Sport-Seiten des Oberschulamts Karlsruhe. Diese Seiten wurden am 04. Januar 2000 veröffentlicht.
Auszug aus dem Sport-Info 2/99
Epilepsie und Sport
Eine kurze Einführung:
Epilepsie ist ein griechisches Wort und heißt zu deutsch: "
Gepacktwerden", "Ergriffenwerden", "Angefallenwerden", also
Anfall.
Jeder Mensch kann unter bestimmten Bedingungen - z.B. durch Sauerstoffmangel od.
Vergiftung - einen epileptischen Anfall bekommen. Der epileptische Anfall ist also nur ein
Symptom. So wie der Husten ein Symptom einer Störung der Atmungsorgane ist, ist der
epileptische Anfall das Symptom einer Funktionsstörung des Gehirnes.
Alle Erscheinungen eines solchen Anfalls lassen sich durch eine vorübergehende Störung
der Hirntätigkeit erklären, genauer gesagt durch abnorme elektrische Entladungen der
Nervenzellen.
Treten epileptische Anfälle nur einmal oder gelegentlich auf und läßt sich jeweils eine
Ursache für die Anfälle erkennen, bezeichnet man sie als akute, epileptische Reaktionen
oder Gelegenheitskrämpfe. Von der Krankheit Epilepsie spricht man erst dann, wenn sich
epileptische Anfälle chronisch wiederholen und der einzelne Anfall aus voller Gesundheit
auftritt.
Wussten Sie, dass:
Erscheinungsformen epileptischer Anfälle
Die dem Laien bekannteste Erscheinungsform der Epilepsie ist der
Krampfanfall. Da der Arzt nur ausnahmsweise Zeuge eines Anfalls sein kann, ist er in der
Rekonstruktion des Anfallgeschehens ganz auf die Beobachtung und Schilderung der
Augenzeugen angewiesen. Der Kranke selbst hat für den Anfall in der Regel eine
Erinnerungslücke. Nur das Wissen um die Ungefährlichkeit eines einzelnen Anfalls und die
wichtigsten Anfalltypen ermöglichen eine gelassene Einstellung zu den Störungen und
damit eine gute Beobachtung.
Meistens kommen die Anfälle für die Kranken und seine Umgebung unvermittelt, wie der
Blitz aus heiterem Himmel. Manchmal kündigen sie sich jedoch durch Vorboten an. Stunden
oder Tage vorher klagen die Kranken über Kopfschmerzen, schlechte Verdauung oder
allgemeines Unwohlsein. Der Schlaf ist unruhig, bisweilen kommt es dabei zu vereinzelten
Zuckungen der Hände, Arme und Beine oder zu schreckhaftem Zusammenfahren des ganzen
Körpers. Der Beginn des Anfalls wird manchmal vom Kranken bei vollem Bewusstsein erlebt.
Der medizinische Fachausdruck hierfür lautet "Aura" ( griech. : Windhauch ) .
Wie ein Windstoß das Unwetter kann die Aura den Anfall einleiten. Solche
Auraerscheinungen dauern höchstens Sekunden, dann löscht der Anfall das Bewusstsein aus.
Großer Krampfanfall ( Grand mal )
Die eindrücklichste Erscheinungsform der Epilepsie ist der große
Krampfanfall. Auf den Beginn eines solchen Anfalls werden Außenstehende meist dadurch
aufmerksam, dass der Betroffene plötzlich stöhnt oder einen Schrei ausstößt und dann
wie vom Schlag getroffen zu Boden stürzt. Zunächst bleibt er mit krampfhaft versteiften
Muskeln, weit aufgerissenen, verdrehten Augen und verzerrtem Gesicht liegen ( tonisches
Stadium ). Die Atmung stockt für einige Sekunden, so dass sich das Gesicht blaurot
verfärbt (Zyanose ) und der Eindruck des Erstickens entsteht.
Nach einer Weile, die den Umstehenden endlos erscheint, die jedoch meist nur 10 bis 20
Sekunden dauert, kommt es zu heftigen, stoßweisen Zuckungen der Arme, Beine und
Gesichtsmuskeln (klonisches Stadium ). Diese Phase des Anfalls dauert bei älteren Kindern
und Erwachsenen 1 bis 2 Minuten, bei Kindern im Vorschulalter kann sie bis zu 15 Minuten
anhalten. Auf der Höhe des Anfalls fließt Speichel aus den Mundwinkeln oder wird durch
die Zähne gepresst ( " Schaum vor dem Mund" ). Urin kann abgehen manchmal auch
Kot. Durch den plötzlichen Kieferkrampf kann sich der Kranke die Zunge oder die Wange
verletzen; bei unglücklichem Sturz kann es zu Gesichts- und Kopfverletzungen kommen.
Am Ende eines Anfalls atmet der Betroffene tief und schnorchelnd, ist schweißbedeckt und
unempfindlich gegenüber äußeren Reizen. Dieser Zustand geht meist in einen längeren
Nachschlaf über. Manche Patienten geraten nach dem Anfall in einen Erregungszustand,
hantieren sinnlos an sich herum, laufen ziellos umher oder reden ohne Zusammnenhang.
Andere erholen sich rasch, können sich jedoch an nichts mehr erinnern. Bei Kindern kommt
es im Anschluss an den Anfall nicht selten zum Erbrechen.
Folgen mehrere Anfälle aufeinander oder dauert ein Einzelanfall länger als 15 Minuten,
handelt es sich um eine Anfallserie oder einen Anfallstatus ( Status epilepticus ). Dieser
Zustand wird ohne rechtzeitiges ärztliches Eingreifen lebensbedrohlich.
Kleine epileptische Anfälle
Viel weniger bekannt als die großen Krampfanfälle, aber wesentlich
häufiger, sind die "kleinen epileptischen Anfälle". Sie sind in ihrem Verlauf
stets milder als der große Anfall. Manchmal werden sie von den Angehörigen für eine
harmlose Angewohnheit gehalten, manchmal sind sie so unscheinbar, dass ihre Erkennung
selbst dem Arzt schwerfällt.
Verhalten bei einem großen Krampfanfall
Der große Krampfanfall hat einen eigengesetzlichen Ablauf und ist in
der Regel nach maximal 4 Minuten beendet. Durch Manipulation am Kranken kann der Anfall
weder verhindert noch verkürzt werden.
So bedrohlich ein Krampfanfall für den medizinischen Laien auch aussehen mag, er ist für
den Kranken praktisch niemals gefährlich oder lebensbedrohlich. Dauert er jedoch länger
als 4 Minuten, muss unbedingt ein Arzt zugezogen bzw. die sofortige Einweisung ins
nächste Krankenhaus veranlasst werden, da in diesem Fall eine lebensbedrohliche
Anfallserie oder ein Anfallstatus droht.
Maßnahmen:
Ein bis zwei Stunden nach dem Krampfanfall haben sich die meisten
Kranken voll erholt und können die unterbrochene Tätigkeit wieder aufnehmen. Schüler,
bei denen epileptische Anfälle gelegentlich vorkommen und somit bekannt sind, können
nach einem Anfall in Begleitung nach Hause bzw. zum Arzt geschickt werden, auf keinen Fall
jedoch unbeaufsichtigt.
Sport und Epilepsie
Sportliche Betätigung ist für die meisten Epilepsiekranken von
großem Nutzen. Neben der damit erreichten körperlichen Widerstandsfähigkeit steht die
Harmonisierung der Bewegungsabläufe im Vordergrund. Hinzu kommt der oft erwünschte
Ausgleich affektiver Spannungen durch den Sport.
Einige Einschränkungen sind jedoch zu beachten. Sie betreffen in erster Linie die
besondere Gefährdung durch Anfälle während der Sportausübung sowie die Möglichkeit
zusätzlicher Kopfverletzungen durch bestimmte Sportarten.
Die Gefahr der Anfallsauslösung durch körperliche Belastung wird im Allgemeinen
überschätzt. Nur extreme Belastungen, wie sie bei manchen Leistungssportarten gefordert
werden, können das Auftreten von Anfällen begünstigen. Wasser und Kochsalzverlust durch
starkes Schwitzen sowie verstärkte Muskeltätigkeit wirken im Gegenteil anfallhemmend,
während übermäßiges Trinken Anfälle auslösen kann.
Panik sollte auf jeden Fall vermieden werden, es hilft weder dem
Patienten noch der Aufsichtsperson.
Dieser Text wurde abgestimmt mit Dr. med. Norbert Schaub -Internist - (Karlsruhe)
Winfried Traub, OStR am Ludwig-Marum-Gymnasium Pfinztal
Viele Textpassagen sind dem Buch : "Ärztlicher Rat für Epilepsiekranke" von
Prof. Dr. med. Ansgar Matthes 4. Auflage Georg Thieme Verlag Stuttgart 1984 ISBN 3- 13-
437304-1
entnommen.