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Gewußt wie! - Basiswissen für den Pferdehalter

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Zu den typischen Arthroseformen beim Pferd gehören die Arthrose der Sprunggelenke, die Gelenkschale, die Arthrose des Hufrollenkomplexes und die Gleichbeinlahmheit.

Die Arthrose der Sprunggelenke - auch Spat genannt - ist eine der häufigsten Lahmheitsursachen der Hinterhand des Pferdes. Das Sprunggelenk (Hinterfußwurzelgelenk, Tarsalgelenk, Articulatio tarsi) des Pferdes ist ein äußerst kompliziertes und empfindsames Wechselgelenk bestehend aus rund 15 größeren und kleineren Knochen, Knorpelschichten, Bändern und Sehnen. Das Sprunggelenk wird körpernah (proximal) durch Wadenbein (Tibea) und das mit ihm verwachsene stark reduzierte Schienbein (Fibula) und körperfern (distal) durch die Metatarsalknochen gebildet. Dazwischen liegen die kleinen Tarsalknochen in drei Reihen angeordnet. Die proximale oder kurale Reihe besteht aus dem Sprungbein (Talus) und dem plantar und lateral gelegenen Fersenbein (Kalkaneus). Die unvollständige mittlere oder intertarsale Reihe besteht nur aus einem Knochen, dem Os tarsi centrale. Dieser Knochen ist dorsal breiter als plantar und endet lateral auf Höhe von Waden- und Schienbein. Die distale Reihe wird aus den Os tarsale I und II, die in der Regel miteinander verwachsen sind, dem Os tarsale III, dem größten und breitesten Knochen, und dem lateral gelegenen Os tarsale IV gebildet. Damit ergeben sich vier horizontal verlaufende Gelenkspalten, die eigene Gelenkhöhlen besitzen: Distal das aus Wadenbein und Sprungbein gebildete Talokruralgelenk. Das Talokruralgelenk ist ein Schraubengelenk und ermöglicht als einziges Gelenk eine ausgiebige Bewegung. An das Talokrualgelenk schließt sich das obere Hinterfuß-Mittelgelenk (proximales Intertarsalgelenk) an, in dem das Wadenbein mit dem Os tarsi centrale und das Schienbein mit dem Os tarsale IV artikulieren. Das obere Hinterfuß-Mittelgelenk ist auf Grund einer sehr straffen Gelenkkapsel nahezu ohne Bewegung. Distal schließt sich das ebenfalls straffe untere Hinterfuß-Mittelgelenk (distales Intertarsalgelenk) an. Das distale Intertarsalgelenk verbindet das Os tarsi centrale distal mit dem Os tarsi I und II sowie dem Os tarsi III und plantar Os tarsi III und Os tarsi IV. Am weitesten distal liegen die Hinterfuß-Mittelfußgelenke (Tarsometatarsalgelenke), welche die Os tarsi I-IV mit den Metatarsalknochen verbinden. Die Tarsalknochen einer Reihe sind wiederum durch die Hinterfußwurzel-Zwischengelenke verbunden. Und dann gibt es noch die Hintermittelfuß-Zwischengelenke zwischen dem Os metatarsale III und dem Os metatarsale II bzw. Os metatarsale IV, die mit den Tarsometatarsalgelenken kommunizieren. Vom Spat betroffen ist gewöhnlich das distale Intertarsalgelenk, das Tarsometatarsalgelenk und unter Umständen auch das proximale Intertarsalgelenk, also alle straffen Tarsalgelenke. Ist der obere bewegliche Bereich des Sprunggelenks betroffen, spricht man auch vom hohen Spat.

Nach diesem anatomischen Ausflug ist es auch klar, daß die straffen Tarsalgelenke weniger der Bewegung als vielmehr der Stoßabsorption der auf sie einwirkenden Druck- und Schubkräfte sowie dem Abfangen von Drehbewegungen dienen. Insoweit wird auch verständlich, warum Spatpferde sich in der gleichförmigen Bewegung einlaufen, aber auf harten Boden und nach Stolpern besonders lahmen.

Die Bänder des Tarsalgelenks werden nach ihre Lage in Seitenbänder, proximale und distale Fußwurzelbänder und Fußwurzel-Mittelfußbänder eingeteilt. Die kurzen und langen Seitenbänder verlaufen auf der Innen- und Außenseite des Gelenks, wobei die langen Seitenbänder alle vier horizontalen Gelenkspalten, die kurzen jeweils nur eine überqueren. Die zwischen Wadenbein und Schienbein verlaufenden proximalen Fußwurzelbänder sind im Gegensatz zu den distalen Fußwurzelbändern, welche für die Straffheit der drei unteren Gelenkreihen verantwortlich sind, nur von untergeordneter Bedeutung. Die Fußwurzel-Mittelfußbänder sorgen wiederum für eine straffe Verbindung der Os tarsale I-IV mit den Metatarsalknochen.

Die Innervation des Sprunggelenks erfolgt durch die beiden Äste des Nervus ischiadicus, dorsal durch den Nervus peronaeus communis mit seinem superficialen und seinem profunden Ast, plantar durch den Nervus tibialis.

Die Blutversorgung des Sprunggelenks erfolgt dorsal über die A. dorsalis pedis und plantar über die A. plantaris medialis und lateralis.

Von besonderer Bedeutung ist die mediale Endsehne des M. tibialis cranialis, welche am Os tarsale I und II sowie am medialen Griffelbeinköpfchen inseriert. Sie wird auch als Spatsehne bezeichnet. Ihre Durchtrennung ist eine Möglichkeit für eine chirurgische Behandlung des Spats. Die Endsehne ist kurz vor ihrer Insertion von einem Schleimbeutel, dem sog. Spatsehnenschleimbeutel) unterlagert, dessen Erkrankung (Bursitis) von klinischer Bedeutung ist.

Spat verläuft in der Regel schleichend. Er nimmt einen chronisch-degenerativen Verlauf. Es werden aber auch entzündliche Prozesse beobachtet. Im Vordergrund stehen dabei Veränderungen des Gelenkknorpels, der Struktur und Form der Gelenkfläche, der Gelenkkapsel und der Beschaffenheit der Gelenksflüssigkeit. Ausgangspunkt des Spats ist in der Regel die mediale oder dorsomediale Gelenksfläche. Anfangs sind nur die Knorpelschichten betroffen. Die normalerweise weiß-bläulich glänzenden Knorpel verlieren an Glanz und verfärben sich zunächst gräulich, später gelblich-trüb. Es zeigt sich eine geringfügige Lahmheit, die im Laufe der Bewegung wieder verschwindet. Röntgenologisch lassen sich noch keine Schädigungen des Gelenks erkennen. Dann beginnt die Oberfläche aufzufasern. Usuren, Erosionen und Ulzerationen folgen. Wo der Knorpel vollständig aufgelöst ist, kann es zur Pannusbildung mit Faserknorpel oder zu Kochenneubildungen kommen. Das Endstadium ist durch innere und äußere Ankylosenbildung gekennzeichnet. Bei der inneren Ankylosenbildung werden die freigelegten Stellen des subchondralen Knochens mit Bindegewebe aufgefüllt, das sich mit dem Bindegewebe einer Usur der korrespndierenden Gelenksfläche vereinigt und gegebenenfalls ossifiziert. Auch im Knochen selbst kommt es zu Umbauvorgängen. Die äußere Ankylosenbildung führt zu durch periostale Neubildungen entstandenen Auftreibungen (Exostosen) an der medialen Fläche des Sprunggelenks, welche je nach Größe auch von außen sichtbar in Form der so genannten Spatbeule wahrgenommen werden. Füllen die Knochenzubildungen die engen Gelenkspalten der im unteren Gelenksbereich nur wenig beweglich angeordneten Knochen vollständig aus, weicht die schmerzbedingte Lahmheit einer mechanischen Lahmheit. Neben dieser normalen Form gibt es auch noch den osteolytischen Spat, der mit einer Auflösung der Knorpel und Gelenke verbunden ist.

Wie bei allen Arthrosen liegt der Entstehung von Spat ein Missververhältnis zwischen Beanspruchung und Belastbarkeit vor, sprich eine Überbelastung des Gelenks. Diese kann durch äußere (direkte) sowie innere (indirekte) Ursachen entstehen. Äußere Ursachen können Traumata in Form wiederkehrender minimaler oder einmaliger umfangreicher Distorsionen und Kontusionen, einseitige Belastungen wie sie z.B. bei Trabrennpferden und Voltigierpferden auftreten, häufige Bewegung auf harten und unebenen Böden, Wegfall der Stoßdämpferfunktion des Sprunggelenks bei Ermüdungszuständen des Pferdes oder nicht korrekter Hufbeschlag (Brechung der Zehenachse wird vom Pferd mit Brechnung der Fußachse kompensiert, was zu Fehlbelastungen im Sprunggelenk führt; auch Hufeisen, welche das Gleiten des Hufes beim Aufsetzen verhindern - z.B. Stollen!). Zu den inneren Ursachen werden der Bau des Sprunggelenks, die Gliedmaßenstellung, die Proportioniertheit des Gelenks zum Körper, Fehlernährung und Störungen im Mineralstoffwechsel und Vitaminhaushalt insb. des heranwachsenden Pferdes, Erkrankungen des Sprunggelenks (z.B. Arthritis), Alter, Temperament und die Genetik gezählt.

Die typischen Symptome von Spat sind das Einlaufen des Pferdes im Laufe der Bewegung, die wetterbedingte Abhängigkeit des Grades der Lahmheit, verstärkter Abrieb der Zehe durch bevorzugten Auffußens mit der Hufspitze, um den Schwingbogen des Fußes wegen des Beugeschmerzes im Sprunggelenk zu verkürzen und abzuflachen, verstärktes Entlasten oder Unterstellen des betreffenden Beines im Stand, bislang nicht vorhandene Schwierigkeiten beim Hufegeben, in der starken Versammlung, beim Bergab- und Bergaufreiten, bei engen Wendungen, beim Abspringen und im Trab (z.B. Galopprolle), Umfangsvermehrungen. Die ersten Symptome können auch nur als Verpannung des Rückens auftreten, ohne daß Bewegungsstörungen der Hinterhand zu beobachten sind.

Die Diagnose erfolgt durch eine möglichst genaue Anamnese, der klinischen Untersuchung und der röntgenologischen Untersuchung. Die klinische Untersuchung sollte die Vorstellung des Pferdes im Schritt und Trab umfassen, einmal möglichst ohne vorherige Bewegung, um zu vermeiden, daß eine geringfügige Lahmheit sich einläuft, und einmal nach Durchführung der Beugeprobe des Sprunggelenks (Spatprobe), bei der das Sprunggelenk für etwa zwei Minuten gebeugt wird und das Pferd sofort nach dem Loslassen antraben muß. Bei Vorliegen von Spat sollte das Pferd die ersten paar Schritte stärker lahm gehen als vor der Beugeprobe. Beim Vortraben ist auf eine Asymmetrie der Kruppenmuskulatur und der Tubera coxae, eine Verkürzung der Vorführphase des betroffenen Beines, eine Abflachung des Bogens in der Vorführphase und eine verminderte Streckung des Fesselgelenks zu achten. Evtl. verstärkt sich die Lahmheit beim Vortraben auf dem Zirkel. Wird das Pferd eng gedreht, kann möglicherweise Wendeschmerz beobachtet werde. Zur Lokalisation des Ortes der Schmerzempfindlichkeit kann auch eine Anästhesie herangezogen werden, bei der nach und nach die Schmerzempfindlichkeit des Beines von Krongelenk bis zum Sprunggelenk ausgeschaltet wird. Geht das Pferd erst nach Ausschalten des Sprunggelenkes (durch Änästesie des N. tibialis und des N. peroneus) lahmfrei, so ist als Ausgangspunkt des Schmerzes das Sprunggelenk anzunehmen. Eine genauere Lokalisierung kann dann durch intraartikuläre Anästesie der distalen Tarsalgelenke erfolgen. Eine röntgenologische Untersuchung des Sprunggelenks kann hilfreich sein. Sie schließt einerseits Frakturen der Tarsalknochen aus und ermöglicht eine genaue Diagnose und Prognose des Spats. Zu bedenken ist aber, daß gerade im Anfangsstadium von Spat sich noch keine ersichtlichen Veränderungen abzeichnen müssen. Anderseits gibt es Untersuchungen, die zeigen, daß röntgenologische Befunde am Sprunggelenk zu keinen klinischen Befunden führen müssen. Untersucht werden sollte bei Spatverdacht immer beide Hinterbeine, da häufig beide Sprunggelenke betroffen sind. Die Erstellung der Röntgenaufnahmen erfolgt in vier Strahlengängen: dorsopalmar, dorsolateral-plantaromedial oblique, dorsomedial-plantarolateral oblique und lateromedial. Beobachtbare Befunde: periartikuläre Osteophytenbildung, subchondrale Aufhellungszonen aufgrund zystoider Defekte im subchondralen Knochen, subchondrale Skleroese, periostale Zubildungen und Verschmälerungen der Gelenkspalten sowie im fortgeschrittenen Stadium Ankylosenbildung, Knocheneinbrüche. Nicht beobachtbar: Eine Bursitis des Spatsehnenschleimbeutels.

Die Spatbehandung kann konservativ oder operativ erfolgen. Konservativ heißt, daß wie unter Arthrose allgemein beschrieben versucht wird, durch Verabreichung von Medikamenten der klassischen Medizin oder der Naturheilkunde entzündungshemmend und knorpelaufbauend auf den Krankheitsverlauf einzuwirken. In Betracht kommen die bereits im Teil 2 unter Arthrose schlechthin erwähnten Mittel. Die Behandlung sollte durch eine geeignete Hufbearbeitung oder einen orthopädischen Beschlag ergänzt werden. Da Spatpferde zu ihrer Entlastung mit der Hufspitze auffußen, sollte, sofern kein Hufschutz erforderlich ist, dem Spatpferd die Bewegung durch eine steilere Hufstellung und durch Anraspeln einer starken Zehenrichtung erleichtert werden. Eine frei schwebende Zehe erleichtert die Abrollbewegung und schont das schmerzhafte Gelenk. Die Trachten bleiben zur Erzielung der steileren Hufstellung ungekürzt. Ist ein Hufschutz erforderlich, so kann mittels des Einsatzes von Keilen (einseitig, dann meistens innen oder häufiger beidseitig) der Hufwinkel noch steiler gestaltet und die Abrollbewegung noch weiter erleichtert werden. Um eine ausreichende Zehenrichtung zu erzielen, wird der Zehenbereich des Eisens nach oben geknickt bzw. beim Kunststoffbeschlag die vorgegebene Zehenrichtung durch Beraspeln des Beschlags vergrößert. Um ein Einsinken des hinteren Trachtenbereiches in weichem Untergrund zu vermeiden, werden auch geschlossene Eisen mit Steg oder sog. Eiereisen verwendet. Umgekehrt angebrachte Eisen haben den Vorteil, daß der hintere Trachtenbereich unterstützt wird und der Zehenbereich frei in der Luft schwebt. Auch Beschläge mit geschlossener Sohle und Polster können von Vorteil sein, weil sie den Aufprall dämpfen und die Belastung gleichmäßiger am Huf verteilen. Um das erkrankte Sprunggelenk zu entlasten, sind leichte Beschläge aus Kunststoff oder Aluminium vorzuziehen. Gerade in Verbindung mit Keilen ist ein Kunststoffbeschlag wesentlich leichter als ein traditioneller Eisenbeschlag mit aufgeschweißten Keilen. Kunststoff bietet sich auch wegen der besseren Stoßdämpfung an. Klebeschuhe haben den Vorteil, die beim Aufnageln ausgelösten Erschütterungen im Sprunggelenk zu vermeiden. Die Vielfalt der bestehenden Möglichkeiten erfordern eine enge Zusammenarbeit zwischen Schmied und Tierarzt, um einen dem Befund adäquaten Hufbeschlag anzubringen.

Die operative Spatbehandlung kann durch die Durchtrennung der Spatsehne (Tenotomie) - insbesondere dann, wenn der Schleimbeutel das auslösende Moment der Lahmheit ist -, die Durchtrennung der den erkrankten Bereich des Gelenks versorgenden Nerven (Neurektomie) und/oder eine künstlichen Versteifung der erkrankten Gelenkabschnitte (Arthrodese) erfolgen. Zur Auswahl stehen alternative Arthrodesetechniken. Eine Technik besteht darin, den noch vorhandenen Knorpel abzugeschaben, um über eine schnellere Exostosenbildung eine vollständige Ausfüllen des Gelenkspaltes zureichen. Eine andere Technik legt von medial aus drei divergierende Bohrlöcher (Durchmesser 3,2 mm) ungefähr 3 cm durch die tarsometatarsalen und distalen intertarsalen Verbindungen, um dadurch die Ankylosierung (Verknöcherung) der Gelenke zu beschleunigen. Eine dritte Technik erfolgt durch Injektion von Monojodoacetat, einer hoch chondrotoxischen Substanz, welche ebenfalls zur Zerstörung des Gelenkknorpels führt. Sofern nur der untere Gelenksabschnitt betroffen ist, führt die Versteifung des Gelenkes nur zu einer geringen Bewegungseinschränkung, da in diesem Teil des Gelenkes auch bei gesunden Gelenken nur eine geringe Bewegung stattfindet.

Gerade für Spatpferde gilt das bereits unter Arthrose bezüglich Haltungs- und Nutzungsart Gesagte in besonderer Weise. Spatpferde benötigen in hohem Maße gleichmäßige Bewegung in Form von Offenstallhaltung, Weidegang und gezielter Gymnastizierung in Abhängigkeit vom Krankheitsverlauf. Andererseits sind Überbelastungen zu vermeiden. Nötige Ruhezeiten nach Einspritzungen in den Gelenkspalt oder nach Operationen sind einzuhalten.

Schale ist ein Sammelbegriff für verschiedene Formen von Knochenzubildungen, welche an Fessel-, Kron- und Hufbein sowie an den verbindenden Gelenken bevorzugt an den Vorderbeinen vorkommen können. Die sog. hohe Schale tritt vom unteren Ende des Fesselbeins bis ungefähr zur Mitte des Kronbeins auf, die sog. tiefe Schale von der Mitte des Kronbeins abwärts bis zum oberen Ende des Hufbeins. Betrifft die Knochenzubildung nur die glatten Flächen der Knochen, ohne in den Gelenkspalt einzuwachsen, spricht man von gelenksnaher Schale, sind auch die Gelenksflächen von der Knochenzubildung betroffen, spricht man von Gelenkschale. Die Gelenkschale ist die gefährlichere Form, weil sie schwere Gelenksentzündungen und die im Teil 1 beschriebenen arthrotischen Zerstörungen im Gelenk auslösen kann, und insoweit über eine deutlich schlechtere Wiederherstellungsprognose verfügt. Gelenknahe Schalen bleiben häufig unerkannt und führen auch zu keinerlei Beeinträchtigungen, wenn sie nicht an kritischen Stellen liegen.

Schale entsteht durch Reizungen der Knochenhaut, welche zu einer vermehrten und unkontrollierten Bildung von Knochensubstanz führt. Mögliche Auslöser sind:

  • Schläge und Stöße auf die Knochen
  • Überlastungen durch zu starken Zug auf Bänder und Gelenkkapseln, infolge dessen sich die Knochenhaut an deren Ansatzstellen am Knochen mit Entzündungen und Knochenzubildungen reagieren kann
  • Verletzungen, die bis auf den Knochen reichen
Die Überlastung kann als der häufigste Auslöser angesehen werde. Sie ist die Folge einer Überbeanspruchung des Pferdes (Pferd nicht warm geritten, Pferd auf der Vorhand geritten, Pferd übermüdet geritten, starke Drehbewegungen auf der Stelle, schnelle Richtungswechsel im Galopp) häufig begünstigt durch schlechte anatomische Voraussetzungen wie eine steile Fesselung verbunden mit hohe Trachten und kurzen Zehen oder Stellungsfehler (bodenweit, bodeneng, zeheneng). Negativ wirken auch zu lange Beschlagsintervalle mit erkennbarer deutlicher Brechung der seitlichen Zehenachse.

Gelenkschalen weisen zu Beginn oftmals nur eine geringgradige Lahmheit auf, welche sich vergleichbar bei Spat wieder einlaufen kann. Die Lahmheit verschwindet bei längerer Schonung des Pferdes, tritt aber bei Wiederinarbeitnahme bald und meistens verstärkt wieder auf. Gelegentlich kann eine vermehrte Trachtenhufung beobachtet werden. Klarheit schafft nur die röntgenologische Untersuchung, welche die Knochenzubildungen offenbart.

Die Therapie erfolgt mit entzündungshemmenden und die Knochenzubildungen abbauenden Medikamenten bei gleichzeitiger Ruhigstellung des Pferdes. Auch knorpelregenerierende Injektionen und entsprechende Ergänzungsfuttermittel werden eingesetzt. Insbesondere bei der Krongelenkschale tritt nach einer vollständigung Verfüllung des Gelenkspaltes eine natürliche Versteifung des Gelenkes ein, der zu einer Reduktion von Entzündung und Schmerz führt. Dieser Vorgang läßt sich auch chirugisch beschleunigen. Eine in der Regel nicht erwähnte Behandlungsmethode besteht in der Röntgenbestrahlung des erkrankten Bereichs. Eine totale Wiederherstellung des Pferdes ist nur in den allergünstigen Fällen denkbar. Pferde mit Schale können deshalb nach einer Behandlung nur noch mit Einschränkungen gearbeitet werden.

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(Therapie)
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(Podotrochlose, Gleichbeinlahmheit)

 

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