Sport-Seiten des Oberschulamts Karlsruhe. Diese
Seiten wurden am 27 Juli 1997 veröffentlicht.
Auszug aus dem Sport-Info 1/97
Schulsport für Nichtsportler/innen
Einige ausgewählte Punkte, die sich eignen könnten, bei Eltern und
Lehrern (Lehrerinnen) Verständnis zu erwecken für Kinder und Jugendliche, die dem
Schulsport bis jetzt möglicherweise eher fremd gegenüberstanden.
Lernziele und Unterrichtsinhalte
"Im Sport lernt man nichts". Richtig.
Richtig ist aber auch: "Danach kann man wieder besser lernen".
Im Sportunterricht wird nicht - wie in einem theoretischen Lernfach im
Klassenzimmer - der Erwerb von Wissen vorrangig gefördert. Es werden keine Bücher
ausgegeben, keine Hefte geführt.
Es versteht sich von selbst, daß im Sportunterricht die Bewegung im
Vordergrund steht, die im Alltag unserer Schüler und Schülerinnen immer weniger
vorkommt. Ein Tag wie jeder andere im Leben eines Schülers der siebten Klasse kann
durchaus so aussehen:
| Morgentoilette, Weg zum Bus, Schritte zur und in der Schule, Rückweg, Bewegung zu Hause: Insgesamt 1650m zu Fuß! |
Die Lebensbedingungen unserer Jugend haben sich gegenüber der Elterngeneration grundsätzlich geändert. Selbsttransport und körperliche Arbeit kommen so gut wie nicht mehr vor, werden sogar manchmal unter dem Gesichtspunkt des Statussymboldenkens als Kennzeichen einer niedrigeren sozialen Schicht betrachtet und dementsprechend vermieden.
Bewegung als Ausgleich zur sitzenden Lebensweise muß in unserer Gesellschaft von Elternhaus und Schule bewußt herbeigeführt werden. Körperliche Bewegung als Notwendigkeit des täglichen Lebens ist ein historisches Relikt einer vergangenen Epoche. Die Straße als Spielraum, das Fußballspiel oder die Schneeballschlacht am Nachmittag, Streifzüge mit dem Fahrrad durch die nähere Umgebung, regelmäßige Mithilfe im Garten oder in der Landwirtschaft: In wessen Biografie kommt das heutzutage noch regelmäßig vor?
Für immer mehr Schüler/innen - ab ca. vierzehn Jahren und bei Mädchen häufiger als bei Jungen - ist die Sportstunde die einzige Bewegungszeit in der Woche. Selbstverständlich sind da auch noch die Sportlichen, die bei jedem Wetter mit dem Fahrrad zur Schule radeln und mehrmals in der Woche regelmäßig Sport treiben. Nur: Wer vor ca. zwanzig Jahren noch als normal "gesund und belastbar" gelten konnte, ist heute schon in der Minderheit.
Wir wollen jedoch nicht den Sportunterricht nur auf seine Ausgleichsfunktion und seinen Gesundheitswert reduzieren. Kein Argument läßt Jugendliche gleichgültiger als dieses. Junge Leute blicken optimistisch in die Zukunft. Sie betrachten körperliche Beeinträchtigungen (Dysbalancen, Muskelverkürzungen, Kreislaufschwäche, Fettsucht, Krankheitsanfälligkeit) als vorübergehend. Was zählt, ist Spaß und Umgang mit Freunden in der peer group.
Leistung
"Leistungssport macht krank"
Noch in den 70er Jahren war das Verhältnis zu Leistung im Sport und zu Leistungssport ungebrochen. Es bestand Konsens sowohl bei Eltern als auch bei Lehrer/innen und Schüler/innen darüber, daß Leistung, und zwar absolute und meßbare, zählte. Wer "es konnte", war im Sport und auch ansonsten angesehen, und wer "es halt nicht konnte", mußte mit einer schlechen Note rechnen, die dann auch akzeptiert wurde. Der Schulsport verstand sich als Zubringer zum Vereins- und Leistungssport.
Das war die Zeit der nationalen Euphorie vor und nach München 1972 - die Zeit der
Gründung des Schulsportwettbewerbs "Jugend trainiert für Olympia". Dieser
Wettbewerb feierte sein fünfundzwanzigjähriges Bestehen 1995. Die Vorstellung, daß eine
Mannschaft, die in ihrer Schule, womöglich im Sportunterricht einer einzigen Klasse,
unterrichtet und trainiert wird, sich im überregionalen Wettkampfsport bis auf
Bundesebene gegen andere Schulmannschaften durchsetzen könnte, war damals Grundlage und
ist heute vollkommene Utopie.
Was hat sich seither geändert?
1. Die Lebensweise der jungen Leute (s. o.)
2. Das Verhältnis der Gesellschaft zur Leistung (Die 68er - Generation)
3. Die Vorbildfunktion des Leistungssports ist verloren gegangen.
1. Die zivilisationsbedingt bewegungsarme Lebensweise der Kinder bringt unter anderem mit sich, daß im Durchschnitt unsere Jugend im Vergleich zu vor zwanzig Jahren etwa signifikant weniger sportliche "Leistung" erbringen kann. Die Erfordernisse des Sportabzeichens, die sich in ihrer Summe als eine Art Mindestanforderung an körperliche Fitness verstehen und im Einzelnen, in Noten ausgedrückt, etwa der Note vier / "ausreichend" entsprechen, können in unseren Klassen derzeit auch nach längerer Übungszeit von etwa einem Drittel der Schüler/innen nicht erbracht werden - mangels körperlicher Fitness.
Die traditionellen Bundesjugendspiele, bei denen noch vor zehn Jahren unsere gesamte Schülerschaft in einem gemeinsamen Schulsportfest einen Dreikampf aus Lauf, Wurf / Stoß und Sprung absolvierte, wurden zunächst von einem Vergleich unter Freiwilligen an einem Nachmittagssportfest abgelöst. Daran beteiligten sich etwa 350 von 900 Schüler/innen.
Heute stehen große Schulsportfeste indessen schon im Zeichen der neuen Zeit: Spaßwettbewerbe mit Mannschaftswertung, nichtstandardisierte Aufgaben wie z. B. Wurfgolf oder Zielschießen als Aufgabe für die Gruppe, in die alle - Sportliche wie Nichsportliche - ihre persönliche Leistung einbringen können.
Der Sportunterricht muß - wie jeder gute Unterricht überhaupt - "die Kinder da abholen, wo sie stehen." Die Ausrichtung an meßbarer, standardisierter und vergleichbarer (Einzel-) Leistung im (Einzel-) Wettbewerb weicht allmählich der Aufgabe, Schüler/innen überhaupt zu Bewegung, Spiel und Sport zu animieren.
Ein paar Beispiele mögen dies verdeutlichen:
| Heute | Früher |
| Gruppenturnen
nach Musik. Acht Schüler/innen gleichzeitig an einem Schwebebalken |
Einzeln vorturnen nach Noten |
| Gruppenchoreografie Nicht-normierte turnerische Elemente |
Einzelvorführung festgelegte Pflicht |
| Verschiedener Schwierigkeitsgrad ist möglich | Das "Alles - oder Nichts - Gesetz" Man kann's oder man kann's nicht, und alle sehen es. |
| Gruppenwettkämpfe in der Leichtathletik oder im Schwimmen | Als Einzelne/r gegen die anderen antreten |
| Alle beteiligen sich Die Summe der Einzelleistungen ergibt die Mannschaftsleistung |
Konkurrenz |
| Handicapwettbewerbe: Die besseren Schüler/innen müssen eine längere Strecke laufen, dürfen erst später starten usw. |
Als Erste/r oder als Letzte/r ankommen |
2. Das Verhältnis zu Leistung hat sich drastisch verändert. Die 68er Generation
verurteilte "Leistung" und Leistungsstreben als etwas, das "kaputt
macht". "Lust statt Frust" war die Devise, und (Schul-) Sport wurde mit
Frust gleichgesetzt. Wenn heute ein Arzt ein Attest für eine/n Schüler/in gegen
"Leistungssport" unterschreibt oder Eltern mit der gleichen Begründung die
Nichtteilnahme ihrer Kinder am aktiven Schulsport unterstützen, kämpfen sie
möglicherweise noch mit den damaligen Argumenten, ohne zu bedenken, daß sich die
Bedingungen, unter denen die Jugend unserer wohlbehüteten Wohlstandsgesellschaft
aufwächst, sehr stark von denen der 50 er Jahre unterscheiden.
Selbstverständlich ist auch heute noch eine herausragende sportliche Leistung Vorbild
und Ansporn für die anderen und verdient auch eine gute Benotung. Der Großteil der
Schüler/innen jedoch wird nicht zu einer vorher festgelegten standardisierten Fertigkeit
gepeitscht; eher haben sie fast nur noch im Sportunterricht Gelegenheit, sich zu bewegen,
motorisch zu lernen und sich auszuleben, zu spielen und sich Handlungsfähigkeit
für das sportliche Leben nach der Schule zu erwerben
Handlungsfähigkeit heißt : Mitmachen können, die Voraussetzungen
mitbringen, auswählen können: Wer über ein gewisses Repertoire verfügt und
Kompetenz mitbringt, kann am neuen Studienort, am späteren Wohnort, in einer neuen
Umgebung sportlich und gesellig leichter Anschluß finden. Für viele Menschen ist der
Gesichtspunkt der Leistung im Sport heute völlig untergeordnet. Sie erhoffen sich
vielmehr vom Sport, daß er ihnen soziale Kontakte in unbeschwerter Runde in angenehmer
Gesellschaft ermöglicht. Dieses Ziel kann der Schulsport ohne Einschränkungen bejahen.
3. "Leistung" in dem Sinne, wie uns der Leistungssport in den Medien
begegnet, kann für die Schule kein Vorbild mehr sein. Zu viele unappetitliche Skandale á
la Krabbe und Co. haben die Vorbildwirkung von Sportler/innen , die für Geld ihren
Körper verkaufen oder ruinieren und Betrug für Leistung ausgeben, nachhaltig
diskreditiert. Ziel für den Schulsport kann es heute zum Beispiel sein, Schüler/innen
die Voraussetzungen zu späterem lebenslangen Sporttreiben mitzugeben, nicht aber, die
Ausbeutung des eigenen Körpers zur Existenzgrundlage zu machen.
Belastung/Beeinträchtigung des momentanen Wohlbefindens
"Belastung" : Ist das nicht etwas Unangenehmes, Drückendes, Krankmachendes?
Müssen Schüler/innen sich nicht dagegen verwahren, einer belastenden Situation
ausgesetzt zu werden? Muß man als Eltern den Kindern nicht eine solch unangenehme
Situation ersparen?
Spätestens jetzt sind ein paar klärende Unterscheidungen notwendig. In dieser Sache
muß man wohl unterscheiden zwischen funktioneller und unfunktioneller Belastung.
Nicht alles, was müde macht, zum Schwitzen bringt, jemanden in eine ungewohnte Situation
(z.B. kopfunter) drängt, blaue Flecken hinterläßt, Schwielen verursacht, die Haare in
Unordnung bringt, im Mund "so ein trockenes Gefühl beim Atmen" hinterläßt
oder einen trotz Wind und Wetter nach draußen jagt, ist für gesunde Menschen an sich
krankmachend oder belastend. Müdigkeit nach körperlicher Belastung ist noch nie etwas
Alarmierendes gewesen, sondern schon immer nur eine Vorstufe auf dem Weg zu größerer
körperlicher Fitneß.
Der Körper pendelt sich nach einer Erholungsphase auf einem höheren Belastungsniveau
ein, und das ist eine ganz normale Anpassungserscheinung des Stoffwechsels, wie übrigens
auch die Schwielen eine Reaktion auf mechanische Beanspruchung der Haut darstellen.
Junge Menschen, hauptsächlich in der Wachstumsphase, brauchen Belastungsreize als
Funktionsreize, um ihre Körperorgane und Körperfunktionen überhaupt reifen zu
lassen. Wer ein Kind beziehungsweise einen jungen Menschen nur unter dem Aspekt seines
intellektuellen Werdegangs fördert, versündigt sich an seiner physischen Existenz, die
bei solch körperfeindlicher Nicht - Beachtung verkümmern kann. Das Training der Herz-
Kreislauffunktion wird in der Bundesrepublik Deutschland heute weniger beachtet als das
Zähneputzen zur Vorbeugung gegen Karies. Wie wäre es mit: "Hast Du heute schon
etwas für Dein Herz getan?".
Wer nie längere Zeit ununterbrochen gelaufen ist, wird nie das Glücksgefühl
erfahren, daß man noch stundenlang so weiterlaufen könnte. Wer nie bei Regen nach
draußen gegangen ist, bekommt tatsächlich bei jedem Wetterumschlag einen Schnupfen. Wer
nie im Winter ins Freie geht, hat nie gelernt, daß warme Kleidung gegen Frieren hilft. So
banal sind teilweise die Erfahrungen, die unsere Kinder nicht gemacht haben, weil
das Auto sofort kommt, um sie abzuholen.
Wer sich nicht auf vielfältige Art und Weise zu bewegen gelernt hat, stolpert bei
jeder kleinsten Gelegenheit und ist prädestiniert für häufige kleine Verstauchungen,
Zerrungen, Unfälle und Erkältungen bei jedem geringsten Anlaß.
Konzentrationsschwächen durch Dauerstreß ohne Wechsel von Spannung und
Entspannung, Belastung und Entlastung sind oftmals Folgen einer falsch verstandenen
Vermeidung von "Belastung". "Weiche" Therapien, die nicht ins
Schwitzen bringen, nicht "belasten" und überhaupt viel eleganter in den Alltag
einzubauen sind, wie z. B.. Meditation, Autogenes Training oder gar Stretching ohne die
entsprechende Kräftigung, sind Therapien für Erwachsene oder Kranke, aber nicht für
Kinder in der Wachstumsphase.
Möglicherweise wäre diese Schulsportstunde, von der eine noch so gut gemeinte
Entschuldigung die Schülerin oder den Schüler befreit, an diesem Tag oder gar in dieser
Woche die einzige Gelegenheit gewesen, bei der er oder sie etwas anderes getan hätte als
sitzen?
Notengebung / Notendifferenzierung
"In allen Klassenstufen haben die Lehrerinnen und Lehrer ... die motorischen
Leistungsvoraussetzungen der Klasse sowie einzelner Schülerinnen und Schüler ... zu
berücksichtigen. Individuellen Einschränkungen und Behinderungen ist Rechnung zu
tragen"
Verschiedene Formen der Differenzierung sollen genutzt werden, um alle Schülerinnen
und Schüler angemessen zu fördern."
"Die sportlich weniger Begabten bedürfen der besonderen Zuwendung der Lehrerin
beziehungsweise des Lehrers "
Aus diesen wenigen Zitaten aus dem Lehrplan Sport / Gymnasium ersieht man einige
grundsätzliche Unterschiede zwischen einem "Lernfach" im Klassenzimmer und dem
Sportunterricht. In einem "Kopffach" ist es erklärtes Ziel, daß am Ende einer
Unterrichtseinheit und eines Schuljahres alle den Stoff beherrschen beziehungsweise
das Klassenziel erreicht haben. Wenn das nicht der Fall ist, muß eine Schülerin oder ein
Schüler mit Sanktionen in Form von schlechten Noten bis zum Sitzenbleiben rechnen. Bevor
dieser "GAU" eintritt, werden allerlei Vorwarnungen ausgesprochen, wie z. B.
Gespräche mit Schüler/innen und Eltern; zusätzliche Übungsaufgaben, verstärkte
Hausaufgabenkontrolle, Nachhilfe und vieles mehr werden erwogen.
Im Sportunterricht ist es dagegen durchaus denkbar, daß nicht alle das Übungsgut
beherrschen, ja sogar, daß manche die Übung nie in ihrem Leben beherrschen werden. Dies
gilt heutzutage schon für die Rolle rückwärts am Boden, falls sie vor der Pubertät
nicht erlernt wurde. Trotzdem müssen diese Schülerinnen und Schüler, immer
vorausgesetzt, sie strengen sich an, geben ihr Bestes, fehlen selten (und wenn, dann mit
einer akzeptablen Entschuldigung) und setzen sich untadelig für die Klasse bei
Schiedsrichtertätigkeit, Geräteauf- und abbau und Hilfestellung ein, nicht unbedingt mit
einer allzu schlechten Note im Fach Sport rechnen.
Es kann, um die Sache zu verdeutlichen, durchaus eine - absolut gesehen - sehr
schlechte Leistung eine persönliche Bestleistung sein. Was nachher die Endnote im Fach
Sport ergibt, ist eine pädagogische Gewichtung von erbrachter sportlicher Leistung und
vom persönlichen Einsatz des Schülers oder der Schülerin bei der Zusammenarbeit mit dem
Partner und in der Gruppe, beim selbständigen Üben, beim Sichern und Helfen, bei der
Übernahme von Linien- und Schiedsrichtertätigkeit und bei der Organisation von
Schulsportwettkämpfen.
Aus meiner Sicht haben sich die Schwerpunkte in den letzten zehn Jahren derart verschoben, daß eigentlich nicht mehr die aufbauend - fördernde besondere Aufmerksamkeit für die sportlich weniger Begabten, die wir Sportkolleg/innen alle bejahen und in die Tat umsetzen, das Problem ist, sondern die ebenso wichtige Förderung der wirklich sportbegabten Schüler/innen in einer normal gemischten Schulklasse.
Es wird immer schwieriger, nach dem Prinzip der Differenzierung gleichzeitige
Übungsangebote sowohl für die sportlich Begabten als auch für die Nichtbegabten zu
machen. Ich habe schon Unterrichtsstunden gesehen, in denen eine Referendarin nach drei
verschiedenen Schwierigkeitsgraden gleichzeitig differenziert hat, nur um allen
gleichermaßen gerecht zu werden
Koedukation in den Klassen 5 und 6
In keinem Fach am Gymnasium ist das unterschiedliche soziale und motorische Verhalten
von Jungen und Mädchen augenfälliger als im Sport. Im Klassenzimmer sitzen sie
allenfalls getrennt und unterscheiden sich möglicherweise in ihrem Arbeitsverhalten:
Mädchen werden als angenehmer und leichter zu unterrichten betrachtet, weil sie
Anweisungen der Lehrkraft eher Folge leisten als Jungen. Sie sind fleißiger und
zuverlässiger in der Erledigung der Arbeitsaufträge.
Jungen proben schon sehr früh den Aufstand gegen die Autorität, um ihre Bedürfnisse durchzusetzen. Sie stören mehr, widersprechen mehr, werden aber im allgemeinen als kreativer und intelligenter eingestuft.
Leistungsmäßig gibt es keine signifikanten Unterschiede; allenfalls ein
unterschiedliches Wahlverhalten bei der Kurswahl in den Klassen 12 / 13 und eine
unterschiedliche Einstellung zu Computern.
In der Turnhalle sind die Geschlechterunterschiede augenfällig. In den Klassen 5 / 6 sind die Mädchen deutlich besser in Gymnastik / Tanz und im Turnen als die Jungen. Sie haben mehr Sinn für die ästhetische Feinausformung einer Bewegung und eine bessere Körperkoordination. Jungen sind besser in den Spielen. Sie sind mehr auf Krafteinsatz, auf Kämpfen und Gewinnen ausgerichtet.
In ihrem Sozialverhalten sind sie denkbar unterschiedlich. Mädchen neigen eher als Jungen dazu, Anweisungen zu befolgen. Sie wollen, daß "alle gleich" sind und bekämpfen jede Abweichung vom Gruppenverhalten. Wenn jemand ihnen etwas (einen Ball) wegnehmen will, geben sie es schneller preis als Jungen. Wenn ihnen jemand den Weg verlegt, neigen sie eher dazu, auszuweichen und den Weg freizugeben.
Der Zwang, zu kämpfen und sich durchzusetzen, verursacht den Mädchen Streß und Konflikte, während die Jungen erst so richtig "aufblühen". Jungen sind eher konkurrenzorientiert. Sie neigen nach einem ungeschriebenen "Alles - oder - Nichts" - Gesetz zu hohem , oftmals unkoordiniertem Krafteinsatz. Sie nehmen mehr Raum in Anspruch als Mädchen. Sie kämpfen untereinander um die Hierarchie und akzeptieren sie dann auch.
Für einen Lehrer / eine Lehrerin eines "Kopffaches" im Klassenzimmer wäre es sicherlich eine helle Freude zu sehen, wenn sich Jungen beispielsweise in Latein oder Mathematik ähnlich verbissen gegenseitig die Führung streitig machen würden wie bei einem Basketballspiel. Aufgrund der oben genannten unterschiedlichen Verhaltensweise der Jungen und der Mädchen haben z. B. die Sportlehrer und Sportlehrerinnen des Gymnasiums Karlsbad beschlossen, die Jungen und Mädchen im Sport nur noch getrennt zu unterrichten, um den unterschiedlichen Bedürfnissen und Voraussetzungen beider Geschlechter gerecht zu werden.
Die ursprüngliche Hypothese über Koedukation, daß die Geschlechter nur gleich
behandelt zu werden bräuchten, um gleich zu werden, hat sich meiner Ansicht nach nicht
bestätigt.
Für sportlich interessierte Leser/innen mögen gewisse Themen hier fehlen. Dieser
Artikel ist aber ausdrücklich nicht für die große Gruppe derjenigen Schüler und
Schülerinnen geschrieben, die Spaß am Sport haben, gerne in den Sportunterricht gehen,
an den zahlreichen freiwilligen Schulsportveranstaltungen teilnehmen und freiwillig und
kompetent Aufgaben für die Schulgemeinschaft übernehmen.
Gabi Kleber STD´in Gymnasium Karlsbad