Sport-Seiten des Oberschulamts Karlsruhe. Diese Seiten wurden am 19. Dezember 1999 veröffentlicht.

Auszug aus dem Sport-Info 2/99

Pausenhöfe gestalten - aber sicher!

Der Pausenhof ist wesentlicher Bestandteil jeder Schule. Als Durchgangs,- Bewegungs-, Aufenthalts- und Erholungsraum soll er den Bedürfnissen der Schüler gerecht werden, attraktiv gestaltet sein und muss außerdem Sicherheitsanforderungen genügen, die sich aus dem sicherheitstechnischen Regelwerk ergeben. Als rechtsverbindliche Vorschrift ist die Richtlinie für Schulen - Bau und Ausrüstung(GUV 16.3) zu nennen.

In vielen Fällen sind Schulhöfe aus sicherheitstechnischer Sicht mit Mängeln behaftet. So sind häufig Böden uneben oder rutschig. Stolperstellen sind in Verkehrsbereichen zu finden, Verkehrswege sind nicht frei. Spitzen, Stacheln, Kanten und Vorsprünge sind im Mauerwerk im Bereich von Verkehrswegen und bei Einfriedungen zu finden. Im Gelände sind schadhafte Stufen vorhanden. Hindernisse befinden sich auf stark frequentierten Wegen. Treppen sind ohne Handlauf ausgeführt. Wasseransammlungen (Rutschgefahr) sind auf vielen Schulhöfen zu sehen. Bei einer Neugestaltung ergibt sich die Möglichkeit derartige Mängel zu vermeiden.

Pausenunfälle

Im Pausenhof ereignen sich 27% aller Schulunfälle (1997). Nach den Sportunfällen mit 48,6% tragen die Pausenunfälle wesentlich zum Unfallgeschehen an Schulen bei.

Grundschüler halten sich pro Woche 150 bis 300 Minuten auf dem Schulhof auf. Damit verbringen sie ebensoviel Zeit auf dem Schulhof wie im Sportunterricht. 65 % der Pausenunfälle ereignen sich auf dem Schulhof, die restlichen Unfälle verteilen sich auf Klassenräume, Flur und Treppen sowie Pausenräume in den Schulgebäuden. An dem Unfallgeschehen auf dem Schulhof sind vor allem die sieben- bis zwölfjährigen Kinder, also Kinder der Grundschulen und der unteren Jahrgangsstufen der weiterführenden Schulen beteiligt, wobei Jungen häufiger einen Unfall erleiden. Die Unfälle auf dem Schulhof ereignen sich meistens beim Rennen, Nachlaufen und Fangenspielen. Ein Teil der Pausenunfälle wird durch Rangeleien und Raufereien verursacht (15%).

Unfälle auf dem Schulhof ereignen sich meistens, weil sich Schüler auf relativ kleinem Raum bei unterschiedlichen Aktivitäten drängen. Unter ungünstigen Bedingungen ergeben sich Zusammenstöße, Stürze und Stolperunfälle zwangsläufig.

Mehr Sicherheit auf dem Pausenhof – Was soll verhindert werden?

  • Stürze in der Ebene
  • Abstürze und unkontrolliertes Abspringen aus mehr als 1 m Höhe
  • Aufprall auf feste Gegenstände mit hoher Geschwindigkeit
  • Stürze beim Begehen von Treppen
  • Ausrutschen auf nassem Boden
  • Getroffen werden von Gegenständen (Bälle u.ä.)
  • Kollisionen
  • Aggressives Verhalten

Leitgedanken für die Planung

Unfallverhütung beginnt schon bei der Planung

Vor der Planungsphase muß eine Bestandsaufnahme des Unfallgeschehens erfolgen, um Unfallschwerpunkte festzustellen, Gefahren zu ermitteln, Schutzziele zu formulieren und daraus Gestaltungsrichtlinien abzuleiten. Bei der Umgestaltung von Pausenhöfen müssen bereits in der Planungsphase Vorgaben und Kriterien berücksichtigt werden, die zur Unfallverhütung beitragen.

Flächenbedarf und unterschiedliche Bedürfnisse

Bei der Planung sollte man von einem Flächenbedarf von 3–5qm pro Schüler ausgehen. Unfallsituationen entstehen häufig, weil sich Kinder gegenseitig bei ihren Aktivitäten stören. Deshalb ist eine Aufteilung des Pausenhofes in Zonen sinnvoll. Bewegungsbetonte Zonen sollen von Ruhezonen und solchen mit naturnahen Gestaltungselementen getrennt und mit dem entsprechenden Platzangebot ausgestattet werden. Als Faustregel gilt: Bewegungsspiele und Geräte auf 60% der Fläche und stationäre Spiele auf 40% der Fläche.

Verkehrswege, Zufahrten, Tore

Für Feuerwehr und Rettungsfahrzeuge müssen Zufahrten in ausreichender Zahl vorhanden und jederzeit zu benutzen sein. Tore müssen ausreichend bemessen sein. Verkehrswege müssen so beschaffen sein, dass sie auch unter veränderlichen, auch selten auftretenden Bedingungen, z.B. Benutzung von vielen gleichzeitig, sicher begangen werden können.

Spielgeräte

Beim Aufstellen von Spielgeräten sollten folgende Grundsätze gelten:

  • Es sind Geräte und Einrichtungen zu bevorzugen, die bei geringem Flächenbedarf viel kindlichen Bewegungsdrang abbauen (z.B. Schiefe Ebenen, Spielhügel, Böschungen, Terrassen, stationäre Hangelgeräte, Boulderwände).
  • Geräte, die Schutzzonen rundherum benötigen oder auf denen sowieso nur ein Kind üben kann, wie Schaukeln und Wippen, sollte man meiden.Spielgeräte dürfen nicht kippen, nicht splittern und möglichst keine freien Fallhöhen von mehr als 1 m aufweisen.
  • Baumstämme als Klettergärten mit Chaosstruktur müssen standsicher sein. Beim Klettern dürfen einzelne Stämme nicht ins Rutschen geraten.
  • Für die Ballspiele sollen Softbälle bereitgestellt werden.
  • Fußballtore, Handballtore müssen stets so befestigt werden, dass sie nicht umfallen können.
  • Alle Geräte sollen grundsätzlich mit ihrer Benutzungs-, Spiel- und Bewegungsrichtungen parallel zueinander ausgerichtet sein: z. B. Tischtennisplatten parallel zum großen Bewegungsfeld und parallel zueinander, damit sich Laufwege nicht kreuzen.
  • Spielgeräte dürfen nicht zu dicht stehen. Sicherheitsabstände von mind. 2 m sind um jedes Gerät einzuplanen.
    Erdhügel, Feuchtbiotope und andere naturnahe Gestaltungselemente werden nach Sicherheitsgesichtspunkten geplant und ausgeführt.
  • Spielgeräte müssen regelmäßig einer Sichtkontrolle unterzogen werden. Beschädigte oder zerstörte Teile müssen repariert oder ersetzt werden. Die Wartung und Pflege von Geräten muß bereits in der Planungsphase berücksichtigt werden.

Fallschutz

Unter Geräten, die freie Fallhöhen von mehr als 1 m haben, gehört ein stoßdämpfender Boden. Geeignet ist nichtbindiger Sand, Rundkornkies (4-8 mm), Holzspäne, Rindenmulch oder Fallschutzplatten.

Nässe

Auf eine gute Entwässerung von Untergründen und Bodenabdeckungen ist zu achten. Wasseransammlungen, nasses Laub und nasser Schmutz können das ganze Jahr über zu Unfällen führen.

Bepflanzung

Bei der Bepflanzung des Schulhofes sind Pflanzen auszuwählen, die keine Dornen, Stacheln, giftige Blüten oder Früchte tragen.

Feuchtbiotope

Feuchtbiotope sollen außerhalb des frei zugänglichen Pausenhofes eingeplant werden.

Aufsicht

Der Pausenhof soll so geplant werden, dass Aufsichtsführung leicht möglich ist.

Pausenhofgestaltung.jpg (12860 Byte)Pausenhofgestaltung am Beispiel Boulderwand (horizontale Kletterwand)

Sicherheitstechnische Anforderungen

Immer mehr Schulen gehen dazu über, im Rahmen der Gestaltung des Schulhofes Außenwände von Sporthallen und Schulgebäuden, Innenwände, breite Flure, Pausenhallen oder überdachte Pausengänge baulich zu verändern, um sie als Anlagen zum Klettern zu nutzen. Boulderwände sind Anlagen zum Klettern, die von jedermann frei oder nach Anleitung genutzt werden können. Boulderwände gelten als Spielgeräte. Sicherheitstechnische Anforderungen sind in der DIN EN 1176 Teil 1 und DIN EN 1177 festgelegt. In Abhängigkeit von der Höhe der Tritte gelten unterschiedliche sicherheitstechnische Festlegungen.

Boulderwände mit einer Fuß-/Tritthöhe kleiner 0,60m

Bei diesen Kletterwänden ist die freie Fallhöhe maximal 0,60m über Oberkante Fußboden. Es werden keine Anforderungen an den Boden im Sicherheitsbereich gestellt.

Kletterwände mit einer Fuß-/Tritthöhe größer 0,60m und kleiner 1,00m

Der Sicherheitsbereich muß 2 m betragen. Der Untergrund im Sicherheitsbereich muß ungebunden sein (Rasen oder Oberboden).

Kletterwände mit Fuß-/Tritthöhe größer 1,00m und kleiner 3,00m

Die freie Fallhöhe ist auf höchstens 3,00m (max. Höhe der obersten Trittreihe für die Füße) beschränkt. Der Untergrund (Fallschutz) muß aus nicht bindigem Sand, Rundkornkies (4-8 mm) Holzspänen, Rindenmulch oder Fallschutzplatten bestehen. Auch in diesem Falle ist ein Sicherheitsabstand von mindestens 2 m einzuhalten. Die Kletterwand steht im Sinne eines Spielgerätes den Nutzern frei zur Verfügung wie z.B. im Pausenbetrieb, in Freistunden oder im Rahmen des offenen Schulhofs am Nachmittag. In Sporthallen oder Mehrzweckräumen müssen zur Sicherung Turnmatten ausgelegt werden.

Kletterwände mit Fuß-/Tritthöhe größer 3 m

An diesen als Toprope- oder Vorstiegswand bezeichneten Anlagen darf nur mit Seilsicherung geklettert werden. Außerdem müssen bei diesen Anlagen zusätzliche Maßnahmen getroffen werden, die wirksam verhindern, dass Unbefugte die Anlage nutzen. Im Außenbereich ist eine Einzäunung von mind. 2 m Höhe erforderlich. Eine weitere Möglichkeit, missbräuchliche Nutzung zu verhindern, ist die Anbringung der Griffelemente erst ab einer Höhe von 2,50 m. Griffe, die unterhalb einer Höhe von 2,50 m angebracht werden, sollen erst vor der Benutzung eingeschraubt oder durch ausreichend hohe, gegen Entfernen gesicherte Vorsatzelemente abgedeckt werden. Die bauliche Ausführung, d.h. das Befestigen der Griffe und Tritte muß durch Fachkundige oder durch eine Fachfirma erfolgen. Fragen der Bauausführung sind stets mit dem Sachkostenträger abzuklären.

Wenn Sie spezielle Fragen zur Schulhofgestaltung haben, sind wir gerne bereit Sie zu beraten.
Zuständigkeit: Herr Dukek Tel 0721/6098-277.

Folgende Schriften zum Thema sind kostenlos unter Fax: 0721 / 60 98 – 400 beim Badischen Gemeindeunfallversicherungsverband erhältlich:

GUV 57.1.52     „Pause machen aber sicher“

GUV 57.1.51     „Bewegungsfreudige Schule“

GUV 57.1.11     „Unser Schulhof – Problem einer kindgerechten und sicheren Gestaltung“

GUV 20.54        „Sicher nach oben... Klettern in der Schule“

 

Heidi Palatinusch, Päd. Mitarbeiterin der Abt. Prävention
des Badischen Gemeindeunfallversicherungsverbandes, Waldhornplatz 1,
76131 Karlsruhe
Tel. 0721 / 60 98 - 297

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