichtathletik-Stadion, die Kletterhalle, den Kompaktkurs, die Studienfahrt, Projekttage usw. Es ist Aufgabe der Referent/innen, ihre Methode der Präsentation den örtlichen Gegebenheiten anzupassen und Aufgabe des Lehrers, darauf Rücksicht zu nehmen. Ein Vortrag vor unbekanntem Publikum, bei dem sich außer dem eigenen Kurs und dem eigenen Lehrer auch noch die sonstige (selbstverständlich per Vorankündigung eingeladene) interessierte Hausgemeinschaft oder Öffentlichkeit einfindet, wertet die Bedeutung der GFS und des Referenten mächtig auf.

Gabi Kleber, Fachberaterin Sport am RPK Gymnasium Karlsbad

 

BEWERTUNG EINER GFS IM FACH SPORT

NAME: __________________________ THEMA: _________________________________________________________________

PLANUNG / KONZEPT / VORBESPRECHUNG

KRITERIEN Positive Beispiele 1 2 3 4 5 6 Negative Beispiele
Zeitmanagement Termine eingehalten alle geforderten Unterlagen da Termin nicht eingehalten geforderte Unterlagen nicht da
Themenauswahl sinnvolle Auswahl Auswahl nicht passend
im Umfang / für das Publikum
Quellen, Literatur informativ, seriös, sinnvolle Auswahl fragwürdig, ungeeignet unbearbeitet übernommen Plagiat
Bewertung Gewichtung: ____ fach

INHALT

KRITERIEN Positive Beispiele 1 2 3 4 5 6 Negative Beispiele
Gliederung Strukturierung sinnvoll veranschaulicht nachvollziehbar nicht erkennbar nicht veranschaulicht zusammenhanglos
Fachliche Kompetenz Thema überzeugend im Zusammenhang dargestellt sachlich richtig Brüche in der Darstellung des Themas sachlich falsch / unvollständig
Fachbegriffe Fachbegriffe verwendet Fachbegriffe ohne Klärung
und geklärt benutzt /falsch benutzt
Fremdwörter richtige Verwendung nicht / falsch
verstanden / angewendet
Bewertung Gewichtung: ____ fach

LEHRTÄTIGKEIT

KRITERIEN Positive Beispiele 1 2 3 4 5 6 Negative Beispiele
Fachliche Kompetenz
Bewegungs-demonstration kann die gewählte Sportart gut demonstrieren kann die gewählte Sportart nicht selbst demonstrieren
Fachsprache gebraucht Fachbegriffe hat Schwierigkeiten, das Übungsgut sprachlich auszudrücken
Vorbereitung Benötigte Hallen / Geräte usw. vorbereitet lässt sich von den organisatorischen Notwendigkeiten überraschen
Organisation gute Organisation von z. B. Geräteaufbau, Musik, Gruppeneinteilung kann das selbst gewählte Übungsgut nicht in der Gruppe organisieren
Eingehen auf die Gruppe wählt Übungsgut entsprechend dem Leistungsstand kann nicht auf den Leistungsstand der Gruppe eingehen
Bewertung Gewichtung: ____ fach
Hier bitte nicht die Beurteilungskriterien anlegen, die gegenüber Referendar/innen und Praktikant/innen üblich sind.

 

PRÄSENTATION / VORTRAGSTECHNIK

KRITERIEN Positive Beispiele 1 2 3 4 5 6 Negative Beispiele
Einstieg Einleitung vorhanden Übergang zum Thema ohne Eingehen auf die Situation
Einbeziehung Blickkontakt kein Blickkontakt
des Publikums Eingehen auf Reaktionen Ablesen vom Blatt
des Publikums kein Eingehen auf Reaktionen
Vortragsweise Mimik, Gestik, Körperspra-Mangelnde Kontrolle über
Auftreten che angemessen und unter Mimik, Gestik, Körpersprache
Kontrolle
Ausdruck Hochsprache Dialekt, Verlegenheits-Füllwörter
Sprache ganze Sätze unvollständige, abgebr. Sätze
Stimme klare Aussprache angemessen laut undeutliche Aussprache zu leise, unverständlich
Medien die vorhandenen Gegebenheiten sinnvoll genutzt Umgang geübt keine Reibungsverluste Alternative bei Problemen eine das bessere Verstehen fördernde Auswahl des Mediums die vorhandene Gegebenheiten nicht genutzt im Umgang ungeübt Medien nicht beherrscht keine Alternative bei Problemen das gewählte Medium fördert nicht das bessere Verständnis
Layout / Form gleiche optische Strukturen wie Schrift, Farbe, Gliederung Wechsel / Bruch in der Darstellung ohne sachlichen Grund
Zeitvorgabe eingehalten wesentlich unter-/ überschritten
Abschluss explizit vorhanden aufhören ohne Abschluss-Formel
Bewertung Gewichtung: ____ fach

KOLLOQUIUM

KRITERIEN Positive Beispiele 1 2 3 4 5 6 Negative Beispiele
Fragen aus kann Fragen kann auf Fragen
dem Publikum/ im Zusammenhang nicht antworten
vom Lehrer beantworten
zeigt umfangreiches hat über den Vortrag hinaus
Hintergrundwissen nichts mehr zu sagen
Bewertung Gewichtung: ____ fach

 

NOTE
KOMMENTAR

 

 

 

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