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Infos/Tips auf, unter, um und ums Pferd herum

Gewußt wie! - Basiswissen für den Pferdehalter

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Jeden Pferdehalter wird es früher oder später erwischen: Er wird konfrontiert mit Notfällen der unterschiedlichsten Art: Verletzungen, Koliken, Lahmheiten, inneren Erkrankungen. Von daher stellen sich für jeden Pferdehalter unausweichlich immer zwei Fragen: Wie erkenne ich einen möglichen Notfall? Wie verhalte ich mich im Notfall richtig? Da als Antwort auf die zweite Frage wohl einem sofort die Antwort "Tierarzt verständigen" in den Sinn kommt, sollten wir die Frage umformulieren: Was kann ich tun, bis der Tierarzt eintrifft?

Äußere Verletzungen noch dazu verbunden mit starken Blutungen sind im allgemeinen nicht zu übersehen. Aber auch hier gibt es Ausnahmen: So mancher Nageltritt wird erst zwei Tage später infolge der dann erst einsetzenden Lahmheit erkannt. Auch Lahmheiten sind im allgemeinen nicht zu übersehen, zumindestens nicht mehr ab einem gewissen Stadium. Im Anfangsstadium besteht durchaus die Gefahr, sie zu übersehen, insb. wenn die Lahmheit nicht konstant ausgeprägt ist (z.B. bei der Hufrollenentzündung), mehrere Beine betrifft (z.B. bei einer schleichenden Hufrehe) oder das Pferd sich gar einläuft (z.B. bei Spat). Bei Koliken kann man sich da schon schwerer tun. Wenn sich das Pferd vom Futter wegstellt und nicht mehr weiterfrißt: Harmlose temporäre Fehlgärung, welche drückt, oder drohende Verstopfung? Auch innere Erkrankungen und Verletzungen sind nicht gleich zu erkennen. Wer denkt bei minimalen Mengen von Blut im Nasenausfluß gleich an Pilze, welche die Blutgefäße in der Lunge zerstören, oder beim gelegentlichen Hochschlagen der Hufe gegen den Rumpf an Dünndarmtumore?

Um Notfälle frühzeitig erkennen und richtig als solche einordnen zu können, ist es deshalb wichtig, das normale Verhalten seines Pferdes zu kennen. Freßverhalten, Liegeverhalten, Verhalten in der Herde. Pferde haben ein ausgeprägtes Raum-Tätigkeits-Gefüge, d.h. sie spulen innerhalb von 24 Stunden ein festes Programm ab, wann sie was an welchem Ort machen. Da gibt es Ruhe- und Liegezeiten, Schlafzeiten, Freßzeiten, Spielzeiten, Weidezeiten, Putzzeiten. Da gibt es Ruheplätze, Freßplätze, Spielplätze, Putzplätze. Liegt z.B. ein Pferd zur falschen Zeit am falschen Ort und steht es obendrein beim Herantreten nicht auf, wenn es dies ansonsten macht, dann ist das ein ernstes Alarmsignal. Wird man beim Betreten von Stall oder Weide von seinem Pferd regelmäßig mit einem Wiehern begrüßt, so ist es ein Alarmsignal, wenn es unterbleibt. Stellt sich ein ansonsten verfressenes Pferd von sich aus - kein ranghöheres Pferd drängelt etc. - vom Futter weg, so ist das ein Alarmsignal.

Jetzt ist es an der Zeit, den durch das abweichende Verhalten ausgelösten Verdacht zu erhärten oder zu entkräften. Mögliche Hilfsmittel dafür sind der Pulsschlag, die Atemfrequenz und die Körpertemperatur oder kurz zusammengefaßt die sog. PAT-Werte sowie die Farbe der sichtbaren Schleimhäute, die Kapillarfüllzeit, die Hautelastizität,die Atemgeräusche, die Darmgeräusche (Peristaltik) oder der abgesetzte Kot bzw. Urin (Menge, Konsistenz, Farbe). So sind Atemwerte über dem Normalwert ein ernstzunehmendes Indiz für eine Überforderung des Pferdes. In Kombination mit einem negativ verlaufenden Hautfaltentest signalisieren erhöhte PAT-Werte eine Dehydration (Austrocknung). Beides kann Ursache für Kreislaufprobleme sein. Futterverweigerung und Unruhe gepaart mit erhöhtem Puls deuten auf eine mögliche Kolik hin. Starkes Schwitzen und erhöhte Atemwerte können dabei ebenfalls auftreten. Bei einer Kolik sind auch die Darmgeräusche verändert, also nicht das übliche Einschießen und dann Ruhe und dann wieder Einschießen, sondern entweder total erhöht - sprich es plätschert und gurgelt nonstop (eher bei Fehlgärungen), wie wenn in Heizungsrohren zu viel Luft drin ist - oder es herrscht totale Funkstille (eher bei Krampfkoliken). Besteht die Kolik schon eine geraume Zeit, zeigen sich über die starke Belastung des Kreislaufs auch blasse Schleimhäute. Erhöhte Atemwerte gepaart mit Lustlosigkeit, hängendem Kopf und ein paar Räuspern mehr als gewöhnlich können ein Indiz für eine Atemwegserkrankung sein. Falls diese infektiös ist, ist auch die Körpertemperatur erhöht. Erhöhte Körpertemperatur ist wiederum immer ein Zeichen für eine Infektionskrankheit wie Druse, Lungenentzündung, Darmentzündung etc. Dünner Kot ist entweder ein Anzeichen für Durchfall oder umgekehrt für eine Verstopfung. Bei Durchfall schafft der Mastdarm es nicht mehr, dem Kot das Wasser zu entziehen, bei Verstopfung kann nur noch Wasser die verstopfte Stelle passieren. Nur noch grünbraunes Wasser aus dem After deutet deshalb eher auf eine Verstopfung als auf Durchfall hin. Umgekehrt schließt das Absetzen von Kot keine Verstopfung oder einen Darmverschluß aus. Dies ist leider ein weit verbreiteter Fehlschluß. Trüber und dicker Urin sind meistens ein Zeichen für eine Stoffwechselstörung.

Notfälle sind ausschließlich ein Fall für den Tierarzt. Je früher der Tierarzt verständigt wird, desto weniger Schmerzen muß das Pferd erdulden und desto größer sind in der Regel die Heilungschancen und die Krankheitsdauer. Eigendiagnose und Selbstindikation von Medikamenten können das Krankheitsbild verschlimmern und eine anschließende Behandlung erschweren.

Jeder Pferdehalter sollte sich gedanklich mit der Möglichkeit eines Notfalles schon mal auseinandergesetzt haben, um im Ernstfall nicht in Panik zu geraten. Wie, wo und womit ist was zu tun? Als erstes ist immer der Tierarzt zu verständigen. Diesem sind alle Beobachtungen/Auffälligkeiten am Pferd telefonisch durchzugeben, damit dieser den Ernst der Lage und damit die Dringlichkeit des Besuchs richtig einschätzen kann. Um zu vermeiden, daß man die Nummer des Tierarztes in der Aufregung nicht mehr zusammenbringt, diese unbedingt ins Telefonbuch seines Handy einspeichern und im Stall dieselbe gut sichtbar möglichst beim Telefon anbringen. Dasselbe gilt für die Telefonnummer des tierärztlichen Notdienstes, der nächstgelegenen Tierklinik, eines möglichen Helfer für Erste Hilfe Maßnahmen, den Haltern von Fahrzeugen und Pferdeanhängern, die das Pferd in die Klinik transportieren können, wenn man über keinen eigenen Pferdeanhänger verfügt, und eines möglichen Transportbegleiter.

Ebenso zur Vorsorge für den Notfall gehört ein Erste-Hilfe-Kasten, der folgendes enthalten sollte - nicht zu verwechseln mit der Stallapotheke, die über den Erste-Hilfe-Kasten hinaus für leichte selbstzuversorgende Fälle wie oberflächliche Hautabschürfungen etc. Salben, Sprays, Desinfektionsmittel usw. beinhaltet:

  • Fieberthermometer
  • Verbandsmaterial (sterile Wundkompressen, Mullbinden, Verbandswatte, Dreieckstücher, selbstklebende Haftbandagen - letztere bekommt ihr vom Tierarzt)
  • Pinzette
  • Schere
  • sterile Handschuhe
  • Wassereimer
  • Taschenlampe (Batterien regelmäßig überprüfen/austauschen)
  • ein griffbereites Mini-Erste-Hilfe-Set zum Mitnehmen auf den Transport zur Klinik (Verbandsmaterial, Schere, Handschuhe)
  • Halfter, Strick, Transportgamaschen
  • Schreibzeug, um Anweisungen des Tierarztes zu notieren oder Nachrichten zu hinterlassen
  • Bach-Blüten-Tropfen zur Beruhigung von Pferd und Halter

Zur Vorsorge gehört ebenfalls das Üben des sicheren Transportes des Pferdes, um im Notfall sicher und ohne Zeitverlust in der Klinik anzukommen.

Nach der Verständigung des Tierarztes gilt es die Zeit bis zu seinem Eintreffen für eine mögliche Erstversorgung zu nutzen. Sinnvollerweise hat man den Tierarzt beim Verständigen gefragt, welche Maßnahme er aufgrund der beschriebenen Beobachtungen/Auffälligkeiten für angebracht hält. Dann führt ihre die vorgeschlagenen Maßnahmen durch. Wenn der Tierarzt nicht sofort zu erreichen ist oder ihr vergessen haben solltet, ihn nach möglichen Maßnahmen euererseits zu fragen, dann gilt folgende Vorgehensweise:

  • Pferd an sicheren Ort verbringen.
     
    Das kann heißen bei Offenstallhaltung Pferd aus der Herde herausholen, um Pferd und Helfer vor den anderen Pferden zu schützen, aber auch bei Boxenhaltung Pferd aus der Box herausholen, um z.B. ein Festliegen des Pferdes zu verhindern oder mehr Freifläche um das Pferd herum für eine Wundversorgung zu haben. Das kann aber auch heißen, auf der Weide oder Auslauf vier Zaunpfosten um das Pferd einzurammen und rot-weißes Band herumzuspannen, wenn Pferd festliegt oder wegen einer möglichen Fraktur nicht mehr bewegt werden kann und darf.
     
  • Bei Wunden Wundversorgung einleiten

    Unabhängig von der Art und Lage der Wunde sind hierbei die Grundsätze der Wundversorgung zu beachten:
     

    • Wunden nicht mit bloßen Händen berühren. Das erhöht nur die Infektionsgefahr. Daher auch die Handschuhe im Erste-Hilfe-Kasten.
    • Wunden nicht auswaschen und reinigen. Wenn überhaupt nur mit klarem Wasser. Aber auch hier besteht die Gefahr, eine Blutung durch Wegwaschen geronnenen Blutes wieder neu zu aktivieren.
    • Wunden nicht mit Salben, Puder, Spray oder Desinfektionsmitteln versorgen, wenn diese später vermutlich vom Tierarzt versorgt werden müssen, da das Wundbild verändert und Nähen häufig unmöglich wird. Deshalb sind auch keine dieser Mittel im Erste-Hilfe-Kasten enthalten.
    • Wunde wegen der Infektionsgefahr möglichst keimfrei abdecken. Dazu muß das Abdeckmaterial nicht unbedeckt auf der Wunde liegen, sondern sie einfach nur überdecken, um Kontakt mit möglichen Infektionserregern zu verhindern. Dazu am besten die sterile Kompresse aus dem Erste-Hilfe-Kasten verwenden.
    • Bei starken Blutungen, wenn das Blut pulsierend die Wunde verläßt oder gar davon spritzt, ist ein Druckverband anzulegen.
    • Eingedrungene Fremdkörper nicht entfernen, da ihre Entfernung die Wunde vergrößern, die Blutung verstärken, einen Stichkanal hinter mit dem Fremdkörper eingedrungenen Infektionserregern verschließen, und/oder die Lage und die Tiefe der Wunde für den Tierarzt unerkenntlich machen könnte. Die Entfernung von Fremdkörpern obliegt dem Tierarzt. Die Entfernung eines eingetretenen Nagels, der bis zum Eintreffen des Tierarztes weiter einsinken könnte, bildet die Ausnahme.
    • Ein verletztes Auge ist immer abzudecken/abzudunkeln. Hierbei ist leichtes Material wie Halstuch, Hemd oder Dreieckstuch zu bevorzugen, um Druck auf das Auge zu vermeiden.

  • Equidenpass und Impfausweis bereithalten.
     
    Der Ausweis als Schlachttier oder Nicht-Schlachttier tangiert die Medikamenten-Auswahl des Tierarztes. Der Impfausweis dokumentiert bei offenen Verletzungen den aktuellen Tetanusimpfschutz.
     
  • Keine Medikamente verabreichen
     
    Vorhandene Medikamente (frei verkäufliche oder Altbestände) helfen meistens nicht, verändern möglicherweise das Krankheitsbild für die Diagnose, verschlimmern den Notfall oder führen gar zu Unverträglichkeiten mit später vom Tierarzt verabreichten Medikamenten. Wenn ihr also wider besseren Wissens doch Medikamente verabreicht haben solltet, dann teilt diese unbedingt dem Tierarzt mit.
     
  • Aufrichten eines liegenden Tieres oder Führen eines Pferdes nur nach telefonischer Rücksprache mit dem Tierarzt.
     
  • Ruhe und Gelassenheit ausstrahlen. Diese übertragt sich ebenso wie Unruhe und Panik auf das Pferd.

So weit, so schön. Aber was mach ich, wenn der Notfall beim Ausreiten im Gelände auftritt. Meistens passiert es ganz schnell und ohne Vorwarnung. Pferd scheut und stürzt, tritt in ein enges, tiefes Loch und stürzt, bleibt an einem oft im hohen Gras nicht erkennbaren Gegenstand hängen und stürzt. Blutende Wunden am Pferd durch Stürze gehören zu den häufigsten Verletzungen bei Ausritten im Gelände. Hinzu kommen noch unliebsame Kontakte mit Fremdkörpern, die das Pferd nicht erkennt - verborgen im Gras oder zu unauffällig, um wahrgenommen zu werden -, aber die auch ohne Sturz zu Verletzungen führen können: Glasscherben, Drahtschlingen, Holzbretter mit herausstehenden Nägeln, ... Von daher empfiehlt es sich insbesondere in unbekanntem Gelände erstmal eine unübersichtliche Strecke im Schritt abzureiten, bevor man voll Power losgaloppiert. Auf diese Weise lassen sich z.B. Kaninchenbauten, wilde Müllablagerungen, alte zusammengebrochene Zäune, morsche Holzbrücken rechtzeitig erkennen und alle daraus resultierenden möglichen Konsequenzen im Vorfeld vermeiden.

Das Dumme bei Verletzungen im Gelände ist, daß sich kein Erste-Hilfe-Kasten in Griffweite befindet, im schlimmsten Fall auch kein Helfer weit und breit vorhanden ist und man evtl. auch noch den Heimtransport des Pferdes veranlassen oder zuvor auch noch den Tierarzt an den Unglücksort lotsen muß. Entschärfen kann man diese Situation, indem man immer mindestens zu zweit noch besser zu dritt und immer mit Handy ausreitet, in dem sämtliche Telefonnummern des z.B. Pensionsstalles und der Tierärzte der Umgebung abgespeichert sind. Aber glücklicherweise sind die Verletztungen nicht immer so schlimm, daß man nicht noch den Heimweg per Fuß antreten könnte. Aber zuvor sollte mit den vor Ort gegebenen Möglichkeiten die Verletzungen so gut wie möglich versorgen, um mögliche Komplikationen und damit erschwerte Wundheilungen zu vermeiden. Gleiches gilt natürlich auch, wenn man doch im Notfall auf Helfer oder gar den Tierarzt warten muß.

Wunden sollten zur Vermeidung von Infektionen grundsätzlich abgedeckt werden, sondern es sich nicht um leichte oberflächige Abschürfungen handelt. Dies gilt insbesondere natürlich bei Verletzungen im Beinbereich, wo die Kontaktgefahr mit Schmutz/Erde beim Heimführen am größten ist. Dabei sind genauso wie im Stall die Grundsätze der Wundversorgung zu beachten. Wer jetzt jedoch kein kleines Erste-Hilfe-Set in der Satteltasche mit sich führt, muß improvisieren. Zum Abdecken eignet sich nur möglichst sauberes und nicht fuselndes oder sonstiges sich auflösendes Material. Ein sauberes Stofftaschentuch ja, ein Papiertaschentuch nein. Letzteres klebt auf der Wunde fest und löst sich nicht mehr ablösen. Ein Hals- oder Kopftuch, im Zweifelfall das Hemd oder die Bluse. Letztere dienen nicht nur zur Abdeckung, sondern in Streifen gerissen auch zur Befestigung der Abdeckung. Den Striptease könnt ihr vermeiden, wenn ihr wenigstens eine Kleinigkeit beim Ausritt mitnehmt, die in fast jede Hosen- oder Jackentasche paßt: eine selbstklebende Haftbandage. Und wenn ihr eine Satteltasche dabei habt, dann wäre auch ein Stück sterile Wundkompresse, ein Dreieckstuch und ein elastischer Deckengurt nicht schlecht.

Im Klartext gesprochen, heißt das also bei nicht stark blutenden Wunden: Beschränkt euch darauf, die Wunde möglichst keimfrei abzudecken und führt euer Pferd heim bzw. läßt es mit Anhänger abholen, wenn die Schwere der Verletzung das gebietet. Daheim angekommen könnnt ihr nicht tiefer gehende Hautabschürfungen und kleine, nur oberflächliche Wunden mit glatten Wundrändern (selbständiges Zuammenwachsen ohne Nähen gesichert) selber versorgen, in allen anderen Fällen verständigt bitte den Tierarzt. Das gilt insb. für tiefe Wunden mit unregelmäßigen Wundrändern und erkennbarer Gewebezerstörung, erst recht für Wunden, welche bis auf den Knochen reichen können, und alle Stichwunden einschließlich Nageltritt.

Im folgenden soll auf ausgewählte Einzelfälle, welche beim Ausritt auftreten können, eingegangen werden:

Pferd blutet stark am Bein. Hier ist ein Druckverband unvermeidlich. Da ein Pferd ca. 40 Liter Blut in sich hat und ein Blutverlust daher erst ab 6-7 Litern kritisch wird, verbleibt genügend Zeit. Also keine Panik, wenn sich die Landschaft rot färbt. Am meisten müßt ihr euch beeilen, wenn hellrotes Blut pulsierend aus der Wunde spritzt. In diesem Fall wurde eine Schlagader durchtrennt. Wie ist die Vorgehensweise? Im Idealfall (Verbandsmaterial dabei oder ein gestoppter Autofahrer öffnet seinen Verbandskasten) kommt als erstes eine sterile Wundkompresse auf die Wunde, dann ein Druckpolster aus noch zusammengerollten/verpackten Mullbinden, dann eine Lage Verbandswatte (besonders wichtig bei einem Druckverband an den Beinen, weil da zwischen Haut und Knochen wenig Gewebe/Muskel liegt, so daß ein Druckverband hier die gesamte Blutzufuhr abstellen könnte) und dann wird das ganze mit einer möglichst elastischen Binde fixiert, die von oben nach unten und wieder zurück ums Bein gewickelt wird. Im Notfall nehmt ihr ein sauberes Stofftaschentuch, ein gefaltetes T-Shirt oder einen abgerissenen Hemdsärmel als Wundkompresse, eine geschlossene Packung Papiertaschentücher oder zusammengerollte Socken anstatt der Mullbinden, eine zusammengelegtes Halstuch oder ein T-Shirt anstatt der Verbandswatte und fixiert das ganze mit der selbstklebenden Haftbandage, die ich euch oben ans Herz gelegt habe. Solltet ihr nicht auf mich gehört haben, dann hilft ansonsten nur das Zerreißen eines Hemdes oder einer Bluse in lange Streifen. Blutet der Verband durch, darf der Verband unter keinen Umständen wieder entfernt werden. Er wird vielmehr durch einen zweiten gleichartigen Verband ergänzt. Anschließend muß das Pferd schnellstmöglich zum Tierarzt.

Verletzungen am Rumpf wie sie bei Stürzen oder Wälzenlassen in der Pause durch einen spitzen Stein oder Glasscherben entstehen können, sind ungleich schwerer abzudecken als am Bein, weil die Fixierung der Abdeckung Probleme bereitet. Man kann es mit der selbstklebenden Haftbandage versuchen oder mit einem in Streifen zerrissenem Hemd. Achtung: Pferd muß noch Atmen können. Am besten würde sich ein elastischer Deckengurt, den man zusammengerollt in der Satteltasche mitführen sollte, eignen, da dieser die Atembewegungen des Rumpfes mitmacht. Ein solcher eignet sich auch gut zur Fixierung einer provisorischen Kühlkompresse in Form eines in Wasser getränkten T-Shirts oder eines Schwammes im Falle eines beginnenden Satteldrucks.

Eingedrungene Fremdkörper sollten aus den bereits oben genannten Gründen nicht entfernt werden. Auch ein in den Huf eingetretener Fremdkörper - ungeachtet der Art des Fremdkörpers hat sich hierfür in Reiterkreisen die Bezeichnung Nageltritt eingebürgert, auch wenn die Medizin hier Nageltritt und Hufwunden unterscheidet) sollte möglichst nicht entfernt werden, es sei denn, es besteht die Gefahr, daß der Gegenstand noch weiter eindringt. Also einen Nagel, der bis zum Kopf in der Sohle sitzt, bleibt stecken, ein Nagel, der noch halb raus ragt, sollte entfernt werden. Bei steckengelassenem Nagel kann der Tierarzt per Röntgenbild später feststellen, welche Strukturen des Hufs durch den Nagel verletzt worden sind. Wird der Nagel entfernt, verschließt quellförmiges Horn den Stichkanal und macht die Eintrittsstelle unkenntlich. Merkt euch deshalb auf jeden Fall vor der Entfernung die Stelle des Eindringens (am bestens mit dem Taschenmesser die Sohle anritzen) und Richtung, wie der Nagel in die Sohle/Strahl eingedrungen ist, sowie die Tiefe des Eindringens und nehmt den Nagel mit, um ihn dem Tierarzt zu zeigen. Dies erleichtert dem Tierarzt die Diagnose, welche Teile der Nagel im Huf verletzt haben könnte, ohne eine MRT zu benötigen, die nicht ohne weiteres durchzuführen ist. Nach der Entfernung des Nagels sollte ein Hufverband angelegt werden, um das Eindringen von Schmutz in den Stichkanal zu verhindern. Dazu ein zusammengefaltetes T-Shirt auf die Sohle legen und mit der hoffentlich mitgeführten selbstklebenden Haftbandage den gesamten Hufbereich bis hoch zur Fesselbeuge umwickeln. Zur Polsterung der empfindlichen Fesselbeuge sollte das T-Shirt deshalb in seiner Lage bis in die Fesselbeuge reichen. Anschließend Pferd heimführen und sofort und unbedingt Tierarzt verständigen.

Bei plötzlich auftretender starke Lahmheit sollte das Pferd keinen Schritt weiterbewegt werden. Huf und Bein werden auf äußere Ursachen für eine Lahmheit abgesucht: Eingetretener Nagel, eingeklemmter Stein, angelaufene Sehne. Sind keine äußeren Ursachen erkennbar, sollte das Pferd für ca. 10 Minuten ruhig auf der Stelle gehalten werde. Besteht die Lahmheit unverändert stark fort, sind auch Prellungen/Zerrungen auszuschließen und es besteht die Gefahr eines Sehnenan- oder abrisses oder eines Muskelrisses oder gar einer Fraktur oder Fissur. In all dieses Fällen muß das Pferd an Ort und Stelle verladen werden, möglichst sogar erst nach Eintreffen des Tierarztes, der evtl. einen Stützverband anbringen muß.

Diese, ähnliche und weitere Erste-Hilfe-Tipps findet ihr u.a. in:

Dot Bis der Tierarzt kommt - Erste Hilfe für Pferde

von Jürgen Bartz, erschienen im KOSMOS Verlag 2008 in der Reihe Pferdegesundheit,
144 S., 19,95 EUR, ISBN 978-3-440-11297-7
 

Dot Notfallbuch für Geländereiter

von Gisela Rau, erschienen im KOSMOS Verlag in der Reihe Kosmos Ratgeber,
1. Auflage 2003, 21 x 17 x 1,2 cm, 64S., 7,95 EUR, ISBN 978-3-440-09342-5
 

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