Sport-Seiten des Oberschulamts Karlsruhe. Diese Seiten wurden am 19. Dezember 1999 veröffentlicht.

Auszug aus dem Sport-Info 2/99

 

EIN FÄCHERÜBERGREIFENDES PROJEKT:       FRANZÖSISCH UND SPORT (KLASSE 9)


Im Juni 1999 fuhr ich mit meiner Französisch – Klasse an die Dordogne, einem in Paddlerkreisen bekannten Wanderfluss im französischen Südwesten. Wir buchten in einem Sportzentrum der halbstaatlichen Organisation U.C.P.A eine Woche sportliche Aktivitäten wie Wildwasserfahren, Klettern, Bogenschießen und Höhlenforschen. Diese sportlichen Aktivitäten waren verbunden mit Aufgaben aus dem sprachlichen Bereich.

Die Weitergabe meiner Erfahrung kann, so hoffe ich, Kolleginnen und Kollegen, die ihrer Klasse „Natursport“ in Verbindung mit einem Frankreichaufenthalt anbieten wollen, die Entscheidung und die Vorbereitung erleichtern. Ein solcher Aufenthalt bietet sich - wie bei uns zum Beispiel – an, wenn keine Möglichkeit einer Schulpartnerschaft gegeben ist.

Die Klasse war eine „ganz normale“ gemischte 9. Französischklasse. „Ganz normal“ bedeutet: keine besondere Auslese, wie etwa in Neigungsgruppen, AG´s, Studienfahrten oder Ähnlichem; normale Klassengröße (29); Mädchen und Jungen je zur Hälfte.

Außerdem war kein Bootsmaterial vorhanden.

Die Inhalte und Ziele:

1. Sport

Schwerpunkt Wildwasser: Training in ruhigem Gewässer in Kajaks und Kanadiern; eine Halbtagesabfahrt und eine zweitägige Fahrt mit Übernachtung in Zelten und mit Selbstverpflegung. Vorheriger Schwimmtest unbedingt erforderlich!

fachüberKleber_FR-SP.jpg (8654 Byte)Höhlenforschung: Erforschung einer kleineren Höhle; einzelne Passagen konnten nur auf dem Bauch robbend bewältigt werden.

Seilgarten: Passagen zum Klettern, Balancieren, Überwinden, Springen und ein Flying Fox.

Bogenschießen fand besonders bei den weniger draufgängerischen Schülern dieser „ganz normalen“ Klasse großen Anklang. Zur Wahl stand auch Mountain Biking, was von unseren Schülern aber nicht gewählt wurde.

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Das Programm wurde ca. 4 Monate vorher nach unseren Wünschen ausgearbeitet und konnte auf dem Elternabend vorgestellt werden.

2. Französisch

Dolmetschen: Schon im Unterricht wurde vorher geübt, unbekannte kurze französische Texte zu wechselnden Themen als verantwortlicher Dolmetscher vor der Klasse, neben dem Sprecher, sofort zu übersetzen. Die Dolmetscher arbeiteten immer im Team zu zweit, wobei der zweite dem verantwortlichen im Notfall helfen und soufflieren durfte und sollte. Es kam darauf an, schnell und augenblicklich ein globales Verständnis des Gesagten für die Klasse herzustellen. Fehler im Einzelnen, besonders im deutschen Satzbau, wurden verziehen. Wichtig war auch lautes und verständliches Sprechen, auch bei Unsicherheiten.

Für die Schüler bedeutete diese Situation einen großen Praxisschock, besonders als die „moniteurs“, die Sportlehrer, später in ganz normalem Sprechtempo über sehr spezielle sportliche Sachverhalte sprachen, wie z. B. die Paddelführung bei verschiedenen Paddelmanövern.

Während des gesamten Aufenthaltes waren Zweierteams zum Dolmetschen („Où est le service de traduction??“) eingeteilt, in jeder Sportgruppe und Programmeinheit.

Fachvokabular:  Der Leiter des Zentrums schickte mir vor der Reise ausführliches Informationsmaterial zu. Die Klasse lernte die wesentlichen Fachbegriffe (le canoë, la combinaison néoprène, la pagaie , le contre – courant)...) bereits vor Abfahrt im Französischunterricht. Verbunden damit war selbstverständlich auch eine erste Einführung in die Sportart selbst („Was ist Kehrwasser?“)

 Schreiben / Freie Textproduktion: Am Ende der Fahrt war ein Dossier abzugeben , der Folgendes enthielt:

 

Interview sur Daniel Nivel

Interview avec un monsieur et une dame française. Nous les avons rencontrés à Rocamadour.

Moi: Bonjour. Avez-vous un peu de temps pour nous?
M: Oui. Pourquoi?
Moi: Nous sommes élèves d’une classe allemande. Nous sommes ici au centre UCPA, et notre professeur nous a donné le devoir de vous poser des  questions sur l’affaire Daniel Nivel. Connaissez-vous Daniel Nivel?
C’est le gendarme qui a été assommé pendant la coupe du monde l’été de l’année dernière.
M: Oui, je le connais.
Moi: Qu’est-ce que vous pensez de la chose que les hooligans ont faite?
M: C’est terrible, la chose qui s’est passée pendant la coupe du monde. Je suis instructeur de football, et je pense que les hooligans ne devraient pas exister .
Moi: Vous êtes instructeur de football? De quel âge?
M: De tous âges.
Moi: Très bien. Alors. Qu’est-ce que vous pensez, pourquoi est-ce que les hooligans ont fait ça?
Mme: C’est très difficile. Je ne sais pas. Peut-être qu’ils ont des problèmes.
Moi: Avez-vous déjà vu un truc comme ça?
M: Non, jamais. Seulement à la télévision.
Moi: Alors. Ce sont toutes les questions. Merci pour y répondre. Bonne journée. Vous êtes ici en vacances?
Mme: Oui, nous sommes ici en vacances. Nous habitons en Bretagne. Et vous? Tu as dit que tu es allemand. Où est-ce que tu habites?
Moi: Moi, j’habite à Karlsruhe. C’est près de Strasbourg.
M: Près de Strasbourg? Nous étions au bord du Bodensee en vacances deux  fois. Tu connais Konstanz?
Moi: Oui, oui, je connais. Vous aimez l’Allemagne?
Mme: Oui.
Moi: Ça n’a pas changé depuis la coupe du monde?
Mme: Non, ça ne dépend pas de ça!
Moi: Oui, merci et au revoir.
M et Mme: Au revoir.

Der Dossier geriet meist um die zehn Seiten stark (!). Es war erlaubt, jeglichen französisch sprechenden Menschen um mündliche und schriftliche Hilfe zu bitten. Dies stellte keineswegs eine Verlagerung der Leistung auf fremde Schultern dar, sondern die Schüler sahen sich erst recht in der Notlage, auf jeden Fall zu verstehen, was  ein solch freundlicher Mensch ihnen jetzt wohl genau vermitteln wollte... Es ergab sich in vielen Fällen eifrige Zusammenarbeit. Der Dossier wurde benotet.

Die Kosten

Der Aufenthalt kostete 430 DM Vollpension inklusive sportliche Betreuung, Materialgestellung, Transporte usw. Die Fahrt im Bus 175 DM / Person. Weitere Kosten kamen nicht dazu. Insbesondere hatten die Schüler kaum Gelegenheit, Geld auszugeben, da das Centre sich auf einer Insel im Fluß befindet.

Die Betreuung

Unsere Klasse wurde für die sportlichen Aktivitäten in zwei oder drei Gruppen aufgeteilt. Beim Paddeltraining am Anfang kümmerten sich vier „moniteurs“ um die Klasse, bei der zweitägigen Tour mit Übernachtung begleiteten uns drei; am letzten Tag, als wir Bogenschießen, Höhlenforschung und Klettern im Klettergarten wählten, wurden drei Gruppen mit jeweils ein bis zwei Betreuern gebildet. Diese waren ausnahmslos junge hervorragend ausgebildete Absolventen von staatlichen Sportschulen.

Das Material

Welche Sportart wir auch immer zu betreiben beliebten: Immer gab es bestens ausgestattete Materialkammern. Für das Wildwasser: Einer – Kajaks und Zweier - Kanadier in großer Anzahl, Transporter, Neoprenanzüge; für den Klettergarten: Gurte, Helme; alles für das Bogenschießen; alles für die Höhlenerkundung: Reißfeste Overalls, Gurte, Karbidlampen. Mit der UCPA gab es nicht das Materialproblem, das sich unweigerlich jedem Sportlehrer stellt, wenn er eine solche sportliche Unternehmung vollkommen selbst organisieren muß.

Die Organisation

UCPA (Union des Centres de Plein Air) ist eine halbstaatliche Organisation mit ca. 40 Häusern in Frankreich, die im Winter und im Sommer Freiluftsportarten anbietet. Es kommen Klassen, Ferienkinder und Einzeltouristen dorthin. Die deutsche Agentur hat ihren Sitz in Frankfurt. Alle Informationen werden schriftlich und telefonisch auf Deutsch gegeben.

Die Autorin des Artikels gibt hier die Adresse für interessierte Kolleginnen und Kollegen weiter und steht auch für weitere Fragen zur Verfügung.

U. C. P. A. Deutschland
c/ o Maison de la France
Westendstr. 47
60325 Frankfurt

Tel. 069 – 97 59 04 91
Fax 069 – 97 59 04 93

Gabi Kleber StD´in am Gymnasium Karlsbad
Hessestraße 5
75334 Straubenhardt

Tel 07082 – 93146

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