Sport-Seiten des Oberschulamts Karlsruhe. Diese Seiten wurden am 7. Dezember 2003 veröffentlicht.

Auszug aus dem Sport-Info 2/2003

Dem Oberschulamt Karlsruhe wurde berichtet, dass vermehrt Unfälle speziell beim Snowboardfahren auftreten, bei denen die Milz in Mitleidenschaft gezogen ist.

Bei Beschwerden im linken Oberbauch sollte neben anderen Ursachen auch von einer Milzverletzung ausgegangen werden. 

Siehe:
1. Beitrag von Dr. Debatin: Milzverletzung
2. Aktenvermerk von RD Kupper zur rechtlichen Situation

Milzverletzung

Die Milz ist neben dem Herzen das blutreichste Organ des Körpers. In 24 Stunden passiert die gesamte Blutmenge ca. 500mal dieses Organ. Ihrer Lage nach befindet sie sich im linken Oberbauch, dicht hinter der 10. Rippe. Sie ist hierbei besonders bei stumpfen Schlägen Verletzungen ausgesetzt. Es kann sich hierbei um Stürze z.B. auf die Schulbank handeln, ebenso wie Bodychecks im Bereich der Ballsportarten.
Die Funktion der Milz besteht darin, sowohl Blutbestandteile zu bilden (Antikörper) als auch Blutbestandteile abzubauen (rote Blutkörperchen). Eine besondere Verletzungsgefährdung der Milz besteht in dem Moment wo ein vermehrter Abbau der roten Blutkörperchen stattfindet, so z.B. bei der Krankheit des Pfeifer´schen Drüsenfiebers. Hierbei kommt es zu einem Befall der roten Blutkörperchen mit dem
Virus und zu einem verfrühten Zerfall in der Milz, wobei diese stark anschwillt und damit stumpfen Verletzungen in vermehrtem Maße ausgesetzt ist. Die Milz selbst hat anatomisch gesehen eine Wand, die sie nach außen begrenzt und wird zusätzlich von einer Hülle umgeben.
Bei entsprechender Gewalteinwirkung kann es zu einem Einriss der Wand kommen, wobei dann Blut zwischen Wand und Hülle austritt und hier quasi ballonartig die Milzhülle aufquellen lässt. Übersteigt nun der Druck innerhalb der Milzhülle den elastischen Widerstand der Hülle, so kann dies zu einer Spontanruptur dieser Hülle führen und eine massive Blutung in den Bauchraum, die zu einem raschen Tod führen kann, zur Folge haben.
Der zeitlichen Abfolge nach kann dies von Stunden bis Tage dauern.

Vorgehen bei Schlägen im Bereich des linken Oberbauches:

  1. Ruhe bewahren und das Kind beruhigen.

  2. Fragen Sie das Kind genau nach dem Unfallhergang. Bedenken Sie dabei, dass der Unfall schon einige Zeit zurückliegen kann.

  3. Legen Sie das Kind hin, lassen Sie es dabei selbst über die bequemste und schmerzärmste Lagerung entscheiden.

  4. Prüfen Sie ob das Kind äußere Verletzungszeichen am Bauch hat

  5. Bei Verdacht auf Schockzustand (kalter Schweiß auf der Haut, langsamer Herzschlag oder Hautblässe) betätigen Sie sofort den Notruf und nehmen die stabile Seitenlagerung vor.

  6. Bei offener Verletzung Transport unverzüglich ins nächste Krankenhaus.

Im Falle einer Mitbeteiligung der Milz im Rahmen von viralen Infektionen wie dem Pfeifer´schen Drüsenfieber, ist die Milz über mehrere Wochen bis zur Ausheilung der Erkrankung angeschwollen, da die befallenen Blutkörperchen in dieser Zeit abgebaut werden und hierbei ein vermehrter Anfall dieser Blutkörperchen in der Milz stattfindet.
Es sollte in jedem Fall für die Sporttauglichkeit ein Attest des behandelnden Kinderarztes vorgelegt werden, der die Sporttauglichkeit bescheinigt.

Aktenvermerk

Jede Lehrkraft ist hier im Rahmen der Wahrnehmung Ihrer Aufsichtpflicht zu den notwendigen, "Erstehilfe-Maßnahmen" verpflichtet.

Art und Umfang dieser Maßnahmen richtet sich ganz nach den Umständen des konkreten Einzelfalles. Anhaltspunkte geben die Vorschläge Dr. Debatin (1-6). Allgemein lässt sich sagen, dass wegen der offenbar besonderen Gefährdung der Milz gerade bei Snowboardunfällen im Zweifel ein Arzt geholt werden sollte, der dann die weitere fachgerechte Versorgung übernimmt.
Empfehlenswert wäre auch die entsprechende vorherige Information der Eltern sowie deren
Einverständnis mit dem Snowboardfahren. Die Schüler selbst sollten zu möglichst risikoarmem Fahren angehalten werden.
Damit im Notfall schnell ärztliche Hilfe herbeigeholt werden kann, sollte der aufsichtsführende Lehrer möglichst ein Handy bei sich haben und sich zuvor auch vergewissern, ob für dieses Handy in der betreffenden Berglage Netzempfang besteht.
Bewegt sich die betreffende Lehrkraft in diesem vorstehend beschriebenen Rahmen, braucht sie keine persönliche Haftung zu befürchten - zumal eine solche erst bei grobfahrlässigem Verhalten greift. Ansonsten haftet das Land für die Lehrkraft (etwa bei bloßer Unachtsamkeit).

Kupper, Regierungsdirektor
Oberschulamt Karlsruhe

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