Sport-Seiten des Oberschulamts Karlsruhe. Diese Seiten wurden am 24. April 1999 veröffentlicht.

Auszug aus dem Sport-Info 1/99

Diabetes und Sport

Eine kurze Einführung:

Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselstörung, die durch einen anomal hohen Zuckerspiegel in Blut und Harn gekennzeichnet ist. Rund ein bis zwei Prozent der Bevölkerung leiden an Diabetes mellitus, wobei fast die Hälfte dieser Fälle gar nicht diagnostiziert wird. Es werden grundsätzlich zwei Formen unterschieden: Der Typ-I-Diabetes, der insulinabhängige Diabetes, früher auch juveniler Diabetes bezeichnet, tritt bei Kindern und Heranwachsenden auf. Typ II, der nicht insulinabhängige Diabetes, auch als Erwachsenendiabetes bezeichnet, kommt meist bei Menschen über 40 vor und schreitet langsam fort.

Bei adäquater Behandlung kann ein Diabetiker den Blutzuckerspiegel auf normalem oder nahezu normalem Niveau halten. So kann er ein normales Leben führen und die langfristigen Folgen der Krankheit umgehen.

Jeder Diabetiker sollte, nicht nur unter dem Aspekt der Vermeidung von Folgeschäden und der Senkung seines Blutzuckers, sondern auch im Hinblick auf die Steigerung seiner Lebensfreude und zur Förderung des körperlichen und seelischen Wohlbefindens, Sport betreiben. Sport ist, neben der gesunden Ernährung und den richtigen Medikamenten, eine der Säulen der Diabetestherapie und somit wichtiger Bestandteil der Behandlung jedes Diabetespatienten.

Allerdings gilt es, vor dem Start zum Sport einiges zu beachten und zu planen. Körperliche Bewegung ist nicht immer "nur" Sport, auch Garten umgraben oder Hausputz sind Muskelarbeit, die sich auf den Stoffwechsel auswirken!

Allgemeine Information:

Maßnahmen im Zusammenhang mit Sport:

Maßnahmen vor dem Sport: (Vom Diabetiker selbst durchzuführen)

Wichtig für die Sportlehrer/innen:

Ungenügende oder verspätete Nahrungsaufnahme, verstärkte körperliche Aktivität oder zu hohe Insulindosis können zu einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) führen. Erste Anzeichen dieser Unterzuckerung können sein:

Üblicherweise erkennen Kinder und Jugendliche auf Grund ihrer Diabetesschulung diese Symptome bereits im Frühstadium und können diesen Zustand durch rasche Einnahme von zuckerhaltigen Nahrungsmitteln beheben. In Ausnahmefällen kann ein fehlendes Erkennen der Unterzuckerungszeichen jedoch zu einem Bewusstseinsverlust ("Schock" ) führen und kann wie ein epileptischer Krampfanfall aussehen (kommt äußerst selten vor, die meisten Diabetiker haben nie welche erlebt). In diesen Fällen sollte der Notarzt gerufen werden.

Am schnellsten hilft bei erkennbarer Unterzuckerung eines dieser Nahrungsmittel:

Das bedeutet für den Unterrichtenden:

Wenn tatsächlich keine Unterzuckerung vorlag, so dass irrtümlich Zucker zugeführt wurde, ist der damit verbundene Blutzuckeranstieg nicht gefährlich.

Bei Bewusstlosigkeit sollte keine flüssige oder feste Nahrung (Verschlucken) gegeben werden, sondern man sollte einen Traubenzucker zwischen Wange und Zähne legen , das Kind auf die Seite lagern (wie bei einem Verkehrsunfall) und den Arzt rufen.

Bei leichter Unterzuckerung kann das Kind schon nach kurzer Zeit wieder aktiv am Geschehen teilnehmen. Ein Kind sollte jedoch nie unbegleitet bei oder nach einer Unterzuckerung nach Hause oder aus der Klasse geschickt werden.

An Tagen mit Schulsport oder Training sollten deshalb vor der Belastung 1-3 BE mehr gegessen werden. Die Menge ist individuell festzulegen und unter anderem abhängig von der Dauer und der Intensität der sportlichen Anforderung.

Eine Broteinheit (BE) ist beispielsweise enthalten in:

Sport und Bewegung sind gesund für die jungen Diabetiker. Regelmäßige Muskelarbeit verbessert die Stoffwechsellage durch eine gesteigerte Blutzuckerverwertung der Muskelzellen. Muskelarbeit fördert also die "Verbrennung" der Kohlenhydrate und wirkt zugleich insulinsparend. Aus diesem Grund ist gerade bei jugendlichen Diabetikern sportliche Betätigung (in normalem Ausmaß) äußerst wünschenswert und sollte nach ärztlicher Anweisung regelmäßig in den Wochenplan des Kindes eingebaut werden.

Vor Höchstleistungen oder gar Überlastungen mit Erschöpfungszuständen, leicht durch übertriebenen Ehrgeiz hervorgerufen, muss jedoch gewarnt werden. Hier muss der Pädagoge rechtzeitig eingreifen und den Übereifer drosseln, der häufig bei jungen Diabetikern zu finden ist, die beim Sport sich und anderen beweisen wollen, dass sie nicht anders sind als ihre gesunden Mitschüler.

Zur weiteren Information:

Sport wirkt nach: bis zu 14 Stunden lang kann erhöhter Nahrungsbedarf bzw. geringerer Insulinbedarf bestehen. Grund: der Körper ersetzt die ausgeschütteten Glucosevorräte im Muskel. Deshalb nach (anstrengendem) Sport eher mit höheren Werten leben, nicht zu schnell korrigieren.

Winfried Traub, OStR  Ludwig-Marum-Gymnasium Pfinztal

Dieser Artikel wurde abgestimmt mit Dr. med. Norbert Schaub - Internist (Karlsruhe).

Einige der Textpassagen und Tabellen sind dem Buch "Schulungsbuch für Diabetiker", Gerhard-W. Schmeisl, Gustav Fischer Verlag Jena 1997, ISBN 3-437-31170-0 entnommen.

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