Sport-Seiten des Oberschulamts Karlsruhe. Diese Seiten wurden am 20. Dezember 2001 veröffentlicht.

Auszug aus dem Sport-Info 2/2001

 

Sponsorenlauf - Eine neue Idee zum ausdauernd Laufen

 

Hölderlin-Gymnasium Heidelberg

„Das war Klasse, ich bin 12 Kilometer gelaufen!“ „Und wie viel Geld hast Du auf Deiner Karte?“ „165,50 DM hab’ ich ausgerechnet gekriegt!“ „Was, so viel?“ Das war ein kurzer Dialog mit einer Fünftklässlerin nach dem Lauf.

Was war geschehen? Am 5. Oktober trafen sich morgens am Sportzentrum Nord einige hundert Schülerinnen, Schüler, Lehrer, Eltern, auch Pressevertreter und der Kulturbürgermeister der Stadt Heidelberg, Dr. Bess. Um Punkt 8.30 Uhr gab Dr. Bess unterstützt von der Direktorin Frau Most den Startschuss zum Sponsorenlauf für das Jubiläumsjahr zum 125-jährigen des Hölderlin-Gymnasiums. Das klingt ganz selbstverständlich, war aber glücklich erreichter Zielpunkt einer langen Wegstrecke, die einige Gremien und Mitstreiter des Hölderlin-Gymnasiums zurückgelegt hatten.

Wie kam es dazu?

Wer keine Geldmittel zur Verfügung hat, um all die geplanten Aktivitäten im Jubiläumsjahr zu finanzieren, muss sehen, wie und bei wem er zu Geld kommt. „Sponsoring“ ist das neudeutsche Modewort.

Aber wer sponsert ein öffentliches Gymnasium, das von Stadt und Land unterhalten wird?

Doch gilt das eben nicht für Sonderausgaben in Zeiten knapper Kassen für Schulwesen und Kultur. Auch der „Bund der Freunde“, sonst oft Rettungsanker, war hier überfordert. Im Festkomitee wurde nach einem Vorbild aus Nordrhein-Westfalen die Idee geboren: Wir, die Schulgemeinschaft, könnten unsere eigenen Sponsoren sein. Schüler laufen für ihre Schule. Es gibt einen gemeinsamen Tag des Sports als Auftakt des Festjahres. Schülerinnen und Schüler sammeln vorher auf ihrer persönlichen Karte Zusagen für Sponsoring pro gelaufenem Kilometer. Mitmachen können so alle, die wollen, aktiv als Läufer oder passiv als Geldgeber. Viel Überzeugungsarbeit war zu leisten, um dieses Konzept allen Beteiligten nahe zu bringen. Einige Kollegen und Eltern kämpften sich als Rattenfänger für die gute Sache durch alle Entscheidungsgremien und motivierten zum Mitmachen.

Da Laufen Bewegung ist und dies in der Schule Sache der Sportler, hatten die Sportkollegen bald den nicht einfachen Auftrag, das Großereignis Sponsorenlauf in die Tat umzusetzen. Sie haben diese Aufgabe bravourös geleistet. Das schließt die langwierigen Verhandlungen mit dem Ordnungsamt und der Polizei über die geplante Streckenführung im Neuenheimer Feld und notwendige Straßensperren sowie Absicherung des Laufs ebenso ein wie die Klärung der vielen logistischen Einzelheiten, die stimmen müssen, damit so ein Schulereignis verantwortet werden kann. Die Beförderung der Schüler musste geregelt werden, die Sanitäter wurden organisiert -das DRK half hier-, ein Getränkeausschank war unbedingt nötig. Die Elternschaft hat mit vielen Helfern die Versorgung der Läufer mit Wasser an den einzelnen Stationen übernommen. Das Lehrerkollegium wurde ohne Ansehen der Person eingesetzt zu Tätigkeiten an der Strecke, Sichern der Absperrungen, Stempeln der erlaufenen Kilometer, Stabilisieren schwankender Akteure, Zureden zum Durchhalten und Bewundern von Leistungen, Anfeuern von gestressten Kämpfern. Viele Klassenlehrer trieben ihre Klassen zu Höchstleistungen durch eigenen vorbildlichen Einsatz. Eine beliebte Station nach dem Lauf war das Rechenzentrum, das jedem Schüler aufgrund seiner Stempel die erlaufenen Kilometer und das potentiell erarbeitete Sponsorengeld auswies.

Das klingt ziemlich trocken, fand aber in einer so fröhlichen und von Begeisterung getragenen Atmosphäre statt, dass viele schon beim Laufen von Wiederholung sprachen. Anders als so oft unter Schülern war Coolness nicht gefragt, wer den Rundweg zweimal bewältigt hatte, d.h. 8 km in mindestens 90 Minuten gelaufen, gegangen, getrabt war, war nicht in allen Klassen wohl gelitten; man kämpfte ehrgeizig um die Kilometer und die ausgelobten Trophäen für Höchstleistungen.

Bei wunderschönem Wetter hatte das Hölderlin-Gymnasium einen fröhlichen, erfolgreichen Start ins Jubiläumsjahr. Die Stimmung war prima, auch Skeptiker wurden bekehrt, es war eine rundum gelungene Sache. Deshalb kann die Schulgemeinschaft zurecht stolz auf sich sein.

Wir wollen herzlich allen für ihren persönlichen Einsatz Dank sagen, den Schülern fürs Laufen und Sammeln von Sponsoren, den Eltern, Großeltern, Verwandten, Freunden der Schule für ihre großherzig geöffneten Portemonnaies und ihr großes Engagement, den Kollegen für alle Solidarität mit ihrer Schule durch Organisationsarbeit, Lauf- und Geldeinsatz. Keiner der Initiatoren hätte es so zu erwarten gewagt. Nehmen wir es als gutes Omen für das Jubiläumsjahr und die Zukunft des Hölderlin-Gymnasiums.

Gunthild Schuler, Studiendirektorin
Hölderlin-Gymnasium Heidelberg

 

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