Sport-Seiten des Oberschulamts Karlsruhe. Diese Seiten wurden am 2. Juni 2000 veröffentlicht.
Auszug aus dem Sport-Info 1/2000 Heft 15

Mit Schülerinnen und Schülern sicher unterwegs – Jugend trainiert für Olympia, Ausflüge, Exkursionen u.a.

Leitlinien für Planung und Organisation  Was muss bedacht werden?


Ob Waldlauf, Wandertag, Exkursion, Radwandern, Wintersporttag  ein Lernort außerhalb des gewohnten Klassenzimmers (Wald, Eishalle, Skihang und Sportplatz) ist für Schüler immer attraktiv, steigert die Aufnahme und Lernbereitschaft und bietet Lehrkräften die Möglichkeit, die Schüler in ihrem Sozialverhalten kennen zu lernen und zu fördern. Für Lehrkräfte bedeutet es aber meist, dass mehr planerischer und organisatorischer Aufwand erforderlich wird, um den reibungslosen und unfallfreien Verlauf des Unterrichts zu gewährleisten, Schüler vor Schäden zu bewahren und der Fürsorge und Aufsichtspflicht gerecht zu werden. Nachfolgend sollen einige versicherungsrechtliche und sicherheitsrelevante Gesichtpunkte zur Planung solcher Aktionen aufgezeigt werden.

Grundsätzliche Überlegungen Genehmigung durch den Schulleiter 
Außerunterrichtliche Veranstaltungen jeglicher Art sind vom Schulleiter als schulische Veranstaltung zu genehmigen, damit im Schadensfalle der Unfall als Arbeitsunfall/Schulunfall anerkannt werden kann und der umfassende Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung für Schüler greift. Auch wenn jeder Fall im einzelnen geprüft werden muss, gelten folgende Grundsätze: Unter Versicherungsschutz stehen alle Tätigkeiten, die in den rechtlichen und organisatorischen Verantwortungsbereich der Schule fallen. Dazu gehören auch Schulveranstaltungen außerhalb der Schulanlage. Die direkten Wege vom und zum Ort der Veranstaltung sind im Versicherungsschutz eingeschlossen. Nicht gesetzlich unfallversichert sind Tätigkeiten wie z.B. Essen, Schlafen, Waschen und Freizeitaktivitäten, die dem privaten Bereich zuzuordnen sind und nicht in den Verantwortungsbereich der Schule gehören. Nicht versichert sind außerdem sogenannte privatwirtschaftliche Tätigkeiten wie z.B. ein privater Einkaufsbummel im Rahmen eines Landschulheimaufenthaltes. Gesamtverantwortung Die Lehrkraft trägt stets die Gesamtverantwortung für den Lerngang (zeitlich, personell, organisatorisch, inhaltlich), auch wenn zur Unterstützung Begleitpersonen oder schulfremdes, kompetentes Fachpersonal (Schwimmmeister, Busfahrer, Bergführer) zum Einsatz kommt.

Wege von und zu den Sportstätten/Lernorten
Ob Schüler beim Weg zur Sportstätte oder einem anderen Ort, an dem Unterricht stattfinden soll, Begleitung durch die Lehrkraft benötigen und beaufsichtigt werden müssen, liegt im Ermessen der verantwortlichen Lehrkraft bzw. der Schule. Für die Entscheidung maßgebend sind Faktoren wie z.B. Alter der Schüler, Wegstrecke, Gefährdungen u.a.

Vor dem Lerngang
Ohne Planung läuft nichts Je umfangreicher eine Aktion mit Schülern ist, umso mehr Vorbereitung und Sorgfalt ist bei der inhaltlichen und zeitlichen Ablaufplanung erforderlich. Es müssen z.B. Informationen über die Wegstrecke/Laufstrecke und den Zielort eingeholt sowie örtliche Gegebenheiten und besondere Gefahrenpunkte vorweg erkundet werden. Anhand von Wanderkarten und Stadtplänen sind sichere, verkehrsberuhigte, gefahrarme Straßen und Wege auszuwählen. Es kann erforderlich sein zu überlegen, ob und welche Transportmittel (Privatwagen oder öffentliche Verkehrsmittel) gebraucht werden. Beim Besuch von Einrichtungen wie z.B. Eishalle, Schwimmbad oder Rodelbahn muss man Absprachen bezüglich der Nutzung der Einrichtung treffen (z.B. Absperrung eines Bereiches für die Klasse). Überlegungen zur Organisation der Aufsicht sind erforderlich. Die Anzahl, Auswahl und der Einsatzbereich zusätzlicher Aufsichtspersonen werden anhand der konkreten Anforderungen, die sich aus dem Vorhaben ergeben, festgelegt. Aufsicht und Ersatzunterricht ist für Schüler vorzusehen, die nicht an dem Lerngang teilnehmen.

Information der Eltern
Bei Minderjährigen müssen die Eltern über Inhalt, Umfang, Ablauf, Kosten, Zeitpunkt der Abfahrt und Ankunft, erforderliche Dokumente, Impfnachweise u.a. informiert werden. Sie genehmigen die Teilnahme ihrer Kinder oder können bei Krankheit der Kinder (Attest) oder aus anderen triftigen Gründen die Erlaubnis zur Teilnahme verweigern.

Schüler in die Planung mit einbeziehen
Der detaillierte Verlauf der Veranstaltung, Beginn und Ende, Treffpunke u.a. werden jedem Schüler bekannt gemacht. Mit den Schülern werden Laufstrecken, Zwischenstopps und Pausen abgesprochen. Die Schüler helfen Arbeitsanweisungen und konkrete Aufgaben zu formulieren sowie Überlegungen zur Gefahrenabwehr anzustellen. Es werden mit jüngeren Schülern Verhaltensregeln erarbeitet (z.B. zum Überqueren von Straßen, Pflücken und Verzehr von Pflanzen und Früchten im Wald, Verhalten beim Kontakt mit toten Tieren) und auch Sanktionsmaßnahmen vereinbart z. B. beim unerlaubtem Entfernen von der Gruppe oder anderen schweren Regelverstößen. Mit der Klasse werden Strategien und Verhalten der Gruppe in besonderen Notfallsituationen erarbeitet und besprochen. Es werden Notfälle gedanklich durchgespielt und Lösungsvorschläge dafür erarbeitet (Notfallplan). Auf leistungsschwache oder gesundheitlich angeschlagene Schüler wird Rücksicht genommen. Diese werden von ihren Mitschülern unterstützt. Hierfür werden Teams gebildet.

Ausstattung der Schüler/innen
Bei der Teilnahme an Veranstaltungen im Freien sollen Schüler den Witterungsverhältnissen entsprechend gekleidet sein. Eventuell sind warme Kleidung, besonderes Schuhwerk, guter Sonnenschutz, Regenkleidung u.a. Ausrüstungsgegenstände erforderlich. Wenn Werkzeuge, Sportgeräte oder Fahrzeuge von Schülern mitgebracht werden sollen, so müssen diese sicherheitstechnisch in Ordnung sein und der Straßenverkehrsordnung entsprechen.

Bei der Durchführung
Die Schüler sind physisch und psychisch auf die Aktion vorbereitet, d.h. bei der Realisierung nicht überfordert. Die Aufsichtspersonen sind eingewiesen und es gibt eine klare Aufgabenteilung in Aufsichtsfragen. Möglichst alle Schüler sollen sich betreut und beaufsichtigt fühlen. Auf größtmögliche Ordnung und Übersicht wird geachtet. Anweisungen werden nicht nur ausgesprochen. Es wird kontrolliert, ob diese auch eingehalten werden. Verbote werden konsequent durchgesetzt. Die Vollzähligkeit der Schüler ist immer wieder zu überprüfen. Die Schüler melden sich ab, wenn sie sich von der Gruppe entfernen. Beim Überqueren von Straßen und Kreuzungen, beim Ein und Ausstieg in öffentliche Verkehrsmittel ist besonders große Vorsicht geboten. Zuverlässigen Schülern wird Verantwortung übertragen. Sie können am Schluss der Gruppe gehen und im Notfall informieren. Gegebenenfalls müssen Meldungen vom Wetterdienst (Sturmwarnung, Ozonwarnung, Lawinengefahr) unverzüglich umgesetzt werden. Der Lerngang wird offiziell beendet. Bei Grundschülern wird darauf geachtet, dass möglichst alle sicher nach Hause kommen.

Für den Notfall gut gerüstet
Jede Lehrkraft sollte in der Lage sein, die Erstversorgung von verletzten Schülern unverzüglich und wirksam durchzuführen. Verbandmaterial oder Erste Hilfe Material ist bei allen schulischen Veranstaltungen bereitzuhalten. Neben der Sanitätstasche nach DIN 13160 ist es empfehlenswert, Kältepacks vorzuhalten, um bei stumpfen Verletzungen wirksam helfen zu können. Die Mitnahme eines Handys mit einer Liste der wichtigsten Telefonnummern (Notruf, Schule, Sammeltelefon) ist empfehlenswert, da es sein kann, dass öffentliche Telefonzellen zum Absetzen eines Notrufes nicht erreichbar sind.

Ärztliche Versorgung bei Auslandsaufenthalten
Um den Schülern eine ordnungsgemäße ärztliche Betreuung bei Unfällen im Ausland zu sichern, muss ein bestimmter Verfahrensweg eingehalten werden. Über die rechtlichen Grundlagen und das Verfahren informieren die Merkblätter GUV 20.1.5 und GUV 20.1.6 , die ebenso wie die Broschüre "Mit der Schulklasse sicher unterwegs" GUV 57.1.38 kostenlos beim Badischen Gemeindeunfallversicherungsverband bezogen werden können. Wegen des privaten Risikos einer Erkrankung sollte man sich mit der eigenen Krankenversicherung in Verbindung setzen.

Heidi Palatinusch, Päd. Mitarbeiterin der Abt. Prävention des Bad. GUVV Waldhornplatz 1 76131 Karlsruhe Tel. 0721 / 6098  297

 

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